Watch_Dogs: Ubisoft bedauert Journalistengeschenke

Hier findet ihr die entsprechenden Kommentare - inkl. Link zur News!

Moderatoren: Moderatoren, Redakteure

Benutzeravatar
Lord Hesketh-Fortescue
Beiträge: 867
Registriert: 26.04.2013 22:40
Persönliche Nachricht:

Re: Watch_Dogs: Ubisoft bedauert Journalistengeschenke

Beitrag von Lord Hesketh-Fortescue »

Was soll das bitte anderes sein als eine glatte Schönredung/Relativierung?

Das ist eher ein Paradebeispiel für die haarsträubend unkritische Haltung, die hier teilweise vertreten wird:
Da ein Test ohnehin immer nur subjektiv ist, ist es im Prinzip auch scheißegal, ob da nun im Hintergrund großzügige Geschenke gemacht wurden, oder ob der Tester einfach nur guten/schlechten Sex hatte, Kopfweh, blendende Laune oder morgens auf dem Weg in die Redaktion eine schwarze Katze gesehen hat.

Wenn der Test eh nicht als objektive Kaufberatung taugt, ist externe Manipulation nur noch ein zu vernachlässigender Faktor unter vielen, der gar nicht weiter auffällt, geschweige denn den Lesespaß in irgendeiner Weise trübt.

Halte ich für ein sehr typisches Denkmuster, zu dessen Implikationen und v.a. Konsequenzen sich jeder einfach selbst sein Urteil bilden soll. Ich lasse das daher einfach mal so stehen, ohne dich mit vergeblichen Brandreden von irgendwas überzeugen zu wollen.


edit: auf demselben Niveau und in die gleiche Kerbe schlagend: Das "Es-ist-doch-nur-ein-Hobby"-Argument. An anderer Stelle mag dieser Verweis ja durchaus mal Sinn machen, um die echauffierten Gemüter wieder etwas abzukühlen und auf den Boden zu holen, aber hier ist es nur eine relativ plumpe Beschwichtigungsstrategie, um Spielen und dem dazugehörigen Journalismus eine seltsame Art von Sonderstatus aufzudrücken.
Benutzeravatar
adventureFAN
Beiträge: 6985
Registriert: 13.04.2011 16:57
Persönliche Nachricht:

Re: Watch_Dogs: Ubisoft bedauert Journalistengeschenke

Beitrag von adventureFAN »

Ich bin vielleicht unkritisch, ihr seid jedoch überkritisch. Ich weiß nicht was besser ist.

Wie auch immer. Es wird so bleiben, ihr werdet nichts dran ändern mit eurer Kritik.
Solche Dinge bestehen schon seit jehrer, egal in welcher Branche.

Und jetzt entgültig: In diesem Thread habe ich fertig.
Benutzeravatar
Kumbao
Beiträge: 1396
Registriert: 16.12.2009 13:38
Persönliche Nachricht:

Re: Watch_Dogs: Ubisoft bedauert Journalistengeschenke

Beitrag von Kumbao »

adventureFAN hat geschrieben:Wie auch immer. Es wird so bleiben, ihr werdet nichts dran ändern mit eurer Kritik.
Solche Dinge bestehen schon seit jehrer, egal in welcher Branche.
Genau. Einfach buecken, und die Industrie machen lassen. Am Anfang isses vielleicht noch unangenehm und tut weh, aber wenn man einfach mal das Hirn abschaltet und lieb laechelt, dann findet man das irgendwann sogar schoen.
Benutzeravatar
muecke-the-lietz
Beiträge: 6060
Registriert: 08.12.2005 13:08
Persönliche Nachricht:

Re: Watch_Dogs: Ubisoft bedauert Journalistengeschenke

Beitrag von muecke-the-lietz »

adventureFAN hat geschrieben:Ich bin vielleicht unkritisch, ihr seid jedoch überkritisch. Ich weiß nicht was besser ist.

Wie auch immer. Es wird so bleiben, ihr werdet nichts dran ändern mit eurer Kritik.
Solche Dinge bestehen schon seit jehrer, egal in welcher Branche.

Und jetzt entgültig: In diesem Thread habe ich fertig.
Ja, mach mal.

Es ist nicht üblich, in den meisten Branchen hat es sich in den letzten Jahren geändert und selbst in der Videospielbranche hat das massiv abgenommen.

Vor 10 - 15 Jahren hätte solche Aktion hier keinen interessiert.

Das ist heute anders, weil die Wahrnehmung sich verändert hat, und man sich der beeinflussenden Wirkung solcher Gefälligkeiten und Geschenke klar geworden ist. Punkt.

