dann solltet ihr als "Experten" doch auch mal sagen, dass es bis data keine Einigkeit und keine wirklich representative Forschungen gibt!
Das habe ich in diesem
thread doch bereits konkret erwähnt (und mehrfach impliziert) – aufgrund diverser (hier ebenfalls skizzierter) Faktoren ist der Forschungsstand der Medienwirkungsforschung als desolat zu bezeichnen. Es gilt nach wie vor ein Fazit von B. Berelson aus dem Jahre 1949: >>Some kinds of communication on some kinds of issues, brought to the attention of some kinds of people under some kinds of conditions, have some kinds of effects.<< Darauf basierte dann auch 1961 die Aussage von W. Schramm, J. Lyle und E. B. Parker: >>For some children, under some conditions, some television is harmful. For other children under the same conditions, or for the same children under the other conditions, it may be beneficial. For most children, under most conditions, most television is probably neither harmful nor particulary beneficial.<< Die Aussage Rolf F. Nohrs ist ein entsprechendes Derivat daraus: >>Certain media do certain things with certain people.<< Darum erwähnte ich ja auch, dass der Forschungsstand der sog. Wirkungsforschung spätestens seit den 1960ern stagniert, u.a. auch, weil es damals einen (von Beginn an) überfälligen Paradigmenwechsel vollzog, weg vom Medienbestimmten, zum aktiv rezipierenden Menschen – genauso wie ich erwähnte, dass ich die Medienwirkungsforschung (zentrale Fragestellung: Was machen Medien mit den Rezipienten?) insgesamt für das Problem als inadäquat erachte und für eine konsequente Rezeptionsforschung plädiere (zentrale Frage: Was machen Rezipienten mit den Medien?). Das Dilemma der Medienwirkungsforschung wurde doch bereits erläutert – neben den erwähnten Faktoren ist hier z.B. auch zusätzlich zu nennen, dass sich eine Nichtwirkung mit den gängigen Instrumentarien der Medienwirkungsforschung gar nicht nachweisen lässt: Die Medienwirkungsforschung hat bislang keinerlei Ergebnisse geliefert, die irgendwelche Maßnahmen im Jugendmedienschutz begründen könnten, bzw. kann m.E. solche Ergebnisse aufgrund ihres hypothetischen Fundamentes gar nicht liefern (Stichwort: implizites Menschenbild), insbesondere nicht in pauschalisierender Art und Weise.
Der ganze Bereich ist doch sogut wie unerforscht, das einzige was bis jetzt stattgefunden hat, sind triviale Forschungen die methodisch nicht wasserdicht sind. Wenn ich mir schon die Korrelationen anschaue(als Laie), muss ich lachen.
Das essentielle Problem der Medienwirkungsforschung ist, dass sich ein Großteil der Wirkungsannahmen einem simplen
stimulus-response-Modell zuorden lässt, welches auf negativer Anthropologie - welche den Menschen als ein Wesen definiert, welches auf dargebotene Stimuli (zumeist identische) Antworten gibt, quasi eine Art tabula rasa -, sowie einem naiven Medieninformationskonzept – definiert mittels der sog. >>Container-Metapher<<: Wenn man Botschaften als Behälter für Inhalte versteht, die objektiv existieren und damit Bestandteil einer beobachtungsunabhängigen Wirklichkeit sind, dann müssen kommunizierte Inhalte identisch sein für denjenigen, der sie in den Container legt, und für den, der sie entnimmt -, basiert. Die (impliziten) Grundannahmen dieser
stimulus-response-Modellen (S-R-Modelle) sind Monokausalität, Unmittelbarkeit, Linearität und Symmetrie des Medienwirkungspotentials auf Rezipienten. Medien verstanden als wirkungsmächtiges Agens, als das allein aktive, kausal verantwortliche Element, dem die Rezipienten nicht gewachsen sind. Man kann diese Variante der Wirkungserklärung daher als Paradigma der Verursachung, Manipulation oder Konditionierung benennen. Das hier zugrundeliegende Rezipientenbild findet in der Realität aber allenfalls in singulären Ausnahmefällen annähernde Entsprechung - bei pathologischen Individuen -, aber auch hier nicht derart monokausal, unmittelbar, linear und symmetrisch. Feststellbar ist, dass S-R-Modelle bei den Wirkungsthesen von einer seriösen Wissenschaft generell nicht mehr vertreten werden, denn außer weniger reflexhafter, instinktiver Reaktionen gibt es keine Wirkungen im Sinne physikalischer Gesetzmäßigkeiten. Statt S-R-Modellen finden nun sog.
