Warum suchst du nicht einfach mal im Netz nach Interviews, Q&A´s, Panels, Lectures etc. mit ihr? Ich finde da recht schnell so einiges an Material, sei es nun von Unis, Conferences, Interviews mit verschiedenen Magazinen, etc.rainji hat geschrieben:nein, dort werden keine Fragen gestellt und sie liest von einem Teleprompter ab. Jede Kritik an ihrer Arbeit wird als Frauenhass abgetan ohne Diskurs.Nanimonai hat geschrieben: Sie hält regelmäßig Vorträge und Podiumsdiskussionen an Schulen und Universitäten und hat auch einige Interviews gegeben.
Tropes vs. Women: Anita Sarkeesian über "Frauen als Belohnung" in Videospielen
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Nanimonai
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Re: Tropes vs. Women: Anita Sarkeesian über "Frauen als Belohnung" in Videospielen
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Plor
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Re: Tropes vs. Women: Anita Sarkeesian über "Frauen als Belohnung" in Videospielen
Ich habe zwar "von rechten Spinnern aufgehetzt" in dem Kontext so gemeint, wie ich es gesagt habe (oder willst du wirklich allen Ernstes die extreme und auch lautstarke Präsenz rechter Personen im Gamergate-Spektrum rundheraus leugnen?), aber wir können uns auch inhaltlich dem Komplex annähern.Scipione hat geschrieben:Plor hat geschrieben:Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.Scorcher24_ hat geschrieben:Aber hey, ich bin ja nur ein GamerGate Sexist der den ganzen Tag nur Frauen dumm anlabert und ohne nackede in Videospielen nicht leben kann...![]()
Nein, ernsthaft: Wahrscheinlich bist du kein Sexist, du hast dich nur einfach zu lange in einer extrem, engen, von irrationaler Empörung getriebenen und von rechten Spinnern aufgehetzten Bubble rumgetrieben. Schau dir den hier an. Komplett:
https://www.youtube.com/watch?v=6y8XgGh ... jF&index=1
was hat das links <-> rechts Gebrabbel hier schon wieder zu suchen?
Das ist ein völlig veraltetes Modell, dass die heutige Realität und die vielen unterschiedlichen politischen Positionen kaum mehr vernünftig darstellen kann. Passt aber immerhin zu deiner reaktionären Einstellung.
Nimm doch zumindest das Hufeisen oder den politischen Kompass. Nach letzterem wäre Gamergate auf der y-Achse ziemlich weit unten im liberalen/libertären Bereich. Die autoritäre Gegenseite mit Anita und Co. wären dagegen ganz weit oben, irgendwo zwischen Stalin und Hitler. Die x-Achse ist hier eigentlich irrelevant, da diese sich hier auf ökonomische Fragen bezieht.
Natürlich vertritt Gamergate dann Positionen, die man sowohl hierzulande als auch in den USA im rechten Spektrum findet:
- Antifeminismus bzw. kritische bis ablehnende Haltung gegenüber dem Feminismus: Hierzulande bei der CDU/CSU, AFD und NPD zu Hause. Parteientechnisch ansonsten am ehesten noch bei der FDP, aber dort auch bei weitem nicht so radikal formuliert wie von Gamergate. In den USA zu Hause bei der Tea Party, den Republikanern, FOX und den Evangelikalen.
- Agitation gegen Gender Studies: Wieder hierzulande AFD, NPD, teilweise CDU/CSU. Außerhalb der Parteienlandschaft auch bei Pegida (der einzige Punkt in ihrem tollen 12-Punkte-Programm, der sich nicht auf Migrationspolitik bezieht). In den USA wieder: Tea Party, Republikaner und insbesondere die fundamentalistischen Evangelikalen. Einzig und allein raus fällt an dieser Stelle die Gender-Kritik aus atheistischen Kreisen. Ansonsten kann man einwandfrei alles rechts im politischen Spektrum verorten.
- Agitation gegen SJW bzw. Gutmenschentum: Ebenfalls in Deutschland ein Thema von NPD, AFD, Pegida. In den USA ebenso ein Thema der Rechten, insbesondere FOX-News und natürlich Donald Trump.