Du bist also leider auf ganzer Linie im Unrecht.

Zu deinem anderen Post. Das von dir fett gedruckte fällt genau unter die Rubriken von Argumenten, die ich zusammengestellt habe. Deswegen gab es auf jeden deiner Post auch leider nur die selben Antworten.
Benutzeravatar
danke15jahre4p
Beiträge: 16763
Registriert: 21.04.2006 16:18
User ist gesperrt.
Persönliche Nachricht:

Re: Watch_Dogs: Ubisoft bedauert Journalistengeschenke

Beitrag von danke15jahre4p »

muecke-the-lietz hat geschrieben:Vor 10 - 15 Jahren hätte solche Aktion hier keinen interessiert.

Das ist heute anders, weil die Wahrnehmung sich verändert hat, und man sich der beeinflussenden Wirkungen solcher Gefälligkeiten und Geschenke klar geworden ist. Punkt.
vorallem spielen heute bei dem vielfältigen angebot an spieletestern, die reputationen der selbigen eine weit größere rolle als "früher".

damals gabs eine handvoll zeitschriften, mit jeweils 5 testern. heute gibt es ein gefühltes überangebot an testern, wenn da auch nur über einen tester ansatzweise die runde macht, dass er "bestechlich" sei, oder halt allzugerne geschenke annimmt bevor er spiele testet, dann isser weg von fenster, kann seinen youtube channel dichtmachen oder ein ganzes online portal, auf den stürzt man sich wie die hyänen.

greetingz
Benutzeravatar
Kajetan
Beiträge: 27139
Registriert: 13.04.2004 10:26
Persönliche Nachricht:

Re: Watch_Dogs: Ubisoft bedauert Journalistengeschenke

Beitrag von Kajetan »

adventureFAN hat geschrieben:Ich bin vielleicht unkritisch, ihr seid jedoch überkritisch. Ich weiß nicht was besser ist.
Ich weiß es. Denn mit "Maul halten und alles mit sich machen lassen" wird mit Sicherheit NICHTS besser!
Sethsirs
Beiträge: 78
Registriert: 17.04.2014 17:39
Persönliche Nachricht:

Re: Watch_Dogs: Ubisoft bedauert Journalistengeschenke

Beitrag von Sethsirs »

Ich finde es amüsant wie hier Menschen moralisch verwerfliche und bedenkliche Praktiken einfach mit einem Pauschalen "andere machens ja auch" rechtfertigen.

Besonders interessant finde ich daran wie selektiv das ganze gesehen wird um die eigene vermeintliche moralische Integrität zu wahren. Amüsanterweise ist für jeden absolut klar wo das Problem liegt (hoffe ich zumindest) wenn sich diese Geschenke beispielsweise im staatlichen Rahmen bei Politikern etc. abspielen, anderseits tut man dann aber plötzlich so als wäre das ohnehin irrelevant.

Aber es gehört ohnedies schon eine gehörige Portion Naivität dazu wenn man denkt, diese ganzen Geschenke (gerade teure Reisen mit Unterbringung und Programm) würden angeboten werden, wenn diese nicht offenbar einen erheblichen Nutzen hätten. Geschenke wirken auf vielfache Weise, vom einfachen "anfreunden", über das "schlechte gewissen", die Manipulation des Gefühlszustandes des Beschenkten, unterbewusstes Gefühl verpflichtet zu sein, vielleicht auch die Angst bei zu starker Zurückweisung in Zukunft ausgeschlossen zu werden.

Was denkt ihr denn, was mit dem Journalisten passiert, der auf dauer zu negativ schreibt, denkt ihr der wird weiterhin eingeladen und bei dem wird weiterhin Werbung geschaltet?

In den meisten Branchen sitzt man faktisch sehr schnell auf der Straße wenn man Geschenke - welcher Art auch immer (ab einem gewissen Wert) - annimmt. Es sollte eigentlich jedem einerseits klar sein warum, und anderseits auch das diese Geschenke natürlich nicht zum Spaß gemacht werden.

