Kajetan hat geschrieben:xub hat geschrieben:Ich habe auch keinen komplett freien Markt beschrieben sondern letztlich nur, dass Firmen immer (auch in Deutschland) im Wettbewerb stehen und entsprechend handeln müssen.
Du hast den freien, durch nichts eingeschränkten Wettbewerb gemeint. Jetzt rede Dich nicht raus. Vor allem, wenn Du etliche Sätze weiter staatliche Eingriffe als negativ hinstellst, gegen weitere Sozialausgaben mit dem Argument "Der Staat ist pleite" wetterst. Das ist eine klassische Argumentation von Wirtschafts-Neolibs, die den "freien Markt" als Götzen anbeten, von dem nicht abgewichen werden darf.
Lustig auch, wie Du die Kehrtwende der CDU in Sachen Mindestlohn als "marktwirtschaftlich" hinstellst, so als sei das ja vollkommen logisch, dass das so kommen würde. Gekoppelt mit einem unerschütterten Vertrauen darauf, dass nur Behörden die Sache geregelt bekommen (und wenn nicht, dann ist halt der Staat kaputt), wertest Du auch kommunale Selbstverwaltungen (und somit selbstvewusstes Bürgerdasein) als Kleinkram ab, dabei komplett den Umstand ignorierend, dass die komplexe Urbanität des 21. Jahrhunderts bisherige Lösungen & Strukturen in Politik, Wirtschaft und Gesellschafthinfällig macht.
Sprich, Du redest Dir die Dinge schön, nur damit der schöne Schein gewahrt bleiben kann. Ich würde wetten, wenn in ca. 10-15 Jahren eine CDU-geführte Regierung ein bedingungsloses Bürgergeld einführt, stellst Du auch das als vollkommen logisch im Sinne eines sauber funktionierenden Kapitalismus hin.
Sorry, aber deine ganze Argumentation läuft bei mir ziemlich ins Leere.
Ich habe gemeint was ich gemeint habe. Wettbewerb und, dass die Unternehmen dadurch Druck haben solide zu wirtschaften. Hätte ich freien Markt gemeint, hätte ich auch freier Markt gesagt. Was ich aber beschrieben habe passiert auch in der sozialen Marktwirtschaft ständig, ob das toll ist oder nicht ist Ansichtssache (siehe oldschool Bäcker vs Backwerk)
Staatliche Eingriffe sind nicht zwangsweise negativ, wie schon jemand vorher meinte, ohne z.B. Kartellrecht gäbe es in jeder Branche sonst ja nur noch ein Unternehmen. Und dann gäbe es keinen Wettbewerb mehr. Ich habe aber konkrete Beispiele genannt, warum DIESE staatlichen Eingriffe meiner Meinung nach nicht sonderlich effektiv sind. Ich bin aber leider kein Neo-Liberaler, deswegen ist mir egal was die für Götzen anbeten.
Auch habe ich die CDU nur reingebracht, weil du es so beschrieben hast, als sei es der Beweis für alles, dass SELBST die CDU jetzt pro Mindestlohn ist. Ich bin kein CDU-Mitglied, habe nie die CDU gewählt und wenn die CDU in 10 Jahren irgendwas verabschiedet, ist mir das scheißegal.
Meine ursprüngliche Ansage war "wenn du ein System kennst das besser funktioniert". Und sorry, dann nenn mir doch so eine bürgerverwaltete, innovative "der komplexen Urbanität" angepasste Region wo ich jetzt besser leben könnte als hier. Was genau verändert denn "die komplexe Urbanität", dass das "alte System" da nicht mehr funktioniert? Und leben die dann da nicht mehr im Kapitalismus? Und was sagst du eigentlich zu meinem Beispiel von Tokio, wo es anscheinend ja doch klappt? Ist das nicht urban genug? Ja, ich denke wo der Staat funktioniert braucht man die von dir beschriebenen Bürgerinitiativen nicht. Aber sag halt doch an, wo man es braucht in 'nem Industriestaat.
Was du schreibst ist alles super idealistisch, könnte copy&paste aus nem Walter Benjamin Text sein, aber wo sind denn die real funktionierenden Beispiele, die nicht nur da sind, sondern es auch wirklich BESSER machen.
Genau wie Walter Benjamin und viele marxistische Schreiber prophezeist du, dass das alte System aus irgendeinem Grund nicht mehr so weiterlaufen kann und sich deswegen irgendwas ändern muss. Es gab da schon X Gründe und nie wars dann so. Du hast dir hier scheinbar "komplexe Urbanität" ausgesucht. Aber guess what, genau wie mit jedem Grund vorher: Es funktioniert bereits (der "Moloch" lässt sich wunderbar "mit den bisherigen Verwaltungs- und Machtstrukturen" steuern). Die Weltrevolution wird warten müssen.