Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele und Entwicklerstudios"

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Smer-Gol
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Re: Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele un

Beitrag von Smer-Gol »

Wigggenz hat geschrieben:Ich finde, Lanning hat Recht.

Man sieht es an der heutigen Spielelandschaft:
Es gibt (fast) nur noch die aalglatt gebügelten AAAs inklusive aller Abzockmechaniken und, dem entgegengestellt die Indies. Mid-Budget-Titel sind quasi ausgestorben.

Natürlich kann man jetzt sagen:
Das ist nur die "gierige" Form des Kapitalismus, Kapitalismus kann aber auch dies und jenes bedeuten (siehe Kajetans Posts hierzu), was mit Sicherheit auch stimmt, aber darum geht es nicht. Die "nachhaltige" Form des Kapitalismus entspricht nicht der erlebten Realität, denn Menschen sind nunmal gierig und bekommen ab einem bestimmten Punkt den Hals nicht mehr voll. Daher finde ich Lannings Aussage sozusagen in der Form "Der real erlebte Kapitalismus tötet Spiele und Entwicklerstudios" schon richtig. Dem steht übrigens NICHT entgegen, dass der Kapitalimus diese erst ins Leben gerufen hat, als er die gefährlichen Auswüchse noch nicht angenommen hat, weil die Branche so klein war.

Das ist übrigens auch keine Hatespeech gegen Kapitalismus an sich. Die "ideale" Form des Kapitalismus ist durchaus kein schlechtes Modell und auch ohne skrupellose Ausbeutung aller möglichen Ressourcen möglich. Aber realitätskompatibel ist das nicht. Aus genau dem selben Grund, weshalb der in seiner Idealform auch nicht schlechte Sozialismus nicht funktioniert: Menschen sind nunmal scheiße.
Guter Beitrag :Applaus: danke dafür
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Leonardo Da Vinci
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Re: Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele un

Beitrag von Leonardo Da Vinci »

Imperator Palpatine hat geschrieben:Wer so etwas sagt war noch nie in einem Land in dem ein Menschenleben nichts zählt. Wer glaubt er wäre in einem anarchistischen System auf der Gewinnerseite, gibt sich auch der Illusion hin bei einer Zombieapokalypse auf der Überlebendenseite zu sein....
bla, anarchie impliziert genauso wenig wie demokratie, kommunismus, sozialismus etc.: "schlag irgendwem dem schädel ein", das hatten wir damals und das hatten wir heute und es heisst: "survival of the fittest" und ist keine "staatsform" oder von mir aus auch "weltanschauung". :)

und btw. ich war als entwicklungshelfer in ruanda und sudan tätig, was da herrschte, war mord und totschlag. ;)
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Kajetan
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Re: Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele un

Beitrag von Kajetan »

Wigggenz hat geschrieben:Das ist übrigens auch keine Hatespeech gegen Kapitalismus an sich. Die "ideale" Form des Kapitalismus ist durchaus kein schlechtes Modell und auch ohne skrupellose Ausbeutung aller möglichen Ressourcen möglich. Aber realitätskompatibel ist das nicht. Aus genau dem selben Grund, weshalb der in seiner Idealform auch nicht schlechte Sozialismus nicht funktioniert: Menschen sind nunmal scheiße.
Ja, ich weiß. Einmal ins SPON-Forum reingeschaut und verliert jeden Glauben an intelligentes Leben auf diesem Planeten. Dennoch ... die Menschen sind nicht so schlecht, wie es uns manchmal erscheint. Wären wir so, wir würden uns nur noch gegenseitig den Schädel einschlagen, wären nie über die lockeren Jagd- und Sammelverbände eines Homo Erectus hinausgekommen.

Dafür, dass wir Menschen angeblich immer so scheisse sind, haben wir aber über all die Jahrtausende erstaunliche zivilisatorische Leistungen vollbracht, OBWOHL wir uns parallel dazu gegenseitig den Schädel eingeschlagen haben. Aber eben nicht alle und nicht überall zu jeder Zeit. Nein, wir sind keine Engel. In jedem von uns steckt ein Dämon. Aber mehr Menschen haben ihre inneren Dämonen besser im Griff als man so gemeinhin den Eindruck haben könnte. Jetzt stelle man sich nur vor, was wir Menschen in der Lage wären zu tun, wenn wir uns immer weniger gegenseitig den Schädel einschlagen?

