Feminist Frequency - Anita Sarkeesian plant weitere Formate über die Präsentation von Männlichkeit in Spielen und will "positive Beispiele zur Frauen-Darstellung" bringen

Hier findet ihr die entsprechenden Kommentare - inkl. Link zur News!

Moderatoren: Moderatoren, Redakteure

Plor
Beiträge: 372
Registriert: 31.03.2010 16:26
Persönliche Nachricht:

Re: Feminist Frequency - Anita Sarkeesian plant weitere Form

Beitrag von Plor »

billy coen 80 hat geschrieben:
Wenn man aber sieht, dass da etwa Leute unter der Bezeichnung Profx steuerlich finanziert an deutschen Universitäten „Arbeit“ leisten, die mit Wissenschaftlichkeit nun wirklich nicht das Geringste zu tun hat,
Ich finde es - gelinde gesagt - schon ziemlich respektlos, einer Person mit einer ziemlich langen Publikationsliste und mehrjähriger - anscheinend ziemlich erfolgreicher - Lehrtätigkeit, einfach mal so ohne Konkretisierung die Wissenschaftlichkeit abzusprechen. Vielleicht empfindest du ja auch tatsächlich auch die gesamte genderwissenschaftliche Forschung als unwissenschaftlich. Gerade, was Sprachanalysen der Genderwissenschaft betrifft, bewegen diese sich auf sehr hohem wissenschaftlichen Niveau. So gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Studien, in denen das exkludierende Moment des generischen Maskulinums im deutschen Sprachgebrauch nachgewiesen wurde. Über zwei davon schreibt Anatol Stefanowitsch hier (http://www.scilogs.de/sprachlog/frauen- ... sgenommen/) ziemlich ausführlich.
billy coen 80 hat geschrieben:sondern stattdessen einen merkwürdigen, entsexualisierten Sprachenkodex erfinden, welchen zu nutzen sie von jedem verlangen, um überhaupt mit ihnen in Kontakt treten zu können (was gleich eindrucksvoll die Diskussionsbereitschaft demonstriert)
Achten Sie bitte darauf, Anreden wie "Hallo Lann Hornscheidt", "Guten Tag Lann Hornscheidt" oder "Dear Lann Hornscheidt" zu verwenden.
Bitte vermeiden Sie alle zweigendernden Ansprachen wie "Herr ___", "Frau ___", "Lieber ___", oder "Liebe ___".
Das ist mMn. kein Verlangen sondern ein höfliches Bitten. Und es dürfte auch keinem - es sei denn er ist extrem sprachkonservativ - ein Zacken aus der Krone brechen, wenn er dieser Bitte (!) aus Respekt nachkommt. Da fallen mir gleich auf Anhieb eine ganze Reihe von Doktoren und "Herren von und zu" ein, die weitaus rabiater sind, wenn es darum geht, um die richtige Anrede zu bitten.
billy coen 80 hat geschrieben:, ganz nebenbei noch in Bloggs öffentlich zur aktiven Störung von Vorlesungen animieren, in denen „falsche Lehren“ oder Lehren auf „falsche Weise“ vermittelt werden (gemeint sind dabei Vorlesungen zu staatlich anerkannten Wissenschaften) und dies alles von der Leitung geduldet und regierungsseitig sogar noch gefördert wird, sieht man doch schon, dass auch eine vordergründig positiv konnotierte Ideologie schnell bedenkliche Entwicklungen annehmen kann. Das hat mit Gleichberechtigung nichts mehr zu tun, sondern ist einfach nur noch Gedanken- und Sprachpolizei.
Ahh... okay. Ich glaube, bzw. Google glaubt, jetzt zu wissen, was deine Quelle für die Ablehnung von profx hornscheidt ist... Mit der solltest du dich wirklich noch einmal kritisch auseinandersetzen. Denn trotz ihrer "Science" im Header hat sie mit Wissenschaft genau so wenig zu tun wie diverse andere antifeministische Publikationen aus der verschwörungsideologischen, libertären und/oder rechtspopulistischen Ecke.
maho76
Beiträge: 2336
Registriert: 13.09.2012 13:51
Persönliche Nachricht:

Re: Feminist Frequency

Beitrag von maho76 »