stimulus-organism-response-Modelle (SOR-Modelle) Beachtung, bei denen zwar Persönlichkeitsvariablen der Rezipienten wirkungsmodifizierende Funktionen zuerkannt werden, welche aber immer noch im Sinne eines Einweg- oder Transportmodells der Massenkommunikation funktionieren. Zudem gilt: Obwohl neuere Medienwirkungstheorien von monokausalen Wirkungszusammenhängen zwischen Gewaltdarstellungen in den Medien als Ursache und tatsächlicher Gewaltausübung in der Realität als Wirkung abgehen, steckt die Annahme dieser kausalen Relation weiterhin implizit in den Theorien. Das ist auch unvermeidlich; denn es wäre sinnlos, das Medienkonsumverhalten in Relation zu aggressiven oder gewalttätigen Handlungen zu setzen wenn kein Wirkungszusammenhang angenommen werden würde. Die Ergebnisse bzw. die Interpretationen empirischer Untersuchungen sind somit bereits als Voraussetzungen und leitende Hypothesen in das Design der Untersuchung eingeflossen. Damit sind aber in gewisser Hinsicht die Wege zu alternativen Ansätzen verlegt, Ursachen anderer Art werden potenziell außen vorgelassen. Anders formuliert: Die Mediengewaltwirkungsforschung geht in der Regel positiv vor, dass heißt, sie fragt nach dem Grad u./o. dem Volumen gemessener Gewalt (als Folge von Gewaltdarstellungen). Damit entgehen ihr alle solche Wirkungen, bei denen dargestellt Gewalt zur Gewaltreduktion bzw. Gewaltverhinderung beitragen könnte, denn eine nicht aufgetretene Gewalt läßt sich ungleich schwerer nachweisen, als eine aufgetretene (overte) Gewalt. Ergo stellen trotz der expliziten Absage an S-R-Modelle die meisten Medienwirkungsthesen immer noch lediglich deren Derivate dar - und sind damit nicht als neue Thesen oder gar Ansätze zu definieren: All die vermeintlich modernen Thesen der heutigen Medienwirkungsforschung sind bereits in der Zeit vor 1914 diskutiert worden.
EXKURS
Sinnvoller ist der folgende (rezeptionstheoretische) Ansatz, der auch verdeutlichen sollte, warum man keine allgemeingültigen Aussagen über Wirkungspotentiale tätigen kann und warum die Forderungen der Massenmedien, der Politik und auch der Spieler nach einfachen, eindeutigen Antworten unmöglich zu erfüllen sind (weshalb man dann der Forschung mit ungebührlich Antipathie, Resignation o.ä. begegnet):
Es herrscht mittlerweile Konsens (ausser bei denjenigen, welche erwähnte Studien anfertigen und diese vornehmlich spektakulär in den Massenmedien präsentieren), Medienrezeption als einen aktiv bedeutungsgenerierenden Prozeß aufzufassen, als Spezialfall sozialen Handelns, in welchem eine Vielzahl situativ bedingter, sozio-kultureller und individuell lebensgeschichtlicher Anforderungen, Erfahrungen und Bedürfnisse in der Wahrnehmung und Interpretation von Medieninhalten zusammenspielen. Rezeption erfolgt zwar natürlich nicht inter- und intraindividuell absolut arbiträr - denn trotz aller Einzigartigkeit der Erlebnisse gibt es keine rein individuelle Medienrezeption, denn da alle Zuschauer ähnliche entwicklungspsychologische Stadien durchmachen und das in der Regel im Rahmen einer bestimmten Gesellschaft und eines spezifischen kulturellen Kontextes und außerdem Sozialisationsinstanzen wie Elternhaus, Schule etc. durchlaufen, sind alle für das Individuum einzigartigen Rezeptionserlebnisse und -erfahrungen sozial vermittelt -, eröffnet jedoch ein potentiell unendliches Möglichkeitenspektrum. D.h.: Weder Sinn noch Verwendungsweise von Medien sind pauschalisierbar, sondern individuelle Angelegenheiten. Da mediale Inhalte zudem chiffrierte Texte darstellen und um die Pluralität der Rezeptionswelten zu verdeutlichen, sind auch unterschiedliche Lese- bzw. Decodierkompetenzen der Rezipienten zu erwähnen (deren detailierte Darstellung ich mir an dieser Stelle spare), welche aufsteigende Grade der Medienorientierung, -erfahrung, -beziehung und -bindung darstellen.
