Mein intensivstes Spielerlebnis

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Cedem
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Re: Mein intensivstes Spielerlebnis

Beitrag von Cedem »

Erstes mal Stormwind in WoW betreten, war einfach sehr beeindruckend damals .
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josedem
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Re: Mein intensivstes Spielerlebnis

Beitrag von josedem »

Die Beta Phase von World of Warcraft. Die tollen Blizzard Videos, neues Gameplay, Grafik.. Hat mein unschuldiges Gehirn total überreizt. Wir, mein Mitbewohner und ich, haben 1 Woche lang unseren Charakter um die Wette geleveled. Da kam manchmal nicht viel Zeit für das Schlafen rum, geschweige denn für das Essen. Das Spiel hat mich dann auch noch ein paar Jahre weiter fasziniert.

Die Siedler war einer der ersten Spiele das ich damals stundenlang im Netzwerk gespielt haben.
Stellt die Männer an den Herd, denn gibts nur noch Fleisch!
Hahle
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Re: Mein intensivstes Spielerlebnis

Beitrag von Hahle »

Schönes Thema.
Könnte hier wohl so einige Erlebnisse wiedergeben, bei denen ich auch etwas etwas mehr mitgenommen habe, als die bloße Erinnerung. DAS schönste Erlebnis gibt es für mich nicht.
Hier mal 2 Beispiele:

- Ultima 8 war eines meiner ersten Spiele für den PC, vorher kannte ich nur JRPGS für die damaligen Sega- und Nintendo-Konsolen. Das erwachsene Setting war eine vollkommen neue Erfahrung und halt ein ganz neues Level an Qualität für mich. Und erst die unglaublich düstere hoffnungslose Stimmung die sich durch die ganze Spielwelt zog, Wahnsinn. Tagesabläufe bei NPC's, eine offene Welt mit vielen Detail und mit Geheimnissen, die es auch abseits der Spiele-Handlung zu entdecken galt (absolutes Neuland für mich damals gewesen, als Konsolero), versch. (erfrischend) komplexe Magiesysteme, das freie Inventarsystem, es gab so einiges was mich fesselte. Viele störten sich ja damals an den Jump- & Run-Einlagen, aber für mich war der PC da noch Neuland. Ich hatte ja gar keine Vergleichsmöglichkeiten. Die unglaublich hakelige Steuerung und die "minutenlangen" (kein Witz) Lade- und Speicherzeiten konnte ich bei all dem Positiven ohne Probleme verschmerzen.

- Dark Projekt. Ich habe es wohl schon mehrmals durchgespielt, aber nachts im Dunkeln alleine Thief zocken, da gruselt es mich heute noch. Die Soundkulisse ist einfach zeitlos. Wie oft hab ich mich erschrocken, wenn ich plötzlich hinter mir das Stöhnen eines Untoten vernommen hab. Gibt auch noch ein paar Levels in denen ich bis heute noch nicht alle Beutegegenstände entdeckt habe.
Der unglaublich langsame Story-Aufbau (vor allem in der Gold-Edition) ist wohl bis heute einmalig. Nach und nach lernte ich die Spielwelt kennen, belauschte Gespräche, hier und da konnte dann mal eine Notitz oder ein Buch gefunden werden, daß etwas mehr über die Spielewelt verriet, ihre Menschen und ihre Götter. Als ich dann aber plötzlich (naja nicht ich, Garrett halt :) ) persöhnlich dem Schwindler gegenüberstand, da fiel's mir wie Schuppen von den Haaren, "Waaah, den gibs ja wirklich"! Ab da war ich dann wohl offiziell Thief-süchtig. :D
Wenn ich irgendwann Zeit dazu finde, werd ich wohl zumindest den ersten Teil nochmal in Angriff nehmen. Mal schauen, ob ich nicht vlt. doch noch die gesamte Beute im Spiel finde. :)
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Chibiterasu
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Re: Mein intensivstes Spielerlebnis

Beitrag von Chibiterasu »

^^ich hatte mit beiden Spielen ca. 100% identische Erfahrungen.