Ist ja auch logisch: Natürlich stellen sowohl Feminismus als auch Gender Studies ob ihres jungen Alters eine progressive politische Strömung dar. Und natürlich ist ihr Thema auch vor allem eine kritische Hinterfragung des Status Quo, der Machtverhältnisse und lange tradierter Vorurteile. Die Reaktion darauf folgt primär und zwangsläufig aus einem konservativen Lager, das für den Erhalt seines Status Quo kämpft. Ähnlich konservativ argumentiert ja auch Gamergate, wenn es darum geht den Status Quo der Videospielkultur gegen neue Einflüsse (Anti-Games, neue Narrative, neue Spielmechaniken) zu verteidigen. Ähnlich exkludierend, elitär verhalten sich die Gamergate-Gamer gegen Einflüsse von außen (die bösen Nicht-Gamer) wenn sie ihre bekannte Welt verteidigen. Das ist knallhart klassischer Konservatismus. Ganz zu schweigen von der extremen Wissenschaftfeindlichkeit und dem Antiintellektualismus der dort anzutreffen ist, oder auch dem massivem Kampf gegen einen Großteil der Presse (Welches politische Lager hat hierzulande nochmal "Lügenpresse" geschrien? Ich glaube, links war das eher nicht).
Ich kenne diese Selbstwahrnehmung vieler Gamergater als links oder liberal. Ich kenne dieses Hufeisenbild. Das kommt ja gerade aus den Kreisen, die Angst haben, vom rechten Lager vereinnahmt zu werden, und die daher versuchen wollen lechts/rinks auf eine Stufe zu stellen, um sich selbst als progressive Alternative verkaufen zu können. Dabei hat gerade in den USA der rechte Libertarismus eine starke Tradition und der Libertarismus eine enge Anknüpfung an den Konservatismus: Vom "From my dead cold Hands" der NRA bis hin zum "I want to call the niggers 'niggers'" des KKK. Daneben gibt es natürlich noch ganz fundamentale, philosophisch/ideologische Anknüpfungspunkte: Der Sozialdarwinismus der beim radikalen Libertarismus eine Rolle spielt, der Konsequentialismus und daraus folgend die radikale freie marktwirtschaftliche Haltung (da wählen gerade in den USA Libertäre praktisch gezwungenermaßen die Republikaner)... und last but not least (ebenfalls besonders in den USA), der Minarchismus, der mit einem Hang zu großen, epischen Verschwörungstheorien einhergeht (DIE Ostküste, DIE da oben, DIE Lügenpresse... im schlimmsten Fall bzw. letzter Konsequenz: DIE Illuminaten, DIE Zionisten, DIE Juden). Natürlich folgen nicht alle Libertäre den rechtsradikalen und konservativen Positionen, die Überschneidungen sind aber vielfältig. Und gerade Gamergate zeigte doch ziemlich beeindruckend, wie schnell sich zwischen libertär/liberal und konservativ/rechtsradikal bei bestimmten Themen eine Querfront bilden kann, in der sich die Faschisten dann hinter den Liberalen verstecken und die Liberalen diese nicht wahrnehmen (wollen), sich gleichzeitig aber in vielen Punkten von deren Terminologie und Inhalten vereinnahmen lassen.
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Nanimonai
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Re: Tropes vs. Women: Anita Sarkeesian über "Frauen als Belohnung" in Videospielen
Normal ist nicht, was die Mehrheit ist. Normal ist, was als "normal" deklariert wurde. Und das eher selten von der Mehrheit.Highnrich hat geschrieben:Normal ist, was die normalität ist und das ist, was die Mehrheit ist.
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Nanimonai
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Re: Tropes vs. Women: Anita Sarkeesian über "Frauen als Belohnung" in Videospielen
Wie bereits erwähnt, das viel zitierte Hitman-Beispiel. Kann man sich drüber streiten, nur gilt es leider als Stellvertreter für alles andere, was sie noch gesagt hat.Unc13Fu hat geschrieben:Ich habe bereits zwei Beispiele gebracht.
- Einmal aus einem ihrer Videos (Hitman: Absolution)
Musst du wirklich schon so lächerliche "Argumente" rauskramen um sie zu diskreditieren?Unc13Fu hat geschrieben: - Einmal aus ihrer sonstigen Tätigkeit (Tweet über die angeblich sexistischen Eintrittskarten zur diesjährigen E3).
Wobei in mindestens einem dieser Fälle das Wort uninformiert tatsächlich unangebracht ist und eher durch "dreiste Lüge" ersetzt werden muss.