Als abschließende Frage:
Ist also die Geschenkannahme in jeder Branche völlig unbedenklich? Es ist/wäre also kein Problem wenn Politiker Urlaubsreisen, Geldgeschenke etc. annehmen würden von Lobbyisten?
Benutzeravatar
Usul
Beiträge: 11398
Registriert: 13.06.2010 06:54
Persönliche Nachricht:

Re: Watch_Dogs: Ubisoft bedauert Journalistengeschenke

Beitrag von Usul »

Sethsirs hat geschrieben:Was denkt ihr denn, was mit dem Journalisten passiert, der auf dauer zu negativ schreibt, denkt ihr der wird weiterhin eingeladen und bei dem wird weiterhin Werbung geschaltet?
Irreführende Frage. Die richtige Frage wäre: Was passiert mit dem Journalisten, wenn er auf Dauer UNGERECHTFERTIGT zu negativ schreibt. Solange die Kritik im Text nachvollziehbar ist, wird kein Journalist ein Problem bekommen mit "normalen" Firmenleuten.
Ganz anders sieht es aus, wenn die Firmen positive Presse wirklich kaufen wollen - sie also eine Gegenleistung erwarten für das, was sie geben.
Und ich sage es immer wieder: Nicht alle Pressebeauftragten ticken so. Nicht alle wollen sich eine geile Presse kaufen, indem sie den Schreibern Geld in den Hintern schieben.

Die wahre Naivität ist, daß man das alles ignoriert und sich eine strikte und schwarz-weiße Sicht der Dinge zusammenbastelt. Und moralinsaure Pauschalurteile von sich gibt, die kaum etwas mit der Realität der Journaille zu tun haben.

Ich gehe aber noch weiter:
Wenn ein Politiker wie Wulff z.B. von Freunden hofiert wird und nix dafür bezahlt... ist mir das völlig wumpe.
Problematisch wird es erst, wenn die Freunde dafür eine Gegenleistung erwarten... und noch problematischer wird es, wenn der Politiker diese Gegenleistung dann auch noch erbringt, obwohl er das ohne ihre zuvor erfolgte Zuwendung nicht getan hätte. Also Bestechung.

In Ubisofts Fall ist es mir ebenfalls absolut wurscht, ob sie nun einen Nexus verschenken oder den Journalisten Amüsiermädels/-jungs aufs Zimmer schicken. Solange die Journalisten sich dafür nicht bewußt für eine andere Beurteilung entscheiden, ist mir das egal.

Über die unterbewußte Beeinflussung durch Werbung und Werbegeschenke usw. haben wir uns ja hier und anderswo zu Genüge ausgelassen. Die fällt in diesem Fall für mich nicht ins Gewicht.
Sethsirs
Beiträge: 78
Registriert: 17.04.2014 17:39
Persönliche Nachricht:

Re: Watch_Dogs: Ubisoft bedauert Journalistengeschenke

Beitrag von Sethsirs »

Usul hat geschrieben:
Sethsirs hat geschrieben:Was denkt ihr denn, was mit dem Journalisten passiert, der auf dauer zu negativ schreibt, denkt ihr der wird weiterhin eingeladen und bei dem wird weiterhin Werbung geschaltet?
Irreführende Frage. Die richtige Frage wäre: Was passiert mit dem Journalisten, wenn er auf Dauer UNGERECHTFERTIGT zu negativ schreibt. Solange die Kritik im Text nachvollziehbar ist, wird kein Journalist ein Problem bekommen mit "normalen" Firmenleuten.
Ganz anders sieht es aus, wenn die Firmen positive Presse wirklich kaufen wollen - sie also eine Gegenleistung erwarten für das, was sie geben.
Und ich sage es immer wieder: Nicht alle Pressebeauftragten ticken so. Nicht alle wollen sich eine geile Presse kaufen, indem sie den Schreibern Geld in den Hintern schieben.

Die wahre Naivität ist, daß man das alles ignoriert und sich eine strikte und schwarz-weiße Sicht der Dinge zusammenbastelt. Und moralinsaure Pauschalurteile von sich gibt, die kaum etwas mit der Realität der Journaille zu tun haben.

Ich gehe aber noch weiter:
Wenn ein Politiker wie Wulff z.B. von Freunden hofiert wird und nix dafür bezahlt... ist mir das völlig wumpe.
Problematisch wird es erst, wenn die Freunde dafür eine Gegenleistung erwarten... und noch problematischer wird es, wenn der Politiker diese Gegenleistung dann auch noch erbringt, obwohl er das ohne ihre zuvor erfolgte Zuwendung nicht getan hätte. Also Bestechung.

In Ubisofts Fall ist es mir ebenfalls absolut wurscht, ob sie nun einen Nexus verschenken oder den Journalisten Amüsiermädels/-jungs aufs Zimmer schicken. Solange die Journalisten sich dafür nicht bewußt für eine andere Beurteilung entscheiden, ist mir das egal.

