Der 4P-Kommentar: Traumjob Spiele-Entwickler?
Moderatoren: Moderatoren, Redakteure
- Chosenone84
- Beiträge: 333
- Registriert: 31.08.2009 18:10
- Persönliche Nachricht:
- KugelKaskade
- Beiträge: 7437
- Registriert: 23.11.2009 13:25
- Persönliche Nachricht:
Und wie das hier hin gehört - warum sollte es nicht? Ich liebe Jörgs Kolumnen und die Kommentare aus der Redaktion. Wenn du meinst, dass das nicht zu einem Spielemagazin gehört, schau dir andere Seiten/Print-Magazine an: Die Gamestar hat z.B. immer Folgen von "die Redaktion" auf der DVD mit drauf, CBS Spiele packt ältere Spiele mit drauf, bei Gamona werden auch Kolumnen geschrieben. Pressakey wirkt fast wie eine Sammlung aus Kolumnen.GesangDerWinde hat geschrieben:"Also nachdem sich das Bettlaken in der Laraphase noch wie von Geisterhand wölbte?"
Was soll das heißen hmm?
Ganz einfach das gehört hier nicht her.
Das Zitat, was du hier vorbringst, sehe ich als Spiel mit einem Klischee an. Btw kann ich auch hier nur das Buch "Spielefresser, Biomonster und Fanboys" empfehlen, in dem einige Kolumnen Jörgs niedergeschrieben sind (einige auch schon online).
-
johndoe853343
- Beiträge: 163
- Registriert: 23.06.2009 19:29
- Persönliche Nachricht:
Ein Spielemagazin sollte sich auf jedenfall mit diesem Thema auseinander setzen. Es ist wichtig zu erfahren wie Spiele entstehen und wie die Arbeitsbedinungen sind. Ein Blick über den Tellerand kann nie schaden. In Zeiten der Globalisierung sind solche Themen sowieso an der Tagesordnung und tragen aufjedenfall zur Allgemeinbildung bei(Wirtschaft etc.) Fazit: Man kann immer was lernen
- Chosenone84
- Beiträge: 333
- Registriert: 31.08.2009 18:10
- Persönliche Nachricht:
- KugelKaskade
- Beiträge: 7437
- Registriert: 23.11.2009 13:25
- Persönliche Nachricht:
- LCS
- Beiträge: 26
- Registriert: 12.11.2009 00:05
- Persönliche Nachricht:
Ich habe mir den Artikel gerade durchgelesen und muss sagen das er mir gut gefallen hat.
In anderen Printmagazinen habe ich zurzeit noch nichts darüber gelesen.. (kann ja sein das es demnächst etwas zu lesen gibt)
Aber da muss ich doch mal was zu Mr. Kotic sagen!
Was für ein Ars*h von Arbeitgeber! Das ist ja wirklich moderne Sklaverei...
Da habe ich garkein bock mir irgendein Spiel von Activision/Blizzard zu kaufen.. egal ob es sich dabei um Diablo3 Starcraft2 oder was auch immer handelt.
Nein, so geht es nicht!
Respekt hingegen für BioWare, ich mag die Spiele von BioWare schon seit Baldurs Gate 2 und wenn man solche nachrichten hört, dann ist man auch richtig froh dieses Studio seitdem zu Unterstützen!
Pfui Rockstar, Pfui Activision
UND EIN GROßES PFUI AN DEN JOWOOD TYPEN! BAH!
......
jetzt bestell ich mir endlich Masseffect2.
In anderen Printmagazinen habe ich zurzeit noch nichts darüber gelesen.. (kann ja sein das es demnächst etwas zu lesen gibt)
Aber da muss ich doch mal was zu Mr. Kotic sagen!
Was für ein Ars*h von Arbeitgeber! Das ist ja wirklich moderne Sklaverei...
Da habe ich garkein bock mir irgendein Spiel von Activision/Blizzard zu kaufen.. egal ob es sich dabei um Diablo3 Starcraft2 oder was auch immer handelt.
Nein, so geht es nicht!
Respekt hingegen für BioWare, ich mag die Spiele von BioWare schon seit Baldurs Gate 2 und wenn man solche nachrichten hört, dann ist man auch richtig froh dieses Studio seitdem zu Unterstützen!
Pfui Rockstar, Pfui Activision
UND EIN GROßES PFUI AN DEN JOWOOD TYPEN! BAH!
