MrLetiso hat geschrieben:Klingt plausibel. Allerdings ist Kritik an Anita angebracht - sowie an allem.
Richtig, nur auf eine andere Weise. Wenn es um Zoe Quinn geht, hat man sehr offensichtliche Aspekte, die so auch vorgebracht werden (die Fine Young Capitalists-Geschichte; das prinzipielle, vom Fall unabhängige Problem von journalistischen Standards im Gaming-Journalismus; Kredibilität im Angesicht persönlicher Verhaltensweisen im Kontrast zu persönlichen Philosophien). Nur werden diese gleich darauf mit vollkommenem Bullshit vermischt (die elendig oft widerlegte Behauptung von "erschlafenen" Reviews; dieses ganze Verschwörungstheorie-Gebrabbel an sich; die strunzdämlichen Argumente warum sie ihre Belästigung nur gefaket hat, etc.)
Währenddessen ist es bei Anita einfach, weil dort die wirkliche Diskussion von problematischen Aspekten durchaus in gesitteter - aber auch ungehörter - Weise stattfindet, während der Hauptteil der Diskussion eben nur aus strunzdämlichen Argumenten besteht. Der Mix der beiden Parts ist einfach so nicht da. Ich habe zumindest noch keinen "you're ignoring the duality of sexism, cunt"-Tweet gesehen.
Kajetan hat geschrieben:Wenn man die Identität des Bedrohers relativ einfach eingrenzen kann? Selbstverständlich. Habe das selber mal im Studentenwohnheim mitbekommen, als zwei Herren in (damals noch) Grün sehr höflich beim Zimmernachbarn vorbeigeschaut haben, weil die Ex-Freundin mit nächtlichen Anrufen belästigt wurde. Von wem auch immer.
Ich glaube, das ist auch, was ziemlich viele hier übersehen. Das Problem mit dem Internet ist nicht nur Anonymität, sondern auch Öffentlichkeit.
Ich denke, niemand würde ernsthaft argumentieren dass man nach eine Trennung halt mit nächtlichen, drohenden Anrufen zu rechnen hat.
Wenn wir das ganze aber öffentlich machen, und im Internet, ist das plötzlich ausgelebte Meinungsfreiheit.
Nun mag einer mit dem Argument kommen, dass die Person sich offensichtlich öffentlich präsentiert, und ergo damit rechnen muss, aber erneut: Wenn diese öffentliche Person privat drohend angerufen würde, warum ist das plötzlich schlimm, aber wenn es öffentlich auf Twitter geschieht, nicht?