Ich finde die Vorstellung immer wieder seltsam, dass irgendetwas etwas anderes völlig ersetzen soll. Egal ob es nun Streaming oder VR oder AR ist. Mir scheint, man ignoriere dabei nur all zu gern nicht einfach nur technische Möglichkeiten, sondern maßgeblich Effektivität und Komfort. Durch die Menschheitsgeschichte hindurch hat man Werkzeuge entwickelt und die Werkzeuge der Aufgabe und dem menschlichen Körper angepasst. Auf die Weise haben sich soviele verschiedene Formen von Werkzeugen in allen möglichen Bereichen entwickelt. Alles hat seinen Anwendungszweck aber nicht alles ist einfach austauschbar. Das musste die US-Navy auch feststellen als sie Tablets in ihre Schiffe einbaute:
https://www.theverge.com/2019/8/11/2080 ... l-controls
Mich erinnert das auch immer wieder daran, wenn Minority Report als Beispiel herangezogen wird, wo Tom Cruise die Gestensteuerung genutzt hat und in der Luft seine Hände hin und herbewegt hat. Das wirkt zwar futuristisch und cool aber man muss schon ignorieren, wie umständlich und anstrengend so ein Arbeitsplatz wäre, um das tatsächlich als eine Alternative zu einem PC mit Maus und Tastatur zu sehen. Dasselbe mit Sprachsteuerung, was man trotz der weiten Verbreitung im Alltag ebenso kaum beobachten wird. Diese ganzen Steuerungsmöglichkeiten haben alle ihre Anwendungsgebiete und damit ihre Daseinsberechtigung aber die Vorstellung, dass irgendetwas alles andere ersetzt ist äußerst befremdlich, weil der Sinn sich entschließt.
Zum digitalen Arbeitsplatz:
Ich arbeite in einer (gigantischen) Firma, in der man jetzt im Jahr 2020, trotz 50 Jahren Computern, endlich hofft die Digitalisierung abzuschließen oder zumindest einen Meilenstein zu erreichen. Das wird höchstwahrscheinlich nicht klappen und die Programme mit denen ich arbeite sind in Hinsicht auf Usability ein ziemlicher Witz, soweit dass Abstürze ohne irgendeine Art von Überlastung normal sind oder bei "zuvielen" Druckaufträgen diese am Ende vom System durcheinandergebracht werden. Keine Frage, es gibt sicher Unternehmen die schon digitalisiert sind aber die Masse hat es in einem halben Jahrhundert nicht hinbekommen. Das muss man sich mal vorstellen, 50 Jahre und das papierlose Büro ist in einem der reichsten, westlichen Industriestaaten noch nicht mal ansatzweise flächendeckend umgesetzt. Da kann man sich vorstellen, wie lange das erst dauert, wenn man hier soetwas wie Tablets, VR oder AR unterbringen will, die sich womöglich noch als ineffektiver herausstellen.
Und was Spiele angeht:
Auch hier, sehe ich nur eine Alternative. Möchte ich denn wirklich jeden Shooter mit Brille mit viel Bewegung spielen? Oder vielleicht doch lieber gemütlich im Sitzen mit Maus und Tastatur? Es wird immer wieder in den Konsolen/PC Diskussionen erwähnt, wie mancher Konsole bevorzugt, weil er/sie gemütlich auf dem Sofa spielen kann. Zwar kann man genauso gemütlich am PC sitzen aber sei es drum, das Argument des Komfort ist der entscheidende Punkt und ich kann nicht sehen, wie der einfach wegfallen sollte.