Nein, ist es nicht. Ganz und gar nicht.iconoclasm hat geschrieben:Heute was wirklich neues zu machen ist wesentlich schwerer als früher.
Man schaue sich mal nur in der Indie-Szene um, wie hier wild herumexperimentiert wird, etablierte Genres durchmischt, erweitert oder man sich an etwas ganz neues wagt.
Experimente und kreative Wagnisse sollte man aber NICHT von Chart-Titeln und multimillionen-teuren Hochglanz-Produkten erwarten. Denn hier geht es nur darum, mit minimalem Aufwand den maximalen Profit zu erzielen. Und angesichts des Umstandes, dass selbst beim vorsichtigen Recyclen des immer gleichen Scheiss immer noch ca. 8 von 10 veröffentlichten Spielen floppen und es kaum schaffen ihre Kosten wieder hereinzuholen, ist es durchaus verständlich, dass die Major Publisher jedes Experiment scheuen. Sieht man ja wunderbar an EA. Da wurden mit Mirror's Edge und Dead Space (zumindest für EA-Verhältnisse) zwei Experimente gewagt, die erwartungsgemäß eine kommerzielle Bauchlandung hingelegt haben. Ich gehe trotz entsprechender gegenteiliger Beteuerungen davon aus, dass man bei EA auf Druck der Investoren künftig auf solche Experimente verzichtet.
Wii und Remote sind hingegen die große, große Ausnahme dieser Regel und gleichzeitig auch ein Beispiel dafür, welch enormes Risiko ein großer Konzern eingeht, wenn er Abermillionen in ein wirklich neues, bisher noch nie dagewesenes Konzept steckt. Ein Risiko, welches die Major Player in diesem Geschäft natürlich nicht eingehen wollen. Würde ich auch nicht, wenn ich verantwortlich für zig Millionen Entwicklungs- und Marketing-Budget wäre.
Wäre da jedoch nur ich und vielleicht ein, zwei Kumpels, mit denen ich an einem kleinen Spiel sitzen würde, dann könnten wir dort unserer Kreativität freien Lauf lassen und nicht nur neue Spielkonzepte ausdenken, sondern ... was mir persönlich sehr viel wichtiger ist ... auch inhaltlich das Computerspiel nach vorne bringen. Denn viele aktuelle Spiele interessieren mich nicht mehr, weil ich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte erwachsen(er)
Nehmen wir zB. Braid. Ich persönlich bin zwar zu blöde für das Gameplay-Konzept, aber mir gefällt der philosophische Unterbau der Story, die angedeutete Beziehungsgeschichte, die Motivation des Helden, diesmal nicht die Welt zu retten oder die *gähn* gekidnappte Prinzessin vor Bowser und sich selbst, sondern eben jene, in die Brüche gegangene Beziehung zu retten. Das aktuelle Spiele-Angebot besteht größtenteils nur aus billigem RammbammbummPeng für kleine Kinder, denen man mittels Gewalt und Blut vorgauckelt, sie würden jetzt "erwachsene" Spiele zocken. Wirklich "erwachsene" Spiele ... die gibt es aber immer noch so gut wie gar nicht. Emotionen, Gefühle und die Komplexität des Lebens, all die Themen, die man in Film und Literatur vorfindet, die gibt es im Spielebereich noch nicht. Dazu steckt dieses Genre immer noch zu sehr in den wortwörtlichen Kinderschuhen, geknebelt von einer rein profitorientierten Industrie, die überhaupt kein Interesse an Weiterentwicklung hat und am Boden gehalten von einer Kundschaft, die von Spielen nur eine stumpfe, immer wieder gleiche Unterhaltung verlangt, die sich selbst nicht weiterentwickeln möchte.
Was Al Lowe hier anspricht, dass wird sich erst allmählich ändern. Literatur existiert nun schon seit einigen Jahrtausenden auf diesem Planeten und schaut man sich an, was für Filme man in den ersten 30 Jahren nach Erfindung des bewegten Bildes gedreht hat, so wundert es einen nicht, dass heutzutage Computerspiele so sind, wie sie nunmal sind
