Cyberpunk 2077 ist "von Natur aus politisch"; bessere Immersion durch Ego-Perspektive

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Bachstail
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Re: Cyberpunk 2077 ist "von Natur aus politisch"; bessere Immersion durch Ego-Perspektive

Beitrag von Bachstail »

CryTharsis hat geschrieben: 30.07.2018 15:24Ich sehe hier kein Problem, da man den Char wahrscheinlich sowieso ständig in Cutscenes und Dialogsequenzen sehen wird.
Ich sehe ebenfalls erst einmal keines, deswegen bin ich auch keiner von denen, die sich jetzt massiv an diesem Thema aufhängen.

Ich finde eine fehlende 3rd Person-Ansicht zwar schade aber das wird für mich letztlich nichts am Spiel ändern, wenn es mich zu überzeugen weiß - und das tut es mit der Thematik und der allgemeinen Stilistik bereits -, dann kann ich da locker drüber hinwegsehen.
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Sir Richfield
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Re: Cyberpunk 2077 ist "von Natur aus politisch"; bessere Immersion durch Ego-Perspektive

Beitrag von Sir Richfield »

Jondoan hat geschrieben: 30.07.2018 15:15 Wie ist das denn in Altered Carbon dargestellt?
Wie üblich: Protestierer mit Schildern vor "Gebäude" wahlweise Regierung oder Firma.
Bzw. immer da, wo wichtige Figuren aus irgendeinem Gebäude treten.

Evtl. ist der ein- oder andere Anschlag dabei, habe ich aber bei AC vergessen.

Achja, ich rede über die Serie, Bücher nicht gelesen, muss erst noch The Expanse nachholen auf Papier.

Die beste Szene in Altered Carbon war für mich eh in der ersten Folge, als die Eltern ihre (afaik) achtjährige Tochter abholen. Diese eine Szene sagte mehr als manche in sechs Staffeln.
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muecke-the-lietz
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Re: Cyberpunk 2077 ist "von Natur aus politisch"; bessere Immersion durch Ego-Perspektive

Beitrag von muecke-the-lietz »

hydro skunk 420 hat geschrieben: 30.07.2018 15:17
muecke-the-lietz hat geschrieben: 30.07.2018 14:55
Sir Richfield hat geschrieben: 30.07.2018 14:30
Jetzt ist die Wahl der Perspektive aber schon eines der Kernelemente des Spiels, um das man viele andere Teile des Spieles herum designen und programmieren muss.

Du kannst ja auch nicht sagen "Quadrate, Hexfelder, wo ist der Unterschied, sind nur zwei Seiten mehr..." :)

Und so richtig die Diskussion ist doch gar nicht losgegangen, oder? Ich meine, hier werden ein paar Präferenzen genannt, aber es war noch keiner, der gesagt hat "Also in FPS kann ich nicht, alles blöd!", oder??
Hier noch nicht - ja. Aber erinnere dich an die Woche nach der E3.

Und aus designtechnischer Sicht und Entwicklersicht ist die Wahl der Perspektive sicherlich alles andere als trivial. Davon habe ich aber auch nicht gesprochen.

Aber das reicht mir persönlich jetzt auch zur Perspektive. Wie gesagt. Mir ist das so dermaßen wurscht. Das ist eine Designentscheidung, welche sich hoffentlich positiv auf der Erlebnis auswirkt. Wenn nicht, will ich nichts gesagt haben, ich kenne das Spiel halt nicht, und weiß auch nicht, ob das gesamte Spiel da drum herum aufgebaut wurde. Ich weiß nur, dass sich das HUD je nach implantierten Augmentierungen verändern soll, und das spricht meiner Meinung schon sehr für die FPS. Auch das Setting in engen Hochhausschluchten und Innenräumen klingt für mich eher nach FPS, aber ich lass mich überraschen.

Bisher weiß man ja als normaler Spieler so gut wie nichts über CP2077. Das Spiel kann auch totaler Rotz sein, und ein auf Massengeschmack getrimmter OW Shooter mit ein paar oberflächlichen RPG Elementen. Wie gesagt, kein Plan.

