Du machst es Dir zu leicht, indem Du das Wort "Wissen" komplett aus Deinem Wortschatz streichst.Usul hat geschrieben: Das ist sophistisch... genauso sophistisch könnte ich entgegnen, daß es keine oder nur sehr wenige Menschen gibt, die sich z.B. als "Bigfoot-Verweigerer" bezeichnen.
Gottes Existenz ist ein Postulat, das bisher nicht bewiesen wurde. Aber eben auch nicht widerlegt wurde. Wenn wir schon wissenschaftlich argumentieren, dann kann man nicht 100%ig sagen, daß es z.B. keine Einhörner, keine Feen, keinen Bigfoot und kein Ungeheuer von Loch Ness gibt. Genauso wenig kann man nicht 100%ig sagen, daß es keinen Gott gibt. Das ist eine Tatsache... die kannst du nicht aus der Welt schaffen, indem du Empirie dagegen hältst. Bzw. du kannst es schon, aber dann ist es eben kein Wissen, sondern Vermuten - oder Glauben. Wie mithin vieles, was die Naturwissenschaften als Tatsachen darstellen, im Grunde genommen auch Vermutungen auf Basis unserer bisherigen Erfahrungen sind.
Ich will darauf hinaus, daß der Begriff "Glaube" sehr allgemein aufgefaßt werden kann... und auch sollte. Und zwar im engsten Sinne. Denn wenn diejenigen, die meinen zu wissen, erkennen würden, daß sie stattdessen glauben, würden sie vllt. etwas vorsichtiger zu Werke gehen.
Es bleibt dennoch festzuhalten: Wer sich als Atheist bezeichnet, sagt, daß es keinen Gott gibt. Damit macht er eine Aussage, die er nicht machen kann. Also glaubt er. Bei Agnostikern ist es etwas anderes... die halten sich klugerweise aus der Sache raus und sagen genau das, was man 100%ig sagen kann: Sie wissen es nicht. Und das eine oder andere möchten sie nicht glauben.
Nach Deiner Argumentation gibt es kein Wissen, es gibt nur Vermutungen. Das ist mir zu wenig. Denn so kannst Du alles, schlichtweg alles postulieren, vollkommen egal, wie abwegig es ist und immer damit punkten zu sagen "Nun ja, Du kannst es ja nicht wissen."
Wir sind uns doch wohl alle einig, dass es keinen Weihnachtsmann gibt, oder?
Aber wissen wir es? Wissen wir es wirklich? Wir haben uns darauf geeinigt, dass es als Wissen angesehen wird, dass es ihn nicht gibt. Es ist nicht nur eine Vermutung.
Die Naturwissenschaften arbeiten seit jeher nach dem Prinzip der Falsifizierung und Verifizierung. Wie Du schon sagst, wird dabei sehr vieles als bewiesen anerkannt, bis das Gegenteil bewiesen wird. Ein Beweis ist die nichtwiderlegte Summe unserer bisherigen Erfahrungen. So arbeitet unser Verstand, denn letztlich "wissen" in dem engen Sinne, wie Du auch "glauben" siehst, kannst Du nichts, rein gar nichts.
Nicht einmal, dass Du gerade auf den Bildschirm schaust und das hier liest. Bist Du wach? Weißt Du es? Woher?
Wir kommen langsam in Regionen des radikalen Konstruktivismus, den ich sehr spannend finde, aber dennoch vermutlich etwas zu weit führt.
