Da möchte ich kurz nochmal auf deine Anmerkung zu Punkt 1 eingehen, denn das sehe ich grundlegend anders:IxAxUx hat geschrieben:(Aufzählungen stammen von mir)Mauricius hat geschrieben: [...]
[1.]Da es sich bei Spielen nicht um ein Grundbedürfnis handelt, ist das uneingeschränkt in Ordnung.
[...]
[2.]Es gibt gewisse Grundregeln, die Systeme funktionieren lassen.
[...]
[3.]Wenn ich morgens Brötchen hole, dann finde ich es nur fair und sogar cool, dass der Bäcker und die Verkäuferin davon leben können, mir diese leckeren Brötchen zu verkaufen.
[...]
Zuerst will ich sagen, dass ich deinen Kommentar verstanden habe und deine Kernaussage verstehe und mit dieser übereinstimme, aber dennoch ein paar Anmerkungen:
1. Natürlich sind Spiele keine elemantaren Dinge, wie es Nahrungsmittel sind, die man zum überleben braucht. Aber ein Grundbedürfnis sind sie auf jeden Fall. Das gilt vor allem in den westlichen Industrieländern und konkret für die dort männlichen 10-15 Jährigen. In der kommenden Generation wird es vermutlich noch "schlimmer" sein. Das schließt natürlich nicht das Argument aus, dass man sich die Spiele kaufen kann.
Aber die Spieleindustrie hat sich die Misere teils selbst eingebrockt: Mit gezielten Werbekampagnen "hypt" sie jedes Spiel in den Himmel und macht es für den Konsumenten schwer, sich auf ein einziges Spiel zu fokussieren, welches er haben möchte und meist sogar bezahlen könnte. Da er sich aber durch die gezielten Werbekampagnen der Industrie nicht für ein einziges Spiel entscheiden kann, versucht er mehrere/alle zu bekommen. Was macht er? Genau, er lädt sie sich aus dem Netz oder brennt sie sich anderswo. Das hat zur Folge, dass er denkt: "Wieso soll ich mir denn mein Lieblingsspiel kaufen, wenn ich es mir gleichzeitig mit allen anderen runterladen kann?" Das Argument, dass man sich aufgrund der vorhandenen finanziellen Mitteln nur hätte ein Spiel kaufen können und der Werbung hätte standhalten müssen, zählt meiner Ansicht nach nur bedingt: Die Werbeleute sind, wie wahrscheinlich jeder weiß, geschickt in Sachen Konsumforschung und Psychologie. Sie wollen, dass man alle ihre angepriesenen Dinge kauft. Leider fehlt dem potenziellen Käufer fast immer das benötigte Geld. Ich finde, dass man dem Raubkopierer daher nur eingeschränkt als Täter sehen kann. Denn er ist in der Hinsicht Opfer, als das man mit ihm "Psychospiele" getrieben hat.
Zu Punkt 3.: Der wesentliche Unterschied ist aber der, dass man beim Bäcker meist vor einer kleinen Theke steht und eventuell nur ein paar Kunden vor dir an der Kasse eine Schlange bilden. Meist kennt man den Bäcker/Verkäufer auch persönlich, oder zumindest vom Sehen her. Bei Spielen ist es anders: Die Entwickler kennt man zunächst gar nicht. Mit denen hat man also nichts am Hut. Aber auch mit dem Verkäufer beim Elektronikladen habe ich nichts zu tun. Ich kenne ihn weder persönlich, noch vom sehen her. Und sollte ich das "Verkäufergesicht" doch schonmal erkannt haben, dann wird er mich aber nicht kennen, denn er bedient täglich x hundert/tausend Menschen. Alles ist unpersönlich. Es kann sogar sein, dass man sich die Spiele nur per Onlineportalen kaufen würde. Dort ist die Anoymität noch stärker vorhanden.