Über die unterbewußte Beeinflussung durch Werbung und Werbegeschenke usw. haben wir uns ja hier und anderswo zu Genüge ausgelassen. Die fällt in diesem Fall für mich nicht ins Gewicht.
Achso, das hat wohl dieser Herr nicht gewusst:
http://kotaku.com/5893785/yes-a-games-w ... iew-scores
http://en.wikipedia.org/wiki/Jeff_Gerstmann

Dazu kommt dann das teilweise einzelne Prozentpunkte schon große Streit-Themen sind. Ob 88% oder 91 ist ein großer Unterschied, wie ich auch schon gepostet habe sind oft sogar Boni für die Entwickler etc mit den Metacritic-Wertungen verbunden.

Sorry aber bist du echt so naiv? Was denkst du, wieso sich Firmen solche Ausflüge ein paar 1000 Euro kosten lassen (Flüge, Hotel, Programm etc. da summiert sich was)?

Dir zudem schon klar, dass man natürlich vieles nicht offen ausspricht aus relativ logischen gründen?

Aber dann anders gefragt, wieso denkst du geben Menschen anderen Menschen die eines ihrer Produkte beurteilen Geld oder Warenleistungen im Wert von mehreren 1000 Euro? Weil sie gerade zuviel Geld in der Tasche haben und dadurch Rückenprobleme bekommen?
Usul hat geschrieben: Ich gehe aber noch weiter:
Wenn ein Politiker wie Wulff z.B. von Freunden hofiert wird und nix dafür bezahlt... ist mir das völlig wumpe.
Problematisch wird es erst, wenn die Freunde dafür eine Gegenleistung erwarten... und noch problematischer wird es, wenn der Politiker diese Gegenleistung dann auch noch erbringt, obwohl er das ohne ihre zuvor erfolgte Zuwendung nicht getan hätte. Also Bestechung.
Jetzt mal ernsthaft, was denkst du was jemand erwartet, der ein Lobbyist für eine Bestimmte Industrie ist und einen Politiker für viel Geld "ausführt" und Geschenke gibt vor einer wichtigen Entscheidung in der Gesetzgebung?
Mal ganz abgesehen davon, dass das wohl schon relativ klar ins Strafrecht fallen würde, egal ob man nun explizit bei der Übergabe etwas dazu sagt oder nicht, die Übergabe eines großzügigen Geschenkes impliziert ja schon offenkundig, dass man eine Gegenleistung erwartet ...
(als rein fiktives Beispiel)
Zuletzt geändert von Sethsirs am 26.04.2014 01:39, insgesamt 9-mal geändert.
Benutzeravatar
Temeter 
Beiträge: 18065
Registriert: 06.06.2007 17:19
Persönliche Nachricht:

Re: Watch_Dogs: Ubisoft bedauert Journalistengeschenke

Beitrag von Temeter  »

Jep, Journalisten - und Spielejournalisten insbesondere - sind vollkommen unabhängig und würden niemals Sympathien oder äußere Beeinflussung in den Weg kommen lassen. Die sind alle vollkommen kritisch und neutral. Jeder Mensch kann komplett unabhängig entscheiden. Da ist total nichts unterbewusst...
IGN's Tintanfall Preview hat geschrieben:This is Microsoft’s killer app. You will buy an Xbox One for Titanfall, and you should. Sure, you’d have a good time with it on PC if you’ve got a capable rig, but your couch and the Xbox Live community will be the ecosystem it’s best enjoyed in. It likely won’t decimate Call of Duty’s market share anytime soon – particularly since it’s a platform exclusive – but once Titanfall releases this spring, I guarantee you that word will spread amongst the hardcore CoD community. “Have you seen Titanfall?” they’ll say. And little by little – or maybe in droves, who knows? – they will flock to Titanfall, and they will never go back. Not after this. Titanfall is the next great evolution of the twitch-action first-person shooter. Believe the hype.
IGN hatte auch ein schönes Pamphlet, in dem Gamer dafür verdammt werden, Kritik an einem Spiel geübt zu haben. Gefeuerte Redakteure für falsche Wertungen gabs dort afaik auch schon.
Benutzeravatar
Usul
Beiträge: 11398
Registriert: 13.06.2010 06:54
Persönliche Nachricht:

Re: Watch_Dogs: Ubisoft bedauert Journalistengeschenke

Beitrag von Usul »

Sethsirs hat geschrieben:Sorry aber bist du echt so naiv? Was denkst du, wieso sich Firmen solche Ausflüge ein paar 1000 Euro kosten lassen (Flüge, Hotel, Programm etc. da summiert sich was)?
Was hat es mit Naivität zu tun, wenn ich nicht automatisch davon ausgehe, daß sich Journalisten kaufen lassen? Nur weil jemand die Zuwendung in Anspruch nimmt, die ihm geboten werden, wird er nicht automatisch ein dramatisch anderes Urteil fällen. Diese Zwangsläufigkeit besteht einfach nicht.
Ob das jetzt dann 2% mehr oder weniger wird? Metacritic und die Firmen, die danach gehen, wird das kümmern, ja. Mich? Nicht die Bohne. Wenn ein Journalist einem Spiel 88% statt 86% gibt, ist mir das wirklich total egal. Solange der dazu geschriebene Text die Wertung stützt und das Ganze nicht augenscheinlich getürkt ist, erts recht.