@Jondoan

Genau so ähnlich meinte ich das auch. Es ist eben Ubisofts feige Haltung, das politische Potenzial, welches ihre Spiele haben, nicht anzuerkennen aber auch nicht zu nutzen. So bleibt alles immer sehr vage und sehr oberflächlich, aber es sind und bleiben ja trotzdem politische Themen. Das führt für mich manchmal beim zocken zu einem seltsamen Gefühl.

Und es freut mich an dieser Stelle ebenfalls außerordentlich, dass CDPR sich nicht davor drücken wollen.
Bin mir nicht sicher, ob "feige" die richtige Interpretation ist. Ich denke mir eher, dass manch ein Entwickler einfach einen ganz anderen Fokus bei der Entwicklung eines Spiels hat. Sir Richfield hatte es kurz angerissen. Far Cry wird als Open World Fun Shooter mit oberflächlicher Rache-Story rausgehauen, weil der Kunde das genau so haben will.

Ubisoft hat mit Watch Dogs 2 übrigens bewiesen, dass sie ganz und gar nicht feige sind, wenn sie denn wollen. Hier wird das Thema korrupte Mächte sehr ernst behandelt und bestimmte Dinge schonungslos aufgedeckt. Ubi bezieht hier unübersehbar Stellung.
Ja, eben ja nicht. Das ist doch genau das Problem. Im Interview darauf angesprochen hat man ja sämtliche politische Bezüge und Aussagen in seinen Spielen verneint. Genau das meine ich doch. Man hat durchaus politische Storys und Szenarien, aber entweder kratzt man sie nur oberflächlich an, oder verleugnet einfach jede Aussage, welche zum Teil aber extrem offensichtlich drin ist.

MachineGames und Bethesda hatten bei Wolfenstein The New Colossus auch den Mut gleich klar zu stellen, dass das Spiel ein antifaschistisches Statement ist, weil alles andere auch komplett lächerlich gewesen wäre.

Aber Ubisoft, welche zum Teil nicht mal viel weniger deutliche Spiele machen, wie u.a. Watchdogs 2 oder auch Southpark, verleugnen das einfach, weil man Angst hat, Käufer zu verscheuchen.

Und genau deswegen freut mich die eindeutige Aussage an dieser Stelle halt sehr, weil man dann davon ausgehen kann, dass man in dem Spiel keine Rumdruckserei erleben wird. Es müssen ja nicht mal politische Plattüden sein, mit denen die Macher um sich schmeißen, oder linke Gutmenschenpropaganda oder rechter Bullshittalk, sondern eine wirkliche Auseinadersetzung mit aktuellen Themen und Entwicklungen und wie diese sich in nicht allzu ferner Zukunft äußern könnten, in einer Welt der Absoluten Herrschaft des Marktes und des Geldes und der totalen Oberflächlichkeiten.

Auch die Frage nach Geschlechtern, nach Rassen, nach Herkunft und Nationalitäten und vielen anderen Dingen, die uns von Geburt an individualisieren, wird in einem Szenario hochspannend, in dem man sich auf künstlichem Wege zu einem völlig anderen Menschen machen lassen kann. Und wie wird mit denen umgegangen, die sich das nicht leisten können. Auch eine Frage, die bereits hochinteressant in Deus Ex: HR angesprochen wurde, die aber auf gesellschaftlicher und persönlicher Ebene in CP2077 viel tiefgründiger angesprochen werden kann.

Nur am Rande - soviel Tiefgründigkeit brauche ich nicht in jedem Spiel, genauso wie politische Inhalte. Aber wenn man sich für bestimmte Szenarien und Inhalte entscheidet, darf man dann eben nicht rumdrucksen und an der Oberfläche bleibe, nur aus der Angst heraus, Käufern von der einen oder anderen politischen Seite vor den Kopf zu stoßen und ggf. potenzielle Käufer zu verlieren.

In Bezug auf Ubisoft heißt das - wenn ihr keine Lust habt, über ein extremes und faschistisches Verständnis von politischer Religion zu reden, in einer Zeit, wo gerade dieses weltweit wieder zunimmt, auch in der ach so hochentwickelten westlichen Welt, dann lasst es einfach sein. Aber spielt nicht mit Versatzstücken davon, um euch dann, da wo es wehtun könnte, schnell weg zu ducken.

