Und genau das isses, man kann eben nicht alles anhand des Marktes bestimmen. Die Wechselwirkungen oder Angebot und Nachfrage auf dem Markt spielen zwar eine Rolle, aber sind nicht wirklich entscheidend. Der neoliberale Weg der gerade verfolgt wird, zielt ja darauf ab möglichst Konkurenzfähig mit allen Ländern zu sein, das unser Export immer richtig hoch ist und dadurch die Wirtschaft stärkt. Aber die Bilanzen interessieren uns Bürger null. Die bringen uns garnichts. Gehts irgendeinem besser seitdem wir so ne tolle Wirtschaft haben und schwarze Zahlen schreiben? Im Gegenteil. Denn die Nachteile des Neoliberalismus, sind Lohndumping und eine Verschiebung des Reichtums. Ohne das Lohndumping könnten wir nicht solche Exportwerte erzielen. Das wird sogar öfters mal erwähnt von dem ein oder anderem neoliberalen Politiker oder "Experten" aber anscheinend sind da noch nicht genügend von betroffen das sich dagegen mal was auftut. Und deshalb liegt es vor allem an dieser neoliberalen Denkweise das es bei uns mittlerweile die meisten Armen in Europa gibt - http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/e ... 42944.html - oder - http://www.nachdenkseiten.de/?p=16898#h01. Und liberal und neoliberal geben sich gerne die Hand und ich kann da eigentlich nur nach Links schauen, da sehe ich wenigstens Menschen ^^ !!alx-2009 hat geschrieben: Da würde ich gerne ein kompetente Antwort geben, aber dafür kenne ich mich in dem Bereich nicht gut genug aus.
Als alter Liberalisierer würde ich schätzen das es in der Pflege einfach keinen funktionierenden privatwirtschaftlichen Markt gibt, der nun mal für eine Angebots-Nachfrage Reaktion nötig ist. Hier ist alles mit komplexen staatlichen Restriktionen und Wirkungsbeziehungen durchsetzt.
Allerdings, die Pflege komplett in privater Hand... naja.
Xbox One: Bundesbeauftragter für Datenschutz bezeichnet die Konsole als "Überwachungsgerät"
Moderatoren: Moderatoren, Redakteure
-
Freakstyles
- Beiträge: 2638
- Registriert: 13.10.2004 10:07
- User ist gesperrt.
- Persönliche Nachricht:
Re: Xbox One: Bundesbeauftragter für Datenschutz bezeichnet
Zuletzt geändert von Freakstyles am 28.05.2013 17:20, insgesamt 1-mal geändert.
- Kajetan
- Beiträge: 27139
- Registriert: 13.04.2004 10:26
- Persönliche Nachricht:
Re: Xbox One: Bundesbeauftragter für Datenschutz bezeichnet
Pflege ist teuer, weil hier alles aus menschlicher Arbeitskraft besteht und nichts automatisiert werden kann, auch wenn die Japaner immer wieder creepy Roboter bauen. Deswegen spart man überall und halst den Leuten immense Arbeitsleistungen zu einem Hungerlohn auf. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich der Träger einer Pflegeinrichtung in privater, in kirchlicher oder staatlicher Hand befindet. Überall wird das Pflegepersonal hemmungslos ausgebeutet. Und Pflege wird umso teurer, je länger die Menschen leben, weil mit jedem Jahr der Pflegeaufwand steigt, weil Körper & Geist unaufhaltsam nachlassen.alx-2009 hat geschrieben: Als alter Liberalisierer würde ich schätzen das es in der Pflege einfach keinen funktionierenden privatwirtschaftlichen Markt gibt, der nun mal für eine Angebots-Nachfrage Reaktion nötig ist. Hier ist alles mit komplexen staatlichen Restriktionen und Wirkungsbeziehungen durchsetzt.
Allerdings, die Pflege komplett in privater Hand... naja.
Ist halt die Frage, wollen wir unsere Eltern in Würde altern sehen? Wenn ja, wollen wir auch dafür bezahlen? Und wie sieht es mit uns aus? Wir werden auch nicht jünger ...
