billy coen 80 hat geschrieben:
.....Was ich an der Sache auffällig finde, ist, dass es in der Medienlandschaft dazu kaum etwas zu hören gab. Jede Zeitung hat da mal was zu geschrieben, ich habe mal morgens im Radio was von gehört, aber etwa im Fernsehen ist der Fall gar nicht erst aufgetaucht. Ich versuche mir da vorzustellen, wenn eine Gleichstellungsbeauftragte gegangen worden wäre, mit der Begründung einer vermeintlich zu starken Fokussierung auf Frauen.
Wieviele Diskussionsrundenthemen hätten dann wohl "Anne Will", "Menschen bei Maischberger" und "Hart aber Fair" dem Thema geopfert, wo man wieder die Runden, in bei diesen Themen üblicher Manier, zusammengesetzt hätte aus einer streitbaren Feministin, zwei Personen, die selbige bedingungslos unterstützen und selbst den größten Käse nie in Frage stellen würden, einem erzkonservativen Musterreaktionär und natürlich (der "Ausgewogenheit" halber") einer Person, die eine, nüchtern betrachtet, eher liberale Haltung einnimmt, am Besten eine Frau, damit sie in der Runde von erstgenannter Troika als vom Patriarchat vereinnahmte Reaktionärin Publikumswirksam geschlachtet werden kann.
Wirklich, ich stehe voll und ganz, aus tiefster Überzeugung hinter dem Thema der Gleichberechtigung, kann auch von mir behaupten, dass ich in meinem Alltag zumindest aufs Berufsleben bezogen einschlägig engagiert bin, aber diese einseitige, medial gesteuerte Fokussierung auf immer wieder nur dieselben Themen und die Art, wie auch hier in den Diskussionen mit Leuten verbal umgegangen wird, die diese undifferenzierten Darstellungen nicht widerspruchsfrei im Raum stehen lassen wollen, ist wirklich schon unter aller Sau. Jeder kann jede Meinung vertreten und darf diese auch äußern, aber wenn ständig einige nicht müde werden, jeden der nicht bedingungslos alles als gegeben hinnimmt, was irgendwelche Aktivisten rausposaunen, die das Glück haben, gerade in der medialen Darstellung als besonders gut und unterstützenswert in den Vordergrund gerückt zu werden, in die Ecke der dumpfen Chauvies zu schieben, ist letztlich auch jeder gesunden Diskussionskultur bar.
Dieses ist nur eines von vielen Beispielen dass den Unterschied zwischen öffentlicher Meinung und veröffentlichter Meinung darstellt.
Die von dir dargestellte Diskussionsrunde in z.B Hart aber Fair finden wir fast immer bezüglich jeglicher Themen die als " kontrovers " dargestellt werden wie eben jene zum Feminismus, Einwanderung, Kriminalität etc.
Stets nach dem gleichen Muster. Insbesondere was die eingeladenen Personen betrifft aber auch das Studiopublikum.
Auch der Umgang des Moderators mit den betreffenden Personen ist oftmals aufschlussreich.
Im vielkritisierten amerikanischen Fernsehen kommen derart unausgeglichene Diskussionrunden fast überhaupt nicht vor, hier gibt es stets eine ausgeglichene Personenzahl.
Interessant wird es auch wenn es in der Sendung zu jenem Teil kommt bei denen die Onlinekommentare und Anrufe vorgetragen werden. Wer sich einmal den Spass macht im Vorfeld oder während der Sendung in das Forum zu schauen wird feststellen das im Regelfall 80 % oder mehr eine ziemlich eindeutige Meinung haben, im Regelfall weit entfernt von extremistischen Äusserungen.
In der Sendung erleben wir dann jedoch eine klassische 50 / 50 Darstellung und beendet wird das ganze mit einem nichtsaussagenden Kommentar a la " Wir müssen einfach alle aufeinander zugehen ".
Fakt ist: Ich muss zum Feminismus nicht jede These und jeden Protagonisten kennen, ganz gleich ob moderat oder extrem. Es reicht dass ich die Auswirkungen und Einfluss insbesondere der extremen in vielen Bereichen der Zivilgesellschaft und des Berufslebens sehe und erlebe.
Insbesondere die Widersprüche zwischen Theorie und Praxis.