Das ist mMn. kein Verlangen sondern ein höfliches Bitten. Und es dürfte auch keinem - es sei denn er ist extrem sprachkonservativ - ein Zacken aus der Krone brechen, wenn er dieser Bitte (!) aus Respekt nachkommt. Da fallen mir gleich auf Anhieb eine ganze Reihe von Doktoren und "Herren von und zu" ein, die weitaus rabiater sind, wenn es darum geht, um die richtige Anrede zu bitten.
das ist ungefähr so konservativ wie jemandem (explizit nicht nur frau) aus Höflichkeit die tür aufzuhalten (darf man ja heutzutage eigentlich auch nicht mehr).

wenn an diese bitte geknüpft ist dass nicht entsprechend formatierte Schriftstücke nicht bearbeitet werden (was ich bereits indirekt erlebt habe) ist es keine bitte mehr, sondern idiotisch. als wenn die ansprache eine Beleidigung wäre. :roll:

btw. geht es bei sprache vor allem um den klang und das flüssige "verstehen". viele dieser Neuerungen sind NEUSPRECH ohne Tiefe und Poesie (jop, ich lese gerne die 100-500 jahre alten schmocken weil sie gut klingen).

und nein, ich habe nichts gegen genderforschung, ich habe was gegen übertriebenes gebahren um des bevormundens willen. das hat eine patriarschische Gesellschaft lange genug mit den Frauen gemacht. ;)
Plor
Beiträge: 372
Registriert: 31.03.2010 16:26
Persönliche Nachricht:

Re: Feminist Frequency

Beitrag von Plor »

maho76 hat geschrieben: btw. geht es bei sprache vor allem um den klang und das flüssige "verstehen".
Das flüssige "Verstehen" genderneutraler Sprache war übrigens auch schon öfter Untersuchungsgegenstand der Wissenschaft. Rate mal mit welchem Ergebnis...
https://kif.fsinf.de/w/images/0/08/Braun-et-al.pdf
maho76 hat geschrieben:viele dieser Neuerungen sind NEUSPRECH ohne Tiefe und Poesie (jop, ich lese gerne die 100-500 jahre alten schmocken weil sie gut klingen).
Sorry, aber jetzt klingst du wie mein Vater, der sich in den 80ern über die "Amerikanisierung" der deutschen Sprache aufgeregt hat. Ich lese ja auch gerne 100 Jahre alte Schmocken (du glaubst gar nicht, wie sehr sich die Sprachpuristen damals über das Neusprech der Expressionisten und Dadaisten aufgeregt haben), aber es spricht doch nichts dagegen, sich auch für jüngste Poesie zu begeistern. "Neusprech" (ich denke mal, ich weiß was du meinst. Und du versuchst hier nicht einen Orwell-Gambit) klingt immer erst einmal irritierend, ungewohnt und daher auch unpoetisch für ältere Generationen. Aus dem Grund haben die Konservativen des 19. jahrhunderts den Spracheinfluss des französischen verteufelt, die Konservativen des 20. Jahrhunderts haben den Einfluss der Pop-Kultur auf die Sprache dämonisiert und unsere Elterngeneration hat die Einflüsse der Tech-, Nerd- und Netzszene auf die Sprache verdammt... aber durch all diese sprachlichen Entwicklungen wurde ja auch neue Poesie erschaffen, spannende Neologismen und neue Blickwinkel auf die eigene Sprache (und deren Wandlungsfähigkeit). Das ist ja das tolle an der Sprache: Dass sie sich wandeln und verändern kann, und dass der Input dafür nicht nur aus der Alltagssprache kommen muss, sondern auch ohne verheerende Konsequenzen von der Wissenschaft induziert werden kann (Was haben sie sich damals alle über die Rechtschreibereform aufgeregt. Heute käme keiner mehr auf die Idee "dass" mit ß zu schreiben. Und dieser Wandel ist nicht einmal 20 Jahre alt)
Benutzeravatar
Lord Hesketh-Fortescue
Beiträge: 867
Registriert: 26.04.2013 22:40
Persönliche Nachricht:

Re: Feminist Frequency - Anita Sarkeesian plant weitere Form

Beitrag von Lord Hesketh-Fortescue »

Plor hat geschrieben:Das ist mMn. kein Verlangen sondern ein höfliches Bitten.
Nun ja. Es ist ein Imperativ. Dass er in der Sie-Form und mit einem "bitte" versehen ist, ändert nichts am klaren Aufforderungscharakter (wie etwa wenn ein Polizist sagt: Steigen Sie bitte aus dem Wagen). Eine höfliche Bitte eingeleitet mit "Es wäre schön, wenn..." oder "Ich würde mich freuen, wenn..." hätte einen vollkommen anderen, einladenderen Charakter. Der Ton macht auch hier die Musik.