-
alx-2009
- Beiträge: 94
- Registriert: 30.10.2010 19:42
- Persönliche Nachricht:
Re: Xbox One: Bundesbeauftragter für Datenschutz bezeichnet
Das Pflege teuer ist ist klar. Das beantwortet aber nicht die Frage warum bei so massivem Mangel an Fachkräften es nicht zu steigenden Löhnen kommt. Man müsste ja meinen, dass sich ein findiger Geschäftsmann findet, der ein Pflegeheim eröffnet, deutlich bessere Arbeitsbedingungen (insbesondere Lohn) und somit eine viel bessere Versorgung als normale Heime bietet, natürlich für einen extra Obolus, und alle Pflegekräfte im Raum zu sich zieht. Was zu Folge hat das andere Nachziehen müssen und sich die Branche neu orientiert (ganz ganz simpel und kurz gefasst).Kajetan hat geschrieben:Pflege ist teuer, weil hier alles aus menschlicher Arbeitskraft besteht und nichts automatisiert werden kann, auch wenn die Japaner immer wieder creepy Roboter bauen. Deswegen spart man überall und halst den Leuten immense Arbeitsleistungen zu einem Hungerlohn auf. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich der Träger einer Pflegeinrichtung in privater, in kirchlicher oder staatlicher Hand befindet. Überall wird das Pflegepersonal hemmungslos ausgebeutet. Und Pflege wird umso teurer, je länger die Menschen leben, weil mit jedem Jahr der Pflegeaufwand steigt, weil Körper & Geist unaufhaltsam nachlassen.alx-2009 hat geschrieben: Als alter Liberalisierer würde ich schätzen das es in der Pflege einfach keinen funktionierenden privatwirtschaftlichen Markt gibt, der nun mal für eine Angebots-Nachfrage Reaktion nötig ist. Hier ist alles mit komplexen staatlichen Restriktionen und Wirkungsbeziehungen durchsetzt.
Allerdings, die Pflege komplett in privater Hand... naja.
Ist halt die Frage, wollen wir unsere Eltern in Würde altern sehen? Wenn ja, wollen wir auch dafür bezahlen? Und wie sieht es mit uns aus? Wir werden auch nicht jünger ...
Das passiert aber nicht. Daher liegt die Vermutung nahe das hier der Markt außer Kraft gesetzt ist oder ganz simpel wir einfach nicht mehr Geld für die Pflege für unsere Alten bezahlen wollen/können.
Wenn letzteres der Fall ist, ist das ein Armutszeugnis aber dann hilft denen auch ein Grundeinkommen nicht weiter, oder ein Mindestlohn. Die Arbeitsbedingungen werden einfach immer schlechter. Wo soll auch das zusätzliche Geld beim Mindestlohn herkommen?
- Wigggenz
- Beiträge: 7449
- Registriert: 08.02.2011 19:10
- Persönliche Nachricht:
Re: Xbox One: Bundesbeauftragter für Datenschutz bezeichnet
Ist Adam Smith von den Toten auferstanden und geistert hier durchs Forum?
- ZackeZells
- Beiträge: 5959
- Registriert: 08.12.2007 13:09
- Persönliche Nachricht:
Re: Xbox One: Bundesbeauftragter für Datenschutz bezeichnet
Jupp - er bildet mit John Locke das dynamische Duo und beide laufen zur Bestform auf^^Wigggenz hat geschrieben:Ist Adam Smith von den Toten auferstanden und geistert hier durchs Forum?
-
Armin
- Beiträge: 2667
- Registriert: 30.01.2003 13:05
- Persönliche Nachricht:
Re: Xbox One: Bundesbeauftragter für Datenschutz bezeichnet
Adam Smith war sowieso high, "Home bias", laecherlich!
-
swampshark
- Beiträge: 14
- Registriert: 19.11.2011 14:23
- Persönliche Nachricht:
Re: Xbox One: Bundesbeauftragter für Datenschutz bezeichnet
Wir kommen vom Thema ab Leute ! Ich kauf mir die neue Snitch-Box und halte mind. 1x am Tag meinen Arsch in die Kamera, führe lustige Tänze auf und zocke im Hintergrund Game Boy
Und da ich mich mit dieser Aussage nur profilieren möchte bitte ich vielmals um Verzeihung !