Ausgehend vom nachweisbaren Fakt, dass die Welt seit über 50 Jahren immer friedlicher wird und Kriege immer verlustreicher für alle werden (nicht nur für die Verlierer, so wie früher) ... die Zukunft wird spannend!
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Wigggenz
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Re: Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele un

Beitrag von Wigggenz »

Kajetan hat geschrieben:Dennoch ... die Menschen sind nicht so schlecht, wie es uns manchmal erscheint. Wären wir so, wir würden uns nur noch gegenseitig den Schädel einschlagen, wären nie über die lockeren Jagd- und Sammelverbände eines Homo Erectus hinausgekommen.
Menschen sind ja auch nicht in dem Sinne scheiße, dass ihnen wirklich in erster Linie daran gelegen ist, anderen Schaden zuzufügen. Das wollen, glaube ich, wirklich nur die allerwenigsten. Trotzdem schaden Menschen anderen Menschen (auch in dem Bewusstsein, das zu tun) weiter fleißig. Sei es bei prekären Arbeitsverhältnissen in der ersten Welt, sei es bei absoluten Elendsexistenzen als Resultat der Ausbeutung der 3. Welt.

Menschen sind vielleicht nicht zu 100% schlecht, aber immerhin schon so schlecht, dass sie in einer idealen Gesellschaftsform niemals leben können, sei es Kapitalismus oder Sozialismus.

Und immer friedlicher, angesichts von Religionsterrorismus und Low-intensity-conflicts, das fällt mir schwer zu glauben. Da hätte ich gerne Links zu, wenn das keine Umstände macht.
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Sir Richfield
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Re: Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele un

Beitrag von Sir Richfield »

Kajetan hat geschrieben:Nein, wir sind keine Engel. In jedem von uns steckt ein Dämon. Aber mehr Menschen haben ihre inneren Dämonen besser im Griff als man so gemeinhin den Eindruck haben könnte. Jetzt stelle man sich nur vor, was wir Menschen in der Lage wären zu tun, wenn wir uns immer weniger gegenseitig den Schädel einschlagen?
Insofern könnte 4P doch mal Fördergelder von der Regierung anfragen.
Ich meine, solange ich meinen Weltschmerz bei Euch loswerde, laufe ich immerhin nicht Amok. :twisted:

Aber die Diskussion, dass man durchaus seinen Frust an Spielen abreagieren kann, die ist dann ja eigentlich eine andere. Eine, bei der wir erst mal den Unterschied zwischen dem Thema beim Film Falling Down und einer Gamerrage erklären müssen...
(ICH WILL UNREAL TOURNAMENT SPIELEN!!! AAAAAAAH!!!!)
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Kajetan
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Re: Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele un

Beitrag von Kajetan »

Wigggenz hat geschrieben:Und immer friedlicher, angesichts von Religionsterrorismus und Low-intensity-conflicts, das fällt mir schwer zu glauben. Da hätte ich gerne Links zu, wenn das keine Umstände macht.
Zum Beispiel:
http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2014-4 ... 72014.html

Hier noch eine sehr detaillierte Ausführung:
http://www.damian-muenzer.info/politikb ... 6012143624

Und hier kannst Du die Datengrundlage einsehen:
http://www.pcr.uu.se/research/ucdp/

Wichtig ist dabei auch immer der Beobachtungszeitraum. Wenn von einem Jahr auf das andere die Zahl der Konflikte ansteigt, dann heisst das noch lange nicht, dass nun überall das Chaos ausbricht. Je länger der Beobachtungszeitraum, umso aussagekräftiger der Trend. Gerade die Leute der schwedischen Uni in Uppsala, auf deren Daten diese Aussagen getroffen werden, verweisen immer darauf, dass man erst die nächsten 40-50 Jahre abwarten muss, um besser erkennen zu können, ob die Welt tatsächlich nachhaltig friedlicher geworden ist oder wir nur rein zufällig das Glück haben in einer friedlicheren Epoche gelebt zu haben.

