HellToKitty hat geschrieben: ↑05.03.2019 17:18
Wir haben uns an gewisse Formen der Gewalt in Medien gewöhnt und nehmen sie weitgehend abstrakt und ohne echten Bezug zur Wirklichkeit war. In der Regel schockieren uns zum Beispiel Aufnahmen von einem Konzentrationslager, währenddessen es wohl kaum einen Erwachsenen geben wird, der bei einem Spiel wie Doom Albträume bekommt. Was dabei als akzeptabel wahrgenommen wird unterliegt offensichtlich einem sich ständig wechselnden Zeitgeist, der noch dazu kulturell geprägt ist. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Call of Duty von jemanden der Krieg und Terror miterlebt hat, sauer Aufstößt, was wiederum jemand, dessen Leben bisher nur heile Welt war und der niemanden kennt, der im Bombenhagel gestorben ist, vielleicht nur indirekt nachvollziehen kann. Bei sexueller Gewalt haben wir uns offensichtlich darauf geeinigt, dass es nicht okay ist. Die Realität sieht aber anders aus, denn sexuelle Gewalt gegen Kinder und Frauen stellt ein echtes und greifbares Problem innerhalb unserer Gesellschaft dar. Ich denke, dass der relevante Unterschied dabei einfach der Bezug zur Wirklichkeit ist. In der Regel wirft eben niemand mit Napal um sich oder reißt andern den Kopf samt Wirbelsäule vom Rumpf und auch Krieg kennen die meisten nur aus den Nachrichten, währenddessen aber viele Frauen in der ein oder anderen Form Erfahrung mit sexueller Gewalt gemacht haben. Der Bezug zur Realität spielt bei unserer moralischen Bewertung offensichtlich eine entscheidende Rolle.
Ich denke da ist viel dran was Du hier sagst. Der hauptsächliche Unterschied scheint zu sein, das die mediale Sättigung mit brutaler Gewalt einfach so hoch ist, das es keinen mehr "vom Hocker" haut. Wir wissen zwar, das solche Gewalt irgendwo auf der Welt tatsächlich stattfindet, aber auch das sehen wir über die gleiche Flimmerkiste wie die fiktiven Gewaltmedien. Es ist einfach sehr weit weg von uns. Obwohl ich sagen muss, das mich die folgenden Zahlen doch ein wenig schockiert haben. Aus denen könnte man heraus lesen, das Gewalt sehr wohl in der Nähe und oft passiert, aber man... keine Ahnung... das Rampenlicht nicht darauf lenkt, oder man Scheuklappen hat, oder es einfach darauf ankommt, in welcher Gegend man wohnt?
Tötungsrate pro 100.000 Einwohner in Deutschland (2016):
1,2 (
link)
Vergewaltigungsrate pro 100.000 Einwohner in Deutschland (2013):
9,2 (Vergewaltigung oder schwere sexuelle Nötigung) (
link)
Rate von schwerer Körperverletzung pro 100.000 Einwohner in Deutschland (2016):
170,4 (
link)
Tötungsrate pro 100.000 Einwohner in den USA (2003):
5,7 (
link)
Vergewaltigungsrate pro 100.000 Einwohner in den USA (2003):
40 (nur Vergewaltigung) (
link)
Rate von schwerer Körperverletzung pro 100.000 Einwohner in den USA:
237,8 (
link)
(Hinweis: Die Tötungsrate bezieht sich rein auf vorsätzlichen Mord. Kriege, Selbstverteidigung und anderes sind nicht mit eingeschlossen.)
------------------------------------------------------------------
Eine andere Betrachtung der Dinge hatte ich mir folgenderweise überlegt: Hier sind ja im großen und ganzen 3 Tatbestände/Umstände diskutiert worden: Pädophilie, Vergewaltigung und Gewalt/Mord. Diese drei Dinge unterscheiden sich wesentlich in diversen Aspekten und sind in anderen Aspekten ähnlich.
Pädophilie: Diesen Trieb kann man nicht im realen Leben ausleben ohne eine Straftat zu begehen. Man kann auch nicht seine Fantasien in die Tat umsetzen ohne eine Straftat zu begehen. Es ist unmöglich. Hier gibt es immer ein Opfer, egal wie man das dreht oder wendet.
Vergewaltigung: Auch eine Vergewaltigung kann man nicht ausüben ohne eine Straftat zu begehen. Allerdings kann man seine Fantasien ausleben mit einem Geschlechtspartner, ohne das es zu einer Straftat kommt. Die Prävalenz von solchen Fantasien ist deutlich höher als man annehmen würde. Wer das wissen will, der darf sich gerne mal Studien und wissenschaftliche Umfragen heraus suchen. Wenn ich das hier posten würde, das würde keine Sau glauben. Ich war zumindest heftigst überrascht. Wie dem auch sei: Bei dem einvernehmlichen Ausleben der Fantasie gilt was mich betrifft: Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Wer drauf steht... nur zu. Wer bin ich das zu bewerten? Will ich gar nicht.
Gewalt/Mord: Auch hier ist es so, das man keine Körperverletzung oder einen Mord begehen kann ohne sich strafbar zu machen. Wer einen Drang dazu hat, andere Menschen zu verletzen, der kann seine Fantasien nicht in die Tat umsetzen, ohne das er eine Straftat begeht. Was vielleicht als Ausweich-Beschäftigung dienen könnte wäre Kampfsport wie Boxen oder anderer Vollkontakt-Kampfsport. Auch hier besteht eine Einvernehmlichkeit, aber Schaden entsteht dennoch.
Wenn man sich das so anguckt, dann ist hier die Vergewaltigungsfantasie durch einen wichtigen Aspekt von den anderen beiden Dingen unterschiedlich: Es gibt eine (mehr oder weniger) gesellschaftlich akzeptierte Methode, damit umzugehen, und niemand kommt zu schaden. Wenn man sich das so betrachtet, und fiktive und interaktive Medien aus den jeweiligen Bereichen betrachtet...
...was bedeutet das für all die Spiele, die dem Bereich "Gewalt/Mord" zuzuordnen wären? Warum gibt es eine so große Akzeptanz? Liegt es an der Zahl der Vorfälle (siehe Statistiken), liegt es an der Natur der Sache? Oder woran liegt es?
Ich möchte nochmal sagen, das ich das Zitat von HellToKitty von ganz oben in diesem Post sehr interessant und passend finde. Ich für meinen Teil stelle fest, das ich mir den Status Quo nicht so ganz erklären kann. Da gibt es noch Lücken von mir unbekanntem Ausmaß. Ich denke darüber kann man noch sehr viel sprechen, und ich denke auch das man das tun sollte.
(Scheiße man... das Thema ist echt anstrengend... ich mach jetzt erstmal irgendwas ohne Töten und Vergewaltigen, und nachher les ich nochmal drüber, ob das alles irgendwie kohärent und fehlerfrei ist, was ich so geschrieben habe...)