- De_Montferrat
- Beiträge: 1515
- Registriert: 10.06.2012 17:52
- Persönliche Nachricht:
Re: Xbox One: Bundesbeauftragter für Datenschutz bezeichnet
Wieso denn eigene, gut ausgebildete Arbeitskräfte (besser) bezahlen, wenn man sich diese auch billig aus dem Ausland (auch aus dem Rest der EU) importieren kann? Oder was denkt manch einer, warum gerade Spanier, Polen, Chinesen, Philippinen, etc. als Pflegekräfte hierher gekarrt werden (sollen)? Die sollen die Arbeit für einen niedrigen Lohn machen, den die Leute hier nicht akzeptieren (würden).alx-2009 hat geschrieben: Das Pflege teuer ist ist klar. Das beantwortet aber nicht die Frage warum bei so massivem Mangel an Fachkräften es nicht zu steigenden Löhnen kommt. Man müsste ja meinen, dass sich ein findiger Geschäftsmann findet, der ein Pflegeheim eröffnet, deutlich bessere Arbeitsbedingungen (insbesondere Lohn) und somit eine viel bessere Versorgung als normale Heime bietet, natürlich für einen extra Obolus, und alle Pflegekräfte im Raum zu sich zieht. Was zu Folge hat das andere Nachziehen müssen und sich die Branche neu orientiert (ganz ganz simpel und kurz gefasst).
Das passiert aber nicht. Daher liegt die Vermutung nahe das hier der Markt außer Kraft gesetzt ist oder ganz simpel wir einfach nicht mehr Geld für die Pflege für unsere Alten bezahlen wollen/können.
Wenn letzteres der Fall ist, ist das ein Armutszeugnis aber dann hilft denen auch ein Grundeinkommen nicht weiter, oder ein Mindestlohn. Die Arbeitsbedingungen werden einfach immer schlechter. Wo soll auch das zusätzliche Geld beim Mindestlohn herkommen?
-
alx-2009
- Beiträge: 94
- Registriert: 30.10.2010 19:42
- Persönliche Nachricht:
Re: Xbox One: Bundesbeauftragter für Datenschutz bezeichnet
Weil man diese nur unter bestimmten Umständen in Pflegeheimen beschäftigen darf. Davon abgesehen wäre das so einfach, dann hätten wir das Problem der fehlenden Pflegekräfte nicht. Sollten wir das erlauben, dann ist uns auch nicht mehr zu helfen.De_Montferrat hat geschrieben:Wieso denn eigene, gut ausgebildete Arbeitskräfte (besser) bezahlen, wenn man sich diese auch billig aus dem Ausland (auch aus dem Rest der EU) importieren kann? Oder was denkt manch einer, warum gerade Spanier, Polen, Chinesen, Philippinen, etc. als Pflegekräfte hierher gekarrt werden (sollen)? Die sollen die Arbeit für einen niedrigen Lohn machen, den die Leute hier nicht akzeptieren (würden).alx-2009 hat geschrieben: Das Pflege teuer ist ist klar. Das beantwortet aber nicht die Frage warum bei so massivem Mangel an Fachkräften es nicht zu steigenden Löhnen kommt. Man müsste ja meinen, dass sich ein findiger Geschäftsmann findet, der ein Pflegeheim eröffnet, deutlich bessere Arbeitsbedingungen (insbesondere Lohn) und somit eine viel bessere Versorgung als normale Heime bietet, natürlich für einen extra Obolus, und alle Pflegekräfte im Raum zu sich zieht. Was zu Folge hat das andere Nachziehen müssen und sich die Branche neu orientiert (ganz ganz simpel und kurz gefasst).
Das passiert aber nicht. Daher liegt die Vermutung nahe das hier der Markt außer Kraft gesetzt ist oder ganz simpel wir einfach nicht mehr Geld für die Pflege für unsere Alten bezahlen wollen/können.
Wenn letzteres der Fall ist, ist das ein Armutszeugnis aber dann hilft denen auch ein Grundeinkommen nicht weiter, oder ein Mindestlohn. Die Arbeitsbedingungen werden einfach immer schlechter. Wo soll auch das zusätzliche Geld beim Mindestlohn herkommen?
Du kannst ja mal versuchen ein paar Chinesen mit gebrochenem Deutsch deinen Kunden (Patienten) als kompetente Pfleger zu verkaufen. Ich glaube dir würden die Kunden weglaufen.
Warum eigene Arbeitskräfte besser bezahlen?