Thief ist meine Nummer 1 in Sachen Computerspiele und Ultima 8 habe ich damals auch geliebt ohne von den ganzen Kritiken daran irgendetwas mitzubekommen.
ludacriskill
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Re: Mein intensivstes Spielerlebnis

Beitrag von ludacriskill »

In der jüngeren Vergangenheit wars glaube Modern Warfare 1, Szene in der Tschernobyl-Ähnlichen Umgebung, mit Plattenbauten und streunernden Hunden. Ewig in Erinnerung bleibt Ocarina of Time, aber auch Super Mario Sunshine und verschiedene F1 Titel.
frostbeast
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Re: Mein intensivstes Spielerlebnis

Beitrag von frostbeast »

Meins war ca. vor 25-27 Jahren. Hab irgendein billig Weltraumspiel gespielt(nicht Elite^^), war in der Cockpitansicht und recht simple aber das Spiel hat mich als Kind dermaßen aufgewühlt, dass ich nie länger als 5 Minuten spielen wollte/konnte und hab meinen Cousin weiter machen lassen.
Aber WoW war auch nicht ohne. Dieses Spiel hat mich mehr Nerven und Keyboards gekostet als alles andere. Blizz hat einfach keinen Plan vom Balancing :mrgreen:
vrek
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Re: Mein intensivstes Spielerlebnis

Beitrag von vrek »

Super Thread! Hat mich sofort animiert, mich hier anzumelden!

Meine intensivsten Spielerlebnisse

Rayman (das Erste)
Gespielt auf meinem 486er. War zu dieser Zeit an Abwechslungsreichtum kaum zu überbieten. Ich habe mir jeweils die Zähne an den Endbossen ausgebissen. Umso grösser war dann entsprechend das Erfolgserlebnis.

Tomb Raider 3
Schon die ersten beiden Teile haben mich atmosphärisch in den Bann gezogen, aber das Ganze gipfelte für mich im Dritten. Schon der Einstieg im Dschungel hat mir den Atem geraubt!

Grim Fandango
Versprühte von Anfang bis Ende einen bis heute unerreichten Charme.

Unreal + Unreal Tournament MP
DM_Deck16, nuff said

Gothic
Pure Euphorie als ich bei den "Schatten" angenommen wurde. Habe mich komplett in dem Spiel verloren, perfekt!

Uncharted Reihe
Hat mich jeweils von Anfang bis Ende gepackt und erst wieder beim Abspann losgelassen. Rasantes, kurzweilig intensives Actionkino!

Skyrim
Seit ich nach mehrjähriger Gamepause mittels der PS3 wieder eingestiegen bin, definitiv das intensivste Spielerlebnis! Mit meinem Argonier in einem fremden Land auf der Suche nach Abenteuer durch den Schnee stapfen und nebenbei noch die Welt retten, Wow! Vorallem beeindruckt mich, dass sich der Entwickler bei den gefühlt hunderten von Nebenquest viel Mühe gegeben hat und ich kein einziges Mal aus der Spielwelt / Atmosphäre gerissen wurde.


EDIT / NACHTRAG:

Thief - The Dark Projekt
Licht aus, Spiel starten! Durch einen Brunnen in ein Anwesen einsteigen, auf Balken über die Wachen hinweggleiten, mit einem Wasserpfeil Kerzen ausmachen, den Knüppel dem Schwert vorziehen etc. etc. - das war ein komplett neues Spielgefühl. Als dann noch Zombies ins Spiel kamen und die Story im wahrsten Sinne des Wortes immer verückter wurde, hatten mich Garrets Raubzüge in ihrem Bann.
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mr archer
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Re: Mein intensivstes Spielerlebnis

Beitrag von mr archer »

Ich packe es einfach mal hier rein. Meine Ehrbezeugung für Deadly Premonition, das mich gepackt und durchgeschüttelt hat, wie seit Ewigkeiten kein Spiel mehr. Wenn es überhaupt ein Spiel vorher schon mal vergleichbar getan hat. Wahnsinn.