Wieso wird man hier denn bitte sehr als naiv und fast schon minderbemittelt erachtet, wenn man nicht derselben Meinung ist wie offensichtlich die Mehrheit der hier Schreibenden? Habe ich in diesem Thread den Eindruck erweckt, daß ich naiv wäre? Im Gegenteil, ich habe von Journalisten aus meinem engsten Bekanntenkreis erzählt, die genau diese Zuwendungen bekommen und für deren Seriosität ich die Hand ins Feuer legen würde.
Das muß natürlich für dich nichts heißen... aber Naivität ist schlichtweg der falsche Vowurf.

Dir zudem schon klar, dass man natürlich vieles nicht offen ausspricht aus relativ logischen gründen?
Ja, aber was hat das mit dem Thema hier zu tun? Ich wehre mich lediglich gegen die Verallgemeinerungen und Pauschalisierungen in diesem Thread. Wie oben gesagt: Die moralinsaur postulierte Zwangsläufigkeit ist es, die mich umtreibt - denn die bezweifle ich weiterhin.

Aber dann anders gefragt, wieso denkst du geben Menschen anderen Menschen die eines ihrer Produkte beurteilen Geld oder Warenleistungen im Wert von mehreren 1000 Euro? Weil sie gerade zuviel Geld in der Tasche haben und dadurch Rückenprobleme bekommen?
Warum tun sie es denn deiner Meinung nach? Weil sie so ein schlechtes Produkt zauberhafterweise dann als total geil verkaufen können? Da frage ich mich, wer hier wirklich naiv ist. Und nein, ich habe die Wirkungs von Werbung und PR-Zeug NICHT kategorisch ausgeschlossen. Im Gegenteil: Ich sehe ja ein, daß es auch und vor allem eine unterbewußte Geschichte ist. Aber die Messbarkeit dieser Beeinflussung ist einfach nicht so einfach, wie die ganzen Werbepsychologen (auch hier im Thread) uns weiszumachen versuchen. Völlig unabhängig davon - wie ebenfalls bereits erwähnt - gibt es noch zig andere Faktoren, die einen Menschen unterbewußt beeinflussen. Wer sagt also, daß es ausgerechnet ein Werbegeschenk etwa ist, das für eine positive Review verantwortlich ist? Vielleicht hatte der Journalist am Morgen des Tages tollen Versöhnungssex mit seiner Freundin? Vielleicht ist ihm irgendwas anderes passiert, was ihn unterbewußt in eine positive Stimmung versetzt? Das ist das Tolle am Unterbewußten bzw. Unbewußten: Man kann keine gesicherten Aussagen darüber machen.

Jetzt mal ernsthaft, was denkst du was jemand erwartet, der ein Lobbyist für eine Bestimmte Industrie ist und einen Politiker für viel Geld "ausführt" und Geschenke gibt vor einer wichtigen Entscheidung in der Gesetzgebung?
Wie gesagt: Es geht mir nicht nur um die Erwartungen, sondern auch um das Erfüllen dieser Erwartungen. Daß das strafrechtlich relevant ist, ist doch aber kein Hindernis für mich, die Sachlage für mich persönlich anders zu beurteilen.


@Temeter:
Hat irgendjemand ernsthaft behauptet, daß alle Journalisten völlig unabhängig sind und niemals Sympathien oder äußere Beeinflussung in den Weg kommen lassen würden? Ich glaube nicht. Im Gegenzug wurde aber behauptet, daß kein Journalist als seriös zu betiteln ist, wenn er die ihm gezeigten Zuwendungen in Anspruch nimmt.

Aber auch hier frage ich dich: Was machst du denn mit den Sympathien und äußeren Beeinflussungen der Journalisten, die nicht von den schlimmen Bestechungsvorwürfen herrühren? Wie viele Spieletests gibt es, die ein Redakteur machen muß, obwohl er das Spiel/das Genre/die Plattform/etc. nicht mag? Nur um das mal als Beispiel zu nennen.