Ihr Tweet ist ein Rant über ein sexistisches Bild, das an einen Teilnehmerausweis "attached" ist, also ihm beiliegt.
Was genau ist daran gelogen? In dem Plastikcover war neben dem Presseausweis nun mal auch Werbekram, unter anderem dieser Persona-Badge.
Du beziehst dich vermutlich auf das Video, an dem sich ihre "Gegner" aufgeilen?Unc13Fu hat geschrieben: - Ihre wechselnden Aussagen bzgl. ihrer Videospielkarriere.
Dass sie gar keine Gamerin ist und Spiele nicht mag? Dazu wurde schon viel geschrieben, unter anderem, dass es aus dem Zusammenhang gerissen wurde (es ging dabei um Fan-Fiction in einem Vortrag), aber selbst wenn sie es genauso meinte und als erwachsene Frau einfach keine Videospiele mehr mag: So what?
Was ist an dieser Aussage falsch? Videospiele werden von Menschen gemacht. Diese leben nun mal nicht außerhalb ihrer eigenen Welt, ihrer Regeln und Werte, und auch nicht fern ihrer "Konzepte von Normalität". In jede Kunst fließt der Mensch, wie sollte es auch anders funktionieren?Unc13Fu hat geschrieben: -Die Aussage: “Intentional or not, they [video games] always express a set of values and present us with concepts of normalcy." Bitte was?
Fällt dir selbst denn nicht auf, dass die "Kritik" an Sarkeesian in den meisten Fällen eine persönliche und nur ganz selten und auf wenige Punkte runtergebrochene, sachliche Kritik ist? Es ist doch irgendwie bezeichnend, dass sich die Diskussion viel mehr um sie und ihr Leben als um den Inhalt ihrer Videos dreht, findest du nicht?
- KaioShinDE
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Re: Tropes vs. Women: Anita Sarkeesian über "Frauen als Belohnung" in Videospielen
Wie sich jedes mal wieder über ein dutzend Seiten an ihr abgearbeitet wird, genau dass will sie doch. Würde sie einfach ignoriert werden würden der Spuk auch keinen ausserhalb ihrer Filterblase jucken und sie könnten sich in Frieden gegenseitig auf die Schulter klopfen.
- JesusOfCool
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Re: Tropes vs. Women: Anita Sarkeesian über "Frauen als Belohnung" in Videospielen
Menschen haben eben das Berdürfnis sich mit Reaktionen auf Aussagen anderer zu profilieren.
- mr archer
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Re: Tropes vs. Women: Anita Sarkeesian über "Frauen als Belohnung" in Videospielen
Mal zum Video an sich - bis Minute 24 konnte ich zu allem Nicken. Gerade das Metroid-Beispiel ist ja wirklich ziemlich unglaublich, betrachtet man mal die Tatsache, das Seamus gern als Positivbeispiel zitiert wird.
Wo es für mich begann, schwierig zu werden, waren die letzten grob neun Minuten, wo sie gesellschaftlich zu extrapolieren und ziemlich brachiale, behavioristische Reiz-Reaktions-Zusammenhänge zu postulieren beginnt. Mir waren das ein bisschen zu viel "common sense" - Sätze. Es gibt da einfach ein Ungleichgewicht zu der absolut schlüssigen und gründlich durchgezogenen Analyse der ersten 24 Minuten.
Klar, das Problem hat Kulturkritik latent immer. Aber diesmal hat sie für mich irgendwie das Gleichgewicht verloren und begibt sich hier in eine Richtung, in der die Gefahr besteht, nur die eine Art der Trope durch ein ganzes Set anderer zu ersetzen. Männer, die Frauen Drinks spendieren, wollen ficken. Sachen gibt's.
Wo es für mich begann, schwierig zu werden, waren die letzten grob neun Minuten, wo sie gesellschaftlich zu extrapolieren und ziemlich brachiale, behavioristische Reiz-Reaktions-Zusammenhänge zu postulieren beginnt. Mir waren das ein bisschen zu viel "common sense" - Sätze. Es gibt da einfach ein Ungleichgewicht zu der absolut schlüssigen und gründlich durchgezogenen Analyse der ersten 24 Minuten.
Klar, das Problem hat Kulturkritik latent immer. Aber diesmal hat sie für mich irgendwie das Gleichgewicht verloren und begibt sich hier in eine Richtung, in der die Gefahr besteht, nur die eine Art der Trope durch ein ganzes Set anderer zu ersetzen. Männer, die Frauen Drinks spendieren, wollen ficken. Sachen gibt's.
