AEV-Fan hat geschrieben:
Nun, dann erkläre mir bitte mal, wieso Integrationsprogramme gefördert werden wie nochmal was? Oder wieso die Ausgaben, die sozial Schwächere, Arbeitslose usw. stützen, mit die größten Ausgeben unseres Landes sind? Natürlich gibt es immer eine gewisse Diskrepanz zwischen dem Einfluss mächtiger Leute und dem (völlig überspitzt formuliert) gemeinen Pöbel. Aber daran wird sich wohl nie etwas ändern, "mächtig" kommt nunmal von "machen". Dennoch ist unsere Regierung bei Leibe keine Institution, die es "den Großen" recht macht und "das Volk" vernachlässigt. Das kann sie sich auch nicht leisten. Nenne mir doch bitte ein paar Länder der Größenordnung Deutschlands, in denen es allen Bürgern so gut geht wie uns, in der jeder versorgt wird und jede Stimme zählt.
Nochmal: Natürlich bin auch ich oft unzufrieden mit Regierungsentscheidungen. Aber es bleibt in einem Rahmen, der (Demokratie-bedingt) hinzunehmen ist.
Es ist ja wohl klar, dass man in der heutigen Zeit nicht vorgehen kann wie zu Zeiten souveräner Machthaber. Und natürlich wird versucht, das 'einfache Volk' so gut wie möglich bei Laune zu halten, damit keine Unruhen entstehen. Du hast ein paar nette Beispiele gebracht, um deine These zu stützen. Nun bringe ich mal ein paar, um meine These zu stützen:
Wieso wurde damals nicht entschieden, dass Politiker ihre Nebenverdienste offen legen müssen, Manager aber schon? Die Politiker sitzen teilweise in Aufsichtsräten und Gremien großer Konzerne und verdienen zusätzlich viel Geld. Das machen die Konzerne sicherlich nicht aus Nächstenliebe.
Statt das Rentensystem den realweltlichen Bedingungen anzupassen, wird das alte System aufrecht erhalten und die Leute müssen damit klar kommen, dass sie (im Moment bis 67) arbeiten dürfen. Realweltliches Problem: 1. Immer mehr ältere Leute und immer weniger junges, arbeitendes Volk. 2. Wer hat denn noch das 'Privileg', so lange arbeiten zu 'dürfen'? Die meisten müssen frühzeitig in Rente gehen, müssen teilweise Hartz IV beziehen und müssen dann zunächst ihr privat für die Rente angespartes Geld ausgeben, so dass im Alter kaum was bleibt.
Oder schau dir das Bildungssystem an. Schon frühzeitig werden Kinder getestet, ob sie 'Systemkompatibel' sind. Delfin-Test und Pisa-Studie sei dank. Bei diesen Tests wird nach normativen Standards geschaut. Und wer die nicht erfüllt/erfüllen kann, hat schonmal schlechtere Karten. Auf individuelles Können wird nicht geschaut.
Oder nehmen wir das Gesundheitssystem, was zweifelos noch eines der besten der Welt ist. Aber es muss immer mehr Geld für immer weniger Leistung bezahlt werden. Die Ausmaße, die das ganze annimmt, werden in meinen Augen immer beunruhigender, besonders weil teilweise von Rekordgewinnen der Krankenkassen gesprochen wird.
Die Liste könnte ich, wie du deine wahrscheinlich auch, endlos fortsetzen. Die Frage ist ja, was man tatsächlich glaubt. :wink: In meinem Studium durfte ich mich viel mit soziologischen Theorien beschäftigen. Und wenn man da auf Theoretiker trifft wie Bourdieu, Foucault oder Habermas, bekommt man eine andere Sicht auf die Dinge.
Und um mal etwas klarzustellen: Ähnlich wie du nicht alles gut findest, finde ich nicht alles schlecht in unserem Land. Du hast recht, es geht uns noch verhältnismäßig (zu) gut. Aber mich beunruhigen die Tendenzen, die das ganze annimmt.
AEV-Fan hat geschrieben:
Hauptsächlich wird immer der primäre Unterschied (nämlich die Gesamtsituation der dt. Innen- und Außenpolitik) zwischen den Politikern der "alten Riege" und unseren aktuellen Vertretern vergessen. Damals nach dem WW II hatte Adenauer die Aufgabe sich darum zu bemühen, dass Deutschland nicht völlig aufgelöst wird, während die SPD das selbe Ziel verfolgte, jedoch mit anderen Ansätzen. Die Leute mussten wählen zwischen existentiellen Grundsatzentscheidungen!! Auch unter Kohl (DDR, kalter Krieg) waren noch richtig wichtige Entscheidungen am Laufen. Heute geht es uns zum Glück um weitaus weniger dramatische Probleme (die natürlich trotzdem große Anliegen der Bevölkerung wiederspiegeln). Daher muss sich der Politiker von heute an dem orientieren, wonach gefragt ist. Und gefragt ist schlicht und ergreifend die Meinung der Mehrheit, geht es nun um Steuern oder Killerspiele

Ob es um weniger dramatische Entscheidungen geht, wage ich zu bezweifeln. Hartz IV, Arbeitslosigkeit, Gesundheitswesen, Finanzmarktkrise, Atomkraft... sind nicht weniger wichtig. Es fehlt vielleicht nur die völlige existentielle Bedrohung eines Krieges. :wink: Wobei ich finde, dass dies durch die Bedrohung durch Terrorismus versucht wird aufzufangen. Welchen anderen Grund sollte es für die immer mehr aufkommende Überwachung geben? (Achtung: Ironie!)
Du hast recht, füher gab es wirklich teilweise gravierende Unterschiede zwischen CDU/CSU und der SPD. Versuch die mal heute zu finden. Das macht die Wahl nicht einfacher.
In deinem letzten Satz verwechselst du in meinen Augen die Prioritäten. Meinungen werden gemacht, und zwar hauptsächlich durch Massenmedien. Und die Massenmedien werden (zum größten Teil) durch politische und/oder ökonomische Tendenzen gesteuert. Bestes Beispiel ist doch die Berichterstattung über Action-Computerspiele. Da ging es zum Großteil nicht um seriöse, neutrale Berichterstattung, sondern um Meinungsmache. Es wird oberflächlich etwas als 'Wahrheit' dargestellt, was faktisch so nicht stimmt. Internetsperren ist ein ebenso gutes Beispiel. Probleme werden oberflächlich behandelt, um zu zeigen, dass etwas getan wird. Die Wurzel des Problems bleibt aber unberührt.
Wie gesagt, ich möchte nicht alles schlecht reden und es geht uns besser als wahrscheinlich dem Großteil der Erdbevölkerung. Aber beunruhigend finde ich die derzeitigen Tendenzen auf jeden Fall.