Dr. Fritte hat geschrieben:@Temeter:
Wo ist das Problem? Wenn es einen Marktplatz für die Mods gibt, gibt es auch ein Bewertungssystem. Und wer für nicht funktionierenden Schrott Geld haben will, wird eben mit schlechten Rezensionen und Kommentaren abgestraft.
Wer dann die Mods kauft ohne auf die Bewertung zu gucken, ist es selber schuld.

Da gibt es eine Millione Probleme. Mal auf die Schnelle:
1. Spieleupdates. Können Mods unbrachbar machen, und jedes mal müssen die Devs die mods fixen. Z.B. wurde bei Minecraft bis heute ein Großteil der Mods nicht auf 1.8 gebracht. Bei Steam mit seinem Updatesystem wirds noch problematischer. Und was ist, wenn Daten verloren gehen? Die Modder gar nicht mehr da sind? Die Änderungen am Grundspiel so stark sind, dass sie den Mod nicht fixen können?
Hier gibts btw den gewaltigen Unterschied zu Projekten wie Counterstrike oder Dota, die eigene, vollwertige Spiele wurden.
2. Vollständigkeit der Mods. Mods sind grundsätzliche 'Early Access', noch mehr als Steams system. Unerfahrenheit, mangelnde Motivation oder Unfähigkeit, gewisse Probleme zu lösen kann ein Projekt pratisch zerstören. Wird nur noch schlimmer mit den Problemen von Punkt 1.
Und dann denk mal drüber nach, was passiert, wenn sich ein Mitglied eines Modder-Teams im Streit entfernt. Das wird ein Spaß!
3. Software-Abhängigkeiten. Die meisten Spiele mit großen Moddingcommunities nutzen massenweise Tools, die von vielen einzelnen Entwicklern und Teams zur Verfügung gestellt wurden. Missbrauch ist praktisch unmöglich zu vermeiden. Selbst in den 3 Tage der Paid Mods gab es unzählige Probleme.
4. Unzuverlässige Bewertungen. Steam reviews sind extrem unzuverlässig. Bei Early Access Style software wirds nur noch schlimmer, weil hier Versprechungen bewertet werden (ansonsten müsste jeder Eintrag für unvollständigkeit zerstört werden).
Es wird unmöglich, an gute Infos zu kommen. Und dann wären da noch Fake-Reviews...
5. Lizenzprobleme. Unzählige Mods basieren auf realen Marken. Siehe z.B.Medieval 2 mit seinen Herr der Ringe, Warhammer, Zelda, etc mods. Einige Mods wurden schon mehr oder weniger aus ahnungsloser Paranoia abgeschaltet, und sollte der Modmarkt kommerzialisiert werden, wird die Copyright Industrie sich brutal darauf stürzen, selbst auf kostenlose Mods.
6. Mangelnde Qualität. Unausweichlich, selbst die besten Mods basieren nunmal nicht auf professionellen Projekten, sondern darauf, aus einem bestehenden Spiel etwas zu machen, was es niemals sein sollte. Technikprobleme, Bugs und Abstürze sind der Standard bei umfangreichen Mods, und es braucht oft einiges an Leidensfähigkeit, um sich mit komplexeren Modifikationen auseinanderzusetzen. Sehr problematisch, dort mit Preisen zu hantieren, für die man bei Steam Tripple-A Spiele bekommt.
Mal ehrlich, die Horse Armor Mod hatte wenigstens professionelle Qualität!
7. Überflutung des Mod Marktes. Folgend letztem Punkt, wären Mods praktisch ein Mikro-Markt innerhalb von Steam. In kürzester Zeit hätten wir praktisch tausende Angebote innerhalb jedes Spiels. Es ist einfach zu sagen, 'Leute sollen für ihre Arbeit bezahlt werden' (auch wenn es keine Arbeit ist, sonder die Modder für sich selbst modden). Nur bleibt halt die Frage, woher soll das Geld kommen? Nur weil es ein Angebot gibt, muss es keine genügend interessierte Nachfrage geben.
Und dann muss sich ein Mod halt gegen Spiele wie Tomb Raider, Far Cry 3 oder Alien Isolation beweisen, die oft genug unter 10€ durchgehen. Viel Glück damit.
8. Schneeballeffekt. Durch die genannte qualitative Undurchschaubarkeit, Contentüberflutung und begrenztes Geld wird es wie immer laufen: Eine handvoll Mods werden durch ihren Ruf gedeihen wie nichts, alles andere wird kaum einen Cent abbekommen. So funktioniert kommerzialisierung, und der Effekt wird durch die Plattform nur noch gestärkt. Von 'fairer Entlohnung' kannst du träumen, aber die wirst du auf einem solchen Markt nicht erreichen.
Und mir fallen noch eine ganze Reihe weiterer Punkt ein, aber das dürfte erstmal reichen. Für mich siehts in etwas so aus: Jetzt zählt hauptsächlich das Interesse der Modder, weil sie nunmal etwas ohne Gegenleistung machen. In der kommerzialisierung müssen allerdings genauso die Rechte der Kunden gewahrt werden. Viel Glück dabei. Mir wäre das ganze einfach zu nervtötend, zu unsicher. Ich habe kein Problem, ein bischen Geld für gute Mods zu spenden, beim Bug-Fixing zu helfen, etc. Bei einem Mod habe ich z.B. ein bischen an einer Übersetzung gearbeitet (es ist erstaunlich, wie massiv viel Text so ein Mod enthält!).
Mit dieser Art von Kommerzialisierung tritt der Spaß am Nutzen von Mods allerding in den Hintergrund, und weicht einem extrem unprofessionellen Geschäft, in dem z.B. ein nettes Seitenprojekt, dass sich jemand zusammen codet, plötzlich zu einer rechtlichen Angelegenheit wird. Das wäre ziemlich nervtötende. Und in nervige Dinge investiert man normalerweise kein Geld. Ich sehe nicht viel Zukunft für Bezahlmods.
Freiwillige systeme wie Patreon würden eher funktionieren, allerdings dürfte es schwer sein, dort genügend Unterstützung zu finden. Selbst dort gibt es ein Schneeballprinzip.