Sid6581 hat geschrieben:
Ich hatte gerade ganz viel geschrieben, aber bevor ich hier eine Wall Of Text poste: Du hast Recht. Ich aber auch. Jeder muss für sich entscheiden, wo er ansetzen möchte. Wir können unser Handeln nicht in jeder Minute überprüfen, alleine, weil die Welt dafür zu komplex ist. Weil Konzerne nicht nur böse sind. Ich sehe es nicht ein, ein Unternehmen für etwas letzten Endes so Banales wie Spiele abzustrafen, wenn anderswo Tiere und Menschen sehr konkret leiden müssen. Konzepte wie "Habgier sind die Wurzel allen Übels bei dem angesetzt werden muss" sind mir zu abstrakt und sozialistisch, hier begibt man sich doch nur wieder auf dünnes, weil komplexes Eis.
Aber das sind unterschiedliche Ansätze. Deiner ist vielleicht etwas idealistischer, meiner etwas konkreter, schlecht sind beide nicht, wichtig ist doch nur, dass man sich überhaupt mal Gedanken macht.
Mit solchen Kommentaren kann ich schon mehr anfangen.
Falls du hier keine WallofText posten möchtest, kannst du mir deine Meinung auch gerne per Nachricht senden, da ich mich wirklich für dieses Thema interessiere und nicht auf einer bornierten Anschauung sitzen bleiben möchte. Ich selbst vertrete diesbezüglich die Meinung dass solche Themen nichts privates sind sondern irgendwo jeden was angehen und deswegen auch breitmöglichst in aller Öffentlichkeit diskutiert werden sollten.
Das wir die Welt und unsere Handlungen niemals in ihrer Komplexität erfassen können (unter anderem weil das menschliche Gehirn nach heutigem Wissenstand sich sehr schwer tut mit dem exponentiellen Denken) da stimme ich dir zu. Dennoch ist es für mich keine Entschuldigung dafür jegliche Verantwortung für sein Handeln abzulegen, eben weil wir in der Lage sind bis zu einem bestimmten Punkt exponentiell zu denken und weil wir in der Lage sind uns Methoden (Mathematik,Theorien,Formeln,Sprache,Schrift...etc.) und Technologien (Taschenrechner,Internet,Computer..etc.) anzueignen die unsere natürlichen Defizite bestmöglich ausgleichen. Nur ist das alles für die Katz wenn wir unsere wissenschaftliche Erkenntnisse nicht auch in unser konkretes alltägliches Handeln übernehmen (im Bereich der Pädagogik und Bildung hinken wir da mit unseren Schulsystemen oft meilenweit hinter dem wissenschaftlichen Stand zurück was Lehr/Lernmethoden anbelangt).
Ich denke auch nicht das Konzerne oder Konsum grundsätzlich was schlechtes sind. Mein Anliegen ist es auch nicht solche Konzerne im Mob Verfahren mit Fackeln und Mistgabeln auf den Scheiterhaufen zu jagen, sondern bestimmte Methoden zu verurteilen und dementsprechend zu sanktionieren. Und nochmal, ich sage auch nicht dass DLC die direkte Ursache dafür sind dass in Afrika Kinder mit Blähbäuchen sitzen. Ich sage dass sie ein Indikator für das Konsumverhalten sind und dass dieses Konsumverhalten eine menge Prozesse auf unterschiedlichster Ebene auslöst und genau da liegt schon seit langer zeit mein Kritikpunkt.
Da wenn man solche Methoden toleriert man sie auch akzeptiert und weiterführend unterstützt wordurch sie zu einer Norm werden können. Nehmen wir hierfür das prägnante Beispiel Werbung. Ich denke ich muss hier nicht ellenlang aufführen inwiefern Werbung unser alltägliches soziales Leben konkret beeinflusst weil das mittlerweile allgegenwärtig als Tatsache präsent ist. Vom schaffen von Statussymbolen über das produzieren von Bedürfnissen bis hin zur vermittlung von Normen und Werten, das kriegt man mittlerweile in Filmen, Serien, Büchern ja sogar im Schulunterricht zu genüge vor Augen gehalten. Naja hab es vorsichtshalber doch mal gemacht un in spoiler gesetzt, sollte aber eigentlich Allgemeinwissen sein.