Diese Voreingenommenheit soll natürlich nicht als Entschuldigung für die Voreingenommenheit gelten, die erkauft wird. Sondern einfach zeigen, daß wir uns von so vielem beeinflussen lassen... da ist ein Nexus einfach nur ein Faktor von vielen und MUSS nicht zwangsläufig ausschlaggebend dafür sein, daß der Bericht dann total anders ausfällt als eigentlich gedacht.
Benutzeravatar
Lord Hesketh-Fortescue
Beiträge: 867
Registriert: 26.04.2013 22:40
Persönliche Nachricht:

Re: Watch_Dogs: Ubisoft bedauert Journalistengeschenke

Beitrag von Lord Hesketh-Fortescue »

Usul hat geschrieben:Habe ich in diesem Thread den Eindruck erweckt, daß ich naiv wäre?
Du hast vor allem den Eindruck erweckt, als hättest du den Kern der Sache, die hier kritisiert wird, nicht richtig verstanden oder eingeordnet. Apropos Eindruck erwecken:

Diese absoluten Aussagen, die dir so sauer aufgestoßen sind, bezogen sich auf den Eindruck / den Anschein, den die Journalisten, die Geschenke in größerem Umfang annehmen, beim Leser erwecken. Bei einem Leser, der auf die zwar subjektive und multifaktoriell bedingte, aber immer ehrliche Meinung des Journalisten vertraut - und in einem System, in dem omnipräsente Medien die "Vierte Gewalt" sind, übrigens auch vertrauen können muss. Dieser Unterschied ist dir glaube ich immer noch nicht so ganz klar geworden. Keiner hat hier geschrieben: Werbung/Geschenke = 100%ige Beeinflussung. Richtig ist: Werbung/Geschenke erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Einflussnahme in Abhängigkeit von der "Anfälligkeit" der entsprechenden Personen. Weil sie diese Wahrscheinlichkeit aber nachweislich erhöhen, sind sie so beliebt.

Klar wird dieser Unterschied bei der strafrechtlichen Unterscheidung zwischen Vorteilsannahme und Bestechlichkeit. Bei Bestechlichkeit wird eine Gegenleistung explizit erwartet, bei der Vorteilsannahme soll alleine der Anschein einer Einflussnahme ausgeschlossen werden, weswegen hier keine Gegenleistung nötig ist. Natürlich sind das Amtsdelikte, aber diese grundsätzliche Unterscheidung kann man auch auf freie Journalisten anwenden, solange sie "im Dienst" sind. Will ein Journalist von seinem (mündigen!) Leser ernst genommen werden, sollte er bereits den Eindruck einer Käuflichkeit tunlichst vermeiden. Es ist also zunächst viel eher eine Reputations-Frage, als eine Frage der wissenschaftlich "messbaren" tatsächlichen Einflussnahme.

Wo man hier konkret eine Grenze zieht, darüber haben wir bereits diskutiert (vom Kugelschreiber bis zum riesigen Flatscreen). Verschiebt man diese Grenze aber sukzessive immer mehr nach hinten, droht das irgendwann uferlos zu werden und der Maßstab entgleitet: Wenn der Kuli ok ist (und natürlich ist er das, meine Güte! - typisches Promo-Teil, millionenfach verschleudert), dann ist vielleicht auch das nette Bankett ok,...dann ist vielleicht aber auch das schicke Tablet ok,...oder vielleicht auch das Bunga-Babe,...und vielleicht, eigentlich, auch eine direkte Kontoüberweisung, damit ich selbst darüber entscheiden kann, was ich mir kaufe, ist ja sozusagen auch nix anderes als eine Option auf eine Goodie meiner Wahl. Und beeinflussen tut es mich ja schließlich sowieso nicht. Andere vielleicht, aber MICH doch nicht. Das würde ich doch merken!

Ich hoffe, zumindest die Grundproblematik ist dir einigermaßen klar geworden, und du verstehst, warum einige Leser diesen " nett gemeinten, harmlosen kleinen Geschenken" wie ein 300-Euro-Handy im Zweifel eher skeptisch als abnickend begegnen. Und wieso selbst Ubisoft das Bekanntwerden dieser Sache offensichtlich reichlich unangenehm ist.
Benutzeravatar
Temeter 
Beiträge: 18065
Registriert: 06.06.2007 17:19
Persönliche Nachricht:

Re: Watch_Dogs: Ubisoft bedauert Journalistengeschenke

Beitrag von Temeter  »

Usul hat geschrieben:@Temeter:
Hat irgendjemand ernsthaft behauptet, daß alle Journalisten völlig unabhängig sind und niemals Sympathien oder äußere Beeinflussung in den Weg kommen lassen würden? Ich glaube nicht. Im Gegenzug wurde aber behauptet, daß kein Journalist als seriös zu betiteln ist, wenn er die ihm gezeigten Zuwendungen in Anspruch nimmt.

