Fiddlejam hat geschrieben:Er sagt ja erstmal überhaupt nichts von Wertungen. Er sagt dass es zum Spielejournalismus nicht nur dazu gehören kann, eben diese Wertung zu machen, alles hübsch, Schluss.
Eben: Das Problem (oder, da das offensichtlich ein Wort ist, über das sich hier viele gern aufregen: "den Stein des Anstoßes") erkennen und irgendwas darüber sagen können. Niemand fordert, Bayonetta jetzt auf 0 runterzustufen. Es geht darum, überhaupt erstmal den Sinn dafür zu entwickeln, dass man Spiele eben auch mal jenseits von Spaß betrachten kann. Eben das was Gamergater dann kritisieren, obwohl es die totale Ironie ist, denn erst wenn ich mehr betrachte als nur wie ein Spiel mir gefällt, sondern Interaktion, Themen, usw., erst dann kann sich wirklich eine SpieleKULTUR entwickeln. Faktisch beklagen die ganzen GamerGater hier die Zerstörung einer Kultur, die so nie wirklich da war. Spielekultur gab es immer nur, wenn man ein Spiel eben als mehr als nur ein zu bewertendes und berichtenswertes Produkt betrachtet; und das wollen GamerGater ja eben nicht.
Und damit wird auch niemand in irgendeine Weltanschauung gezwungen, weil erneut, es geht ja erstmal nur ums Erkennen einer totalen Offensichtlichkeit. Und einem gebildeten Mensch, sprich, der Voraussetzung für journalistisch gute Arbeit, sollte es nun einmal möglich sein, zu erkennen, DASS da was ist, und sich zumindest so weit in das Argument hineinzubegeben, WARUM es schlecht ist, um sich dann seine eigene Meinung zu bilden OB es schlecht ist.
Ernsthaft Leute, das ist ist ein derart grundlegendes Element journalistischer Arbeit dass mir ernsthaft nicht klar ist, wie die ach so "seriöser Journalismus"-Schreier es vollkommen ignorieren können. (Warum wohl: Weil sie eben im Grunde doch eine Infantilisierung der Branche wollen; ein Spieler-un-kultur in der jedwede intellektuelle Auseinandersetzung oder Kritik des geliebten Mediums verpönt ist.)
Selbst ich kann ja nun beispielsweise ein typisches Argument der Männerrechtsbewegung nehmen, sezieren, nachvollziehen und trotzdem und am Ende trotzdem argumentieren, warum es Unsinn ist. Wenn ich hingegen die Augen zukneife und rufe "DA IST NIX", bin ich auch nur irgendein dahergelaufener Idiot.
Jein, es muss Platz für beides sein.
Dem Kulturwissenschaftlichen Aspekt im Feuilleton und
dem auf das wesentliche nämlich den Spielspaß reduzierte.
Ich halte nicht viel von Michael Bay Filmen, trotzdem spreche ich ihnen einen hohen PopkornUnterhaltungswert nicht ab.
Je nachdem mit welchem Maßstab ich an die Bewertung eines solchen Filmes gehe, werde ich unterschiedliche Fazits ziehen.
Unter welcher Prämisse man seine Kritik gestaltet bleibt dem Tester überlassen, und damit ist eine allgemeine Forderung, dass Spieletests "politsoziologische" Gesichtspunkte berücksichtigen zu MÜSSEN nicht sinnvoll.