......
jetzt bestell ich mir endlich Masseffect2.
-
:|Nuke|:
- Beiträge: 359
- Registriert: 25.11.2007 01:01
- Persönliche Nachricht:
-
karnickelticket
- Beiträge: 14
- Registriert: 19.11.2009 17:06
- Persönliche Nachricht:
Typisches Jowood-bashing wie mans von Joerg kennt, aber leider ohne sinn und verstand - und die 4p bobs fressen denn muell auch noch und loben ihn durch den klee.enjoy hat geschrieben:Sehr guter Text.. vorallem der Verweis auf JoWood und Gothic 3 war gut gewählt!
Der vorletzte absatz in der Kolume zeugt nur davon, wie wenig joerg ueber das verhaeltnis Jowood - PB weiss. Zusaetzlich wird das gespraech mit dem Jowood Mitarbeiter in einem falschen kontext benutzt: In dieser Kolumne geht es u.a. um schlechte arbeitsbedingungen, auf der games convention ging es darum den leuten zu veranschaulichen, dass PB mit voll gas an dem von den spielern heiss erwarteten Titel arbeitet.
Ich wunder mich nicht warum der Jowood Mitarbeiter nur irritiert lächeln konnte: Du hast einfach keinen Ahnung von den Vertragsverhaeltnissen von Publisher und Entwickler. Bei einem selbestenstaendigen Entwickler wie es Pluto GMBH (PB) ist bezahlt der Entwickler seine Mitarbeiter selbst. WIESO soll Jowood deren ueberstunden bezahlen?
Das und warum G3 verbockt wurde hat uebrigens Mike Hoge in einem Forumpost auf WoG sehr ausfuerlich beschrieben (wollten zuviel, Welt zu gross etc) und die Schuld vollstaendig auf sich bzw PB genommen(o-ton: in 4 jahren haette man einfach fertig werden muessen). Ausserdem nannte er das Verhaeltnis Jowood-PB "so gut wie es mit einem Publisher seien koennte" was auch "der grund fuer eine weitere zusammenarbeit nach G2 Addon war". Jowood hat PB bei der Entwicklung von G3 VOELLIG freie hand gelassen, aber irgendwann (4 Jahre) ist halt schluss.
Btw, das die PB Mitarbeiter auch mal freiwillig laenger arbeiten is aus diversen interviews bekannt
Naja, neben diesen halbwahrheiten enthaelt die Kolume sowieso nix substantielles was in der IT nich schon seit Jahren bekannt ist.
-
BigDirtyD
- Beiträge: 9
- Registriert: 31.12.2009 17:07
- Persönliche Nachricht:
Sehr schöner Kommentar. Irgendwie muss ich gerade an die Diskussionen über Arbeitsbedingungen in Call-Centern denken. Wenn doch nur jeder Arbeitgeber so denken würde wie beispielsweise BioWare. Die Reifen rollen zwar gut mit genügend Druck, aber mit Überdruck rutschen sie oder platzen sogar.
Ich studiere sogar an der FH-Trier Angewandte Informatik und ich bin erstaunt darüber wie viele Menschen sich für den neuen Studiengang Digitale Medien und Spiele intressieren und letztlich auch eingeschrieben haben. Vor kurzem habe ich sogar über einen internen Wechsel in den neuen Studiengang nachgedacht, aber ich bin nach wie vor verunsichert wegen der Arbeitssituation. Gibt es überhaupt genug Jobs in Deutschland?
Ich studiere sogar an der FH-Trier Angewandte Informatik und ich bin erstaunt darüber wie viele Menschen sich für den neuen Studiengang Digitale Medien und Spiele intressieren und letztlich auch eingeschrieben haben. Vor kurzem habe ich sogar über einen internen Wechsel in den neuen Studiengang nachgedacht, aber ich bin nach wie vor verunsichert wegen der Arbeitssituation. Gibt es überhaupt genug Jobs in Deutschland?
- Lurijen
- Beiträge: 303
- Registriert: 10.12.2004 00:43
- Persönliche Nachricht:
- JesusOfCool
- Beiträge: 34685
- Registriert: 27.11.2009 09:55
- Persönliche Nachricht:
Toller Artikel!
Ich hab auch schon einige praktische Erfahrung mit der Spielebranche. In der Zeit hab ich auch einige schlimme Dinge gehört und auch erlebt.