Aber auch hier frage ich dich: Was machst du denn mit den Sympathien und äußeren Beeinflussungen der Journalisten, die nicht von den schlimmen Bestechungsvorwürfen herrühren? Wie viele Spieletests gibt es, die ein Redakteur machen muß, obwohl er das Spiel/das Genre/die Plattform/etc. nicht mag? Nur um das mal als Beispiel zu nennen.

Diese Voreingenommenheit soll natürlich nicht als Entschuldigung für die Voreingenommenheit gelten, die erkauft wird. Sondern einfach zeigen, daß wir uns von so vielem beeinflussen lassen... da ist ein Nexus einfach nur ein Faktor von vielen und MUSS nicht zwangsläufig ausschlaggebend dafür sein, daß der Bericht dann total anders ausfällt als eigentlich gedacht.
Ein Journalist muss mindestens versuchen, einen unabhängigen Eindruck zu machen. Gerade in der Spielebranche können sie aber oft genug kaum vermitteln, auch nur mehr für den Leser als für Publisher zu arbeiten.
Deren Sympathien und Perspektive sind nicht selten einfach falsch ausgelegt. Und nun meinst du, wir sollen Geschenke ignorieren, die der Beeinflussung der Journalisten dienen sollen, unter der Idee, dass sie eventuell nicht der Grund waren, der für die fehlgerichtete Loyalität vieler Magazine verantwortlich war? Vielleicht ist es auch ein Element unter vielen, vielleicht waren es frühere Kontakte.

Der einzige logische Schluss, der mir dazu einfällt, welcher zu einer Verbesserung führen könnte, ist folgender:
Viel striktere Trennung zwischen Journalismus und Industrie, um auch nur die Gefahr von Beeinflussung einzudämmen. Dazu gehört auch die präventive Ablehnung und Kritik an allen hochwertigen persönlichen Geschenken. Ein genaues Beobachten von fragwürdigen Aktionen und unkritischer Arbeitsweise. Das Problem in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit bringen. Limitierung der vom Publisher bewirkten Aktionen, die die Erfahrungen liefern, welche auf lange Sicht ein Zugehörigkeitsgefühl in Journalisten erzeugen sollen.

Sprich, all die Sachen, mit denen sich seriöser Journalismus in anderen Branchen seit langer Zeit auszeichnet. Man meidet den mögliche Beeinflussungen und den Verdacht an sich, so gut es geht. Es ist oft extrem schwer zu sagen, wie unabhängig jemand - oder sogar man selbst - schreibt, und wie sehr bzw. wo jemand beeinflusst wurde. Deswegen versucht man in dieser Branche von Anfang an Fallgruben zu meiden.

So kann man die aktuelle Situation im Spielejournalismus imo verbessern. Einfach Probleme ignorieren, weil vielleicht noch ganz andere Fehler gemacht wurden, führt doch nur dazu, dass die alten Maschen fortgesetzt werden. Oder was meinst du dazu?
Benutzeravatar
Usul
Beiträge: 11398
Registriert: 13.06.2010 06:54
Persönliche Nachricht:

Re: Watch_Dogs: Ubisoft bedauert Journalistengeschenke

Beitrag von Usul »

Lord Hesketh-Fortescue hat geschrieben:Du hast vor allem den Eindruck erweckt, als hättest du den Kern der Sache, die hier kritisiert wird, nicht richtig verstanden oder eingeordnet.
Vermutlich zumindest nicht so eingeordnet wie du oder andere etwa. Das bedeutet nicht zwangsläufig, daß ich das Ganze falsch einordne.
Ich hoffe, zumindest die Grundproblematik ist dir einigermaßen klar geworden, und du verstehst, warum einige Leser diesen " nett gemeinten, harmlosen kleinen Geschenken" wie ein 300-Euro-Handy im Zweifel eher skeptisch als abnickend begegnen. Und wieso selbst Ubisoft das Bekanntwerden dieser Sache offensichtlich reichlich unangenehm ist.
Das verstehe ich durchaus... aber ich hoffe du verstehst, daß ich diese Bedenken in diesem Ausmaß nicht teile. Aus mehreren, bereits erwähnten Gründen. Wie etwa der noch in Zweifel stehenden tatsächlichen Einflüsse von "einfach so" gegebenen Geschenke. Oder etwa weil gerade Spielejournalismus weder eine allzu ernste noch eine allzu ernstzunehmende Branche ist. Oder weil diese Diskussion alleine schon angesichts der Werbepartner völlig absurd ist. Und so weiter.