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Nanimonai
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Re: Tropes vs. Women: Anita Sarkeesian über "Frauen als Belohnung" in Videospielen
Das Problem ist nicht, dass diese Männer ficken wollen, sondern dass sie denken, sie hätten aufgrund ihrer "Investition" jetzt ein Anrecht darauf, zum Stich zu kommen.mr archer hat geschrieben:Männer, die Frauen Drinks spendieren, wollen ficken. Sachen gibt's.
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Re: Tropes vs. Women: Anita Sarkeesian über "Frauen als Belohnung" in Videospielen
Da gibts eigentlich kein Problem. Es ist doch ganz einfach: Männer, die denken sie hätten deswegen auf irgendwas "Anrechte" sind genau so bescheuert und dämlich wie die Frauen, die um den Zweck der Getränke-Spende genau bescheid wissen und es trotzdem annehmen.Nanimonai hat geschrieben:Das Problem ist nicht, dass diese Männer ficken wollen, sondern dass sie denken, sie hätten aufgrund ihrer "Investition" jetzt ein Anrecht darauf, zum Stich zu kommen.mr archer hat geschrieben:Männer, die Frauen Drinks spendieren, wollen ficken. Sachen gibt's.
- mr archer
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Re: Tropes vs. Women: Anita Sarkeesian über "Frauen als Belohnung" in Videospielen
Es soll schon vorgekommen sein, dass Erwachsene beiderlei Geschlechts sich diesem Balzritual tatsächlich völlig bereitwillig und in völliger Klarheit über das angestrebte Ergebnis unterworfen haben. Es soll außerdem tatsächlich so sein, dass immer wieder Männer Frauen Drinks spendieren und diese sich solche spendieren lassen, ohne dass am Ende gefickt wird.Nanimonai hat geschrieben:Das Problem ist nicht, dass diese Männer ficken wollen, sondern dass sie denken, sie hätten aufgrund ihrer "Investition" jetzt ein Anrecht darauf, zum Stich zu kommen.mr archer hat geschrieben:Männer, die Frauen Drinks spendieren, wollen ficken. Sachen gibt's.
Ich kann die Liste fortsetzen. Dein Satz ist zunächst mal nichts weiter als eine ganz grobe Verallgemeinerung. Das hätte ich in dieser behaupteten Gesetzmäßigkeit gern mal belegt.
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Nanimonai
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Re: Tropes vs. Women: Anita Sarkeesian über "Frauen als Belohnung" in Videospielen
Dein Interesse ist doch anscheinend auch groß genug, sonst würdest du dich ja kaum zu einem Kommentar genötigt fühlen.TaLLa hat geschrieben:Sack Reisian macht noch was? Interessiert doch keinen mehr oder? Oh 215 Antworten.
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Porsche007
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Re: Tropes vs. Women: Anita Sarkeesian über "Frauen als Belohnung" in Videospielen
Plor hat geschrieben:
Ich habe zwar "von rechten Spinnern aufgehetzt" in dem Kontext so gemeint, wie ich es gesagt habe (oder willst du wirklich allen Ernstes die extreme und auch lautstarke Präsenz rechter Personen im Gamergate-Spektrum rundheraus leugnen?), aber wir können uns auch inhaltlich dem Komplex annähern.
Natürlich vertritt Gamergate dann Positionen, die man sowohl hierzulande als auch in den USA im rechten Spektrum findet:
- Antifeminismus bzw. kritische bis ablehnende Haltung gegenüber dem Feminismus: Hierzulande bei der CDU/CSU, AFD und NPD zu Hause. Parteientechnisch ansonsten am ehesten noch bei der FDP, aber dort auch bei weitem nicht so radikal formuliert wie von Gamergate. In den USA zu Hause bei der Tea Party, den Republikanern, FOX und den Evangelikalen.
- Agitation gegen Gender Studies: Wieder hierzulande AFD, NPD, teilweise CDU/CSU. Außerhalb der Parteienlandschaft auch bei Pegida (der einzige Punkt in ihrem tollen 12-Punkte-Programm, der sich nicht auf Migrationspolitik bezieht). In den USA wieder: Tea Party, Republikaner und insbesondere die fundamentalistischen Evangelikalen. Einzig und allein raus fällt an dieser Stelle die Gender-Kritik aus atheistischen Kreisen. Ansonsten kann man einwandfrei alles rechts im politischen Spektrum verorten.
