GDC Europe 2010: Warren Spectors Plädoyer

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Jörg Luibl
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Beitrag von Jörg Luibl »

Ja, das stimmt. Und deshalb gibt es auch nicht den Königsweg für Spieldesign.

Mir fällt nur auf, dass jene Spiele, die sich einer Philosophie oder künstlerischen Vision verschreiben, ohne zu viele Kompromisse einzugehen, letztlich eher begeistern. Daher kann ich David Cage nur zustimmen, wenn er an anderer Stelle der GDC den tyrannischen Regisseur oder "erleuchteten Diktator" (so hat er es glaube ich genannt) innerhalb einer Spielentwicklung favorisiert.
johndoe701993
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Beitrag von johndoe701993 »

Wer mal Warren Spectors Deus Ex (und damit meine ich nicht irgendwelche Nachfolger) gespielt hat, hat denke ich keinen Zweifel mehr daran, dass man auch ohne (gerenderte) Zwischensequenzen und/oder durchgescriptete Schlauchlevel eine der dichtesten Atmosphären aller Zeiten schaffen kann. Aber letztlich sind Geschmäcker eben verschieden. Manche quälen sich ja auch durch langweilig inszenierte open-world-Geschichten wie Red Dead Redemption und haben dabei Spaß. ;)
eddievedder
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Beitrag von eddievedder »

D_Radical hat geschrieben: Meiner Meinung nach stellen solche Filmspiele eine anerkennenswerte Gattung von Games da, die aber natürlich wie jedes Genre nur einen bestimmten Anteil des Marktes ausmachen sollten.
Das erlaube ich mir mal als Quintessenz deines schönen Beitrages zu extrahieren. Diese Spielegattung soll es geben, und ich möchte es auch niemandem verübeln, der sich durch sie einfach nur unterhalten lassen will, oder sagen wir es mal frei heraus, auch mal einfach nur berieseln lassen möchte. Absolut legitim und "Have Fun!"

Zum Problem wird es aber leider, wenn diese Filmanleihen in Sachen Inszenierung überhand nehmen und das eigentliche Spiel "dahinter" immer dünnflüssiger wird, während diese Entwicklung überhand nimmt und in andere Genres überschwappt. Dann wird nämlich schnell ein interaktiver Einheitsbrei draus, in dem ich mich zu sehr an die Hand genommen fühle.

Ich will nämlich nicht nur unterhalten werden, was anbei gesagt immer so schrecklich passiv klingt und gar nicht recht zu einem Spiel passen mag, sondern eben... spielen. Und das heisst für mich ausprobieren, Grenzen ausloten, selber entscheiden, wie ich vorgehen möchte, auch mal scheitern dürfen - kurz gesagt spielerische Vielfalt erleben.

Also erstens bitte nicht die unbedingt notwendige Vielfalt der Spielelandschaft im inszenatorischen Cutscene-Sumpf veröden lassen. Zweitens mal wieder ein wenig mehr das Spiel als solches begreifen und dessen Möglichkeiten ausschöpfen anstatt den Spieler zum reinen Konsumenten zu degradieren. Und drittens, und da kann ich Jörg nur zustimmen, wieder mehr Mut zur Kompromisslosikeit und zur Vision dahinter entwickeln, auch wenn das heutzutage wohl sehr schwierig sein dürfte.
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papperlapapp
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Beitrag von papperlapapp »

ich finde es immer sher befremdlich, wie vermeintliche grössen oder möchtegerns des geschäfts, versuchen das phänomen video oder computerspiel in regeln und gesetzmäßigkeiten zu pressen bzw. zu definieren.

es gibt keine regel für einen guten einstige und es gibt keine regel für ein interessantes spielgefühl. das ist mit jeder kreativen leistung so und gerade diejenigen produkte, sei es musik, spiel oder literatur die "regeln" hinter sich lassen, stechen am meisten aus der masse hervor. ob sie dabei kommerziell erfolgreich sind, steht auf einem anderem papier.
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bnaked
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Beitrag von bnaked »

Auszug aus dem David Cage Bericht:
"Die spielerische Herausforderung nimmt für den Franzosen eine untergeordnete Rolle ein; für ihn zählt, was man beim Spielen erlebt."

Genauso sehe ich es auch.

Wie ich immer zu sagen pflege: "Das Erlebnis zählt"

Und da ist es egal, wie das Spiel letztendlich designt ist!

Uncharted 2 überzeugt genauso wie Deus Ex und Super Mario Galaxy.. Diese Spiele unterhalten einen nur auf unterschiedlicher Weise..

Warum muss ein Spiel unbedingt dramatisch und/oder emotional sein, damit es gut ist? Wer sagt, dass Spiele unbedingt anspruchsvoll sein müssen? Oder warum muss ein Spiel uns unbedingt spielerische Freiheit geben? Ist Deus Ex besser als Uncharted 2? Ist Indiana Jones schlechter als LA Crash?

Fragen über Fragen.. :-)

Ich liebe alle Spiele und Filme, solange sie auf hohem Niveau sind! Und als Action-Adventure ist Uncharted 2 nunmal auf höchstem Niveau, genauso wie Deus Ex für einen Shooter mit RPG Elementen auf höchstem Niveau ist.
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bruchstein
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Beitrag von bruchstein »

Herrlich dieser Mann, man glaubt es gar nicht das es so einen in der Spielebranche überhaupt noch gibt....