Es gibt ganze Industriezweige und Wissenschaftsgebiete die sich damit beschäftigen. Sie wird durch die unterschiedlichsten psychologischen Methoden angewandt. Von Anordnung der Kaufhäuser über Slogans/Jingles die das Unterbewußtsein des Menschens ansprechen bis hin zu Pheromonen. Das eigentliche Ziel nämlich Informationen in der großen Vielfalt der Produktlandschaft zu liefern ist da schon längst nicht mehr das Ziel und das wurde auch schon lange in unserer Gesellschaft akzeptiert und hat sich eingebürgert. Auf einer anderen Ebene passiert aber noch etwas ganz anderes. Es werden dem Menschen Werte und Normen vermittelt die auch unser direktes miteinander beeinflussen (denen man sich heutzutage bei dem Reizüberfluss auch kaum noch entziehen kann). Es werden also Bedürfnisse bei dem Menschen produziert die er eigentlich gar nicht hat und die auch eigentlich nichts mit seinen "wahren" Bedürfnissen zu tun haben oder sogar schädliche sind. Ein gerne zitiertes Beispiel dafür ist Alkohol bei Jugendlichen oder Zigaretten. Nun ist aber dieses Bedürfniss da und will befriedigt werden und das ist ja auch gut für den Konzern denn er macht damit ja seinen Umsatz (der natürlich so groß wie möglich sein soll während die Produktionskosten niedrig gehalten werden müssen) und man kann expandieren, wenn er doch nur das Monopol für das Produkt hätte. Meistens gibt es jedoch Konkurrenz auf dem Markt weswegen man sich gegenseitig durch Mittel und Wege Überbieten. Meistens durch günstigere Produktionsweisen (z.B niedrige Gehälter, Produktion ins Ausland verlegen, minderwertige Wegschmeißqualität) anstatt durch Innovationen oder Qualitätssteigerung
Und ob jetzt solche Methoden von Videospielherstellern,Fastfoodketten, Medikamentehersteller, Amazon oder dem Brötchenbäcker von nebenan angwandt werden, ist in meinen Augen vollkommen hinlänglich. Die Auswirkungen sind schließlich die selben.Tiere und Menschen müssen über längere Hinsicht dafür jedoch viel nachhaltiger leiden. Ästhetisch anspruchsvoll zu sehen an diesem kleinen Filmbeispiel
http://www.youtube.com/watch?v=uFQhn8RW0Nk. Ich glaube im übrigen auch dass es den Menschen die dort arbeiten nicht sonderlich gut geht (obwohl die sich bestimmt auch alle 2 Miniaturpanzer im Regal leisten können). Mit so nem Job als Lebensinhalt muss man sich erstmal identifizieren. Aber die geschaffenen Bedürfnisse wollen nunmal auch dementsprechend befriedigt werden.
Es ist ja nicht so das mein einziges Argument "Habgier ist die Wurzel allen Übels" war. Und das ein Thema komplex ist, ist in meinen Augen auch keine Entschuldigung dafür sich nicht damit auseinanderzusetzen (zumal es ja auch oft ausreicht Dinge in seinen ursprünglichsten und markantesten Zügen begriffen zu haben). Auch würde ich dich bitten das Wort sozialistisch nicht so abfällig zu gebrauchen ausser du bist dir vollkommen sicher was genau du damit meinst, weil das auch ein sehr komplexes Thema ist was oft mit falschen Vorstellungen verknüpft ist und in dessen Namen in der Vergangenheit schon oft schindluder getrieben wurde.
sourcOr hat geschrieben:Mein Gott werden hier wieder Diskussionen von Zaun gebrochen. Und das in einem SPIELEthread in einem SPIELEFORUM. Ihr könnt ja gerne alles Leid der Welt auf euren Schultern tragen, für den kleinen Mann reicht es, sich hin und wieder über verschobene Spiele zu ärgern, wenn ihn sonst nichts plagt. So ist der Mensch nunmal, jedem das seine.
Was isn los? Wurde da irgendwie ein schlechtes Gewissen geweckt?Bin ich in deine kleine heile Videospielforumweltblase eingedrungen? Und wenn du diesen kleinen Teil (der zufällig dich direkt als kleinsten Mann unter den größten Menschen in einem der wohlhabendsten Ländern der Welt betrifft) diese Spitze des Eisberges in allem ernst schon als "Leid der Welt" bezeichnest dann gruselt es mich vor der Vorstellung in welch beschränkten globalen Bewusstsein du lebst. Und wenn du tatsächlich der festen Überzeugung bist dass du da frei von aller Schuld bist und keine Verantwortung für dein Handeln übernehmen musst, dann kannst du auch einfach innerhalb von Sekunden weiterscrollen, mich auf die Ignoreliste setzen oder diesen Thread zur gänze meiden. Aber Hauptsache nochmal seinen absolut unbrauchbaren Senf dazu gegeben wa?Iss mir schlecht.Sorry aber typisch Deutsch!
USERNAME_1639154 hat geschrieben:
Und um die Diskussion mal wieder "anzuheizen" sage ich, in Anlehnung an deinen Kommentar: Willkommen in Buchenwald.
Los Kassiber! - Jetzt ist wieder Zeit für den kategorischen Imperativ!
getrunken?
inb4 tl;dr