Spielemüdigkeit

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xKepler-186f
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Re: Spielemüdigkeit

Beitrag von xKepler-186f » 09.08.2020 23:05

Könnt ihr euch noch an die Zeit erinnern in der man gerne die Karte aufgemacht hat, um zu sehen wo es etwas neues zu entdecken gibt? Auch weil die Karte nicht mit x Aktivitäten zugekleistert war? Heute mache ich die Karte auf und brauche erstmal 5 Minuten um die Legende zu studieren, nur um festzustellen, dass ich doch einfach nur zum nächsten Ziel möchte. Dieses Mikromanagement ist völlig ausgeartet.

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LeKwas
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Re: Spielemüdigkeit

Beitrag von LeKwas » 10.08.2020 19:12

Spiele-Maps sind generell mit viel zu viel Masse statt Klasse zugekleistert worden.
Wenn ich z.B. den Eingang zu einem Dungeon unterwegs finde, dann sollte mich der Entdeckungsdrang packen, mich dazu motivieren, diesen verwunschenen Ort zu erkunden und mich dessen Gefahren zu stellen, weil interessante Herausforderungen und Beute winken könnte.
Nicht so bei Skyrim. Die Karte war zugeschissen mit rotzlangweiligen Copy&Paste-Dungeons, die nichts aber auch wirlich überhaupt gar nichts zu bieten hatten, und als "Puzzle" hat man diese olle Klaue drölfzigtausendmal recycelt.
Dadurch gab ich irgendwann resigniert auf, machte mitten in einem Dungeon eine 180° Wendung und latschte schnurstracks wieder zum Ausgang, nachdem die Erkundungslust erfolgreich abgetötet wurde.
Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass Bethesda (aber auch Ubisoft mit ihren OW Spielen) als Zielgruppe auch die Leute abgreifen möchte, die bei nur kurzen Spielsessions von 30 min oder so trotzdem noch abgeschlossene Erfolgserlebnisse haben möchten, sodass wann auch immer man das Spiel anschmeißt, es stets mit einer zetilich angemessenen Beschäftigung aufzuwarten vermag. Zwar gut für diese Leute, aber ein Abtörner für mich.

Das krasse Gegenteil dazu ist das mAn großartige Legend of Grimrock 2. Keine hingeschluderte Massenware, sondern jedes einzelne Gebiet fühlte sich an, als sei es im Rahmen einer Brainstormingsession für möglichst interessante Spielideen konzipiert worden.

Ich emfinde es ähnlich einigen anderen Usern hier im Thread von daher ebenfalls als abschreckend, wenn im Markting mit Mapgrößen oder der Menge an Spielzeit oder Quests geworben wird.
Zuletzt geändert von LeKwas am 10.08.2020 19:41, insgesamt 1-mal geändert.
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432Hz
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Re: Spielemüdigkeit

Beitrag von 432Hz » 10.08.2020 23:40

Spielemüdigkeit ist irgendwie und möglicherweise das falsche Wort hierfür, kann aber durchaus nachvollziehen, dass man dem ganzen überdrüssig ist. Hohle Versprechungen, aufgebauschte Erwartungen; und der Eskapismus des Einzelnen holt dann die Trophäe.

Woran es mangelt ist aber mMn nicht das, was als Zuviel empfunden wird. Ich denke eher, dass sich, nun mit der fortlaufenden Gen, gewisse Mechanismen zum Standard etabliert haben. Die Daten wurden also wohlgenutzt. Damit erreicht man die Masse, verliert aber an Klasse.

Indies sind auch nur eine kleine Antwort für das große Problem, da sich auch dort an denselben Datenpools bedient wird, dieselben gelehrten Inhalte produziert werden. Man fühlt sich mehr als Schleimpilz, denn als an Kunst Interessierter.

Apropos mangelt es dem Medium eben an diesem: Kunst.

Kunstvoll aufgebauscht macht noch keine künstlerisch wertvolle Arbeit.

Ausnahmen mag es geben.. aber die Hilfestellung, diese Ausnahmen auszumachen, ist ein anderes Thema. Vielleicht sogar das Selbe. Aber auch ein Problem.
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Halueth
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Re: Spielemüdigkeit

Beitrag von Halueth » 11.08.2020 06:45

Mmh, ich kann es nicht ganz nachvollziehen. Klar gab es auch bei mir Phasen in denen ich mal weniger Lust aufs Zocken hatte, aber das lag eher an anderen Interessen, als an den Spielen.

Ich finde ja, dass es mittlerweile so eine unsagbar große Auswahl an Spielen gibt, bei der es eigentlich für jeden etwas geben sollte. Wenn man natürlich nur nach Tripple A und brandaktuell schaut, könnte es etwas eng werden, aber ich bin auch niemand, der nur die aktuellsten Spiele spielt. Ich spiele auch gern mal einen Oldie, vorallem wenn ich ihn noch nie gespielt hab, oder aber der Nostalgie wegen.

Ich kann aber auch nachvollziehen, dass sich die ubisoftsche Formel für manchen mit der Zeit abnutzt. Ich selbst habe nur das erste Ass Creed gespielt, alles danach hat mich schon von den Trailern her ermüdet und ch habs links liegen lassen. Was ich gespielt habe war Far Cry 2, 3 und vor kurzem die 5. Wo es mich noch bei der 2 genervt hatte kam ich bei der 5 mit den "vielen" Aktivitäten gut klar. Der Zeitraum zwischen den Spielen war einfach sehr groß und dadurch hatte sich die Mechanik bei mir noch nicht so abgenutzt, auch weil ich eben nicht so viele andere Spiele mit dieser Formel gespielt habe. Und aktuell bei Ghost of Tsushima stört es mich auch nicht.