Kurz: Ich sehe wirklich nicht, wo ich etwa allzu Naives sagen würde. Eine andere Meinung? Ja. Aber das sollte ja wohl noch gerade so akzeptierbar sein.


Temeter hat geschrieben:Und nun meinst du, wir sollen Geschenke ignorieren, die der Beeinflussung der Journalisten dienen sollen, unter der Idee, dass sie eventuell nicht der Grund waren, der für die fehlgerichtete Loyalität vieler Magazine verantwortlich war? Vielleicht ist es auch ein Element unter vielen, vielleicht waren es frühere Kontakte.
Nein, man muß das nicht ignorieren. Ist das Gegenteil von "Total verdammen" denn in deinen Augen dann "ignorieren"? Aber die Relationen sollte man dennoch im Auge behalten.
So kann man die aktuelle Situation im Spielejournalismus imo verbessern. Einfach Probleme ignorieren, weil vielleicht noch ganz andere Fehler gemacht wurden, führt doch nur dazu, dass die alten Maschen fortgesetzt werden. Oder was meinst du dazu?
Wenn man die Situation verbessern wollte, könnte man solche Dinge tun, ja. Der erste und wichtigste Schritt wäre: Keine Werbeverträge zwischen Publishern und Magazinen. Danach keine Vereinbarungen zwischen Publishern und Magazinen... d.h. die Magazine sollten sich nicht auf NDA-Spielchen, Review-Sperren, Wertungsabsprachen einlassen. Das geht aber natürlich nur dann, wenn alle mitmachen. Denn DAS und Ähnliches sind die wahren Probleme und nicht irgendwelche Werbegeschenke - zumindest meiner Meinung nach. Wenn das alles aus der Welt ist, kann man von mir aus auch auf jegliche Werbegeschenke verzichten, wenn das einige von uns glücklicher macht. Aber ausschlaggebend finde ich das in der Branche nicht mal im Ansatz.
Benutzeravatar
Temeter 
Beiträge: 18065
Registriert: 06.06.2007 17:19
Persönliche Nachricht:

Re: Watch_Dogs: Ubisoft bedauert Journalistengeschenke

Beitrag von Temeter  »

Usul hat geschrieben:Nein, man muß das nicht ignorieren. Ist das Gegenteil von "Total verdammen" denn in deinen Augen dann "ignorieren"? Aber die Relationen sollte man dennoch im Auge behalten.
Tun wir doch. Kugelschreiber sind ok - auch natürlich darüber hinaus. Und das Nexus - so ist der allgemeine Konsens, selbst unter Journalisten - geht klar zu weit. Relationen hin oder her, irgendwo muss man eine Grenze setzen. Dieser Mangel an Prinzipien ist die Quelle des aktuellen Problems.
Wenn man die Situation verbessern wollte, könnte man solche Dinge tun, ja. Der erste und wichtigste Schritt wäre: Keine Werbeverträge zwischen Publishern und Magazinen. Danach keine Vereinbarungen zwischen Publishern und Magazinen... d.h. die Magazine sollten sich nicht auf NDA-Spielchen, Review-Sperren, Wertungsabsprachen einlassen. Das geht aber natürlich nur dann, wenn alle mitmachen.
Das mit den Werbeverträgen kann man leider vergessen. Spieleseiten und Magazine leben immer mehr von Werbung. Andererseits werden zumindest klassische Adds in erster Linie von dritten Agenturen geschaltet, was Brührungspunkte gering hält.
Bei NDAs und Embargos stimme ich dir zu, diese Maßnahmen und die PR-Maschinerie dahinter haben mittlerweile soziopathische Ausmaße angenommen. Leider funktioniert das wirklich nur, wenn alle Journalisten mitmachen würden. Dazu kommt natürlich Zeugs wie frühe Testmuster und Berichte, die als effektives Druckmittel funktionieren und teilweise für den heutigen Stand verantwortlich sind.
Denn DAS und Ähnliches sind die wahren Probleme und nicht irgendwelche Werbegeschenke - zumindest meiner Meinung nach. Wenn das alles aus der Welt ist, kann man von mir aus auch auf jegliche Werbegeschenke verzichten, wenn das einige von uns glücklicher macht. Aber ausschlaggebend finde ich das in der Branche nicht mal im Ansatz.
Dafür, dass du vorher von der Komplexität der Sympathien gesprochen hast, ist das ist eine zimlich klare Ansage. Das muss man schon belegen können. Woher weißt du, welchen Einfluss Werbegeschenke haben? Insbesondere die Entwicklungen, wenn hochwertige Erlektronik-Geschenke wie der Nexus Standard wird? Und können sie vielleicht auch nur ein Faktor unter vielen sein?