Und ich muss Maho zustimmen: Wäre ich Student oder Doktorant und würde aufgrund dieser formalen Eitelkeiten tatsächlich keine Antwort auf mein Schreiben erhalten, wäre der Respekt für diese Person endgültig perdu. Dass andere "Von-und-zu's" da evtl. nicht weniger eitel sind, macht es nicht besser. Soewtas ist insofern kontraproduktiv, als dass es den Eindruck einer bevormundenden Sprachpolizei noch verstärkt. Was man aber nach eigenem Beteuern weder sein will noch sein kann, da Sprache erwiesenenermaßen so nicht funktioniert (was z.B. ja auch eine explizite These von besagtem A. Stefanowitsch ist). Also sollte man auch in der "Außendarstellung" nicht den Eindruck erwecken, als wolle man formale Kommunikationsregeln einseitig diktieren. Das turnt nämlich ungemein ab. :Blauesauge:
billy coen 80
Beiträge: 1929
Registriert: 02.10.2012 03:39
Persönliche Nachricht:

Re: Feminist Frequency - Anita Sarkeesian plant weitere Form

Beitrag von billy coen 80 »

@ plor

Dass Sprache in stetem, lebendigem Wandel ist, ist unbestreitbar. Aber gewiss nicht "wissenschaftlich induziert". Das von dir gebrachte Beispiel ist lediglich eine Rechtschreibreform ohne Auswirkungen auf den Sprachgebrauch. Ziel war, die größten Unlogikspitzen der vollends verkomplizierten deutschen Rechtschreibung ein Stück weit zu nivellieren; mit nicht uneingeschränktem Erfolg, wie ich finde.

Tatsächliche Änderungen an der Sprache (Wörter, Grammatik, Aussprache) haben sich noch immer ganz organisch aus dem Alltagsleben heraus entwickellt. Vorschläge aus der Wissenschaft haben sich da eher nicht durchsetzen können. Meist weil sie, wie im vorliegenden Beispiel, nicht gut mit einem "emotional melodisierten" Sprachfluss harmonieren, ihn tendenziell ins Stocken bringen. Und das ist in einer Sprache ein KO-Kriterium.
Benutzeravatar
Wulgaru
Beiträge: 29391
Registriert: 18.03.2009 12:51
Persönliche Nachricht:

Re: Feminist Frequency - Anita Sarkeesian plant weitere Form

Beitrag von Wulgaru »

Wenn Gender Mainstreaming wie Plor es jetzt beschreibt tatsächlich als gezielte Beeinflussung der deutschen Sprache verstanden werden will (was ich wie gesagt so dogmatisch nicht sehen würde), dann sind Plors Vergleiche sowieso unpassend. Der Einfluss der französischen oder englischen Sprache auf die deutsche entsteht durch den Kontakt der Kulturen in verschiedenen Ebenen, das ist natürlich und nicht gezielt gesteuert wie es ein wissenschaftlicher gezielter Einfluss wäre. Die deutsche Wissenschaft ist im Gegenteil eher für sehr verkopfte Sprache bekannt, vor allem was die Geisteswissenschaften angeht und hat wenn man ehrlich ist eher keinen Einfluss auf die lebendige Form der Sprache.