Und Watchdogs 2 betrachte ich eh als einen positiven Ausrutscher von Ubisoft, was so mainstreamige OW Spiele anbelangt. An dem Spiel hat ja so einiges gestimmt, wenn man erstmal verstanden hat, dass schon diese Hipster Hauptfiguren ein einziger großartiger Gag der Entwickler waren - und trotzdem sind sie einem zum Schluss hin doch noch ans Herz gewachsen.
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DARK-THREAT
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Re: Cyberpunk 2077 ist "von Natur aus politisch"; bessere Immersion durch Ego-Perspektive

Beitrag von DARK-THREAT »

Was ist das Spiel denn eigentlich? Also wenn es mehr um Story geht, finde ich die Ego-Perspektive eher schlecht und nicht fördernd. Eine Ego-Perspektive finde ich im Allgemeinen nur gut, wenn ich mich dort reinversetzen kann/will. So wie in Ego-Shooter im MP oder in Rennspielen.
Aber in typische Games mit Story habe ich deutlich mehr Spass, wenn ich mein Charakter sehe und wie er im Spiel interagiert. Denn nicht ich will interagieren sondern will ich, dass die 3. Person das tut. Wie eben in Spielen die so funktionieren: GTA, Watch Dogs, Assassins Creed, Heavy Rain, Detroit, Quantum Break, Sunset usw... Diese Spiele in Ego finde ich einfach nicht richtig.

Das Spiel wird wohl nie von mir gekauft werden, wegen der Ego-Perspektive!
Zuletzt geändert von DARK-THREAT am 30.07.2018 15:55, insgesamt 1-mal geändert.
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hydro skunk 420
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Re: Cyberpunk 2077 ist "von Natur aus politisch"; bessere Immersion durch Ego-Perspektive

Beitrag von hydro skunk 420 »

muecke-the-lietz hat geschrieben: 30.07.2018 15:33 Ja, eben ja nicht. Das ist doch genau das Problem. Im Interview darauf angesprochen hat man ja sämtliche politische Bezüge und Aussagen in seinen Spielen verneint. Genau das meine ich doch.
Naja, aber bis auf WD2 stimmt das doch auch?
Wie gesagt, alles Fun-Games, welche nie mehr als das sein sollten. Deshalb auch die oberflächliche Behandlung der Szenarien.

Einzig zu WD2 passt deren Aussage nicht so wirklich.

Und Watchdogs 2 betrachte ich eh als einen positiven Ausrutscher von Ubisoft, was so mainstreamige OW Spiele anbelangt. An dem Spiel hat ja so einiges gestimmt, wenn man erstmal verstanden hat, dass schon diese Hipster Hauptfiguren ein einziger großartiger Gag der Entwickler waren - und trotzdem sind sie einem zum Schluss hin doch noch ans Herz gewachsen.
Hier bin ich komplett bei dir. Starkes Spiel in nahezu jeder Hinsicht. Und wirklich klasse Charaktere, die Ubi permanent auf die Schippe nimmt.
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Sir Richfield
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Re: Cyberpunk 2077 ist "von Natur aus politisch"; bessere Immersion durch Ego-Perspektive

Beitrag von Sir Richfield »

DARK-THREAT hat geschrieben: 30.07.2018 15:53Wie eben in Spielen die so funktionieren: GTA, Watch Dogs, Assassins Creed, Heavy Rain, Detroit usw... Diese Spiele in Ego finde ich einfach nicht richtig.
Klar wären die in Ego nicht richtig, weil die - wie du sagst - so funktionieren.
Keines dieser Spiele erzählt eine Geschichte aus DEINER Perspektive, HR und Detroid schon dreimal nicht, sind auch andere Genres...