- Agitation gegen SJW bzw. Gutmenschentum: Ebenfalls in Deutschland ein Thema von NPD, AFD, Pegida. In den USA ebenso ein Thema der Rechten, insbesondere FOX-News und natürlich Donald Trump.
Ist ja auch logisch: Natürlich stellen sowohl Feminismus als auch Gender Studies ob ihres jungen Alters eine progressive politische Strömung dar. Und natürlich ist ihr Thema auch vor allem eine kritische Hinterfragung des Status Quo, der Machtverhältnisse und lange tradierter Vorurteile. Die Reaktion darauf folgt primär und zwangsläufig aus einem konservativen Lager, das für den Erhalt seines Status Quo kämpft. Ähnlich konservativ argumentiert ja auch Gamergate, wenn es darum geht den Status Quo der Videospielkultur gegen neue Einflüsse (Anti-Games, neue Narrative, neue Spielmechaniken) zu verteidigen. Ähnlich exkludierend, elitär verhalten sich die Gamergate-Gamer gegen Einflüsse von außen (die bösen Nicht-Gamer) wenn sie ihre bekannte Welt verteidigen. Das ist knallhart klassischer Konservatismus. Ganz zu schweigen von der extremen Wissenschaftfeindlichkeit und dem Antiintellektualismus der dort anzutreffen ist, oder auch dem massivem Kampf gegen einen Großteil der Presse (Welches politische Lager hat hierzulande nochmal "Lügenpresse" geschrien? Ich glaube, links war das eher nicht).
Ich kenne diese Selbstwahrnehmung vieler Gamergater als links oder liberal. Ich kenne dieses Hufeisenbild. Das kommt ja gerade aus den Kreisen, die Angst haben, vom rechten Lager vereinnahmt zu werden, und die daher versuchen wollen lechts/rinks auf eine Stufe zu stellen, um sich selbst als progressive Alternative verkaufen zu können. Dabei hat gerade in den USA der rechte Libertarismus eine starke Tradition und der Libertarismus eine enge Anknüpfung an den Konservatismus: Vom "From my dead cold Hands" der NRA bis hin zum "I want to call the niggers 'niggers'" des KKK. Daneben gibt es natürlich noch ganz fundamentale, philosophisch/ideologische Anknüpfungspunkte: Der Sozialdarwinismus der beim radikalen Libertarismus eine Rolle spielt, der Konsequentialismus und daraus folgend die radikale freie marktwirtschaftliche Haltung (da wählen gerade in den USA Libertäre praktisch gezwungenermaßen die Republikaner)... und last but not least (ebenfalls besonders in den USA), der Minarchismus, der mit einem Hang zu großen, epischen Verschwörungstheorien einhergeht (DIE Ostküste, DIE da oben, DIE Lügenpresse... im schlimmsten Fall bzw. letzter Konsequenz: DIE Illuminaten, DIE Zionisten, DIE Juden). Natürlich folgen nicht alle Libertäre den rechtsradikalen und konservativen Positionen, die Überschneidungen sind aber vielfältig. Und gerade Gamergate zeigte doch ziemlich beeindruckend, wie schnell sich zwischen libertär/liberal und konservativ/rechtsradikal bei bestimmten Themen eine Querfront bilden kann, in der sich die Faschisten dann hinter den Liberalen verstecken und die Liberalen diese nicht wahrnehmen (wollen), sich gleichzeitig aber in vielen Punkten von deren Terminologie und Inhalten vereinnahmen lassen.
Verstehe ich das richtig?
Für dich ist Kritik an Sarkeesians Thesen, oder an Feminismus bzw. Gender Studies nur eine Schrittweite vom Rassismus entfernt. Außerdem ist alles, was rechts von der SPD steht gleichzusetzen.
Du wirfst z.B. der FDP Nähe zur Tea Party vor, verkennst aber, dass dort sehr liberale Ansätze im Bezug auf Einwanderung und Rechte von Homosexuellen vertreten werden. Daher hat die Partei wiederum nur wenig mit der AFD zutun, die wiederum durchaus eine Art Tea Party darstellt.