Plors Beispiel, gerade wenn er das 19. Jahrhundert heranzieht, wäre wohl eher mit Esperanto vergleichbar, was ein interessantes und ehrenwertes Ziel war, aber genauso wie Gender Mainstreaming im Sinne einer neuen Sprache sich halt niemals durchsetzen wird. Da kann auch jeder Hater absolut beruhigt sein denke ich.
Fiddlejam
Beiträge: 843
Registriert: 23.01.2010 16:04
Persönliche Nachricht:

Re: Feminist Frequency - Anita Sarkeesian plant weitere Form

Beitrag von Fiddlejam »

sabienchen hat geschrieben:"That's not fucking gaming culture, that's shitty people culture"
Zu denken, das wäre eine Ausrede für den Ausgang der Sache ist ehrlich gesagt ziemlich naiv gegenüber dem was "Kultur" beschreibt. Kultur wird von ihren Anhängern geformt, aber ohne deren aktive Willensbekundung. "Gaming culture" wird dementsprechend nicht von wem auch immer definiert und jeder der nicht passt, kann ausgeschlossen werden, sondern vom Verhalten die Leute, die sich Gamer nennen. Und wenn diese sich eben wie Arschlöcher verhalten, dann wird Gamer-Kultur zur Arschloch-Kultur.

Dieser ganze Wahn, jegliche Interaktion und Vernetzung sozialer Konstrukte und Verhaltensweisen ist eines der Grundprobleme von GamerGate.
GamerGate ist keine Belästigungs-Kampagne weil alle in dem Moment, in dem sie belästigen, urplötzlich nichts mehr mit GamerGate zu tun haben, AUS GRÜNDEN; selbst wenn sie den Hashtag verwenden und es selbst so sehen, dass das, was sie tun, GamerGate-relevant ist.
GamerGate ist nicht rechts weil zwar massig prominente Stimmen rechts sind, aber das AUS GRÜNDEN ausgeblendet werden kann, wenn es um GamerGate geht.
GamerGate ist nicht anti-feministisch, obwohl der Großteil des Contents anti-feministisch ist, weil das AUS GRÜNDEN ausgeblendet werden kann.

Diese ganze idiotische "Anti-Gamers" Mentalität basiert ja schon darauf dass man entweder Gamer ist oder wortwörtlich der Rest der Welt. Die ganze "Shut up and play"-Mentalität sagt ja nichts anderes als dass ich gefälligst sämtliche Aspekte meiner Persönlichkeit an der Rezeption abgeben muss, wenn ich versuche, ein Spiel zu spielen. Ich kann nicht Gamer und Feminist sein, nein, entweder muss ich meinen Feminismus unter den Tisch kehren oder ich muss heimlich ein Eindringling sein, der eigentlich gar nicht spielt.
Diese ganze Exklusivitäts-Mentalität ist dabei wieder typisch Imageboard angehaucht, wo GamerGate schließlich entstand, und inherent pseudo-liberal; die Mentalität, dass alle gleichberechtigt sein können, wenn sie "anonym" bleiben - mit anderen Worten, jeder annimmt, dass man ein weißer, heterosexueller Mann ist - und sobald irgend jemand etwas in den Raum wirft, dass ihnen Persönlichkeit gibt, man eine widerwärtige "Attention Whore" sein muss.