Die erste schlimme Aktion die ich mitbekommen habe war während meines Praktikums im Studium. Da habe ich bei einem Spieleentwickler in Wien gearbeitet, der die Spiele für Photoplay Automaten machte (die kennt vielleicht jemand. diese Firma die die Spiele gemacht hat gibts allerdings nicht mehr). Die Leute die dort gearbeitet haben hatten natürlich einige Kontakte zu den anderen Entwicklerfirmen in Österreich. Eine davon war Rockstar Vienna (yeah, wieder Rockstar). Im letzten Monat meines Praktikums ist es passiert, da sind die Rockstar Vienna Mitarbeiter zur Arbeit ins Büro gefahren und konnte nicht rein. Die Rockstar Führungsebene (keiner von den Leuten in Wien) hat die Schlösser auswechseln lassen. Niemand in Wien wusste darüber bescheib, nichtmal der örtliche Geschäftsführer. Die Leute wurden alle gekündigt, ihr Privateigentum das sie irgendwann mal mit ins Büro gebracht haben konnten sie natürlich abholen, aber die ganze Aktion ist schon ne ziemliche Verarschung.
Mein erstes einziges Erlebnis hatte ich ca 2 Jahre später. Da hab ich unter dem gleichen Chef wie damals beim Praktikum gearbeitet. Der hat für die 10tacle (manche erinnern sich vielleicht an den Namen) in Wien ein neues Entwicklerstuido eröffnet und ein Team aufgestellt. Nachdem ich ca 4 Monate dort gearbeitet habe ging die Schei*e los. Wir haben auf unser Gehalt vom Vormonat 3 Wochen warten müssen. Für mich wars nicht so schlimm, weil ich noch nicht auf das Geld angewiesen war, aber einige andere hatte Miete zu bezahlen und so. Der Grund dafür war ein Aktienkurssturz der 10tacle ein Monat zuvor. Die 10tacle Führung hat allerdings keine Informationen nach außen gegeben, an niemanden. Unser Geschäftsführer in Wien hatte keine Ahnung was die an der Spitze besprochen haben. Alles was er wusste hat er an uns weitergegeben, viel wars aber nicht. Mit dem nächsten Monatsgehalt wars dann genauso. Wir wussten über den Kurssturz bescheid, darüber, dass die 10tacle kein Geld mehr hat. Wir wussten auch, dass die Konzernführung mit Investoren verhandelt. Aber wir haben alle die richtigen Schritte getan. Wir haben alle der Firma gedroht, dass wir die Firma verlassen wenn wir unser Geld nicht halbwegs rechtzeitig bekommen. Ende des dritten Monats der Misere sind wir dann alle gekündigt worden. Der gesetzlichen Kündigungsfrist nach hätten wir alle noch 6 Wochen arbeiten müssen. Nachdem wir aber angedroht haben, dass wir die Firma verlassen, war es uns rechtlich möglich aus der Firma auszutreten (Ein Austritt ist so wie eine einseitige Kündigung des Vertrags weil der Arbeitgeber den Vertrag verletzt hat. In diesem Fall weil er uns nie rechtzeitig bezahlt hat. Austritt heißt für den Arbeitnehmer, dass er für die Dauer der Kündigungsfrist volle Bezüge bekommt aber nicht arbeiten gehen muss). Wir haben die 10tacle dann geschlossen verklagt. Das Geld für dieses dritte Monat, und der ganzen Kündigungsfrist plus Überstunden und Urlaubsgeld (das waren insgesamt über 3 Monatsgehälter) hat dann aufs Monat genau ein Jahr gebraucht bis es bei uns angekommen ist. Für manche war das fehlende Geld schon ziemlich schmerzlich.
Als drittes hab ich während meiner Zeit bei der 10tacle von unserem Producer etwas erfahren. Der hat nämlich früher mal bei Ubisoft in Deutschland gearbeitet, ebenfalls als Producer. Dort hat er bei einem Projekt (weiß aber nicht welches) innerhalb von 6 Monaten über 700 Überstunden aufgebaut. Fand ich echt heftig wie ich das gehört habe.