Zu Punkt 2.: Es kann auch dazu kommen, dass ein System nicht mehr als passend angesehen wird und geändert werden muss. Und genau das sollte die Spieleindustrie einsehen und ihre Strategien ändern, anstatt einen großen Teil einer ganzen Spielergeneration zu kriminalisieren. Das ist nämlich etwas, was in meinen Augen unmoralisch ist! Bisher macht die Spieleindustrie nichts, was das Problem zur Zufriedenheit beider Seiten löst. Stattdessen immer wieder Worte über die bösen Kriminellen und gleichzeitig die Situation durch bekloppte Kopierschutzmaßnahmen nicht annährend verbessern.
Ich sage es nochmal: Ich bin auch dafür, dass Raubkopierer per Gesetz bestraft werden können. Ich glaube auch, dass die Entwickler durch die Raubkopierer Schaden nehmen. Aber ich sehe die Schuld auch (aber nicht nur) bei der Industrie: Sie "hypt" jedes Spiel in den Himmel und "zwingt" vor allem junge Menschen, sich diese Spiele zu kaufen. Und sie gibt sich keine (oder einfach nicht genug) Mühe, das Problem zur Zufriedenheit beider Seiten zu lösen.
EDIT:
Ich möchte noch etwas hinzufügen: Natürlich steht nicht nur die Spieleindustrie in der Pflicht, das Problem zu lösen, sondern auch die Konsumenten und vor allem die Raubkopierer müssen ebenfalls bereit sein, der anderen Seite entgegenzugehen. Leider sehe zumindest ich ein solches Entgegenkommen nicht wirklich. Beide Seiten zögern.
Auch zum Thema Werbekampagnen und finanzielle Situation von Jugendlichen will ich noch etwas sagen: Wie gezielt die Werbekampagnen auf Menschen einwirken, bzw. wie bereit die Menschen sind sich diesen hinzugeben, hängt natürlich auch vom persönlichen Umfeld ab. Das Problem aber ist: Meist handelt es sich um Jugendliche, die eben sehr anfällig für so etwas sind, und zum anderen können deren Eltern nicht viel dagegen tun. Die Technik ist ihnen einfach zu fremd, als das sie "mitreden" könnten. Was sollen Eltern tun? Stubenarrest? Taschengeldkürzung? Diese "altehrwürdigen" Starfen funktionieren nicht mehr. Die Gamer freuen sich, wenn sie nicht raus an die frische Luft müssen. Und kein Taschengeld ist kein Problem, denn Spiele können notfalls runtergeladen werden.
Dass ein Hersteller von was auch immer sein Produkt bestmöglich bewirbt, ist doch nur legitim. Und klar kann ich verstehen, dass gerade jüngere Leute unter einem gewissen Druck strehen was dazugehören und mitreden können anbelangt. Das war vor 15 Jahren, als ich 15 war, nicht anders. Damals waren es halt weniger Videospiele denn Markenklamotten, und dennoch ist nicht jeder zweite losgezogen und hat Bekleidungsgeschäfte bestohlen.
Und genau diesen signifikanten Unterschied mahne ich an, wenn es darum geht, den Wert eines Produktes anzuerkennen und einen entsprechenden Gegenwert (Geld) zu erbringen.
Die Hemmschwelle, bei einem Herrenausstatter eine Hose zu klauen ist weit höher als die, ein Spiel illegal herunter zu laden. Moralisch gesehen ist aber beides gleich gewichtet. Weil beide Taten dasselbe Prinzip aushebeln.
Und nochmal, das gezielte Bewerben finde ich unproblematisch. Problematisch ist hingegen das "Immer alles haben wollen/müssen"-Gefühl der Konsumenten. Da sind allerdings eher Eltern und Erziehung gefragt, denn die Werbeindustrie. Ich wüsste auch nicht, was von Entwickler/Publisher-Seite da an Entgegenkommen erwartet wird?
Wie ist denn das Entgegenkommen von Bekleidungshersteller etwa in einem Nike-Store? Ladendiestahl wird unverzüglich angezeigt, aber ein kleines Teil darfst du mitnehmen?