Gut bezahlte Pfleger = bessere Laune = besser Versorgung der Patienten = deine Leistung wird besser. (nicht immer, nicht kausal). Du kannst einen höheren Gewinnaufschlag verlangen.
So zumindest die Theorie. Da aber niemand das zusätzliche Geld in die Hand nehmen will um eine ordentliche Pflege auch zu bezahlen. Ist das pure Utopie.
- De_Montferrat
- Beiträge: 1515
- Registriert: 10.06.2012 17:52
- Persönliche Nachricht:
Re: Xbox One: Bundesbeauftragter für Datenschutz bezeichnet
Du hast aber mitbekommen, dass das alles gerade in Testläufen probiert wird? Neben den Spaniern, Polen, etc. werden nun auch Chinesen und Philippinen als Pflegekräfte importiert. Das war jetzt keine Theorie, sondern wird tatsächlich so gemacht.alx-2009 hat geschrieben: Weil man diese nur unter bestimmten Umständen in Pflegeheimen beschäftigen darf. Davon abgesehen wäre das so einfach, dann hätten wir das Problem der fehlenden Pflegekräfte nicht. Sollten wir das erlauben, dann ist uns auch nicht mehr zu helfen.
Du kannst ja mal versuchen ein paar Chinesen mit gebrochenem Deutsch deinen Kunden (Patienten) als kompetente Pfleger zu verkaufen. Ich glaube dir würden die Kunden weglaufen.
Warum eigene Arbeitskräfte besser bezahlen?
Gut bezahlte Pfleger = bessere Laune = besser Versorgung der Patienten = deine Leistung wird besser. (nicht immer, nicht kausal). Du kannst einen höheren Gewinnaufschlag verlangen.
So zumindest die Theorie. Da aber niemand das zusätzliche Geld in die Hand nehmen will um eine ordentliche Pflege auch zu bezahlen. Ist das pure Utopie.
Das wir einen Fachkräftemangel haben, halte ich ohnehin für ein Märchen und eine Ausrede, damit sich die Firmen Billig-Lohn-Arbeiter importieren können. Wieso nicht das eigene Potential im eigenen Land nutzen und ausbilden (und/ oder besser bezahlen)? Ach ich vergaß, wir haben ja einen Fachkräftemangel und eine "historisch" niedrige Arbeitslosenzahl. Da ist also niemand, den man um- oder ausbilden könnte.
-
alx-2009
- Beiträge: 94
- Registriert: 30.10.2010 19:42
- Persönliche Nachricht:
Re: Xbox One: Bundesbeauftragter für Datenschutz bezeichnet
Nein das war mir neu, aber wie ich schon angedeutet habe "Ein hoher bürokratischer Aufwand bei der Berufsanerkennung, unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern sowie fehlende Deutschkenntnisse seien große Hindernisse" .So einfach scheint es nicht zu sein. "ZAV-Sprecherin Marion Rang. „Allein mit ausländischen Kräften wird die Lücke nicht zu schließen sein.“" Das ist also keine Lösung.De_Montferrat hat geschrieben:SpoilerShowDu hast aber mitbekommen, dass das alles gerade in Testläufen probiert wird? Neben den Spaniern, Polen, etc. werden nun auch Chinesen und Philippinen als Pflegekräfte importiert. Das war jetzt keine Theorie, sondern wird tatsächlich so gemacht.alx-2009 hat geschrieben: Weil man diese nur unter bestimmten Umständen in Pflegeheimen beschäftigen darf. Davon abgesehen wäre das so einfach, dann hätten wir das Problem der fehlenden Pflegekräfte nicht. Sollten wir das erlauben, dann ist uns auch nicht mehr zu helfen.
Du kannst ja mal versuchen ein paar Chinesen mit gebrochenem Deutsch deinen Kunden (Patienten) als kompetente Pfleger zu verkaufen. Ich glaube dir würden die Kunden weglaufen.
Warum eigene Arbeitskräfte besser bezahlen?
Gut bezahlte Pfleger = bessere Laune = besser Versorgung der Patienten = deine Leistung wird besser. (nicht immer, nicht kausal). Du kannst einen höheren Gewinnaufschlag verlangen.
So zumindest die Theorie. Da aber niemand das zusätzliche Geld in die Hand nehmen will um eine ordentliche Pflege auch zu bezahlen. Ist das pure Utopie.