Das nächste war dann bei meinem Job nach der 10tacle. Ich hatte wieder den gleichen Chef. Diesmal nicht in der Spielebranche. Allerdings hat er es mit der Ressourcenauslastung der Spielebranche nachgemacht. Ich will nichts schlechtes über ihn erzählen, er hat es nicht mit Absicht gemacht. Ihm wäre es auch lieber gewesen wenn es anders gekommen wär. Meine Arbeitszeit war für ca 2 1/2 Monate 12 Stunden pro Tag und das 6 Tage die Woche. Manchmal hab ich die Nacht durchgearbeitet. Problem daran war mangelnde Planung im vorhinein, das haben da auch hoffentlich alle erkannt. Ich muss sagen, dass solche Arbeitszeiten wirklich schlimm sind. Ich hatte damals zum Glück nur einen 15 Minuten weg in die Arbeit. Aber man darf nicht vergessen, dass es da Leute gibt, die eine Stunde für einen Weg brauchen.
Über schlechtes Management und Disorganisation habe ich in der ganzen Zeit auch mehr als genug gehört. Und es wundert mich eigentlich auch kaum. Mein Chef über die Zeit (war ja immer der gleiche) war auch ein sehr chaotischer Mensch. Ich glaube, dass es in der Spielindustrie einfach die richtigen Leute in der richtigen Position fehlen.
Von der Spielindustrie abwenden möchte ich mich allerdings nicht. Ich arbeite zwar zur Zeit in einer Softwarefirma als Entwickler, aber es ist nunmal 0815 Software die hier gemacht wird. Nichts aufregendes, keine Grafik, keine großartigen Algorithmen, nichts in der Art. Das macht den Job etwas langweilig. In der Spielindustrie ist das ein wenig anders. Da gibts zwar auch Teile, die relativ langweilig sind, aber es gibt auch genügend anderes. Ich kann alle Menschen verstehen, die unter schlechten Arbeitsbedingungen in der Spielebranche bleiben und nicht aufregen. Man hat zwar mehr Arbeitszeit, weniger Geld, muss sogar mehr drauf haben und wirklich extrem viel leisten, aber das was rauskommt ist es den meisten einfach Wert. Wenn die Entwickler ein Spiel zusammen bekommen haben, das gut ist, dann vergessen sie das alles. Die Motivation an einem Spiel zu arbeiten ist irgendwie viel größer als für irgendwas anderes. Gut ist das ganze allerdings trotzdem nicht und BioWare scheint ja zu zeigen wie es auch in positive Richtung funktionieren kann.
Wenn ich wieder in diese Branche einsteige, dann als Indie Entwickler. Mit irgendwas kleinem anfangen. Spielemacher sind Künstler. Und wie alle Künstler fangt man an es als Hobby zu tun. Ich hoffe ich werde in Zukunft Zeit genug haben um privat ein Projekt zu starten. Und wenn ich 12 Jahre brauche bis es fertig wird, wie es bei Sunage gedauert hat. Auch wenn der liebe Roman (er ist wirklich ein echt lieber Kerl) es als Übervollzeit job gemacht hat (er arbeitet scheinbar schon immer ca 70 Stunden die Woche). Wenn ich mit einem Projekt einen Durchbruch schaffe, werd ich vielleicht auch eine Firma gründen und sie nach positivem Vorbild führen.
Und hört auf mit diesem "das Leben ist hart zeug". Das stimmt nur bedingt. Als die Menschen noch Jäger und Sammler waren hatten sie vermeintlich auch ein hartes Leben, aber dass die Menschen damals nur ca 3 Stunden am Tag gebraucht haben um für ihr Überleben zu sorgen weiß ja wahrscheinlich keiner. Heute braucht man dafür mindestens 8 Stunden pro Tag. Schon irgendwie komisch was die Zivilisation und die "Weiter"-Entwicklung so alles bewirkt.
Ich hab auch schon einige praktische Erfahrung mit der Spielebranche. In der Zeit hab ich auch einige schlimme Dinge gehört und auch erlebt.
Die erste schlimme Aktion die ich mitbekommen habe war während meines Praktikums im Studium. Da habe ich bei einem Spieleentwickler in Wien gearbeitet, der die Spiele für Photoplay Automaten machte (die kennt vielleicht jemand. diese Firma die die Spiele gemacht hat gibts allerdings nicht mehr). Die Leute die dort gearbeitet haben hatten natürlich einige Kontakte zu den anderen Entwicklerfirmen in Österreich. Eine davon war Rockstar Vienna (yeah, wieder Rockstar). Im letzten Monat meines Praktikums ist es passiert, da sind die Rockstar Vienna Mitarbeiter zur Arbeit ins Büro gefahren und konnte nicht rein. Die Rockstar Führungsebene (keiner von den Leuten in Wien) hat die Schlösser auswechseln lassen. Niemand in Wien wusste darüber bescheib, nichtmal der örtliche Geschäftsführer. Die Leute wurden alle gekündigt, ihr Privateigentum das sie irgendwann mal mit ins Büro gebracht haben konnten sie natürlich abholen, aber die ganze Aktion ist schon ne ziemliche Verarschung.