Call me York, that´s what everyone does


Man muss etwas ausholen. Jede Generation kann sich auf Kunstwerke einigen, die für sie prägend waren. Sei es ein bestimmter Song, ein Film, ein Buch. Oder eine Fernsehserie. Für Menschen, die in den 1970er Jahren das Licht der Welt erblickten, gehört zu diesem kleinsten gemeinsamen Nenner Twin Peaks. Coopers letzter Blick in den Spiegel, Bob im Haus von Laura Palmer, die Log Lady. Der Eisvogel und die Wasserfälle aus dem Vorspann. Irgendwann in der Zukunft wird man eine Liste von Künstlern aufstellen, in deren Schaffen sich Spuren von David Lynchs epochaler Murder-Mystery-Show finden lassen. Und ziemlich weit oben auf ihr wird der Name von Suehiro Hidetaka aka SWERY 65 auftauchen. Jahrgang 1973. Mastermind hinter einem der besten Videospiele der jüngeren Vergangenheit.

Deadly Premonition eine Hommage an Twin Peaks zu nennen, ist geboten – auch wenn Hidetaka selbst sich hierzu immer bedeckt gehalten hat. Zu offensichtlich sind die zahllosen Anlehnungen an Figuren, Geschehnisse und Orte bei Lynch. Selbst die Musik bildet hier stellenweise Brücken zwischen Spiel und Serie. Mit Silent Hill gibt es zwar noch ein anderes offensichtliches Vorbild. Trotzdem bleibt im nordamerikanische Städtchen Greenvale und den umgebenden Wäldern die Erinnerung an Twin Peaks omnipräsent und das Spiel damit weitaus treuer am Vorbild als Bright Falls, in welchem Alan Wake im Frühjahr 2010 beinahe zeitgleich eher auf den Spuren Stephen Kings unterwegs war als auf denen David Lynchs.

Auftritt Francis York Morgan. FBI Ermittler mit besonders ausgeprägten Profiler-Fähigkeiten und sperrigem Sozialverhalten. Anzugträger. Starker Raucher. Kaffeesüchtig. Filmfan mit Faible für die 1980er. Intensiver Träumer. Schizophren. Der brutale Mord an einer jungen Frau bringt ihn ins abgelegene Greenvale. Es wird nicht der einzige bleiben. York wird in Lebensgefahr geraten. Er wird Menschen emotional sehr nahe kommen. Er wird Siege davon tragen und Verluste erleben, die Narben zurücklassen werden. Andere Narben werden in Greenvale heilen. Und er wird einmal mehr erfahren müssen, dass das Böse nie endgültig besiegt ist. Manchmal schläft es nur für eine Weile.

Das Eintauchen in diese Welt ist nicht unbedingt einfach. Einige Stunden bleibt man hier im Unklaren, ob das alles nur ein großer, verschrobener Scherz sein soll. Oder ob hier jemand an den Tücken des Objekts grandios gescheitert ist. Zu Beginn, das muss so gesagt werden, wirkt Deadly Premonition wie reiner, großartiger Trash. Klobig zu steuernde Kampfabschnitte ohne jeden Anspruch (besonders schlimm in der PC-Umsetzung), gekrönt von nervtötenden Quick Time Events, in denen ein Axtmörder im Regenmantel seinen Auftritt hat. Ungelenk wirkende Charakteranimationen mit sich immer wieder wiederholenden Gesten, unpassend wirkenden Gesichtsausdrücken und abgehackten Bewegungen. Fahrabschnitte bar jeden Reizes. Eine Stadtlandschaft, in der man sich ob ihrer Eintönigkeit immer wieder verfährt. Eine völlig unbrauchbare Kartenfunktion. Das Ganze übertönt von einem merkwürdigen Soundtrack, der mehr als einmal schlicht nicht zum Erlebten passen will. Und da hat man noch nicht von der Handlung selbst gesprochen, die in ihrer Verschrobenheit scheinbar da anzuschließen beabsichtigt, wo bei Lynch 1990 noch Schluss war. Japaner eben.