Ach, und keines ist ein RPG...
Das Spiel wird wohl nie von mir gekauft werden, wegen der Ego-Perspektive!
Deine Entscheidung.
Hast du eigentlich irgendein 1st Person RPG gespielt? Nur so aus Interesse, ob das überhaupt dein Genre ist.
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Re: Cyberpunk 2077 ist "von Natur aus politisch"; bessere Immersion durch Ego-Perspektive

Beitrag von Sir Richfield »

hydro skunk 420 hat geschrieben: 30.07.2018 15:55
Und Watchdogs 2 betrachte ich eh als einen positiven Ausrutscher von Ubisoft, was so mainstreamige OW Spiele anbelangt. An dem Spiel hat ja so einiges gestimmt, wenn man erstmal verstanden hat, dass schon diese Hipster Hauptfiguren ein einziger großartiger Gag der Entwickler waren - und trotzdem sind sie einem zum Schluss hin doch noch ans Herz gewachsen.
Hier bin ich komplett bei dir. Starkes Spiel in nahezu jeder Hinsicht. Und wirklich klasse Charaktere, die Ubi permanent auf die Schippe nimmt.
Blöderweise hat Watch_Dogs 2 ein Riesenproblem: Watch_Dogs
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Re: Cyberpunk 2077 ist "von Natur aus politisch"; bessere Immersion durch Ego-Perspektive

Beitrag von DARK-THREAT »

Sir Richfield hat geschrieben: 30.07.2018 15:58 Hast du eigentlich irgendein 1st Person RPG gespielt? Nur so aus Interesse, ob das überhaupt dein Genre ist.
Rollenspiele, gerade mit Live-Action-Gameplay (also nicht auf Rundenbasis) finde ich allgemein nicht spannend, um es mal sanft aus zu drücken.
Ich ging bei Cyberpunkt eher immer von einen Story-Shooter aus. Rollenspiele gibt es doch zu Hauf und immer mehr, und andere Genres bekommen RPG-Anteile noch und nöcher (hat mir mein Tomb Raider kaputt gemacht!). Es geht auch ohne Sammeln, Suchen, Looten und fünfhundert versch. Waffen im Rucksack (find ich eh unrealistisch solche Sachen).

Fallout 4 habe ich mal an einem Gratis-Wochenende versucht. Mehr als eine Stunde habe ich es aber nicht ausgehalten. Für mich war es kein gutes Spiel. Spiele wie The Witcher oder Hellblade fass ich erst gar nicht erst an; mag kein Mystisches-Fantasy-Ritter-Camelot-Zeugs.

Also ich habe Assassins Creed (Unity) dieses Jahr ausprobiert. Also für mich spielt sich das wie ein RPG.... flog btw auch von der Platte.
Sir Richfield hat geschrieben: 30.07.2018 15:59 Blöderweise hat Watch_Dogs 2 ein Riesenproblem: Watch_Dogs
Teil 1 war Bombe, der 2. Teil war mies.
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Re: Cyberpunk 2077 ist "von Natur aus politisch"; bessere Immersion durch Ego-Perspektive

Beitrag von hydro skunk 420 »

DARK-THREAT hat geschrieben: 30.07.2018 16:05
Sir Richfield hat geschrieben: 30.07.2018 15:59 Blöderweise hat Watch_Dogs 2 ein Riesenproblem: Watch_Dogs
Teil 1 war Bombe, der 2. Teil war mies.
Puh, ok.

Ich mochte übrigens beide, wenngleich der zweite Teil spielerisch klar überlegen ist.
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Re: Cyberpunk 2077 ist "von Natur aus politisch"; bessere Immersion durch Ego-Perspektive

Beitrag von DARK-THREAT »

hydro skunk 420 hat geschrieben: 30.07.2018 16:09 Puh, ok.

Ich mochte übrigens beide, wenngleich der zweite Teil spielerisch klar überlegen ist.
Teil 2 war mir zu hyperaktiv, bunt, unübersichtlich. Das Nerd-Yolo-Gehabe gab mir den Rest, ab da deinstalliert und weiterverkauft. Knapp 1,5h Spielzeit.
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muecke-the-lietz
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Re: Cyberpunk 2077 ist "von Natur aus politisch"; bessere Immersion durch Ego-Perspektive

Beitrag von muecke-the-lietz »

hydro skunk 420 hat geschrieben: 30.07.2018 15:55
muecke-the-lietz hat geschrieben: 30.07.2018 15:33 Ja, eben ja nicht. Das ist doch genau das Problem. Im Interview darauf angesprochen hat man ja sämtliche politische Bezüge und Aussagen in seinen Spielen verneint. Genau das meine ich doch.
Naja, aber bis auf WD2 stimmt das doch auch?
Wie gesagt, alles Fun-Games, welche nie mehr als das sein sollten. Deshalb auch die oberflächliche Behandlung der Szenarien.

