LFulciFan hat geschrieben:Auf das Thema bezogen: Spiele ich nun ein AAACoD - ein an die Realität angelehntes Kriegsspiel, welches jedoch einem fiktiven Regelwerk folgt (Autoheal nach 5 Sekunden, zwanzig Kugeln und zehn Granaten färben lediglich den Bildschirm rot usw.), tritt es eindeutig als Spiel im eigentlichen Sinne in den Vordergrund. Es ist unter der plakativ "realistischen" Oberfläche als Spiel deutlich und dauerhaft erkennbar. Ist es dann erstrebenswert, die schreckliche Realität mit allen grausamen Facetten des Krieges und des unendlichen Leides in einem Videospiel möglichst exakt nachzubilden? Welchen Nutzen bringt uns diese Erfahrung, die wir allen unseren Liebsten bestenfalls ersparen würden?
Ich verstehe die Frage ehrlich gesagt nicht. Es verlangt ja niemand von einem CoD oder ähnlichen Spielen, daß sie den Schrecken des Krieges vermitteln. Wenn man sich Missing in Action anschaut, will man ja auch keinen Antikriegsschocker. Insofern stellt sich die Frage erst gar nicht.
Aber wenn man ein Spiel spielt, das von vorneherein eben jenen anderen Weg einschlagen möchte... das das harte Leben von Zivilisten z.B. zeigen möchte... oder das von mir auch das harte Dasein von befehlsempfangenden Soldaten wiedergeben möchte... dann kann man schon eine gewisse emotionale Wirkung erwarten. Das Ganze muß dann auch nicht realistisch im Sinne von photorealistisch sein... sondern sagen wir lieber: das vermittelte Gefühl sollte authentisch
wirken.
Beispiel:
Die Gruppe von Zivilisten wird gezeigt, wie sie von A nach B geht. Dann tritt einer aus der Gruppe auf eine Tretmine und wird in zig Teile zerfetzt. Blut und Körperteile fliegen durch die Gegend, vielleicht sogar in Zeitlupe... das Partikelsystem kann dabei die Blutfontänen besonders realistisch darstellen und die ganzen Knochen- und Gewebestücke auf den Gesichtern der anderen Gruppenmitglieder.
Alternative: Die Gruppe von Zivilisten wird gezeigt, wie sie von A nach B geht. Dabei fängt die Kamera an, etwas zur Seite zu schwenken, sodaß nicht mehr alle Mitglieder gezeigt werden, sondern von mir aus nur noch einer aus der Grupppe. Dann sieht man zwar nicht, aber hört, wie ein anderer auf eine Tretmine tritt. Es klickt, jemand kann noch schnell "Stopp!" rufen, da hört man schon einen infernalischen Knall und man sieht auch ein paar Fleischstückchen und Blutstropfen durch den Bildausschnitt fliegen. Darin sieht man z.B. den Gesichtsausdruck des Augenzeugen, die Überraschung, den Schock, die Trauer, die Wut... innerhalb weniger Sekunden oder Minuten... man hört wie die anderen durcheinanderrufen, weil sie nicht wissen, was sie tun sollen... das Minenopfer ist dabei natürlich nicht gestorben, sondern liegt abseits der Kamera irgendwo herum und röchelt und schreit und ruft nach Hilfe usw.
Man verzeihe mir bitte dieses klischeehaft inszenierte Beispiel... aber worauf ich hinaus will: Das eine stellt das Geschehene audiovisuell möglichst realistisch dar... das andere wählt einen anderen Weg, bei dem man das Geschehene nicht sieht, aber aur andere Art wahrnimmt. Und wenn das Ganze dann weniger amateur- und klischeehaft wie jetzt gerade hingeklatscht wird, könnte die emotionale Wirkung eine andere sein als im ersten Fall.