Klar eine vollgekleisterte Karte ist erstmal nervig, erdrückend und raubt die Spannung, aber ich weis auch nicht, ob ich nochmal ein Morrowind durchspielen könnte, mit seinen Wegbeschreibungen in Textform. Damals war das genial und ich würde wohl dennoch ein Spiel mit so einem System sehr begrüßen, aber ich glaub da würde ich Monate dran sitzen (was nicht per se schlimm wäre, aber ich glaub da würde sich dann eine gewisse Müdigkeit bei diesem Spiel einstellen).

Generell bin ich auch nicht der Spieler, der sich ewig mit einem Spiel beschäftigen kann. Wenn es mich packt, dann spiele ich auch mal nur das eine Spiel und das dann auch so intensiv, wie es meine wenige Zeit zulässt. Aber meistens sind es 2-3 Spiele, die ich parallel immer mal wieder zocke und dann eins fallen lasse und ein neues dazu kommt.

Und mit VR habe ich sowieso nochmal eine ganz andere Erfahrung machen können, WIE man Spiele spielen kann und da sind dann selbst eher festgefahrene Wege der Spieleentwicklung auf einmal wieder spannend, weil einfach das WIE komplett anders ist (Shooter-Mechaniken).

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Scorplian
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Re: Spielemüdigkeit

Beitrag von Scorplian » 11.08.2020 09:53

Was überfüllte Maps angeht, bin ich wohl eher der gegenteilige Pol.
Es gibt für mich nichts schlimmeres, als eine Map, die nur der Geschichte zweckmäßig ist. Wie diese nun aber zum Zeitvertreib verwendet wird, ist durchaus auch wieder so eine Sache. Also kann ich es durchaus so halb nachvollziehen.

Ein Assassins Creed hat für mich auch eindeutig eine viel zu vollgestopfte Map... aber ich mag auch weder das Spiel, noch die Haupt- und/oder Nebenaufgaben, noch das Gameplay. Sprich wenn mir das Spiel nicht zusagt, kann ich meist auch wenig mit den Nebenaufgaben anfangen.
Um bei Ubisoft zu bleiben: The Crew und Steep fand ich in dem Punkt genial. In The Crew(1) hab ich jeden der 500 "Tests" auf der Karte absolviert. Da es mir einfach Spaß gemacht hat.

Ich denke bei mir ist es auch teils Genre abhängig.
Gerade Mario Odyssey wirft mich mit seinem Umfang pro Level einfach komplett aus der Bahn. Die 100% sind mir da viel zu ermüdend. Dabei ist 3D-Platformer eines meiner 3 Lieblings-Genre und das Spiel hat mir beim reinen Durchspielen auch Spaß gemacht.


Ich kann da eigentlich nur zusammenfassend sagen
~ es kommt drauf an

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Khorneblume
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Re: Spielemüdigkeit

Beitrag von Khorneblume » 11.08.2020 10:38

Umfang der eigentlichen Level ist ein interessanter Punkt. Glaube das ist einer der Gründe warum ich so viele, eigentlich wirklich fesselnde Spiele bisher nur stiefmütterlich weiter spiele. Sobald Spiele mit einer komfortablen Speicherfunktion daher kommen, die es mir überall erlaubt zu sichern, habe ich kein Problem mal längere und kürzere Sitzungen zu machen. Wenn ich aber schon 10 Minuten nach dem Einschalten weiß "Ok, ich hab jetzt 10 Minuten gespielt, würde gerne aufhören, aber eh.. ich muss jetzt noch 30 Minuten Minimum voll konzentriert spielen, bis ich wieder speichern kann. " ist das meist der Motivationskiller. Weil dann starte ich das Spiel oft eben nicht, wenn mein Zeitpensum knapp ist, oder ich nicht weiß wie weit die Energie heute reicht... typische Beispiele: MGSV, Death Stranding, Persona.

Fonzi
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Re: Spielemüdigkeit

Beitrag von Fonzi » Heute 02:49

Hallo MaxDetroit und alle Re-poster

Das Thema ist sehr interessant! In den Beiträgen erkenne viele Parallelen.
Ich glaube nicht, dass Spielmüdigkeit nur aus den bekannten Effekten, gleichen Token-System und Animationen etc. und einer fehlenden Motivation liegt. Damit will ich aber nicht sagen, ich wüsste wodurch Spielmüdigkeit entsteht. Mir kommt vieles bekannt vor, was hier berichtet wird und ich sehe die Sache wie Kajetan, der meint, dass „man sich selbst gut genug kennen sollte, um zu erkennen, wann es Zeit für X und wann für Y ist.“
Daher habe ich sozusagen aus meiner Not eine Tugend gemacht. Denn auch wenn das jetzt nach Schleichwerbung aussieht, aber ich führe derzeit genau zu diesem Thema in Psychologie meine Abschlussarbeit durch.
In meinem Fragebogen geht es um Spielgewohnheiten in alltäglichen Begebenheiten und die eigene Einstellungen dazu. Ich habe mir Mühe gegeben, mal andere Seiten zu betrachten, sodass man auch einiges über sich selbst erfahren kann.
Das Computerspielen hat mehr mit anderen Dingen zu tun, als man erst annimmt.
Ich lade euch daher gerne ein, am Fragebogen teilzunehmen oder die Fragen einfach nur für sich zu beantworten, wenn man kein Feld anklicken möchte.
Wer Interesse hat, kann mein Fragebogen in ca. 4-5 Min. ausfüllen. Er befindet sich im Forum „Allgemeines“ dort „Umfragen & Hitlisten“ und heißt: „Möchtest Du etwas über Deine Spielgewohnheiten erfahren?“
Zuletzt geändert von Fonzi am 18.09.2020 02:52, insgesamt 2-mal geändert.

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