Wulgaru hat geschrieben:Genau deinen Vorschlag für eine Herangehensweise meine ich ja...man muss sich da erst einmal ein gewisses Schema konstruieren um überhaupt irgendeinen Einfluss in irgendeiner Weise festzustellen. Ich glaube aber kaum das man dabei so unbefleckt herangeht. Dieses Thema stünde hochgradig unter der Gefahr nur nach bestätigenden Antworten für seine Hypothesen zu suchen, weil ja die Unterstellung von einer männlichen Gesellschaft die Amokläufe auslöst schon einmal eine so spezielle Vorannahme ist, dass an unvoreingenommene Herangehensweise gar nicht gedacht werden kann. Anita scheint da aber wie gesagt mehr zu wissen, da es für sie ein Fakt zu sein scheint und das kann man eben massiv kritisieren.
Das Problem der Voreingenommenheit ist immer vorhanden, ja. Und Teile der Gender-Studies wären die letzten, die ich davon freisprechen würde. Aber Einflüsse kann man leider nicht präzise messen. Wenn ein Schüler im schwarzen Mantel die Pumpgun auspackt, werde ich anschließend nie sagen können: OK: zu 10% war dafür Mobbing in der Schule verantwortlich, zu 12% eine Vergewaltigung in seiner Kindheit, zu 30% eine Persönlichkeitsstörung, zu 17% ein hormonelles Ungleichgewicht, zu 15% ein perverses Männlichkeitsbild (durch den militaristischen Nazi-Prügel-Vater vermittelt), zu 9% Peergroups....
Daher finde ich die Annahme, DASS es einen gewissen Einfluss durch vermittelte Bilder, Sprache und Paradigmen auf unser Denken und Handeln gibt, sogar geben muss, schon sehr vernünftig. Da lagen etliche Poststrukturalisten glaube ich schon nicht so ganz falsch. Ansonsten könnte man sich die Diskursanalyse als Instrument auch komplett schenken. Wie übrigens auf der anderen Seite (der Input-Seite) auch die Werbung, die Propaganda, den Lobbyismus, politische Leitbilder, tradierte Wertevermittlung etc. Und natürlich ist das kein aus den Fingern gesogenes Axiom, es gibt hunderte von Studien zu Rassismus, Faschismus, Sexismus, auch in ihren historischen Dimensionen, die allesamt nahelegen, dass Menschen zu jeder Zeit und an jedem Ort massiv von den gängigen Rollenbildern, Klischees und den entsprechenden Ableitungen (z.B. Ressentiments, Hass) geprägt wurden.
Unseriös wird es erst an dem Punkt, an dem ich mit monokausalen Brachial-Manifesten um die Ecke komme oder bewusste Hetze à la Manfred Spitzer betreibe.
Bei Sarkeesian lese ich zunächst nur heraus, dass sie einen Einfluss von fragwürdigen Männlichkeitsidealen und darauf bezogenen Handlungsmustern AUCH bei extrem seltenen Gewalttaten für gegeben hält. [Ich tue das btw. auch, warum sollte man das denn ausklammern?] Ich lese nicht heraus, dass sie NUR diesen Einfluss als kausal akzeptieren würde. Kann gut sein, dass sie in anderen Posts/Tweets in diese Ecke abdriftet, das weiß ich nicht. Dass sie scheinbar meint, mit einem Bibi-Blocksberg'esken-Diskurs-"Hex-Hex!" könne man das zukünftig just in time noch gerade so verhindern, das habe ich ja ebenfalls deutlich als kulturwissenschaftliche Hybris kritisiert. Vielleicht können wir uns da auf eine forschungsideologische Selbstüberhöhung einigen, die sie allerdings sicher nicht exklusiv innehat.
@Scipione: Sorry, aber für eine ernsthafte Antwort ist mir das einfach zu tief unten, das macht mein Rücken auch gar nicht mehr mit. Machst du das jetzt etwa extra? Findest du das argumentativ nicht langsam selbst etwas...naja...arm? Gerade der letzte Absatz, ich bitte dich, was soll denn dieser Kindergarten...
edit: Das auch wirklich
abschließend von mir dazu. Ich beginne schon wieder, mein Geschreibsel aus vergangenen Sarkeesian-Threads in ähnlicher Weise zu wiederholen, was ich eigentlich mit eisernem Vorsatz vermeiden wollte. Nicht gut.
