Spielejournalismus am Endpunkt?

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NomDeGuerre
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Re: Spielejournalismus am Endpunkt?

Beitrag von NomDeGuerre » 22.06.2020 19:18

4P|T@xtchef hat geschrieben:
18.06.2020 12:49
Und zwar von den Stilisten, die mit einfachen Worten schöne Sätze und Einsichten formuliert haben. Nicht die gekünstelten, sondern die natürlichen Schriftsteller sollte man lesen.
Nur kann man ja nicht immer nur Hemingway lesen. Wer ist denn gemeint, beispielsweise?
Keine Angst, das soll keine Literaturdiskussion werden, es ist bloß Interesse.
Zuletzt geändert von NomDeGuerre am 22.06.2020 19:19, insgesamt 1-mal geändert.
Sie nannten ihn Sausewind

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dx1
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Re: Spielejournalismus am Endpunkt?

Beitrag von dx1 » 22.06.2020 19:26

Ich denke da an Stephen King.
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4P|T@xtchef
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Re: Spielejournalismus am Endpunkt?

Beitrag von 4P|T@xtchef » 26.06.2020 15:52

@NomDeGuerre: Von den "deutschsprachigen Klassikern" empfehle ich Luther, Heine, Freud, Nietzsche. Dann hat man eine ordentliche Stilpalette.

Stephen King belegt bei mir auch ein paar Regalmeter.
Zuletzt geändert von 4P|T@xtchef am 26.06.2020 15:59, insgesamt 1-mal geändert.
Jörg Luibl
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Oynox
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Re: Spielejournalismus am Endpunkt?

Beitrag von Oynox » 26.06.2020 17:07

Würdet ihr es eigentlich auch mal in Betracht ziehen, ganz "neue" Art von Tests zu schreiben? Ich erinnere mich immer gern an die GEE zurück und deren Test von Heavy Rain, der ein bisschen wie so eine "Choose your adventure" Geschichte aufgezogen war, dass man also am Ende eines Absatzes Wahlmöglichkeiten hatte.

Zugegebenermaßen fallen mir nicht sonderlich viele Möglichkeiten ein, aber alternative Textformen um die Essenz eines Spiels zu übermitteln stelle ich mir eigentlich ganz unterhaltsam zu lesen vor.

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Akabei
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Re: Spielejournalismus am Endpunkt?

Beitrag von Akabei » 26.06.2020 22:04

Man sollte, wie schon beim Ausgangspunkt dieses Threads, aufpassen, dass es nicht zu verkopft wird. Reviews im Stile von Rilke werden meiner bescheidenen Meinung nach eher keine neuen Leser akquirieren.

Es handelt sich seit etlichen Jahren bei Videospielen um ein Massenprodukt und im Gegensatz zu Film und Buch ist hier eben nicht zwingend eine gut erzählte Geschichte die Prämisse. Wie sollte denn so ein Test zu bspw. Streets of Rage 4 und wahrscheinlich fünfundneunzig Prozent aller anderen Titel aussehen? Da wird keine kulturelle oder gesellschaftliche Relevanz besprochen, weil sie ganz einfach nicht vorhanden ist.
Man kann es sich manchmal echt nicht mehr ausdenken

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Pag
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Re: Spielejournalismus am Endpunkt?

Beitrag von Pag » 26.06.2020 23:37

Da möchte ich mich Akabei anschließen.
Selbst bei scheinbar naheliegenden Bezügen funktioniert das nicht immer wie beabsichtigt.
Mein Einstieg bei 4P war der Test zu Black Mirror - Der dunkle Spiegel der Seele.
Der Test -ein fiktives Interview mit E.A. Poe- lies die literarische Expertise des Testers erkennen, erzeugte dadurch jedoch bei mir eine stark überzogene Erwartungshaltung gegenüber dem Spiel, gerade wegen dem für Spielebesprechungen ungewohnten Format.
Das Adventure war sicher gut, aber ich mag es bis heute nicht, weil es kein Poe war (ungerecht weil offensichtlich bei genauerer Betrachtung, ich schätze aber die Begeisterung des Testers)

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Usul
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Re: Spielejournalismus am Endpunkt?

Beitrag von Usul » 27.06.2020 02:36

4P|T@xtchef hat geschrieben:
18.06.2020 12:49
Der beste Lehrer für guten Stil: Lektüre! Und zwar von den Stilisten, die mit einfachen Worten schöne Sätze und Einsichten formuliert haben. Nicht die gekünstelten, sondern die natürlichen Schriftsteller sollte man lesen.
Das ist das Hauptproblem. Meiner Erfahrung nach ist es so, daß die meisten Leute, die meinen, sie wären feine Autoren, letztlich viel zu aufgebläht schreiben - um des Schreibens willen. Die wahre Kunst besteht - meinem persönlichen und damit nicht allgemeingültigen Geschmack nach - in der Tat darin, scheinbar einfache Sätze zu verfassen, in denen dann aber mehr Inhalt... und ja, auch "Seele" steckt als in ganzen Kapiteln von nicht so guten Verfassern. Deswegen kann auch nicht jeder, der schreiben kann, auch wirklich gut schreiben.