Und diese Pseudo-Anonymität wird dann eben sowohl genutzt, um beschissenes Verhalten von Gamern zu rechtfertigen - "das ist ja eigentlich nur eine eklige Person, das hat keinen Zusammenhang zum Gamer-Sein" - als auch jedwede Kritik der Kultur auszuschalten - "Warum muss die Bitch darüber reden, dass sie eine Frau ist? Hätte doch sonst keinen interessiert? Die will nur in unser Hobby eindringen! AH! Ah! AH!"
billy coen 80 hat geschrieben:Alleine schon die Loslösung der westlichen Gesellschaft vom religiösen Dogmatismus wurde nicht gewaltsam erzwungen.
Westlicher Atheismus und Sekularismus in heutiger Form wäre ohne die französische Revolution wie auch die DDR überhaupt nicht denkbar. Noch dazu sollte offensichtlich sein, dass mein "Gewalt"-Begriff weiter geht als deiner. Die Durchsetzung JEDES Gesetzes erfordert Gewalt, wenn auch nicht zwangsläufig physische oder körperliche.
Ich habe meine Ansichten, versuche mich aber von extremistisch angehauchten Ideologismen fernzuhalten, alleine schon, weil einem die Geschichte zu deutlich aufzeigt, wohin so etwas in aller Regel führt.
Ja, ich bin mir sicher, der geistige Schritt von Feminist Frequency zu Stalin ist kein großer.
billy coen 80 hat geschrieben:Bezeichnung Profx
maho76 hat geschrieben:das ist ungefähr so konservativ wie jemandem (explizit nicht nur frau) aus Höflichkeit die tür aufzuhalten (darf man ja heutzutage eigentlich auch nicht mehr).
Wie so oft richtet sich der Anti-Feminismus selbst zugrunde; an eben jener Trivialität, die er so gerne dem Objekt seiner Ablehnung vorwirft.
SethSteiner hat geschrieben:Jemand der sich Feminist nennt, gleichzeitig aber nur zu gern unredliche Mittel nutzt um seine Position zu stärken, ist nicht mehr moderat.
Ich würde ja wirklich, wirklich gerne mal ein vernünftiges Argument hören, WAS sie denn nun eigentlich alles permanent falsch repräsentiert. Und wie immer gilt, ein Euro für mich, wenn es Hitman ist.
Entspechend ist hier Sarkeesian ganz klar als Radikal zu bezeichnen, eben um sie von den Feministen abzugrenzen, die sich mit ihr überhaupt nicht identifizieren und ihre Methoden ablehnen.
Wenn überhaupt, wäre Sarkeesian als "extremistisch" zu bezeichnen. "Radikal" ist nämlich ein etablierter politischer Begriff, und außerhalb gewisser Kreise nicht automatisch negativ konnotiert. Es gibt beispielsweise eine "radikale Mitte". Kann man mal drüber nachdenken.
"Radikaler Feminismus" ist ebenso definiert und heißt erst mal nichts weiter als "Ich glaube, dass patriarchische Gesellschaftsstrukturen existieren".
Benutzeravatar
Lord Hesketh-Fortescue
Beiträge: 867
Registriert: 26.04.2013 22:40
Persönliche Nachricht:

Re: Feminist Frequency - Anita Sarkeesian plant weitere Form

Beitrag von Lord Hesketh-Fortescue »

Wulgaru hat geschrieben:Wenn Gender Mainstreaming wie Plor es jetzt beschreibt tatsächlich als gezielte Beeinflussung der deutschen Sprache verstanden werden will (was ich wie gesagt so dogmatisch nicht sehen würde), dann sind Plors Vergleiche sowieso unpassend.
Selbstverständlich sind das Versuche einer gesteuerten Einflussnahme, daran ist ja grundsätzlich auch nichts verkehrt. Kann man machen. Solange man keinen Hehl draus macht, dass es eben nur Versuche sind, Vorschläge, bei denen man sehen muss, inwiefern sie sich im Alltagsdiskurs irgendwann durchsetzen und andere Formen verdrängen. Ein einigermaßen erfolgreiches Beispiel aus einem ganz anderen Terrain wäre der Schokokuss, während das Balkanschnitzel weniger erfolgreich ist (dahinter steckten ja jeweils auch Bemühungen seitens der Wissenschaft - nicht nur, aber eben auch).

Grundsätzlich habe ich ein Problem mit der unmittelbaren Verkettung und nahezu ungefilterten Durchlässigkeit vieler Cultural- und Genderleute auf der Achse: Sprache - Denken - Handeln. Ich habe mich nun selber mehr oder minder intensiv mit Leuten wie de Saussure, Derrida, Barthes, Althusser oder Foucault beschäftigt, später dann Hall und Co., aber ich halte es nach wie vor für eine Hybris der Kulturwissenschaften, sozusagen mit ein wenig Sprachvoodoo einen unmittelbar erschöpfenden Einfluss auf das Handeln und die gesellschaftlichen (Macht-)Verhältnisse nehmen zu wollen. Dass auch Sprache dabei ein wichtiger Faktor ist, darüber brauchen wir nicht reden. Manchmal erscheint mir dieser Aspekt aber stark überhöht. Mich deucht, dass die Sache dann leider doch wesentlich komplexer ist.
Benutzeravatar
Wulgaru
Beiträge: 29391
Registriert: 18.03.2009 12:51
Persönliche Nachricht:

Re: Feminist Frequency - Anita Sarkeesian plant weitere Form

Beitrag von Wulgaru »

Ich kenne mich da mit der Entwicklung von Wörtern wie Schockokuss im speziellen natürlich nicht aus, da das wohl vor meiner Zeit geschehen ist und ich jetzt kein Sprachwissenschaftler bin der da die historischen Abläufe genau nachvollziehen kann, also wenn der Vorschlag von einer Universität kam...gute idee ist das gewesen....aber solche Wörter verändern sich weil die Gesellschaft sie ächtet, weil diese das alte Wort "Negerkuss" als etwas verwerfliches erkennt.