Der gibt ganz klar die richtlinie für die zukunft raus

weg von dem seichten Mist mit zu engen korsett....mehr Gameplaymöglichkeiten....

weg von den scripts alle paar meter...die sollen besser filme machen
Nur bei MGS funktionierte das, weil es stimmig und sehr speziell u sehr gut gemacht ist. (zwar mit einer massiven länge ((der Keks gehört mir)) aber nicht ständig. u ein perfektes timing) ...und mich nicht beim Gamen behindert oder etwas weggenommen hat. Allerdings beim nächsten MGS erwarte ich eine kleine Revolution auf jeder Ebene......Resi5 ist dafür ein negativbeispiel mit seinen ständigen billigen scripts


mehr kreative möglichkeiten für den Gamer
(U2 ist das krasse Gegenteil)

und vor allen nicht nur für (sehr)junge männliche Gamer produzieren...da meinte er wohl die shooter in ihrer heutigen Form

ja das ist gut....sehr gut :D
Zuletzt geändert von bruchstein am 17.08.2010 17:55, insgesamt 5-mal geändert.
johndoe702031
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Beitrag von johndoe702031 »

Interessanter Artikel. Ich sehe das größtenteils auch so wie W.S. Aber letztlich dreht man sich bei dieser Diskussion um das Verhältnis von Spiel und Film, die ja immer wieder bei Spielen wie MGS oder Heavy Rain erneut aufflammt, auch immer etwas im Kreis. Denn gegen das Totschlagargument "Geschmäcker sind halt verschieden" ist ja kaum was vorzubringen. Cutscenes, Levelschläuche, Bombastinszenierung, gescriptete Events etc. können ebenso fesseln wie totale Freiheit, Entdeckung, Entscheidungen usw., oder eine x-beliebige Kombination daraus, den Spieler halt wahlweise an die "lange Leine" oder die "kurze Leine" zu nehmen. Ich denke grob

1. So gut wie jedes Spiel ist heutzutage ein Spiel/Film-Hybrid. Es ist also keine Frage des "Ob", sondern nur des "Wie" einer Implementierung von Filmelementen. Letztlich bleibt es aber ein Spiel, also müssen sich die Filmelemente sinnvoll und konsequent in das Spielkonzept integrieren, so dass sich ein stimmiges Gesamtbild ergibt und es nicht aufgesetzt wirkt.

2. Wirklich weiterentwickeln kann sich das Medium Spiel nur durch Hochhalten der eigenen Fahne, Ausspielen der eigenen Stärken. Eine Anbiederung an den Film kann auch super funzen und es kann ein tolles Spiel entstehen, wirkliches Entwicklungspotential sehe ich aber bei der Spiel-exklusiven Trumpfkarte "Interaktion" mit den Teilaspekten Entscheidung (bzgl. Dialoge, Handlung, Vorgehen...), Entdeckung, Erkundung usw. Wie gesagt, filmische Elemente weiter ausbauen und verfeinern - nichts dagegen - her damit! Aber das Potential für die Weiterentwicklung der Spiele wird imo überschätzt. Aber ok, Geschmackssache (Totschlagargument :D, da isses wieder )

3. Mich nervt nicht in erster Linie die starke Implementierung von Filmelementen in Spielen, sondern die krasse Ausrichtung auf den "Hollywood-Action-Blockbuster mit Boll-Einschlag". Arrgg, wieso muss es meist dieser Scheiß sein? (Wir alle wissen natürlich wieso!). Das ist absolut eindimensional, reduziert die filmischen Mittel drastisch (z.B. auf Effekte) und ist ein Tritt in die Klöten eines jeden Spielers, der sich für halbwegs anspruchsvoll oder sowas hält. Da ist noch vieeeeel mehr drin. Was nicht heißen soll, dass ein plumpes Action-Geballer mit Dialogen von der Stange nicht auch richtig rocken kann!! Aber das ist mir halt durch die Bank noch viel zu B-Movie-mäßig, was da auf uns losgelassen wird, auch das, was von Industrie als vermeindlich anspruchsvoll vermarktet und der Spielepresse brav abgefeiert wird.

HR hab ich zwar nicht gespielt, aber bei Fahrenheit war es krass, wie sehr das als "hochwertige" literarische Kost von der Presse gefeiert wurde. Ebenso teils bei FF oder MGS (beide tolle Spiele, nicht missverstehen). Ich finde aber, wenn sich ein Spiel so ausufernd beim Film bedient, dann sollte es auch nach den gängigen Maßstäben der Filmkritik bewertet werden. Fahrenheit war sicher nicht Boll-Style, aber doch ein ganz schöner B-Movie-Thriller. Wäre schön, wenn man schon legitimerweise vom älteren Genre Film abkupfert, dann wenigstens auch mal andere Niveaustufen als den klischeetriefenden B-Movie anzupeilen. Mir ist schon klar, dass die Bindung ans Gameplay solche anspruchsvollen Handkungen und Inszenierungen erschweren kann, aber da sollte trotzdem noch gewaltig Luft nach oben sein. Da darf man als Spieler sicher auch von den Filmlementen mehr fordern und die Kritik der Spielemagazine könnte, nun ja..., kritischer sein. Natürlich darf man Entwicklern mit guten Bewertungen für gute Ansätze auf die Schulter klopfen, aber gleich völlig durchdrehen bei einem leisen Anflug von literarischen Anspruch halte ich für einen klaren Fall von "sich zu schnell zufrieden geben". Zumal ja der Einfluss von Kritik auf zukünftige Entwicklungen kaum hoch genug eingeschätzt werden kann.

Boah Mist, voll den Roman jetzt geschieben, sorry! Lange Posts sind doof...
Archduke
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Registriert: 28.07.2010 00:04
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Beitrag von Archduke »

habe die Keynote gestern gesehen.

Hat mich jetzt nicht umgehauen. Der liebe Herr Spector hat nur über Sachen erzählt die schon lange bekannt waren. Aber nicht wirklich neues.

Er gab auch keine Aussichten, wie sich die Medien in Zukunft ins Spieledesign einfließen.