Und das führt zu einem weiteren Problem: Wenn wir einmal die geringe Zahl derjenigen außer Acht lassen, die wie eben beschrieben perfekt formulieren können, kommt die Tatsache hinzu, daß "Spieljournalismus" (so wie auch das meiste, was als "Journalismus" durchgeht) schlichtweg keine Zeit und Muße bietet, um die eigenen Ergüsse zu perfektionieren. Am Ende ist es halt eine Art Dienstleistung, die auch unter Zeitdruck entsteht, da finde ich es dann schwierig, einen wirklich gut lesbaren und erkennbaren Stil zu entwickeln.

Ich lese z.B. Eurogamer (net und de) wirklich gerne, aber da sind die Texte zu häufig einfach zu ausschweifend - was gemeinhin als toller literarischer Stil aufgefaßt und auch gelobt wird. Für mich ist das jedoch teilweise eine Qual - nicht nur weil eben in der Kürze die Würze liegt, sondern natürlich auch daran, daß ich mich informieren will und keine Kunst konsumieren. Also nicht nur der Verfasser, sondern auch der Leser trägt seinen Teil zu dieser Qual bei. :)

DeusHelios
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Re: Spielejournalismus am Endpunkt?

Beitrag von DeusHelios » 28.06.2020 21:18

4P|T@xtchef hat geschrieben:
17.06.2020 11:57


Hast du in den letzten Jahren unsere Formate überhaupt angeschaut? Weißt du, wieviel wir schon mit den thematischen Innovationen "riskieren", die wir in diesem Wettbewerb anbieten? Hast du unsere Kommentare, Video-Epiloge , Talks und Geschichts-Specials ignoriert, die genau das leisten: einen klassischen Test um zusätzliche Blickwinkel abseits von Phrasen zu vertiefen? Was "Sprache" betrifft: Unser subjektiver Stil unterstützt den individuellen Ton von Ben, Matthias, Micha, Jan, die alle eine andere Sprache verwenden und auch anders analysieren? Hast du diese Vielfalt nicht erkannt? Du suchst noch ganz andere Stilisten, die neue Worte für Mario Party 18 und FIFA 36 finden? Na denn man tau!
Wir haben so viel Kontext über eine Wertung oder Spielmechanik hinaus geliefert, wir haben historische Epochen erläutert, spielepolitische Aspekte thematisiert, Spieldesign ausklamüsert, psychologische Aspekte der Gewaltfrage etc. wie keine andere deutschsprachige Seite da draußen!

Das tut echt weh zu lesen, da ich die schwere Lage, in der sich Spieleredakteure momentan befinden, total verstehen kann. Vorallem da ich bei euch wirklich merke, dass ihr wirklich eure Arbeit liebt, hochwertigen Content bieten wollt und nicht Trends, die zwar mehr Klicks versprechen aber hinter denen ihr nicht steht, mitmachen wollt.

Spielekritik kann sicher noch mehr, irgendwo auf einem Blog, in einem YT-Channel. Oder man gründet ein neues Magazin, das seinen Lesern mehr "zutraut". Viel Spaß mit der Erwartungshaltung der Leute, die zu zwei Drittel von Google rüberwachsen. Weißt du, wie es dir gedankt wird? Frag mal bei den Kollegen von Superlevel, die einen super Job gemacht haben mit ihrer Coverage über Independent-Games, mit etwas anderem Ton etc - da war trotzdem irgendwann Ende Gelände. Denk mal an GEE damals oder andere. Ich sage nicht, dass soetwas gar nicht geht, aber nicht im Rahmen dieses 4Players, das sich auch in seiner Multiplattform-Tradition an alle Zocker richtet.

Der Spielejournalismus ist nicht am Endpunkt, weil er so schreibt und veröffentlicht wie er es tut. Er ist bald am Ende, weil die Masse der Leute die Oberfläche sucht, die schnelle Info und die trendigen Themen von reddit & Co, in zigfacher Verstärkung.

Wir als 4Players.de steuern schon gegen, aber wir können nicht noch mehr anbieten.

Die Situation ist echt sehr verfahren. Der Content der meisten Magazine besteht vorallem aus Clickbait Artikeln und wenig qualitativem Journalismus. Ein (Negativ)Beispiel dafür ist die Gamepro- ich mochte die früher echt gerne aber die Artikel dort sind mtittlerweile unlesbar. 4Players gehen noch immer ihren eigenen Weg und das finde ich super. Ich glaube, dass dies auf lange Sicht auch die beste Herangehensweise ist, da ihr damit einen festen Kern an Usern behaltet die eben für diesen Kontent hier sind. Magazine die sich auf Clickbait Artikeln fokusieren haben diesen treuen Leserstamm nicht und sind einfach total austauschbar und können schnell in der Gunst der von dir genannten Masse abstürzen. Ich hoffe jedenfalls das ihr noch für viele, viele Jahre eure Arbeit machen könnt.
Edit: Um das klarzustellen: Ich weiß natürlich, dass 4Players wie die anderen Videospielmagazine auch auf Klicks angewiesen ist und daher ihren Content unweigerlich danach orientieren muss. Dennoch haben sie sich mMn im Gegensatz zu vielen anderen Magazinen ihre eigene Philosophie, eben das was sie ausmacht, über die Jahre beibehalten.
Zuletzt geändert von DeusHelios am 28.06.2020 21:34, insgesamt 1-mal geändert.

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