Das wir einen Fachkräftemangel haben, halte ich ohnehin für ein Märchen und eine Ausrede, damit sich die Firmen Billig-Lohn-Arbeiter importieren können. Wieso nicht das eigene Potential im eigenen Land nutzen und ausbilden (und/ oder besser bezahlen)? Ach ich vergaß, wir haben ja einen Fachkräftemangel und eine "historisch" niedrige Arbeitslosenzahl. Da ist also niemand, den man um- oder ausbilden könnte.
Und was willst du damit sagen? Die gierigen Pflegeheime? Wie Kajetan beschrieben hat wird die Pflege immer teurer, aber wir wollen keine höheren Preise zahlen. Wir können nur den Pflegerinnen und Pflegern danken die diese Situation aushalten. Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit ist unabhängig von den Heimen und ich würde ihr nicht unbedingt unterstellen das sie versucht die Pflegeheime im Lohndumping zu unterstützen.
Also da ich berufswegen viele Mittelständler aus vielen Branchen kenne, weiß ich das wir einen Fachkräftemangel haben. Nur nicht überall und in jeder Branche. Ich will mal erleben wie du denen erzählst das sie mehr bezahlen sollen, da fängst du dir gleich eine
Das wir das Potential im eigenen Land besser nutzen und ausbilden sollten, das ist vollkommen richtig und war ja mein Grundgedanke.
- Exedus
- Beiträge: 6125
- Registriert: 06.09.2008 23:50
- Persönliche Nachricht:
Re: Xbox One: Bundesbeauftragter für Datenschutz bezeichnet
Als ob es jemanden interessieren würde was die Patienten denken.Du kannst ja mal versuchen ein paar Chinesen mit gebrochenem Deutsch deinen Kunden (Patienten) als kompetente Pfleger zu verkaufen.
- saxxon.de
- Beiträge: 3715
- Registriert: 29.03.2004 18:43
- Persönliche Nachricht:
Re: Xbox One: Bundesbeauftragter für Datenschutz bezeichnet
Als in Deutschland ausgebildeter Gesundheits- und Krankenpfleger mit entsprechendem Examen und Arbeitsplatz in einem regionalen, kirchlichen Krankenhaus muss ich an dieser Stelle mal einschreiten.alx-2009 hat geschrieben: Gut bezahlte Pfleger = bessere Laune = besser Versorgung der Patienten = deine Leistung wird besser. (nicht immer, nicht kausal).
Gerade wenn man als Pflegekraft auf Intensivstationen arbeitet oder im Operationssaal und hoch qualifiziert ist durch diverse Fort- und Weiterbildungen kann man zumindest genug verdienen um auch mal einen schönen Urlaub bezahlen zu können. Dass Pflegekräfte im Krankenhaus oft mehr leisten müssen als die Ärzte und dennoch nur einen Bruchteil dessen verdienen, steht auf einem anderen Blatt.
Das Problem, das Pflege in Deutschland hat ist ein facettenreiches.
Zum einen nimmt durch den demographischen Wandel und den Kapitalismus und die damit verbundene Pflicht, beim ständigen Wachstum mitzumachen um wirtschaftlich tragbar zu bleiben die Arbeitsverdichtung massiv zu. Ich z.B. bin regelmäßig im Dienst mit 2 Kollegen für rund 40 Patienten. Gerade auf z.B. einer Station für innere Medizin kann das alles Mögliche umfassen, von einfachen Bauschmerzen bis zum Patienten mit Leberzirrhose, der in seinen letzten Atemzügen liegt und zusehends jeden Tag ein Stückchen stirbt, bis man ihn dann mal tot im Bett findet. Das Aufgabenspektrum ist also sehr groß.
Dazu kommt, dass viel meiner Zeit sinnlos verschwendet wird. Mein beruflicher Auftrag im Krankenhaus ist es, dafür zu sorgen, dass die Patienten so schnell wie möglich wieder so selbstständig wie möglich werden, um ihren Alltag nach der Entlassung möglichst eigenständig bewältigen zu können. Dazu evaluiere ich, welche Ressourcen der Patient hat (körperliche Möglichkeiten, Wohnsituation, soziales Umfeld usw) und nutze diese. Alles, was der Patient selbst kann, soll er selbst machen, beim Rest helfe ich. Ich berate bzgl. der Wohnsituation und hole die Angehörigen mit ins Boot. Wo Hilfe benötigt wird, unterstütze ich pflegerisch. Das ist das Profil meines Berufes, das ist die Aufgabe von Pflegekräften.