Wenn zum Beispiel so ein progressives Sprachinstitut in den 50ern gesagt hätte Schockokuss ist das neue Wort, dann hätte das niemanden gejuckt und alle hätten die alten weiter benutzt. Das gleiche gilt für Gender Mainstreaming. Es kann natürlich sein das die Wissenschaft bei Bedarf dann eine neue Wortschöpfung liefern kann, aber sie legt nicht fest was sprachlich benutzt wird. Ein Beispiel wo das ganz natürlich funktioniert hat wäre das Wort Fräulein, was niemand in meiner Generation, benutzen würde unabhängig davon wie modern er denkt. Hat sich überholt, ist aber das Ergebnis einer Entwicklung.

Daher ist aber auch jegliche Angst vor Gender Mainstreaming, wie es ja aus allen möglichen Richtungen immer wieder kommt, völlig unbegründet. Man baut sich da ein Monster auf ohne zu merken das es eh keine Zähne hat...und eventuell auch kein Monster ist. :wink:
Benutzeravatar
Lord Hesketh-Fortescue
Beiträge: 867
Registriert: 26.04.2013 22:40
Persönliche Nachricht:

Re: Feminist Frequency - Anita Sarkeesian plant weitere Form

Beitrag von Lord Hesketh-Fortescue »

Wulgaru hat geschrieben:....aber solche Wörter verändern sich weil die Gesellschaft sie ächtet, weil diese das alte Wort "Negerkuss" als etwas verwerfliches erkennt.
Jep, funktionierte in diesem Fall, weil es da eine Mininmalkongruenz aus veränderten gesellschaftlichen Verhältnissen, entsprechenden Denkmustern und (neuen) Sprachmustern gab. Es erschien zeitgemäß, stringent und plausibel, so konnte sich ein Konsens bilden, den man von wissenschaftlicher Seite allenfalls nur noch ein wenig anstubsten musste. Das unterscheidet es vehement von "ProfX". Vom gänzlich unästhetischen (*schauder*) Sprachklang mal ganz abgesehen.
Benutzeravatar
Wulgaru
Beiträge: 29391
Registriert: 18.03.2009 12:51
Persönliche Nachricht:

Re: Feminist Frequency - Anita Sarkeesian plant weitere Form

Beitrag von Wulgaru »

Lord Hesketh-Fortescue hat geschrieben:
Wulgaru hat geschrieben:....aber solche Wörter verändern sich weil die Gesellschaft sie ächtet, weil diese das alte Wort "Negerkuss" als etwas verwerfliches erkennt.
Jep, funktionierte in diesem Fall, weil es da eine Mininmalkongruenz aus veränderten gesellschaftlichen Verhältnissen, entsprechenden Denkmustern und (neuen) Sprachmustern gab. Es erschien zeitgemäß, stringent und plausibel, so konnte sich ein Konsens bilden, den man von wissenschaftlicher Seite allenfalls nur noch ein wenig anstubsten musste. Das unterscheidet es vehement von "ProfX". Vom gänzlich unästhetischen (*schauder*) Sprachklang mal ganz abgesehen.
Unabhängig von allen politischen Implikationen habe ich zudem erstmal ne James Band Assoziation wenn ich das höre und viele wahrscheinlich auch X-Men. Es ruft bei jemanden der nicht Bescheid weiß worum es in der Diskussion geht also völlig falsche Bilder im Kopf hervor und das ja schonmal völlig ungünstig.

Edit:
Nebenbei @Fiddlejam
Radikaler Feminismus" ist ebenso definiert und heißt erst mal nichts weiter als "Ich glaube, dass patriarchische Gesellschaftsstrukturen existieren".
Das stimmt doch so einfach nicht, radikaler Feminismus geht nach jedweder Definition die ich kenne wesentlich weiter und der Begriff radikaler Feminismus in Anwendung auf Anita mit ihren Tropes ist sogar außerordentlich präzise.
billy coen 80
Beiträge: 1929
Registriert: 02.10.2012 03:39
Persönliche Nachricht:

Re: Feminist Frequency - Anita Sarkeesian plant weitere Form

Beitrag von billy coen 80 »

@ Fiddlejam

Deine Denkstrukturen sind erschreckend binär... Wer seltsame Auswüchse des Feminismus kritisiert, ist auch gleich ein Antifeminist... :roll: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Manchmal klingst du, wie der George W. Bush des Feminismus.