Nicht jeder wird über diese Anfangsschwelle hinaus kommen. Deadly Premonition ist ein langes Spiel. Es gibt viel Ablenkung neben der Hauptgeschichte, der man sich jederzeit hingeben kann. Man kann mit York angeln gehen und zur lokalen Dartlegende aufsteigen. Für den Sammeltrieb sind in der Spiellandschaft Karten verteilt. Und in Greenvale tummeln sich mehr als zwanzig NPC´s mit eigenem Tagesablauf, die man beschatten kann und die im richtigen Moment abgepasst, kleine Nebenmissionen für einen bereit halten. Einige von diesen sind absolut gamy und bringen uns beispielsweise Spezialwaffen als Belohnung ein. Andere eröffnen kleine Seitenstränge der Geschichte. Mit all dem vergeht der Tag, während dem man York Essen besorgen und Erholungspausen einräumen muss. Der Wagen will regelmäßig getankt und der Anzug gereinigt und gewechselt werden. Auf den Fahrten durch Greenvale unterhält sich York mit „Zach“, seinem omnipräsenten imaginären Partner (oder sind wir es sogar selbst?) über Spielberg-Filme und die hübsche blonde Deputy. Draußen wechselt das Wetter und die Landschaft und Roaming Sigourney am Straßenrand wartet mal wieder ungeduldig auf eine Mitfahrgelegenheit. Und allmählich, ohne dass man richtig merkt wie, wird man hier heimisch. Swery 65 hat uns am Haken. Und das ist der Punkt, wo er in der Mitte des Spieles die Regie immer mehr anzieht.

Als es dann im 26. Kapitel nach dem großen, erschütternden Finale vorbei ist, ertappen wir uns dabei, wie wir schwermütig-elegisch durch Greenvale fahren und Abschied nehmen. Mir ging es jedenfalls so. Die großen Geschichten, die noch sehr lange bei uns bleiben und die wir nie so richtig vergessen werden sind immer die, in denen auch ein Verlust geschieht. Ich habe am Ende dieses Spieles geweint und ich schäme mich meiner Tränen nicht. Ich hatte Abschiedsschmerz, ich wollte von diesen Figuren nicht mehr weg. Ich wollte aus dieser Stadt nicht mehr fort und aus der Tiefe der sie umgebenden Wälder, in denen nun auch ein Stück von mir selbst lebte. Es gibt Kunstwerke, die machen etwas mit uns. Die entlassen uns verändert, weil sie uns etwas vom Menschsein erzählen und von den Hoffnungen und Schmerzen, die unsere Existenz mit sich bringt. Deadly Premonition, dieses großartige, charmante, unbeholfene, unmögliche Spiel – es geht dahin, wo nur ganz wenige Spiele bisher hingegangen sind. In unser Herz. Und dort schlägt es Wunden. Und Wurzeln.
Kószdy kozow swoju brodu chwali.
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MikeimInternet
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Re: Mein intensivstes Spielerlebnis

Beitrag von MikeimInternet »

mr archer hat geschrieben:Ich packe es einfach mal hier rein. Meine Ehrbezeugung für Deadly Premonition, das mich gepackt und durchgeschüttelt hat, wie seit Ewigkeiten kein Spiel mehr. Wenn es überhaupt ein Spiel vorher schon mal vergleichbar getan hat. Wahnsinn.


Call me York, that´s what everyone does


Man muss etwas ausholen. Jede Generation kann sich auf Kunstwerke einigen, die für sie prägend waren. Sei es ein bestimmter Song, ein Film, ein Buch. Oder eine Fernsehserie. Für Menschen, die in den 1970er Jahren das Licht der Welt erblickten, gehört zu diesem kleinsten gemeinsamen Nenner Twin Peaks. Coopers letzter Blick in den Spiegel, Bob im Haus von Laura Palmer, die Log Lady. Der Eisvogel und die Wasserfälle aus dem Vorspann. Irgendwann in der Zukunft wird man eine Liste von Künstlern aufstellen, in deren Schaffen sich Spuren von David Lynchs epochaler Murder-Mystery-Show finden lassen. Und ziemlich weit oben auf ihr wird der Name von Suehiro Hidetaka aka SWERY 65 auftauchen. Jahrgang 1973. Mastermind hinter einem der besten Videospiele der jüngeren Vergangenheit.