Oft sind Patienten aber anderer Meinung und erwarten, dass man alles für sie übernimmt. So verschwendet man nutzlos Zeit bei jemandem, der eigentlich wenig bis keine Hilfe benötigt, die einem dann wieder für andere Menschen fehlt, die wirklich Hilfe brauchen. Ich beschwere mich hier jetzt nicht gerade darüber, dass mir meine Patienten zu anstrengend sind, sondern ich will darauf hinaus, dass ich jeden Tag auf einem schmalen Grat wandere. Einerseits muss ich viele Bitten um Hilfe ablehnen, weil ich dem Patienten mehr schade als helfe, wenn ich ihm gewisse Dinge abnehme, andererseits ist der Druck aus den Chefetagen sehr hoch. Die Patientenzufriedenheit ist grundsätzlich enorm wichtig, denn diese sind immerhin die Kunden des Krankenhauses, so perfide das auch klingt und so sehr es mir widerstrebt, das so zu sehen. Also wird Qualitätsmanagement betrieben und eine Beschwerde eines Patienten zieht schnell echte Konsequenzen gegenüber der Pflegekraft nach sich.
Worauf ich hinaus will: Es geht nicht allein um die Bezahlung, sondern darum, dass man als Pflegekraft von allen Seiten Druck ausgesetzt ist, die Arbeitsverdichtung immer weiter zunimmt und man zunehmend allein gelassen wird mit all dem.
Nur als Beispiel zum Thema Arbeitsverdichtung: Ich selbst habe letzte Woche von Montag bis Freitag bei uns im OP gearbeitet. Samstag habe ich eine Schicht auf der chirurgischen Station gearbeitet, von Sonntag auf Montag dort eine Nachtschicht gemacht, heute war ich zum Frühdienst (Dienstbeginn: 6 Uhr) auf einer inneren Station und ich arbeite noch bis kommenden Freitag durch. Jeden Tag 7 Stunden, keinen Tag frei, 12 Tage am Stück und zwischendrin noch nichtmal Zeit, nach der Nachtschicht meinen Schlafrhythmus wieder umzustellen. Und nebenher war dieses das 3. Wochenende diesen Monat an dem ich Dienst hatte. Sogenannte "kurze Wechsel" finden ebenfalls jede Woche statt - das bedeutet den Wechsel von Spät- auf Frühdienst. Soll heißen: Ich habe Abends um kurz vor 9 Feierabend und fange am nächsten Morgen um 6 wieder an. Dazwischen liegen 9 Stunden, von denen nochmal eine für den Arbeitsweg abgeht, jeweils eine Abends und Morgens zum Waschen & Co. Wir reden also von 6 Stunden, die effektiv zum schlafen bleiben, wovon auch nochmal ein bisschen Zeit abgeht, denn wer kann schon gleich nach der Arbeit einschlafen. Effektiv schlafe ich in solchen Nächten rund 5 Stunden und bin morgens wie gerädert. Keine guten Voraussetzungen, wenn man sich mal klar macht, dass ich jeden Tag voll konzentriert bei der Sache sein muss, weil ich sonst im Extremfall riskiere, jemanden umzubringen (und dann nach deutscher Gesetzgebung auch noch Schuld bin). Diese kurzen Wechsel sind keine Ausnahme. Sie sind die Regel. In allen deutschen Pflegeeinrichtungen. 'Nuff said.
Ein weiteres Problem von Pflege in Deutschland ist, dass sie keine Lobby hat. Ärzte haben den Marburger Bund und die Bundesärztekammer. Dort sind sie organisiert und haben eine Stimme, mit der sie sich durchsetzen können.
Bei Pflege ist das Bild ein ganz anderes. Rund 50 Gewerkschaften, die alle ihr eigenes Süppchen kochen ziehen niemals am selben Strang. Daraus ergibt sich dass Pflege kein Organ hat, das sich für sie einsetzt und z.B. niemals organisiert streiken kann. Den meisten Erfolg erzielt hier immer noch Ver.di, aber selbst dort ist nur ein Bruchteil der Pflegekräfte in Deutschland organisiert.
Fachkräftemangel in der Pflege? Kein Wunder, bei so unattraktiven Berufsanforderungen, oder?