Jemand der Feminismus oder Gender Studies kritisiert ist ja nicht zwingend im Rollenverständnis der 50er Jahre verhaftet. Sondern es geht vielmehr auch um Kritik an sehr radikalen Forderungen bzw. Forderungen, die letzendlich eine positive Diskriminierung darstellen. Beispielsweise sorgen Quotenregelungen sehr oft dafür, dass bei gleicher Qualifikation Frauen bevorzugt werden. Eine gegenderte Sprache wiederum stört vielfach den Lesefluss und ist gerade bei Reden in der ganzen Konsequenz nur schwer umzusetzen (Du hättest z.B. auch von "rechten SpinnerInnen" sprechen müssen...). Daher darf man jemanden, der sowas fordert durchaus auch eine gewisse Weltfremdheit vorwerfen.
NRA und KKK sind wiederum vollkommen verschiedene Baustellen. Es gibt inzwischen auch eine große Anzahl an schwarzen Mitgliedern in der NRA. Das weiß, alt, dick - Klischee ist überholt.
Wenn man Sarkeesian kritisiert, dann geht es in der Regel nicht darum, dass man Diskriminierung von Frauen gutfindet, sondern vielmehr um die Kritik an geforderten Eingriffen in die künstlerische Freiheit. Für mich ist es eine falsche Entwicklung, wenn Spiele zukünftig nicht mehr primär Männer als Zielgruppe ansprechen dürfen, auch wenn sie hauptsächlich von diesen gespielt werden und außerdem immer eine Quotenfrau als Charakter vorhanden sein sollte. Es spricht ja nichts dagegen, wenn solche Spiele existieren, ich finde es aber falsch, wenn dies von jedem Spiel erwartet wird. Letzendlich beschränkt es die Freiheit von Spieleentwicklern. Außerdem sollten Medien auch nicht unbedingt immer eine idealisierte Version der realen Welt darstellen müssen, sondern auch diese in aller Konsequenz abbilden dürfen.
Für mich sind deine Pauschalisierungen genauso falsch, wie der Glaube mancher Amerikaner eine allgemeine Krankenversicherung sei schon tiefster Kommunismus!
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Nanimonai
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Re: Tropes vs. Women: Anita Sarkeesian über "Frauen als Belohnung" in Videospielen
Warum legst du denn jetzt diese schnippische Rhetorik an den Tag? Hast du einen Grund dafür?mr archer hat geschrieben: Es soll schon vorgekommen sein, dass Erwachsene beiderlei Geschlechts sich diesem Balzritual tatsächlich völlig bereitwillig und in völliger Klarheit über das angestrebte Ergebnis unterworfen haben. Es soll außerdem tatsächlich so sein, dass immer wieder Männer Frauen Drinks spendieren und diese sich solche spendieren lassen, ohne dass am Ende gefickt wird.
Dir ist anscheinend das Problem nicht ganz klar, was sie mit diesen Beispielen anspricht.
Es geht um Sex als Lohn, Sex als Trophäe, Sex als etwas, dass man sich "verdient" hat, auf das man also in gewisser Weise ein (moralisches) Recht hat. Diese Belohnungssysteme finden sich in Spielen ebenso wie in Filmen zu Hauf... Helden werden am Ende mit einem Kuss oder wie bei Kingsman Analsex belohnt, Campbell hat das als "Heilige Hochzeit" am Ende der Heldenreise beschrieben.
Ein Abweisen dieser Belohnung ist nicht vorgesehen und sollte sie doch auftreten, fühlt sich der Mann und auch das Publikum in gewisser Weise betrogen, um den Lohn gebracht.
Das thematisiert sie, nicht die Tatsache, dass es verschiedene Balzrituale bei Männlein und Weiblein gibt.
Zuletzt geändert von Nanimonai am 02.09.2015 12:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Tropes vs. Women: Anita Sarkeesian über "Frauen als Belohnung" in Videospielen
Im thema geirrt - bitte löschen
- mr archer
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Re: Tropes vs. Women: Anita Sarkeesian über "Frauen als Belohnung" in Videospielen
Nein, sie geht durchaus weiter. Sie extrapoliert auf das konkrete Geschlechterverhältnis zwischen konkreten Männer und konkreten Frauen in konkreten Annäherungssituationen.Nanimonai hat geschrieben: Das thematisiert sie, nicht die Tatsache, dass es verschiedene Balzrituale bei Männlein und Weiblein gibt.
Und das halte ich in der hier vorgenommenen argumentativen Grobschlächtigkeit für kritikwürdig.