Deadly Premonition eine Hommage an Twin Peaks zu nennen, ist geboten – auch wenn Hidetaka selbst sich hierzu immer bedeckt gehalten hat. Zu offensichtlich sind die zahllosen Anlehnungen an Figuren, Geschehnisse und Orte bei Lynch. Selbst die Musik bildet hier stellenweise Brücken zwischen Spiel und Serie. Mit Silent Hill gibt es zwar noch ein anderes offensichtliches Vorbild. Trotzdem bleibt im nordamerikanische Städtchen Greenvale und den umgebenden Wäldern die Erinnerung an Twin Peaks omnipräsent und das Spiel damit weitaus treuer am Vorbild als Bright Falls, in welchem Alan Wake im Frühjahr 2010 beinahe zeitgleich eher auf den Spuren Stephen Kings unterwegs war als auf denen David Lynchs.

Auftritt Francis York Morgan. FBI Ermittler mit besonders ausgeprägten Profiler-Fähigkeiten und sperrigem Sozialverhalten. Anzugträger. Starker Raucher. Kaffeesüchtig. Filmfan mit Faible für die 1980er. Intensiver Träumer. Schizophren. Der brutale Mord an einer jungen Frau bringt ihn ins abgelegene Greenvale. Es wird nicht der einzige bleiben. York wird in Lebensgefahr geraten. Er wird Menschen emotional sehr nahe kommen. Er wird Siege davon tragen und Verluste erleben, die Narben zurücklassen werden. Andere Narben werden in Greenvale heilen. Und er wird einmal mehr erfahren müssen, dass das Böse nie endgültig besiegt ist. Manchmal schläft es nur für eine Weile.

Das Eintauchen in diese Welt ist nicht unbedingt einfach. Einige Stunden bleibt man hier im Unklaren, ob das alles nur ein großer, verschrobener Scherz sein soll. Oder ob hier jemand an den Tücken des Objekts grandios gescheitert ist. Zu Beginn, das muss so gesagt werden, wirkt Deadly Premonition wie reiner, großartiger Trash. Klobig zu steuernde Kampfabschnitte ohne jeden Anspruch (besonders schlimm in der PC-Umsetzung), gekrönt von nervtötenden Quick Time Events, in denen ein Axtmörder im Regenmantel seinen Auftritt hat. Ungelenk wirkende Charakteranimationen mit sich immer wieder wiederholenden Gesten, unpassend wirkenden Gesichtsausdrücken und abgehackten Bewegungen. Fahrabschnitte bar jeden Reizes. Eine Stadtlandschaft, in der man sich ob ihrer Eintönigkeit immer wieder verfährt. Eine völlig unbrauchbare Kartenfunktion. Das Ganze übertönt von einem merkwürdigen Soundtrack, der mehr als einmal schlicht nicht zum Erlebten passen will. Und da hat man noch nicht von der Handlung selbst gesprochen, die in ihrer Verschrobenheit scheinbar da anzuschließen beabsichtigt, wo bei Lynch 1990 noch Schluss war. Japaner eben.

