Ich picke mir das hier mal stellvertretend raus, weil man ähnliche Fragestellungen sehr oft liest.Appache hat geschrieben:Stellt sich aber die Frage warum man so was braucht?
[...]
Wer braucht solche Games? Zu welchem Zweck? "In dem man seinen Hass freuen Lauf lässt!"...
Zur Unterhaltung???
Mit diesen Fragen begibt man sich immer in brenzlige Gefilde. Letztendlich läuft das dann stets auf einen subjektiven Utility-Check hinaus, der aber gerade für kreative Kulturgüter sehr willkürlich wirkt (und in der Vergangenheit sehr unschöne Auswüchse offenbarte). Grundsätzlich „braucht“ es dieses Spiel, weil die Macher (so vollhorstig sie auch sein mögen), das Spiel nun mal so vollhorstig machen wollten. Und manche Spieler „brauchen“ dieses Spiel, weil sie damit im weitesten Sinne Spaß haben können, ja. Natürlich ist das Unterhaltung, was denn bitte sonst? Und es ist auch immer wieder ein ätzender Missbrauch des Wortes „brauchen“ angesichts von realer Armut und existenzbedrohenden Problemen. Dass die staatlichen Stellen diesem Spiel sicher keine „Sozialadäquanz“ oder gar „soziale Förderlichkeit“ bescheinigen werden und es aller Wahrscheinlichkeit nach beschlagnahmen werden, geschenkt, das hat mit dem individuellen „Brauchen“ aber nichts zu tun.
Mir reicht die Gewissheit, dass ich sowas nicht (mehr) brauche. Wer diese Gewissheit hat, hat es gar nicht nötig, andere Geschmäcker immer und überall nachvollziehen zu müssen. Ist sowieso eine Unsitte, dieses Urteilen via Foren-Ferndiagnose über andere Menschen und ihren Geschmack. Finde ich jedenfalls dann kacke, wenn man ihnen nicht nur schlichte Geschmacklosigkeit attestiert (was ich im Falle von Hatred hiermit ausdrücklich tue
Mich nervt auch schon wieder die medienwirksame Skandalisierung dieses Spiels, die der Vermarktung und Selbstinszenierung der Entwickler nur gut tut. Die sich hier nämlich tapfer als Heuchelei-Aufdecker und gegen irgendeinen „Mainstream“ schwimmende Tabubrecher feiern können. Diese Rollenwahl passt ja auch wie Arsch auf Eimer in die aktuelle Zeit. Das Lächerliche ist doch nicht das Spiel, sondern das Amöbengehirn der Entwickler, die es schaffen, bereits im Trailer die Szenen, die eigentlich nur als extrem trashige Comedy funktionieren, ohne den Hauch einer ironischen (oder sonst wie reflektierten) Distanz zu verkaufen. Dafür bräuchte es halt leider ein paar Gehirnzellen mehr. Hat man grad nicht vorrätig? Tja, schade aber auch, Jungs. Dann heißt es Arschlecken.
Vielleicht plant man aber auch ein Gesamtkunstwerk aus Spiel + Vermarktung, wer weiß. Ich tippe ja nach wie vor, dass der Boss in Wahrheit Hape Kerkeling ist. Oder Sascha Baron Cohen. Jedenfalls finde ich diese Skandal-Wolke, die das Spiel schon jetzt mit sich zieht, weit lächerlicher als das Spiel selbst. Und DAS will was heißen. Andererseits kann man sich auf diese Weise schon mal schonend an das Peinlichkeits-Niveau gewöhnen, was erreicht werden wird, wenn die Beschlagnahmung kommt und die Entwickler als gebrandmarkte Hexenjagd-Opfer unsere Freiheitswerte verteidigen dürfen. Das wird ganz großes Kino. Man dippt ja auch erst mal vorsichtig Hände und Füße ins kalte Wasser, bevor man mit Arschbombe reinspringt.