Die Gründe, die als Erklärung für die zunehmende Friedlichkeit gebracht werden, lassen aber vermuten, dass aus dem aktuellen Trend eine langfristige Entwicklung wird. Die wirtschaftliche und vor allem mediale Globalisierung trägt jedes Jahr mehr dazu bei, dass organisierte Kriege immer weniger "Anhänger" finden und für alle Beteiligten immer verlustreicher werden. Man schaue sich nur mal an, welcher wirtschaftlichen Einbußen Rußland UND der Westen nur durch die Sanktionen zum ukrainischen Bürgerkrieg hinnehmen muss. Krieg ist das allerletzte, was ausser diversen nationalistischen Irren direkt vor Ort, der Rest der Welt will. Man schaue sich nur mal an, was für eine immense wirtschaftliche Belastung zwei (!) gewonnene (!) Kriege für die USA darstellten. Die größe und wohlhabenste Volkswirtschaft des Planeten kann sich großmaßstäbliches Kriegführen nicht mehr leisten. Nicht mal der bessere Zugriff auf die Ölvorkommen im Nahen Osten hat da geholfen. Weil Krieg zu teuer geworden ist. Rüstung alleine geht noch, aber wenn man all diesen Krempel und ein paar läppische zehntausend Soldaten tatsächlich in den Einsatz schickt ... das wird richtig teuer. Stattdessen hat man erkannt, dass es insgesamt deutlich billiger kommt, wenn man die Umwelt zu Hause durch Fracking ruiniert :)

Und zur gegenläufigen Wahrnehmung ... früher haben wir nicht mitbekommen, wenn sich irgendwo am anderen Ende der Welt Leute den Schädel eingeschlagen haben. Heute sehen wir das live im TV. Und ... und das ist das eigentlich Interessante daran ... wir zucken nicht mehr einfach nur mit den Achseln, weil Gewalt ganz normaler Alltag auch bei uns ist, sondern wir sind zu tiefst betroffen, wenn z.B. in Indien eine Frau brutal vergewaltigt wird. Wir sind ein klitzeklein wenig empathischer geworden, Gewalt wird immer mehr grundsätzlich abgelehnt und nicht mehr als nützliches Mittel zum Zweck betrachtet.

Sprich, wir empfinden eine Zunahme von Gewalt, weil wir gegenüber Gewalt empfindsamer geworden sind. Mimimi! Was besseres kann es für die Zukunft bedeuten? :)
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Wigggenz
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Re: Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele un

Beitrag von Wigggenz »

Danke, lese ich mir bei Gelegenheit durch, gerade keine Zeit.

Natürlich ist zu hoffen, dass die Welt langfristig friedlicher wird, auch wenn sich das in den nächsten 50 Jahren etwa kaum manifestieren wird.

Aber ich glaube da halt nicht so recht dran. Aber gut, da muss ich mich erstmal einlesen.
johndoe984149
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Re: Oddworld-Schöpfer Lanning: "Kapitalismus tötet Spiele un

Beitrag von johndoe984149 »

Exedus hat geschrieben:Der kapitalismus von heute kann sowieso nicht auf ewig weitergehen. Mit voranschreiten von technologien wie den 3d drucker oder immer besser werdende roboter werden wir uns uberlegen müssen wie wir weiterleben, und das ist auch gut so, denn man muss sich ja nur mal in der welt umsehen um zu sehen wie toll der kapitalismus funktioniert
Da wirst du nicht gefragt :D
Eins mag die Kapital Elite und Macht Elite überhaupt nicht und das sind veränderungen,denn jede Veränderung bedeutet das sie Macht oder Kapital verliert als versucht sie wie in unserer Zeit jede Veränderung und weiter Endwicklung zu unterbinden.
Man sieht es an der heutigen Spielelandschaft:
Es gibt (fast) nur noch die aalglatt gebügelten AAAs inklusive aller Abzockmechaniken und, dem entgegengestellt die Indies. Mid-Budget-Titel sind quasi ausgestorben.
Das stimmt schon aber trotzdem ändert sich gerade 2015 das Spiele System und große Konzerne gertaen immer mehr ins Hintertreffen und hat sich stark beschleunigt.
Diese Veränderung bekommt derzeit auch Gameforge zu spüren denn seit über eine Woche wendet sich ein großer Teild er Com. gegen den Betreiber und das International und gleichzeitigt leert sich Tera wegen P2W einführung und das ist seit Aufstand in der SWG Com wohl der größte Aufstand in dem Spiele Landschaft.