Mein erstes einziges Erlebnis hatte ich ca 2 Jahre später. Da hab ich unter dem gleichen Chef wie damals beim Praktikum gearbeitet. Der hat für die 10tacle (manche erinnern sich vielleicht an den Namen) in Wien ein neues Entwicklerstuido eröffnet und ein Team aufgestellt. Nachdem ich ca 4 Monate dort gearbeitet habe ging die Schei*e los. Wir haben auf unser Gehalt vom Vormonat 3 Wochen warten müssen. Für mich wars nicht so schlimm, weil ich noch nicht auf das Geld angewiesen war, aber einige andere hatte Miete zu bezahlen und so. Der Grund dafür war ein Aktienkurssturz der 10tacle ein Monat zuvor. Die 10tacle Führung hat allerdings keine Informationen nach außen gegeben, an niemanden. Unser Geschäftsführer in Wien hatte keine Ahnung was die an der Spitze besprochen haben. Alles was er wusste hat er an uns weitergegeben, viel wars aber nicht. Mit dem nächsten Monatsgehalt wars dann genauso. Wir wussten über den Kurssturz bescheid, darüber, dass die 10tacle kein Geld mehr hat. Wir wussten auch, dass die Konzernführung mit Investoren verhandelt. Aber wir haben alle die richtigen Schritte getan. Wir haben alle der Firma gedroht, dass wir die Firma verlassen wenn wir unser Geld nicht halbwegs rechtzeitig bekommen. Ende des dritten Monats der Misere sind wir dann alle gekündigt worden. Der gesetzlichen Kündigungsfrist nach hätten wir alle noch 6 Wochen arbeiten müssen. Nachdem wir aber angedroht haben, dass wir die Firma verlassen, war es uns rechtlich möglich aus der Firma auszutreten (Ein Austritt ist so wie eine einseitige Kündigung des Vertrags weil der Arbeitgeber den Vertrag verletzt hat. In diesem Fall weil er uns nie rechtzeitig bezahlt hat. Austritt heißt für den Arbeitnehmer, dass er für die Dauer der Kündigungsfrist volle Bezüge bekommt aber nicht arbeiten gehen muss). Wir haben die 10tacle dann geschlossen verklagt. Das Geld für dieses dritte Monat, und der ganzen Kündigungsfrist plus Überstunden und Urlaubsgeld (das waren insgesamt über 3 Monatsgehälter) hat dann aufs Monat genau ein Jahr gebraucht bis es bei uns angekommen ist. Für manche war das fehlende Geld schon ziemlich schmerzlich.
Als drittes hab ich während meiner Zeit bei der 10tacle von unserem Producer etwas erfahren. Der hat nämlich früher mal bei Ubisoft in Deutschland gearbeitet, ebenfalls als Producer. Dort hat er bei einem Projekt (weiß aber nicht welches) innerhalb von 6 Monaten über 700 Überstunden aufgebaut. Fand ich echt heftig wie ich das gehört habe.
Das nächste war dann bei meinem Job nach der 10tacle. Ich hatte wieder den gleichen Chef. Diesmal nicht in der Spielebranche. Allerdings hat er es mit der Ressourcenauslastung der Spielebranche nachgemacht. Ich will nichts schlechtes über ihn erzählen, er hat es nicht mit Absicht gemacht. Ihm wäre es auch lieber gewesen wenn es anders gekommen wär. Meine Arbeitszeit war für ca 2 1/2 Monate 12 Stunden pro Tag und das 6 Tage die Woche. Manchmal hab ich die Nacht durchgearbeitet. Problem daran war mangelnde Planung im vorhinein, das haben da auch hoffentlich alle erkannt. Ich muss sagen, dass solche Arbeitszeiten wirklich schlimm sind. Ich hatte damals zum Glück nur einen 15 Minuten weg in die Arbeit. Aber man darf nicht vergessen, dass es da Leute gibt, die eine Stunde für einen Weg brauchen.