Nicht jeder wird über diese Anfangsschwelle hinaus kommen. Deadly Premonition ist ein langes Spiel. Es gibt viel Ablenkung neben der Hauptgeschichte, der man sich jederzeit hingeben kann. Man kann mit York angeln gehen und zur lokalen Dartlegende aufsteigen. Für den Sammeltrieb sind in der Spiellandschaft Karten verteilt. Und in Greenvale tummeln sich mehr als zwanzig NPC´s mit eigenem Tagesablauf, die man beschatten kann und die im richtigen Moment abgepasst, kleine Nebenmissionen für einen bereit halten. Einige von diesen sind absolut gamy und bringen uns beispielsweise Spezialwaffen als Belohnung ein. Andere eröffnen kleine Seitenstränge der Geschichte. Mit all dem vergeht der Tag, während dem man York Essen besorgen und Erholungspausen einräumen muss. Der Wagen will regelmäßig getankt und der Anzug gereinigt und gewechselt werden. Auf den Fahrten durch Greenvale unterhält sich York mit „Zach“, seinem omnipräsenten imaginären Partner (oder sind wir es sogar selbst?) über Spielberg-Filme und die hübsche blonde Deputy. Draußen wechselt das Wetter und die Landschaft und Roaming Sigourney am Straßenrand wartet mal wieder ungeduldig auf eine Mitfahrgelegenheit. Und allmählich, ohne dass man richtig merkt wie, wird man hier heimisch. Swery 65 hat uns am Haken. Und das ist der Punkt, wo er in der Mitte des Spieles die Regie immer mehr anzieht.

Als es dann im 26. Kapitel nach dem großen, erschütternden Finale vorbei ist, ertappen wir uns dabei, wie wir schwermütig-elegisch durch Greenvale fahren und Abschied nehmen. Mir ging es jedenfalls so. Die großen Geschichten, die noch sehr lange bei uns bleiben und die wir nie so richtig vergessen werden sind immer die, in denen auch ein Verlust geschieht. Ich habe am Ende dieses Spieles geweint und ich schäme mich meiner Tränen nicht. Ich hatte Abschiedsschmerz, ich wollte von diesen Figuren nicht mehr weg. Ich wollte aus dieser Stadt nicht mehr fort und aus der Tiefe der sie umgebenden Wälder, in denen nun auch ein Stück von mir selbst lebte. Es gibt Kunstwerke, die machen etwas mit uns. Die entlassen uns verändert, weil sie uns etwas vom Menschsein erzählen und von den Hoffnungen und Schmerzen, die unsere Existenz mit sich bringt. Deadly Premonition, dieses großartige, charmante, unbeholfene, unmögliche Spiel – es geht dahin, wo nur ganz wenige Spiele bisher hingegangen sind. In unser Herz. Und dort schlägt es Wunden. Und Wurzeln.

Ich packe es mal hier rein.*lach*
Wo hast du es denn bisher nicht reingepackt? :P

Wie du weißt,hat mir das Spiel auch sehr viel Spaß gemacht,aber die Wirkung respektive den Eindruck,den es bei dir hinterlassen hat,geht wohl noch ein Stückchen weiter als bei mir und ich muss sagen,dass deine ganze Schwärmerei über dieses Spiel bei mir das spielerische Lustzentrum gekitzelt hat und ich mir überlege,vielleicht nä.Jahr nochmal einen zweiten Durchgang zu wagen.Bei mir ists ja schon 1-2 Jahre her.

Wenn man sich für etwas so sehr begeistern kann,wie du für dieses Spiel,dann ist das etwas uneingeschrängt sehr positives.Begeisterungsfähigkeit.
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Deuterium
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Re: Mein intensivstes Spielerlebnis

Beitrag von Deuterium »

CL4P-TP hat geschrieben:
Ich packe es mal hier rein.*lach*
Wo hast du es denn bisher nicht reingepackt? :P
Normalerweise käme es als Exkursion in den Osteuropathread, also Archers Privatthread oder auch Quasiblog. Oder zumindest hätte ich es so erwartet.
Mein Interesse ist geweckt, aber ich habe kein Twin Peaks geguckt und habe daher Angst durch eine Welt zu laufen, die mir dauernd Signale sendet, die ich mangels Rezeptoren einfach nicht aufnehmen kann. Das wäre ja wohl äußerst schade.
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mr archer
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Re: Mein intensivstes Spielerlebnis

Beitrag von mr archer »

Tja, mein "Privatblog". Irgendwie war das Ganze ja schon etwas vermessen. Mein Deadly Premonition - Erlebnis passt dann aber doch ganz gut hier hinein. Denn das war für mich ein ungeheuer intensives Erlebnis, wie man ja auch meinem Geschreibsel entnehmen kann. Allerdings ist so was natürlich extrem subjektiv und gerade bei einem so sperrigen Titel wie diesem hier schwer zu verallgemeinern. Das Spiel schlägt bei mir einfach haargenau die richtigen Seiten an. Und ein paar anderen geht/ging es wohl auch so.

