@Kajetan
Ich tue mich damit ehrlich gesagt ziemlich schwer. Ja Star Wars hatte Schwarz-Weiß, schön einfach aber in den klassischen Geschichten gibt es das in den meisten Fällen gar nicht. Genausowenig wie die Struktur mit dem weisen Lehrmeister, der im passenden Moment stirbt, dem 19 Jährigen Helden und seinen Freunden, das sind eigentlich Tropes die so ziemlich jung sind oder sogar von Star Wars selbst maßgeblich geprägt wurden. Aber natürlich funktioniert das super, Lucas oder sagen wir eher Lucas + diejenigen die mit ihm gearbeitet haben, haben den Stoff so wunderbar feingeschliffen mit modernen Elementen angereichert (siehe den Cowboy Solo und seinen treuen "Indianer" Chewbacca), dass es absolut rund, ja geradezu makellos ist in seiner Simplizität. Und Lucas (and Company) haben es geschafft dieses Universum sanft zu vertiefen, wobei man bei den Ewoks dann ein bissen mit der Feile abgerutscht ist.
Nur sehe ich da ein riesiges Problem. Etwas so makellos einfaches, kann man nicht einfach wiederholen. Ich habe das Gefühl, Lucas hat 1997 irgendwie dieses ganze mystische Zeug von Wegen Märchen, Sagen, Legend zu Ernst genommen und wirklich geglaubt, er könnte sowas schreiben. Faktisch kann man denke ich ein so leichtes Werk wie die Episoden IV bis VI nicht wiederholen und sollte es daher auch gar nicht versuchen. Das Expanded Universe beinhaltet eine Menge Schrott aber ich denke der Ansatz das Schwarz-Weiß etwas aufzulösen von Thrawn bis zum Höhepunkt in der Star Wars Legacy Comicreihe mit Lukes späten Nachfahren, der sich zwischen heller und dunkler Seite bewegt ist der einzige der zu fahren Sinn macht.
Momentan sehen wir zwei andere Alternativwege. Da haben wir den amateurhaften Versuch ein klassisches Drama abzuliefern, wofür man bei Star Wars einfach richtige Profis braucht, ansonsten kann es nichts werden und auf der anderen Seite eben tatsächlich die Wiederholung von Episode IV, wunderbar einfach, mit etablierten Tropes, bloß nicht zu komplex. Und in meinen Augen ist beides gescheitert, das eine aufgrund Lucas mangelhafter Fähigkeit zu schreiben, das andere aus einer Kombination aus Überlebtheit, mangelnder Kreativität und mangelnder Schreibkunst. Star Wars einfache Geschichte vom Kampf Gut gegen Böse, mit einer Gruppe von Freunde, die zusammen wachsen hat super in die 70er gepasst, da gab es davon einfach kaum etwas in dieser Art aber das hat sich in 30-40 Jahren völlig verändert. Wenn man dann auch noch glatt kopiert, was man vor 30-40 Jahren gemacht hat, ist das eine kreative Bankrotterklärung, zu dem nichts langweiliger ist als Protagonisten- und Antagonisten, die einfach nur böse oder gut sind. Umso peinlicher, wenn man dann selbst bei so einer Kopie noch schreiberische Fehler macht.
Ich denke daher auch, dass der Erfolg des neuen Star Wars films einzig auf den Namen zurückzuführen ist und dass er keine komplette Beleidigung darstellt alà Ghostbusters. Wäre der Film 1990 als Fortsetzung erschienen (mit damaligen Effekten), hätte man Lucas öffentlich gevierteilt. Nostalgie rettet den Film, die Formel hingegen die Star Wars zu dem gemacht hat was es ist, schmeckt heute wie ziemlich fade.
Cheraa hat geschrieben:SethSteiner hat geschrieben:Diese Politik, die wir in der PT sehen ist wirklich langweilig, weil da gar keine Ausarbeitung stattfand und man muss auch dazusagen, das ganze begann bevor wir im Fernsehen von Sopranos, Breaking Bad und Game of Thrones verwöhnt wurden. Populäre, richtig gut geschriebene Plotts, die sich über längere Zeiträume strecken, waren damals einfach zu selten.
Selten, aber doch vorhanden. Babylon 5 ist da ein Paradebeispiel und das mit einem absoluten Low Budget zur damaligen Zeit.
Allerdings ist es auch nicht gerade fair, TV Serien mit 3.000 Minuten Laufzeit zu vergleichen mit einer Filmreihe die auf ~800 Minuten Laufzeit kommt.
Jop, Babylon 5 gab es natürlich und das ist eine dieser seltenen (und verdammt guten) Ausnahmen. Ich denke ein Vergleich ist durch aus Fair, dabei muss man aber eben diesen Unterschied bedenken. Was im Vergleich herausgestellt werden muss ist der Plan. J. Michael Straczynski wusste wohin die Reise geht und aus diesem Skelett ein hochwertiges, in sich konsistentes Werk geschaffen, wohingegen sich Lucas mit jedem Film aufs neue hinsetzte, nur mit der Idee im Kopf dass aus Anakin irgendwann mal Vader wird und dann Kaffe schlürffend in seinem Sessel zusah, wie seine Schauspieler vor blauen Leinwänden das hingerotzte Script abarbeiteten.