Einzig zu WD2 passt deren Aussage nicht so wirklich.

Und Watchdogs 2 betrachte ich eh als einen positiven Ausrutscher von Ubisoft, was so mainstreamige OW Spiele anbelangt. An dem Spiel hat ja so einiges gestimmt, wenn man erstmal verstanden hat, dass schon diese Hipster Hauptfiguren ein einziger großartiger Gag der Entwickler waren - und trotzdem sind sie einem zum Schluss hin doch noch ans Herz gewachsen.
Hier bin ich komplett bei dir. Starkes Spiel in nahezu jeder Hinsicht. Und wirklich klasse Charaktere, die Ubi permanent auf die Schippe nimmt.
Der Witz ist aber, du kannst FC gerne als Fun Games darstellen, der Inhalt von FC5 ist es eben nicht. Und genau da hört ja eben auch der Spaß auf. Man transportiert eindeutig politische Inhalte, drückt sich dann aber davor, Stellung zu beziehen. Das ist ist meinen Augen politisch mehr als fragwürdig. Hier kommt ein Entwickler ganz klar seiner Verantwortung nicht nach. Mit dieser Meinung stehe ich übrigens auch nicht alleine dar. Wenn du anfängst, derart stark politisiertes Material zu nutzen, wie es FC5 tut, du aber jede ernsthafte Message verleugnest, dann machst du letztlich das ganze Thema lächerlich und lässt es zum rein kommerziellen Erlebnispark verkommen. Und vor allem kommt der Inhalt nicht in den Köpfen derer an, wo er eigentlich ankommen sollte. Denn die Leute, die hier für die Story und das gesamte Setting verantwortlich waren, wollten ja eindeutig etwas aussagen, sonst hätten sie das ganze nicht ausgerechnet zu dieser Zeit im ländlichen Amerika spielen lassen, wo FC vorher vor allem immer von seinem extrem exotischen Settings gelebt hat. Und dann geht aus auch noch um christliche Fanatiker, die einen christlichen und fast schon faschistoiden christlichen Gottestaat errichten wollen.

Hier mal ein spanndes Gespräch dazu:

https://www.deutschlandfunk.de/digitale ... _id=411318

Letztlich war auch der Inhalt von FC4 nicht ganz ohne, und auch hier ist er letztlich zu einer spaßigen Schießbude verkommen, obwohl es eindeutig um die Gewaltherrschaft eines Diktators ging - und du als Spieler hast im Widerstand gekämpft. Wie übrigens in fast allen Ubisoft Spielen der letzten Jahre. Und der Inhalt von The Division ist auch nicht so ganz ohne, auch jetzt beim zweiten Teil - schaut euch mal den Trailer und die eigentliche Message an - welche aber angeblich nicht existiert.

Ich halte das für schwierig. Genauso, wie Spiele, die angeblich extrem authentisch im Setting sein wollen, aber genau über diesem Wege versuchen, krude politische Vorstellungen beim Spieler ankommen zu lassen. Eine Unterstellung, die sich gerade Kingdom Come Deliverance gefallen lassen musste. Auch hier will man angeblich absolut unpolitisch sein, tritt aber außerhalb des Spiels immer wieder sehr provokant und sehr weit rechts außen auf, da fragt man sich halt, wie die Inhalte des Spiels direkt oder indirekt dadurch beeinflusst wurden, und letztlich auch der Spieler.

Spiele dürfen in meinen Augen gerne unpolitisch sein, stellenweise wäre mir das fast sogar lieber, wenn ich mir anschaue, wie die Gaming Industrie letztlich mit diesem Thema umgeht. Aber sie sind es nicht mehr, auch wenn die PR Abteilungen uns das immer wieder glauben machen wollen.

Umso erfrischender, dass sich die Herren von CDPR mal wieder entscheiden, Außenseiter zu sein, und genau das Gegenteil von dem zu machen, was man sonst von der Industrie kennt.