Wer heute noch in der Pflege anfängt ist in der Regel, so wie ich, jemand der das aus Überzeugung macht und der seinen Beruf liebt, für all die schönen und einzigartigen Momente die man erlebt. Vom warmen, herzlichen Dank eines Menschen, dem man in einer schweren Zeit wirklich helfen konnte bis zu den strahlenden Augen mit denen einen ein Neugeborenes in den ersten Minuten seines Lebens ansieht. Auf Dauer ist das aber kaum genug, denn irgendwann ist jeder einfach kaputt.
Letzter Fakt - schon gewusst? Pflegekräfte sind in der Regel höheren, körperlichen Belastungen ausgesetzt als Bauarbeiter, weil diese jede Menge Hilfsmittel einsetzen können, was in der Pflege, besonders im Krankenhaus immer nur sehr begrenzt möglich ist. Ich laufe übrigens bei der Arbeit jeden Tag im Schnitt 11 Kilometer. Dazu kommt dann noch jede Menge schweres heben und das aus äusserst ungesunden Körperhaltungen heraus. Das momentane Durchschnittsalter, mit dem Pflegekräfte aus dem Beruf ausscheiden, weil sie körperlich geschädigt sind, liegt bei 35 (!) Jahren.
Ich könnte noch lange so weiter schreiben, aber an dieser Stelle mache ich mal einen Cut, denn eigentlich geht es hier ja nicht darum, wie alarmierend der Zustand der Pflegebranche in Deutschland ist, sondern um die Xbox One, wobei das ja nun inzwischen auch keinen mehr zu interessieren scheint.
Zuletzt geändert von saxxon.de am 28.05.2013 20:51, insgesamt 1-mal geändert.
- Asturaetus
- Beiträge: 438
- Registriert: 08.03.2012 12:39
- Persönliche Nachricht:
Re: Xbox One: Bundesbeauftragter für Datenschutz bezeichnet
Da sage ich mal danke für den interessanten Beitrag.
Nur so als Randfrage um das Ganze in den Kontext der vorigen Diskussion zu bringen - wie wäre dann deine Einstellung zu einem bedingungslosen Grundeinkommen? Welche Auswirkungen würdest du auf dich konkret bzw. deinen Berufsstand/Arbeitsumfeld erwarten?
Nur so als Randfrage um das Ganze in den Kontext der vorigen Diskussion zu bringen - wie wäre dann deine Einstellung zu einem bedingungslosen Grundeinkommen? Welche Auswirkungen würdest du auf dich konkret bzw. deinen Berufsstand/Arbeitsumfeld erwarten?
-
Pepper21
- Beiträge: 42
- Registriert: 28.05.2013 20:46
- Persönliche Nachricht:
Re: Xbox One: Bundesbeauftragter für Datenschutz bezeichnet
Ganz einfach:
Wir leben im Kapitalismus, somit steht das Geld im Mittelpunkt und nicht der Mensch.
Pfleger erreichen nichts um irgendwie Profit zu machen für den Staat, das heißt aber nicht,
dass sie unwichtig in meinen Augen sind.
PS: Find das Statement vom vorherigen keinesfalls uninteressant.
BTT:
Ich sehe das genauso wie der Bundesbeauftragte.
Man schaut sich nur an, wie Microsoft offiziell Skype abhorcht und mit CIA etc. teilt.
Witzig das heut bei Simpsons die Folge kam, wo falsche Lehrer das perfekte Spielzeug über
Marktanalyse erreichen wollten und in einer Szene sich über Microsoft lustig machen ^^
Wir leben im Kapitalismus, somit steht das Geld im Mittelpunkt und nicht der Mensch.
Pfleger erreichen nichts um irgendwie Profit zu machen für den Staat, das heißt aber nicht,
dass sie unwichtig in meinen Augen sind.
PS: Find das Statement vom vorherigen keinesfalls uninteressant.
BTT:
Ich sehe das genauso wie der Bundesbeauftragte.
Man schaut sich nur an, wie Microsoft offiziell Skype abhorcht und mit CIA etc. teilt.
Witzig das heut bei Simpsons die Folge kam, wo falsche Lehrer das perfekte Spielzeug über
Marktanalyse erreichen wollten und in einer Szene sich über Microsoft lustig machen ^^
