Street Fighter 5: Spieler wehren sich mit Petition gegen "Nackt-Zensur"

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Usul
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Re: Street Fighter 5: Spieler wehren sich mit Petition gegen "Nackt-Zensur"

Beitrag von Usul »

Sir Richfield hat geschrieben:Oder um es mit einer Umkehrung deiner Worte zu sagen: Nur weil einem die Änderungen egal sind, kann es trotzdem Zensur sein. (Und zwar im Wortsinne, Usul. ;) )
Was genau ist denn der Wortsinn von "Zensur" deiner Meinung nach?

Ich habe versucht, eine Definition von "Zensur" zu vermitteln (mit der ich, wie gesagt, nicht alleine stehe... ganz gleich, ob jemand lapidar sagt "Falsch! Auch wenn du mir widersprichst!"). Wenn man alle Änderungen, die auf äußere Einflüsse zurückgehgen, an einem Werk durch den Urheber dieses Werkes als Zensur auffassen wollten, wäre dieser Begriff "Zensur" ein ziemlich beliebiger und nichtssagender.

Ungeachtet dessen ist nichts dagegen einzuwenden, auch alle anderen Arten von Änderungen als Zensur (in der u.a. von mir vorgebrachten Definition) zu kritisieren, wenn man damit nicht einverstanden ist.
Aber hier sagt der Urheber des Werks, daß die Änderungen nicht auf Druck von außen vorgenommen wurden, sondern nach reiflicher Überlegung und letztendlich für wirtschaftliche Zwecke. Es will mir nicht wirklich einleuchten, wie man hier weiterhin von Zensur sprechen kann.
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Sir Richfield
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Re: Street Fighter 5: Spieler wehren sich mit Petition gegen "Nackt-Zensur"

Beitrag von Sir Richfield »

Usul hat geschrieben:Aber hier sagt der Urheber des Werks, daß die Änderungen nicht auf Druck von außen vorgenommen wurden, sondern nach reiflicher Überlegung und letztendlich für wirtschaftliche Zwecke. Es will mir nicht wirklich einleuchten, wie man hier weiterhin von Zensur sprechen kann.
Tun wir ja nicht, wir reden hier ja korrekterweise von der SELBSTZensur, die der Zensur (Änderungen durch Dritte kurz vor der Veröffentlichung) zuvorkommt, indem sie die Änderungen vornimmt, bevor andere es können.
Der Druck von Außen steht doch in Herrn Onos Worten sehr deutlich da: Die "Furcht", (zu) anstößig zu sein.

Bevor also jemand anderes sagt "SO senden wir das nicht!", bzw der von mir angeführte Mob kommt, nimmt man sich lieber selber im Vorfeld zurück.

Auf diesen Unterschied: "Nee, das gefiel mir nicht, das habe ich wieder rausgenommen" gegen "Hmm, ich glaube, das könnte manchen nicht gefallen" habe ich auch schon hingewiesen.

An der Stelle wird es für mich ja so... ich sage mal lächerlich.
Man ist sich sehr klar, was man da auf den Bildschirm zaubert und ein Stück weit verteidigt man das dann ja auch.
Und dann ändert man solche (Im Vergleich und in meinen Augen) Lächerlichkeiten, nachdem man lang und breit nachgedacht hat, was jetzt davon problematisch sein könnte.
Am "Kern" des Problems ändert man dann aber eigentlich nix, die Texturen und Animationen sind gleich.
Ich weiß halt gerade nicht, was ich da komischer finden soll:
Dass man das für die Lösung hält
Dass das für manche ein (echtes) Problem darstellt (hätte darstellen können)
Dass man das so dämlich kommuniziert
Dass man sich so drüber echauffiert
Dass sich ein TechRed und ein Übersetzer um Terme streiten statt um Inhalte
...
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Sharkie
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Re: Street Fighter 5: Spieler wehren sich mit Petition gegen "Nackt-Zensur"

Beitrag von Sharkie »

Sir Richfield hat geschrieben: Denn diese Änderungen werden ja gemacht, damit man es in den USA nicht mit einem Mob wütender Hausfrauen zu tun bekommt, die eine Verrohung der Sitten sehen. (Deren Version des "besorgten Bürgers" quasi.)
Die Macht eines solchen Mobs ist nicht zu verachten und wenn meine Geschichtskenntnisse da nicht auf falschen Quellen beruhen der Grund für das eher alberne Piepen und Verwischeffekte im US (Free) TV...
(Die Vorläufer des Shitstorms...).

