@Kajetan:
Doch Theater ist kulturell etabliert und anerkannt. Deswegen wird diesem Thema viel Platz eingeräumt. Spiele jedoch? Gelten immer noch nur als Kinderkacke. Und wie kommt man davon weg? In dem man endlich damit anfängt anders darüber zu berichten. Weil, die inhaltliche Bandbreite ist da. Spiele sind schon lange nicht mehr nur Kinderkacke.
Das unterschreibe ich liebend gerne

Der Wechsel vom Reflextest Hinundher-Pong hin zur Metaebene-Interpretationsmaschine Retrogame, welches zwar die selben Pixeln teilt, aber ein gänzlichst anderes Spielgefühl vermittelt, ist längst geschehen. Nur hat dies dort draussen "in den Medien" kaum einer mitbekommen. Es wird leidergottes erst dann über ein Spiel berichtet, wenn ein Blockbuster die Bühne betritt. Die vielen Metaebenen-Kritiker, welche z.Bsp. die Melanchonie in den Spielen erkennen und darüber berichten, finden sich dann in den speziellen Spielemagazinen - analog zu den Erkennern der Meditation beim Zusammenbau einer Modellbahnanlage, die nur in ihren Modellbahnfachmagazinen berichten.
Da ist noch viel Arbeit zu erledigen, bevor wirklich eine breite Palette an Spielen in der Kultur-Rubrik etablierter Zeitunten und "Volksmedien" zu finden sein wird. Da gebe ich Warren Spector vollkommen recht.
@Topic:
"Keine Spieler. Keine Professoren. Keine Spielemacher. Normale Leute.", zählt Spector auf, welche Art Journalist er bei der Besprechung der Videospiele vermisst.
Diese Menschen sind in selbst erstellten Blogs zu finden. Der Journalismus erwartet jedoch eine gewisse Herangehensweise, welche diese "normalen Leute" zuerst erlernen sollten, bevor sie gute Arbeit abseits der Geschmackskitzelei liefern können.
Uns fehlt eine Art der Kritik bzw. der historischen Analyse, die dafür sorgen könnte, dass die Gesellschaft Spiele als mehr betrachtet als ein Mittel, einem Über-Zwanzigjährigem oder einer Über-Dreißigjährigen Geld aus der Tasche zu ziehen.
Vorhanden ist sie, diese Form der Spielekritik mit historischer Analyse. Nur eben in den Fachmagazinen, und weniger in den etablierten Medien. Ob diese Medien jedoch ihr Klientel auf diese Form des Spielens aufmerksam machen wollen, und deshalb solch historisch gebildete Journalisten einstellen und arbeiten lassen, kann zumindest ich nicht sagen

Wünschenswert wäre es allemal.
Der Designer und Produzent wünscht sich Journalisten ähnlich dem kürzlich verstorbenen Roger Ebert, die den Reiz der Spiele auch fachfremden Personen verständlich machen - nicht nur in regelmäßigen Fachmagazinen, sondern überall dort, wo Menschen lesen, hören und fernsehen.
Solche Talente sind leider Mangelware, leider.
Als Beispiel hebt er zwei Artikel der New York Times hervor, die sich mit Filmen beschäftigen, ohne sie analytisch zu sezieren. Es gehe nicht um Fachbegriffe, sondern um die Inhalte und wie diese vermittelt werden.
In Sachen Computerspiel gibt es jedoch ein Dilemma. Soll der Tester die technische Qualität untersuchen? Dann kann er ein Spiel besser oder schlechter als die Konkurrenz bewerten. Soll er sich auf die erzählte Geschichte und der Vermittlung konzentrieren und die Technik größtenteils ignorieren? Dann kann er Kaufempfehlungen aussprechen, die der technikbegeisterte Grafikkartenaufrüster möglicherweise einen Fehlkauf einbringen. Soll er über das "Gefühl beim Spielen" berichten? Dann werden andere Menschen ebenfalls subjektive Einzelerfahrungen in den Ring werfen, dessen Meinungen allesamt unterschiedlich sind. Und alle sind im Recht.
Ab wann ist ein Bericht ein "guter und journalismusgerechter" Bericht?
Soll der DVD-Kritiker den Film in den Himmel loben, aber dafür den DVD-Transfer und die Ausstattung ignorieren? Oder soll er der DVD-Box auch eine gewisse Aufmerksamkeit schenken und in die Kritik einfließen lassen, ohne dabei den Textrahmen zu sprengen? Da scheiden sich die Geister. Sollten Spieletests eine Punktzahl zur Bewertung der Technik beinhalten? Oder nur "über das Spiel" berichten, abseits einer prozentualen Bewertung der Technikqualität? Also nur in ganzen Sätzen?
Ich vermute, selbst Warren Spector wird sich da schwer tun, das perfekte Maß für die Medienlandschaft zu finden, mit der man auch den Kulturteil einer Zeitung befüllen kann

Das Spiele aber den Reaktionstests herausgewachsen sind und, zwischen meditativer Ruhe und hektischer Flucht, eine breite Palette an Interessen bedient, dem stimme ich vollkommen zu. Das die Nongamer-Medien leider die großen Strohfeuer eines AAA-Titels beobachten und darüber berichten, ist u.a. der Redaktion des Mediums zuzuschreiben. Ich vermute, dass der Journalismus generell dafür unschuldig ist. Eher ist der Chefredakteur verantwortlich zu machen, wenn er "plumpe Ballerorgien" den Vorrang gibt, während künstlerisch anspruchsvollere Spiele weiterhin ein Nischendasein fristen
Der Spielemacher ist sich dabei bewusst, dass es sehr wohl Spielejournalisten gebe, die sich nicht auf die Fachanalyse beschränken - er will vielmehr unterstreichen, dass man diesen Weg weiter gehen müsse.
Wenn die Medien solche Menschen aktiv suchen und einstellen möchten, werden sie journalistisch gebildete Menschen auch finden, die dieses Muster hervorragend entsprechen. Da bin ich guter Hoffnung. Ob die Zeitschrift oder Zeitung auch das Zeug hat, diesen Teil der Kultur in ihrem Blatt (finanziell) zu fördern, bleibt leider offen.
Lasst uns die Bücherregale, Magazintresen und das Netz mit Arbeiten überschwemmen, die nicht über (oder unter) den Köpfen der Leser schweben. Nur dann werden wir den Respekt erhalten, den wir in meinen Augen verdienen.
Gibt es schon ... wenn man den Blick in das Netz der Netze wirft

Abseits der digitalen Schreibzunft muss man hier weniger auf "den Journalisten" pochen, als auf den Journalisten bezahlenden Vorgesetzten

Ich habe z.Bsp. blöd geguckt als ich entdeckte, dass auf den ÖR-Digitalspartenkanälen Sendungen mit den Namen "Pixelmacher" und "Reload" existieren, die die Spielekultur mit anderen Augen betrachten als ein sezierender Techniktester. Ist Geld vorhanden, und gibt man es einer verantwortungsbewussten Person in die Hände, so wird er (oder sie) es schaffen. Ob Interesse bei den Geldgebern und den Vorgesetzten besteht? Wenn ja, dann steht einer fachgerechten specter'schen Überschwemmung eigentlich nichts mehr im Wege. Das Netz beinhaltet sicherlich genug historisch und journalistisch gebildete Kenner der Materie