Über schlechtes Management und Disorganisation habe ich in der ganzen Zeit auch mehr als genug gehört. Und es wundert mich eigentlich auch kaum. Mein Chef über die Zeit (war ja immer der gleiche) war auch ein sehr chaotischer Mensch. Ich glaube, dass es in der Spielindustrie einfach die richtigen Leute in der richtigen Position fehlen.
Von der Spielindustrie abwenden möchte ich mich allerdings nicht. Ich arbeite zwar zur Zeit in einer Softwarefirma als Entwickler, aber es ist nunmal 0815 Software die hier gemacht wird. Nichts aufregendes, keine Grafik, keine großartigen Algorithmen, nichts in der Art. Das macht den Job etwas langweilig. In der Spielindustrie ist das ein wenig anders. Da gibts zwar auch Teile, die relativ langweilig sind, aber es gibt auch genügend anderes. Ich kann alle Menschen verstehen, die unter schlechten Arbeitsbedingungen in der Spielebranche bleiben und nicht aufregen. Man hat zwar mehr Arbeitszeit, weniger Geld, muss sogar mehr drauf haben und wirklich extrem viel leisten, aber das was rauskommt ist es den meisten einfach Wert. Wenn die Entwickler ein Spiel zusammen bekommen haben, das gut ist, dann vergessen sie das alles. Die Motivation an einem Spiel zu arbeiten ist irgendwie viel größer als für irgendwas anderes. Gut ist das ganze allerdings trotzdem nicht und BioWare scheint ja zu zeigen wie es auch in positive Richtung funktionieren kann.
Wenn ich wieder in diese Branche einsteige, dann als Indie Entwickler. Mit irgendwas kleinem anfangen. Spielemacher sind Künstler. Und wie alle Künstler fangt man an es als Hobby zu tun. Ich hoffe ich werde in Zukunft Zeit genug haben um privat ein Projekt zu starten. Und wenn ich 12 Jahre brauche bis es fertig wird, wie es bei Sunage gedauert hat. Auch wenn der liebe Roman (er ist wirklich ein echt lieber Kerl) es als Übervollzeit job gemacht hat (er arbeitet scheinbar schon immer ca 70 Stunden die Woche). Wenn ich mit einem Projekt einen Durchbruch schaffe, werd ich vielleicht auch eine Firma gründen und sie nach positivem Vorbild führen.
Und hört auf mit diesem "das Leben ist hart zeug". Das stimmt nur bedingt. Als die Menschen noch Jäger und Sammler waren hatten sie vermeintlich auch ein hartes Leben, aber dass die Menschen damals nur ca 3 Stunden am Tag gebraucht haben um für ihr Überleben zu sorgen weiß ja wahrscheinlich keiner. Heute braucht man dafür mindestens 8 Stunden pro Tag. Schon irgendwie komisch was die Zivilisation und die "Weiter"-Entwicklung so alles bewirkt.
-
johndoe470828
- Beiträge: 1708
- Registriert: 14.10.2005 12:44
- Persönliche Nachricht:
Ich träum von vieles aber ganz sicher nicht davon Spieleentwickler zu werden, dass ist der letzte Mist und das weiß ich nicht erst seit ich das gelesen habe.
Und du lieber Jörg verwechselst da wohl was, Spiele- oder Hardwareredakteur bei einem namhaften Blatt, davon träumen alle. Kostenlose Spiele, Hardware, vorab Spielebetas etc etc.
Und für das schönste Hobby der Welt auch noch bezahlt werden, wer träumt nicht davon sein Hobby zum Beruf zu machen?
Aber Spiele erstellen und programmieren....das will fast keiner.
Und du lieber Jörg verwechselst da wohl was, Spiele- oder Hardwareredakteur bei einem namhaften Blatt, davon träumen alle. Kostenlose Spiele, Hardware, vorab Spielebetas etc etc.
Und für das schönste Hobby der Welt auch noch bezahlt werden, wer träumt nicht davon sein Hobby zum Beruf zu machen?
Aber Spiele erstellen und programmieren....das will fast keiner.
- Jörg Luibl
- Beiträge: 9619
- Registriert: 08.08.2002 15:17
- Persönliche Nachricht:
-
Ahoi JesusOfCool,
schönen Dank für deine authentischen Einblicke in den Berufsalltag. Die bestätigen genau das, was wir seit Jahren vielfach hören - egal ob auf Events oder in persönlichen Gesprächen.
