Du darfst hier nicht den Fehler machen, CRPG-Spieler und P&P-Rollenspieler in einen Topf zu werfen. Rollenspiel mit Schwächen und Fehlern ist in P&P wesentlich leichter als in einem CRPG. Dort kann der Spieler selber ja nur vorgefertigte Dialoge, Aussagen und Entscheidungen treffen.Doc Angelo hat geschrieben: Die größte Hürde ist da vielleicht tatsächlich der Spieler selbst, der sich darauf erstmal einlassen muss. Falls Du weißt, was Rollenspiel* ist:
Es gibt Rollenspieler, die spielen ausschließlich Gewinnertypen, die die stärksten Waffen und die dicksten Rüstungen tragen können. Ebenso sind die Helden gefeit gegen alles und jeden, und selbst vorbereitete Zauber, Anschläge oder Intrigen können ihnen nichts anhaben. Diese Spieler leiten ihren Spaß aus der Überlegenheit ihres Charakters ab, sie erleben praktisch einen fortwährenden, nie enden wollenden "Sieg".
Es gibt aber auch die Rollenspieler, die spielen Charaktere mit Macken, Fehlern und Nachteilen. Diese Spieler haben Spaß an dem Gestalten von Szenen und Geschichten - egal, we(lcher)r (Charakter) am Ende gewonnen hat. Ohne einen "verlierenden" Charakter gibt es auch keinen gewinnenden Charakter, und so hat jeder Rollenspieler, der beteiligt war, seinen Anteil am Fortschritt des Epos gehabt - und somit seinen Spaß.
Ich muss aber auch sagen, das die letzt genannte Fraktion doch eher nicht so oft anzutreffen ist. Es ist zwar eine kleine Zielgruppe, aber es gibt sie.
Gruß
Fabian
*) Gemeint ist die allgemeine Definition [1], nicht die bei Computerspielen leicht falsch geprägte Definition, wo fast alles ein Rollenspiel ist, wo es eine Zahl für den Rüstungswert gibt.
[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Rollenspiel_(Spiel)
CRPGs bieten diese Möglichkeiten, die P&P-RPG bietet, überhaupt nicht. Erst mit dem System was ich oben beschreibe, wäre sowas auch auf Computerbasis möglich.
Schau dir doch z.b. mal Drakensang 2 an. Dort kannst du zwar "Nachteile" auswählen, aber diese haben nur mathematische Auswirkungen. Sie haben keinerlei Auswirkungen auf die Dialoge, die Story, die NPCs, die Quests usw.
Momentan spiele ich in einer Pathfindergruppe einen Druiden der für den Kampf völlig ungeeignet ist, der nicht versteht warum soviel Wert auf "goldige Münzen" gelegt wird, und er hat noch einige andere Fehler.
Wie willst du solche Sachen ohne gigantischen Aufwand in ein statisches Spiel integrieren? Das geht einfach nicht.
Selbst WENN es möglich wäre, wäre eine Menge "Erziehungsarbeit" nötig, um Leute ausserhalb der P&P-Community dafür zu interessieren.
Grade weil viele gerne in einem Spiel was anderes sein möchten als durchschnittlich. Jemand der etwas bewegen kann, und sei es nur in einem Spiel.
Das kann ich den Leuten nichtmal übelnehmen, in einer Welt wo jeder mit ein wenig Verstand weiss, dass er nurnoch eine Nummer ist, ein kleines Rad in der grossen Maschine. Im Ernstfall hat man nicht die Möglichkeit, wirklich etwas alleine zu bewegen, und die meisten sind nur durchschnittlich begabt.
Erst wenn obiges System existiert, könnte jeder direkt nach seinen Bedürfnissen bedient werden. Vorher wird es wohl dabei bleiben, hauptsächlich die Feierabendhelden anzusprechen als die Rollenspieler, denn erstere sind verständlicherweise sehr viel häufiger.