Für Heran- und Erwachsende gilt dabei also gleichermaßen, dass eine direkte (d.h. monokausale, unmittelbare, lineare u./o. symmetrische) Medienwirkung auf sie prinzipiell ausgeschlossen ist, aufgrund von Kommunikationsbarrieren medialer, sozialer und personaler Natur. Insbesondere aus letzteren beiden Barrieren resultiert: Die meisten Handlungen sind weitgehend antizipatorischer Kontrolle unterworfen. Diese Fähigkeit, in der Zukunft mögliche Konsequenzen auf gegenwärtiges Verhalten zurückzubeziehen, fördert vorausschauende Verhalten und zwar auch in Bezug auf violentes Verhalten. Die Ausübung aggressiven Verhaltens ist normalerweise Hemmungen unterworfen, d.h. solche regulativen Mechanismen wie soziale Normen, Furcht vor Bestrafung und Vergeltung, Schuldgefühle und Angst unterbinden vielfach das Manifestwerden von Aggression. Simplifiziert formuliert: Zum bei weitem überwiegenden Teil sind wir keine Psychopathen, Sadisten, Gewalttäter. Jedes Massenmedium, gleich wie gewalthaltig von seinem Inhalt, ist voll der Sicherungsmechanismen, der Tabus, der Konventionen und stillschweigenden Absprachen, die es für die angesprochene, entsprechend eingelesene Gruppe überhaupt goutierbar machen.
Dies wird z.B. auch dadurch verdeutlicht, dass selbst vermeintlich brutale Gewaltszenen auch von minderjährigen Rezipienten im Rahmen eines für sie geltenden Normen- und Wertesystems interpretiert und verstanden werden. Diese Normen und Werte sind oft nicht mit denen von Erwachsenen - zu deren Leidwesen – vereinbar. Denn auch durch Heranwachsende werden moralische Standards internalisiert und sie werden von anthropologischen Determinanten und soziologischen Einflussgrößen geleitet.
Zusätzlich gilt: Die sozialpsychologische Einstellungsforschung hat gezeigt, dass die mediale Kommunikation überhaupt allerhöchstens in der Lage ist, bereits vorhandene Einstellungen zu bekräftigen oder zu bestärken, nicht diese zu induzieren. Als Prämisse gilt also bereits jetzt, dass Medieninhalte nicht ursächlich für die Genese realer Aggression/Gewalt sind, sondern soziodemographische Faktoren, also Geschlecht, Alter, Bildung, Stabilität des sozialen Umfelds und die familiäre sind wesentliche Determinanten für gewalttätiges Handeln.
EXKURSENDE
Könnt ihr mir attestieren das "Killerspiele" 0 auswirkungen auf einen heranwachsenden Bub haben, dessen Rahmenbedingungen auch noch in das Klische der Abwärtsspirale passt. [...] Es geht mir einfach darum, dass evtl. eine Restgefahr die keiner bemessen kann, bei manchen Personen evtl. vorhanden ist. Wenn ein labiler Mensch Jahre im Keller hockt und die brutalsten Spiele zockt, kann es ja gut , dass sich emphatisch was tut, und der völlig desensibiliert wird. Tausende andere Ursachen sind dafür natürlich auch verantwortlich, aber zu sagen das Videogames 0 Auswirkungen auf alle Menschen haben, ist doch momentan einfach falsch oder? Das sind eure Annahmen, in der Literatur sieht es bis heute anders aus, was ja auch nicht richtig sein muss.