Und ich gebe dir vollkommen Recht: Alle Leute, die so oberflächlich mit dem Spruch "Das Leben ist halt hart" kommen, wissen anscheinend nicht, dass es Rechte gibt, für die man als Arbeitnehmer kämpfen muss. Was ist das für eine Mentalität, wenn man unzumutbare Arbeitsbedingungen damit relativiert, dass sie woanders auch scheiße sind? Und vor allem: Was soll das für eine Zukunft sein, wenn man alles hinnimmt?
Daher meine Hochachtung vor der geschlossenen Klage gegen 10tacle. Da könnte ich übrigens auch noch so einiges erzählen, denn da wurde nach außen hin eine dermaßen große Firmenblase mit abstrusen Projekten inszeniert...aber dich würde all das sicher nicht überraschen. Wenn wir das Thema nochmal vertiefen, melde ich mich. :wink:
Ich wünsche dir jedenfalls viel Erfolg (einen 4P-Erfolg hast du gerade bekommen) und mehr Glück mit der Arbeitsplatzsituation in Zukunft!
schönen Dank für deine authentischen Einblicke in den Berufsalltag. Die bestätigen genau das, was wir seit Jahren vielfach hören - egal ob auf Events oder in persönlichen Gesprächen.
Und ich gebe dir vollkommen Recht: Alle Leute, die so oberflächlich mit dem Spruch "Das Leben ist halt hart" kommen, wissen anscheinend nicht, dass es Rechte gibt, für die man als Arbeitnehmer kämpfen muss. Was ist das für eine Mentalität, wenn man unzumutbare Arbeitsbedingungen damit relativiert, dass sie woanders auch scheiße sind? Und vor allem: Was soll das für eine Zukunft sein, wenn man alles hinnimmt?
Daher meine Hochachtung vor der geschlossenen Klage gegen 10tacle. Da könnte ich übrigens auch noch so einiges erzählen, denn da wurde nach außen hin eine dermaßen große Firmenblase mit abstrusen Projekten inszeniert...aber dich würde all das sicher nicht überraschen. Wenn wir das Thema nochmal vertiefen, melde ich mich. :wink:
Ich wünsche dir jedenfalls viel Erfolg (einen 4P-Erfolg hast du gerade bekommen) und mehr Glück mit der Arbeitsplatzsituation in Zukunft!
- JesusOfCool
- Beiträge: 34685
- Registriert: 27.11.2009 09:55
- Persönliche Nachricht:
Schön zu lesen, dass mein Post so guten Anklang findet.4P|T@xtchef hat geschrieben:Ahoi JesusOfCool,
schönen Dank für deine authentischen Einblicke in den Berufsalltag. Die bestätigen genau das, was wir seit Jahren vielfach hören - egal ob auf Events oder in persönlichen Gesprächen.
Und ich gebe dir vollkommen Recht: Alle Leute, die so oberflächlich mit dem Spruch "Das Leben ist halt hart" kommen, wissen anscheinend nicht, dass es Rechte gibt, für die man als Arbeitnehmer kämpfen muss. Was ist das für eine Mentalität, wenn man unzumutbare Arbeitsbedingungen damit relativiert, dass sie woanders auch scheiße sind? Und vor allem: Was soll das für eine Zukunft sein, wenn man alles hinnimmt?
Daher meine Hochachtung vor der geschlossenen Klage gegen 10tacle. Da könnte ich übrigens auch noch so einiges erzählen, denn da wurde nach außen hin eine dermaßen große Firmenblase mit abstrusen Projekten inszeniert...aber dich würde all das sicher nicht überraschen. Wenn wir das Thema nochmal vertiefen, melde ich mich. :wink:
Ich wünsche dir jedenfalls viel Erfolg (einen 4P-Erfolg hast du gerade bekommen) und mehr Glück mit der Arbeitsplatzsituation in Zukunft!
Die Blase der 10tacle war ja nicht nur nach außen inszeniert, sondern auch nach innen. Es wußte ja nichtmal unser Geschäftsführer von irgendwas. Könnte man ja schon fast als Verschwörung ansehen was die da gemacht haben.
Melden darfst du dich bei mir wann immer du willst.
Und Danke!