@Dark-Threat

Das ging leider vielen so. Hier hätte aber eine tiefgründigere Auseinandersetzung mit dem Spiel vielleicht ganz gut getan, denn selbst das Hipster Yolo-Gehabe war Teil des Gags und wird ja letztlich komplett ins Absurde getrieben.

Und dem Spiel nur 1,5h zu geben, ist auch mehr als, naja, unfair. Da sich die spielerisch Raffinesse, die WD2 durchaus hat, erst mit der Zeit offenbart.
Zuletzt geändert von muecke-the-lietz am 30.07.2018 16:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Cyberpunk 2077 ist "von Natur aus politisch"; bessere Immersion durch Ego-Perspektive

Beitrag von Sir Richfield »

DARK-THREAT hat geschrieben: 30.07.2018 16:05Rollenspiele, gerade mit Live-Action-Gameplay (also nicht auf Rundenbasis) finde ich allgemein nicht spannend, um es mal sanft aus zu drücken.
Ich ging bei Cyberpunkt eher immer von einen Story-Shooter aus.
Das erklärt einiges.

Ich weiß zwar nicht, wie du auf den Trichter gekommen bist, aber gut.
(Vor allem, wie man von Shooter auf 3rd Person kommen kann. :P )

Das hier ist klassischer Fall von "Einfach nicht dein Genre".

Will sagen "Kauf ich nicht weil 1st Person" ist als Grund ein wenig... unnötig wütend.
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Re: Cyberpunk 2077 ist "von Natur aus politisch"; bessere Immersion durch Ego-Perspektive

Beitrag von DARK-THREAT »

muecke-the-lietz hat geschrieben: 30.07.2018 16:17 Und dem Spiel nur 1,5h zu geben, ist auch mehr als, naja, unfair. Da sich die spielerisch Raffinesse, die WD2 durchaus hat, erst mit der Zeit offenbart.
Das verstehe ich sogar, dass es unfair den Spielen gegenüber sein kann. Leider aber, müssen bei mir Spiele in den ersten Minuten funktionieren und "klick" machen um zu gefallen. Passiert das nicht, fallen diese Spiele sehr schnell wieder ab und es besteht nur eine kleine Chance, dass ich sie wieder anrühre.
Meine Freizeit ist mir persönlich zu kostbar, um diese für Spiele zu vergeuden, die mir erstmal keinen Spass machen oder ich diese "erlernen" muss. Ich will dort unterhalten werden.

Bei Filmen ist es bei mir im Übrigen genauso. Allerdings gefallen mir dort etwas mehr Genres/Settings, so dass ich kaum aus schalte.
Wenige Filme habe ich wirklich schlecht bewertet (unter 3.5).
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Re: Cyberpunk 2077 ist "von Natur aus politisch"; bessere Immersion durch Ego-Perspektive

Beitrag von hydro skunk 420 »

@DT

Meiner Meinung nach überhastet. Zumindest in Sachen Charaktere. Ich dachte in den ersten 1-2 Stunden wie du, ehe sich das Ganze immer mehr in eine völlig andere, sehr sympathische Richtung entwickelte.

@Mücke

Ich sehe das anders. Ich fände es sogar sehr tragisch, wenn man als Entwickler solche Szenarien nur noch unter der Voraussetzung wählen darf, dass man sie todernst und tiefgründig behandelt. Spiele sollten in erster Linie das bleiben, was sie sind: Ein Vergnügungs-Medium.
Es sollte dem Entwickler völlig frei stehen, wie tiefgründig er sein Szenario zeichnet.
Wie ist es mit Filmen? Mit deiner Forderung dürfte es auch kein Rambo oder sowas geben.
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Re: Cyberpunk 2077 ist "von Natur aus politisch"; bessere Immersion durch Ego-Perspektive

Beitrag von Sir Richfield »

hydro skunk 420 hat geschrieben: 30.07.2018 16:29 Wie ist es mit Filmen? Mit deiner Forderung dürfte es auch kein Rambo oder sowas geben.
Häh, ich dachte Rambo ist zutiefst politisch und ein Anti-Kriegs Film.
Jedenfalls der erste Teil...

Oder folge ich euch beiden einfach nicht mehr richtig?