Können wir dir nicht attestieren, dass war auch gar nicht die Intention, geschweige denn eine hier aufgestellte Behauptung, bzw. überhaupt das Thema – wenngleich natürlich bestimmte Ableitungen möglich waren (s.u.). Von einer absoluten Nichtwirkung hat auch niemand etwas behauptet, insgesamt wurde das Risikogruppenproblem ja hier noch gar nicht thematisiert. Aber: Stand der Forschung ist, dass die Medienwirkungsforschung nicht für eine pauschale Analyse des Gefahrenpotentials medialer Gewaltdarstellung herhalten kann, weder aufgrund der bisherigen Forschungsergebnisse, noch aufgrund ihrer Grundkonzeption – es gibt nicht das eine, allgültige Medienwirkungsgesetz. Aber es lassen sich aus den anderen hier dargestellten Faktoren durchaus Allgemeinaussagen treffen, z.B. das man von pauschale Gefahrenpotentiale ohnehin nie behaupten kann und das, wenn es für einen individuellen Fall in einer Risikogruppe Gefahrenpotentiale durch mediale Gewaltdarstellung gibt, diese gemeinhin tendenziell eher marginal, also relativierbar ausfallen. Das klingt jetzt seltsam, u.U. Unverständlich, aber ich kann das gerne ausführen. Anders: Man kann nicht pauschal für jeden Rezipienten behaupten, mediale Gewaltdarstellungen wirken oder wirken, geschweige denn überhaupt die Art der Wirkung pauschalisieren. Notwendig ist ein Risikogruppenansatz:
Insgesamt gilt, dass allenfalls Tendenzen für ein Wirkungsrisiko vermutbar sind. Nach gängiger Forschungsmeinung trifft ein solches insbesondere auf >>gefährdungsgeeignete<< Subgruppen zu, die aufgrund ihrer entwicklungsbedingten Situation und Möglichkeiten Medien anders rezipieren als z.B. Nutzer aus intakten sozialen Milieus. Insgesamt scheint es aus der Perspektive so zu sein, dass Gewaltdarstellungen auf die Mehrheit der Betrachter keine oder nur schwache Effekte haben, aber bei bestimmten Problemgruppen womöglich starke Wirkungen zeigen könnten. Diese Vermutung basiert aber lediglich auf einem Vergleich der Medienwirkungsstudien miteinander, also auf Meta-Analysen:
Angesichts der vorangegangenen Überlegungen sowie des Tatbestandes, dass die Medien ja nur ein Faktor neben vielen die Persönlichkeitsentwicklung beeinflussenden Faktoren ist, wäre in den wenigen Feldstudien (welche größtenteils zur Wirkung von Film und TV, nicht von Spielen, angefertigt wurden) ein Muster von relativ schwachen positiven Korrelationskoeffizienten zwischen dem Konsum von Mediengewaltdarstellungen und der späteren Aggressivität zu erwarten. Betrachtet man die in den verschiedenen Ländern durchgeführten Studien, dann ergibt sich genau dieses Muster, obwohl die auch qualitativ sehr unterschiedlichen Studien in doch recht verschiedenen Umwelten durchgeführt worden sind. D.h. Während die einzelnen Korrelationskoeffizienten jeweils für sich nicht kausal interpretierbar sind, deutet das Gesamtmuster der Befunde auf einen Einfluss der Medien auf spätere Aggressivität hin. Man nimmt an, dass die in den Feldstudien erhaltenen Resultate auch von der Stärke her den Erwartungen entsprechen, die aufgrund lerntheoretischer Überlegungen gehegt werden. Die Koeffizienten variieren ungefähr zwischen 0,1 und 0,2 d. h. etwa zwischen 1 % und 4 % des späteren aggressiven Verhaltens werden in den Feldstudien durch den vorherigen Konsum von Mediengewalt erklärt. Allerdings hat sich die Konvention durchgesetzt, Korrelationskoeffizienten, deren Stärke geringer als 0,2 ist, als unbedeutend und uninterpretierbar nicht weiter zu beachten. Der Einwand, dass die erhaltenen Koeffizienten zu schwach sind, würde nicht berücksichtigen, dass eine im Schnitt recht schwache Beziehung für alle Probanden eines Samples für einige Probanden bzw. Subpopulationen eine durchaus starke Beziehung bedeuten kann.
Soweit die gängige Meinung... und das ist relevant, hier handelt es sich nur um eine Meinung, basierend auf Indizien, nicht auf eine wissenschaftliche Erkenntnis. Aber das reicht aus, damit ein Großteil der Forscher heutzutage durchaus die Annahme bestätigt, dass mediale Gewaltdarstellungen negative Wirkungen haben könnten.