Und natürlich ist deine Definition von Gewalt weiter gefasst, als meine. Ungefähr so weit, dass sie auf alles angewandt werden kann. Warum extra darauf warten, wann es im Kontext passend ist, abschreckende Worte in die Runde zu werfen, wenn man auch einfach die Worte dem Kontext anpassen kann?!

Und nein, über demokratische Prozesse festgelegte Gesetze, welche in der Regel bereits bestehende, mehrheitlich gepflegte, gesellschaftliche Normen festigen, sind nicht, in einer vernünftigen Definition des Begriffes Gewalt, als solche zu interpretieren. Gewaltsame Beeinflussung der Gesellschaft kann nur dann ernsthaft so betitelt werden, wenn eine Minderheit, welche meint, es besser zu wissen, mittels Propaganda, Drohung, Unterdrückung oder eben ausgeübter körperlicher Gewalt einer Mehrheit gegen ihren Willen und / oder ihre Überzeugungen ihre Ansichten aufzwängt, sie zum Mitlaufen nötigt.

Dass es in der Geschichte auch durch kriegerische Eroberungen zu Zivilisationskontakten gekommen ist, wo dann die eine die andere beeinflusst hat, das etwa wär ein Punkt, den du mit deiner These einfahren könntest. Aber in dieser Ganzheitlichkeit wie du es darstellst, nur um deinen hier propagierten Revolutionärfeminismus (Stichwort Konditionierung) zu legitimieren, das halte ich doch für eine sehr heiße Nadel, mit der du deine Argumente hier nähst. Zumal dieser revolutionäre Gedanke, meines Erachtens, in einer aufgeklärten Gesellschaft etwas wirkt, wie ein Relikt.

Was hat im Übrigen die DDR mit der Loslösung vom christlichen Dogmatismus zu tun? Die DDR hat dem Atheismus in Deutschland Vorschub gegeben, aber auch schon Mitte des 20. Jahrhunderts war unsere Gesellschaft doch schon sehr weit von einem Gottesstaat entfernt. Besagte Loslösung begann eher im späten Mittelalter und zog sich natürlich hin. Bei einem so fließenden Prozess lässt sich kein wirkliches Jahr benennen, wann man von Vollzug sprechen könnte. Aber Ulbricht und Honnie hatten da nun wirklich eher weniger Aktien drinne.

Find es übrigens komisch, dass du die Intention meines Sozialismusbeispiels selbst nach Erläuterung nicht verstanden hast (verstehen willst?) und mir stattdessen, in deiner üblichen implizit diffamierenden Art zu konstruieren versuchst, ich hätte damit den Feminismus mit dem Stalinismus zu vergleichen versucht.
Abstraktionsfähigkeit kann man nun mal schlecht lernen, über Internetforen erst recht.

Dass du den Begriff "sozialistische Revolution" mit Stalinismus gleichsetzt, zeigt im Übrigen, dass du auch davon keine Ahnung hast. Aber Hauptsache mit bösen Begriffen um sich schmeißen, die andere aufschrecken lassen... :?

Aber ich würde sagen, wir beenden das nun wirklich endgültig; ich für meinen Teil werde es auf jeden Fall tun. Wulgaru und der Lord diskutieren hier so nett, das will ich hier nicht weiter vergiften...
Benutzeravatar
Temeter 
Beiträge: 18065
Registriert: 06.06.2007 17:19
Persönliche Nachricht:

Re: Feminist Frequency - Anita Sarkeesian plant weitere Form

Beitrag von Temeter  »