Im übrigen denke ich, dass Deadly Premonition auch sehr gut für sich und ohne den Twin Peaks - Link funktioniert. Ich glaube sogar, dass Hidetaka am Ende ein paar Schrauben besser gestellt hat, als damals das Gespann Lynch/Frost. Trotzdem kann ich jedem natürlich die ersten anderthalb Staffeln von Twin Peaks nur allerwärmstens ans Herz legen. Das ist etwas besonderes.
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Re: Mein intensivstes Spielerlebnis

Beitrag von MikeimInternet »

Deuterium hat geschrieben:
CL4P-TP hat geschrieben:
Ich packe es mal hier rein.*lach*
Wo hast du es denn bisher nicht reingepackt? :P
Normalerweise käme es als Exkursion in den Osteuropathread, also Archers Privatthread oder auch Quasiblog. Oder zumindest hätte ich es so erwartet.
Mein Interesse ist geweckt, aber ich habe kein Twin Peaks geguckt und habe daher Angst durch eine Welt zu laufen, die mir dauernd Signale sendet, die ich mangels Rezeptoren einfach nicht aufnehmen kann. Das wäre ja wohl äußerst schade.
Man kann DP definitiv spielen,ohne jemals Twin Peaks geschaut zu haben,da brauchst du dir keinen Kopf machen.Die Frage sollte eher sein,kannst du mit einer Grafik leben,die in den Außenbereichen der Spielwelt schon auf der PS2 schlecht/hässlich gewesen wäre(die Innenbereiche sind mMn noch ganz ok),sowie mit einer gewöhnungsbedürftigen Oldschool-Steuerung(Konsole)?


...dann hast du auf der Habenseite eine :

- spannende Geschichte
- prägnante,verschrobene,einzigartige Charaktere -- ganz vorn dabei,die Figur die du spielst.
- Humor
- Atmosphäre
- Nebenbeschäftigungen abseits des Hauptplots
(ich selber habe diese aber nicht gemacht,da mir die Aussenbereiche einfach zu hässlich waren,um mich da noch stundenlang aufzuhalten)
- mehrere positive Details im Spiel,die beim zocken auffallen,sowas wie Musikuntermalung,oder Gesten und Mimiken der Charaktere,die sympathisch rüberkommen,Kleinigkeiten,die den Spielspaß erhöhen können.

uvm,...

...was,wie man ja an Mr.Archer sieht,in der Summe zu einer einzigartigen Spielerfahrung führen kann.Ich fand das Spiel wie gesagt auch großartig.Und ich mochte auch Twin Peaks und auch hin und wieder mal rätseln - Wer ist der Mörder,was ist hier los?(DP)
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Lisa89
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Re: Mein intensivstes Spielerlebnis

Beitrag von Lisa89 »

Bei mir ist es eindeutig The Last of Us.. in kein Spiel konnte ich bisher derartig eintauchen und mitleiden.
Damit hat es für mich Max Payne vom Thron gestoßen, welches zuvor 10 Jahre diesen Platz verteidigen konnte. :wink:
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mr archer
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Re: Mein intensivstes Spielerlebnis

Beitrag von mr archer »

Falls ich hier jemandem Appetit machen konnte: Aktuell bietet GOG den Directors Cut von Deadly Premonition für ca. 9,- € an. Zugreifen!
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Masta Mace
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Re: Mein intensivstes Spielerlebnis

Beitrag von Masta Mace »

Werds mir wohl auch nochmal holen, einzigartiges Spielerlebnis. :)
aka [Matze]
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