Natürlich ist die "Angst" hier nicht, dass diese wütenden Hausfrauen sich für $X in einen Flieger setzen und die Capcom Zentrale belagern.
Die "Angst" ist rein wirtschaftlich.
Ich vermute ja, es wird hier allenfalls(!) um das Erreichen eines niedrigeren Altersfreigabe-Ratings (wohlgemerkt in Ländern, in denen ein Popoklatscher für ein solches Rating relevant ist) gehen. Eine Praxis, die im Filmbereich gang und gäbe ist. Nicht falsch verstehen: Ich halte diese Praxis für kunstfeindlich, bedauernswert und lächerlich, möchte sie also sicher nicht verteidigen, sondern vielmehr auf ihre Banalität hinweisen.

Ja, die "Angst" ist rein wirtschaftlich. Darin volle Zustimmung. Glaubt wirklich jemand, dass dieser Popoklatscher irgendeine US-Hausfrau auf die Palme gebracht, geschweige denn zu Protesten motiviert hätte? Glaubt jemand daran, dass Sarkeesian (Erster!) am Beispiel des Klatschers Sexismus in Street Fighter 5 angeprangert hätte, dieses Unterfangen nun aber in Ermangelung geeigneten Belegmaterials abblasen muss? Glaubt irgendwer, das Wegfallen der Animation würde angesichts gewisser einschlägiger Kostüme, Soundeffekte, Kameraschwenks und, nun ja, anderer Animationen das Urteil irgendeiner Person auf diesem Erdball ändern bezüglich der Frage, ob sie Street Fighter 5 nun "anstößig" findet oder nicht?
Sir Richfield hat geschrieben: Und DAS ist die Stelle, an der der Begriff "Zensur" ins Spiel kommt.
Dem Mechanismus ist die Schwere der Wirkung egal.

Im "echten Leben" werden weit abstraktere vor unseren höchsten Gerichten verhandelt, gerne genommen die Erfassung von Demonstrationsteilnehmern.
Da reicht es dem BVerfG (ich denke) ja schon, dass jemand den Gedanken haben KÖNNTE, er gehe lieber nicht zur Demo, weil man ihn da Filmen KÖNNTE und evtl. Repressalien befürchten müsste, ALLEINE durch seine Abwesenheit.
(Und wenn man so manche Dinge liest, kann man die Konjunktive ruhig weglassen).
Hier kann ich nun nicht mehr zustimmen. Ich schrieb ja ebenfalls vor einigen Seiten, dass für meine Begriffe die Vermeidung von Repressalien entscheidende Bedingung dafür wäre, den Verzicht auf eine ursprünglich geplante Darstellungsform als Selbstzensur zu klassifizieren. Was Dein Demonstrationsbeispiel betrifft, so ist es auch absolut nicht weit hergeholt, das Gefilmtwerden durch Vertreter der Exekutive (und damit der Staatsgewalt) als Repressalie zu werten. Nur funktioniert dieses Beispiel niemals als Analogie zum hier diskutierten Sachverhalt. Hier wurde aus einem zotigen Produkt eine der zotigsten Zoten entfernt (was seiner Gesamtzotigkeit gleichwohl kaum einen Abbruch tut), um auch jüngere Zotisten-Zielgruppen anzuzoten.

Keine Staatsmacht, keine Polizei, kein Inlandsgeheimdienst, keine Denunzianten, keine Bürgerwehren, noch nichtmal eine BPjM (die sich über die hier entfernte Popogeste selbigen wahrscheinlich ablachen würde). Nur die, wie Du richtig schreibst, "rein wirtschaftliche Angst". Wo ist da die Repressalie?


[Selbstkritischer Edit: Habe übrigens gerade bei einer kleinen Wikipedia-Recherche festgestellt, dass wir (insbesondere auch ich, der ich hier diesen Begriff in den Ring geworfen habe) den Begriff der Repressalie offenbar bislang falsch verwendet haben. Dieser bezieht sich anscheinend nur auf Strafmaßnahmen, die Staaten gegen andere Staaten verhängen, z.B. in Form von Sanktionen. Worüber wir reden, nämlich autoritäre und willkürliche Unterdrückung von Personen oder Personengruppen, bezeichnet man als Repressionen. Bitte im Geiste "Repressalie" durch "Repression" ersetzen, was aber denke ich nichts an meiner oder irgendjemandes Argumentation ändern sollte.]