Wulgaru hat geschrieben:Nebenbei @Fiddlejam
Radikaler Feminismus" ist ebenso definiert und heißt erst mal nichts weiter als "Ich glaube, dass patriarchische Gesellschaftsstrukturen existieren".
Das stimmt doch so einfach nicht, radikaler Feminismus geht nach jedweder Definition die ich kenne wesentlich weiter und der Begriff radikaler Feminismus in Anwendung auf Anita mit ihren Tropes ist sogar außerordentlich präzise.
Dazu auch nochmal mein Link von vorhin. Ein Hardcore SJW spricht darüber, wie oberflächlich die Arbeit von FemFreq ist, und wie sie damit und ihren Perspektiven à la 'Prostituierte sind Sklaven' selbst viele Feministen abstößt.

http://gamemoir.com/2015/01/10/frequenc ... eaknesses/

Und das ist auch schöner Teil dabei, der darüber schreibt, wie es nicht die absolute feministische Perspektive gibt, als die Anita ihre gerne darstellt, gegen die jede Kritik ein persönlicher Angriff sein muss.
Benutzeravatar
SethSteiner
Beiträge: 11871
Registriert: 17.03.2010 20:37
User ist gesperrt.
Persönliche Nachricht:

Re: Feminist Frequency - Anita Sarkeesian plant weitere Form

Beitrag von SethSteiner »

Fiddlejam hat geschrieben:Ich würde ja wirklich, wirklich gerne mal ein vernünftiges Argument hören, WAS sie denn nun eigentlich alles permanent falsch repräsentiert. Und wie immer gilt, ein Euro für mich, wenn es Hitman ist.
Hitman war ein wunderbar exemplarisches Beispiel aber es gibt viele mehr. Die hatten wir hier schon, die gibts in vielen Antwortvideos auf Youtube, die muss man nicht jedes Mal aufzählen, wenn ein neuer Sarkeesian-Thread auftaucht.
Wenn überhaupt, wäre Sarkeesian als "extremistisch" zu bezeichnen. "Radikal" ist nämlich ein etablierter politischer Begriff, und außerhalb gewisser Kreise nicht automatisch negativ konnotiert. Es gibt beispielsweise eine "radikale Mitte". Kann man mal drüber nachdenken.
"Radikaler Feminismus" ist ebenso definiert und heißt erst mal nichts weiter als "Ich glaube, dass patriarchische Gesellschaftsstrukturen existieren".
Radikal und extremistisch ist ziemlich synonym und du wirst bestimmt nicht sehen, wie ich mich jetzt noch dreißig Seiten streite, weil du lieber extrem als radikal sehen möchtest. Und deine Definition radikalen Feminismus kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, denn radikaler Feminismus muss ja etwas radikales haben und patriarchale Gesellschaftsstrukturen zusehen ist einfach nicht radikal, sondern stinknormaler Feminismus.
Benutzeravatar
FuerstderSchatten
Beiträge: 5146
Registriert: 13.07.2010 01:03
Persönliche Nachricht:

Re: Feminist Frequency - Anita Sarkeesian plant weitere Form

Beitrag von FuerstderSchatten »

Temeter  hat geschrieben:
Wulgaru hat geschrieben:Nebenbei @Fiddlejam
Radikaler Feminismus" ist ebenso definiert und heißt erst mal nichts weiter als "Ich glaube, dass patriarchische Gesellschaftsstrukturen existieren".
Das stimmt doch so einfach nicht, radikaler Feminismus geht nach jedweder Definition die ich kenne wesentlich weiter und der Begriff radikaler Feminismus in Anwendung auf Anita mit ihren Tropes ist sogar außerordentlich präzise.
Dazu auch nochmal mein Link von vorhin. Ein Hardcore SJW spricht darüber, wie oberflächlich die Arbeit von FemFreq ist, und wie sie damit und ihren Perspektiven à la 'Prostituierte sind Sklaven' selbst viele Feministen abstößt.

http://gamemoir.com/2015/01/10/frequenc ... eaknesses/

Und das ist auch schöner Teil dabei, der darüber schreibt, wie es nicht die absolute feministische Perspektive gibt, als die Anita ihre gerne darstellt, gegen die jede Kritik ein persönlicher Angriff sein muss.
Nennt der sich selber so? Also Hardcore SJW, oder wolltest du nur allen zur Schau stellen, dass du ein Rechtspopulist bist? Wenn du das nämlich nicht bist, solltest du dir schnell mal einen ordentlichen Sprachschatz aneignen.