Diese Wirkungsvermutung ist jedoch explizit methodologisch nicht einwandfrei begründet, denn das zentrale Problem ist, dass schlechte und methodisch problematische Studien in ihrer Aussagekraft nicht dadurch besser werden, dass man sie in eine Meta-Analyse einbezieht. Das Gesamtergebnis mag bestimmte Schlussfolgerungen über den Forschungsstand zum untersuchten Thema suggerieren, viele Artefakte bzw. unzutreffende Befunde addieren sich deshalb aber noch lange nicht zu einem zutreffenden Ergebnis. Dennoch besteht auf zuvor dargestellter Basis größtenteils dahingehend Konsens, dass Mediengewalt negative Effekte (insbesondere hinsichtlich des Aufbaus bzw. der Stabilisierung violenter Persönlichkeitsstrukturen) haben könnte - zumindest lasse sich nicht beweisen, daß es keinen Zusammenhang gibt [dies wird hier als Argument
für diese Wirkungsannahme genutzt, sit aber gerade ein problem, dass dagegen sprechen kann, denn genauer wäre die Formulierung, dass die Wirkungsforschung diesen Nichtzusammenhang gar nicht beweisen kann (s.o.)]. Jedoch ist diese- gängige Perspektive zu bezweifeln, bereits weil adäquate Langzeitstudien bislang gänzlich fehlen (und womöglich gar nicht machbar sind). Nur Einzelfälle der Studien deklarieren sich als Langzeitstudien - sind dann aber bislang aufgrund gravierender Mängel gänzlich relativierbar - der Studiengroßteil besteht aus Studien zu kurzfristigen Wirkungen (welche sich selbst jedoch häufig ohne jedwede Fundierung Aussagegehalt über Langzeitwirkungen attestieren). D.h.: Es gibt keine verlässlichen Aussagen zu Langzweitwirkungen, also auch dieses hier postulierte Wirkungsrisiko ist allenfalls auf kurzfristige Wirkungen anwendbar, wenn überhaupt. Anzumerken ist zudem, dass selbst passable Langzeitstudien höchstens Tendenzen nachweisen könnten, jedoch ausdrücklich keine Ursache-Wirkung-Konstellationen, denn mit der Länge des Untersuchungszeitraums wächst auch die Wahrscheinlichkeit, dass (von den Forschern nicht ausreichend berücksichtigte) intervenierende Variablen eine Rolle spielen und den Zusammenhang zwischen Mediengewaltdarstellungsrezeption und Gewaltverhalten beeinflussen.
Außerdem muss man bei Metanalysen noch beachten, dass es neben dem Problem der interkulturellen Vergleichbarkeitsprobleme es noch weitere methodische Probleme gibt, die bei diesem Verfahren des Vergleichs von Studien nicht beachtet werden, ganz zu schweigen von generellen Problemen der Metaanlysen.
Zudem wären diese bislang gemessenen, nur kurzfristigen, zweifelhaften Effekte auch bei Zutreffen besagter Wirkungsvermutung insgesamt relativierbar: Zum einen ob ihrer geringen Signifikanz, zum anderen sind diese Effekte z.B. aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit fragwürdig, dass eine nach dem Einfluss von Mediengewaltdarstellungen gemessene Steigerungen von Gewalt/Aggression bei den Probanden oftmals höchstens sog.
arousal-Effekte sind: Simplifiziert ausgedrückt sind das nur kurzfristige empathische Reaktionen, also allgemeine Erregungen aus dem gesamten Spektrum emotionaler Befindlichkeiten (bspw. Wut, Empörung, Scham, Kummer, Abscheu oder auch deren positivere Pendants), die durch alle Arten von Medieninhalten (auch ohne Gewaltdarstellungen) hervorgerufen werden können, in ihrer physiologischen Symptomatik jedoch als identisch gelten und bei einer Messung derselben nicht eindeutig voneinander differenziert werden können. Eine derart gemessene (vermeintliche) Steigerung von Gewalt/Aggression könnte also auch durchaus die Steigerung einer völlig gegenteiligen Befindlichkeit sein. Dies ist insbesondere bei Computerspielen relevant, deren Spielverlauf oftmals ein Wechselspiel zwischen sog. flow und Frust darstellt (was ich bereits erläutert habe). Ganz zu schweigen von den generellen, ebenfalls bereits erläuterten Problemen dieser Studien (z.B. die Operationalisierung der Gewalt-/Aggressionsmessung und deren Definitionen etc.)
Der angedeutete Subpopulations- bzw. Problemgruppenansatz erscheint dennoch beachtenswert, da überhaupt erst hier die fraglichen prozentualen Anteile aggressiven (kurzfristigen) Verhaltens Relevanz erhalten könnten. Aber die Ausführungen dazu spare ich mir für das nächste mal auf, nur so viel: Auch bei Problemgruppen ist eher anzunehmen, dass problematische Medienwirkungsmodelle erst bei individuellen Ausnahmen (zumeist pathologischen Individuen) auch in entsprechenden annähernde (aber extrem kritikwürdige) Plausibilität erhalten. Ganz abgesehen davon, dass wir einfach nicht wissen, wer diese Problemgruppen genau sein könnten (es existieren auch hier nur Indizien), dass hier aber andere, non-mediale Faktoren Relevanz haben und die Integration der Medienfaktoren sehr konstruiert wirkt.
Nochmal die jetztigen anti Killerspiele Ergebnis halte ich auch für total lächerlich und stempel sie, als reinen Populismus ab.
Dito. Hat aber doch auch niemand bezweifelt.
P.S.: Ich hoffe es ist alles noch stringent und lesbar, habe das gerade nur so nebenbei getippt, bin in Eile (ja... ich weiß wie seltsam fdas beid er Masse an Text anmutet).
