Interessant. Setzen wir jetzt einfach mal voraus, dass hier nicht irgendein Spaßvogel rumalbert und nehmen den Beitrag ernst, denn genau kann man das in einem anonymen Forum ja nie wissen.
Ich hätte da ein paar Fragen: Waren diese Egoshooter die ersten Spiele, die Sie gespielt haben? Wenn nein, waren Sie vor diesem "Experiment" schon regelmäßiger Spieler oder zumindest Gelegenheitszocker? Haben Sie sich von Ihren Schülern bei der Auswahl der Titel beraten lassen und die Killerspieldebatte vielleicht sogar im Unterricht behandelt? Was sagen Ihre Kollegen zu dem Experiment, ihre Familie (zumindest die Enkel dürften das doch toll finden)?
Zu den Spielen: Wie fanden Sie die Zugänglichkeit der genannten Titel? War das Spielgeschehen und die Präsentation für Sie interessant oder haben Sie sich nur des Experimentes wegen "durchgequält"? Was sagen Sie zu der Gewaltdarstellung: Ist sie eine Notwendigkeit, oder gibt es davon viel zu viel? Was würden Sie besser machen, wenn Sie ein derartiges Spiel entwickeln dürften? Wie waren Ihre Erfahrungen im Multiplayer, kamen Sie mit der Spielgeschwindigkeit und dem (manchmal kindischen) Verhalten der Mitspieler klar?
Suchen Sie neues Spielfutter, haben aber ganz bestimmte Ansprüche? Hier im Forum helfen wir in diesem Falle gerne!
Fragen über Fragen, ich weiß. Leider sind derartige Fälle heutzutage sehr rar, entsprechend wird meine Neugierde geschürt.
Zu Ihrer Fragestellung am Ende des Beitrages: Da kann ich nur zustimmen. Computerspiele und auch solche, die ein mehr oder weniger viel Gewalt enthalten sind nichts anderes als ein Unterhaltungsmedium. Es ist eine Kombination aus Text, Sprache und Bild verbunden mit einer vorher nur aus Brett-, und Karten- und Automatenspielen bekannten Interaktivität. Ähnlich wie alle anderen Medien zuvor wird es von manchen Menschen als lasterhaft, sittenwidrig, gefährlich und verabscheuungswürdig betrachtet und sogar zu einer Alleinursache von Gewaltausbrüchen deklariert. Dabei wissen die meisten Politiker und "Wissenschaftler", die solche Anschuldigungen erheben, dass der Anteil dieses neuen Mediens im Ursachenpool der Gewalt, wenn überhaupt, unbedeutend und vernachlässigbar ist. Doch eignet sich dieses Medium auch vorzüglich dazu, wie ein altertümlicher Sündenbock mit allem Schlechten zu beladen und dann unter lautem Gegröhle und Gejuble, unter Tritten und Schlägen aus der Stadt vertrieben zu werden. Dieses neue Medium, dass sich so schlecht wehren kann und vielerorts immer noch nicht als Kulturgut anerkannt wird (so dürfen in Spielen, da sie nur als Unterhaltungsmedium gelten, keine Hakenkreuze und andere NS-Insignien gezeigt werden, anders als z. B. in Filmen oder Büchern droht die Indizierung und anschließende Beschlagnahmung), ist ein einfaches politisches Ziel und wird als solches von populistischen und oft potentiell verfassungsfeindlichen Politikern des gesamten Spektrums ausgenutzt. Immer in der Wahlkampfzeit tauchen neue Verbotsforderungen auf, wird sich beschwert, dass die USK viel zu lasch sei und dass viel mehr Titel indiziert werden müssten. Anschließend versandet die ganze Aktion meistens, im besten Falle werden mal wieder die USK-Siegel vergrößert, denn man könnte sie ja übersehen...
Diese ganze lästige und überflüssige Debatte tut nichts anderes, als von den wahren, viel unangenehmeren Ursachen der Gewalt abzulenken. Es lässt sich nun einmal leichter eine Gesetzesverschärfung beschließen, als Geld für die Nachmittagsbetreung, Jugendclubs, psychologische Beratung für Schüler, u. ä. locker zu machen. Die Ursachen der letzten Amokläufe kann man mühelos in dem Verhalten der Mitschüler und auch Lehrer der Täter ausmachen, denn in jedem Fall wurde er teils gewalttätig gemobbt, war mit einer Mentalität des Wegsehens seitens der Lehrer und Erziehungskräfte konfrontiert. Die Tat war dann nichts als ein Hilferuf, der durch leicht erreichbare Waffen im Elternhaus zu einem Blutbad ausartete.
Mich stört auch, dass diese Amokläufe, die nichts anderes sind als bedauernswerte Einzelfällte, zu einer generellen Gefahr für Schüler und Schulen aufgebauscht werden. Das ist nicht der Fall! Es ist unsinnig, ja schon idiotisch, an allen Schulen Baumaßnahmen durchzuführen (spezielle Türen u. ä.), da es ja einen Amoklauf geben könnte. Die ganze Debatte ist überflüssig, denn die tatsächliche Gefahr ist viel geringer, als es uns Medien und Politiker, die beide genüsslich und in aller Breite diese Taten ausweiden, wahrmachen wollen. Es kann passieren und es wird passieren. Kein Gesetz und keine Maßnahme wird die generelle Chance, dass soetwas auftritt vollständig auf Null reduzieren. Man kann und sollte sich mit Ursachenbekämpfung beschäftigen, aber in Maßen und ohne falsche Hysterie. Es würde schon unfassbar viel bringen, wenn ein Schüler mit Problemen sich in jedem Fall an seinen Lehrer wenden könnte und von ihm nicht, wie so oft, mit Ignoranz gestraft wird (was ich selbst als Schüler auch oft am eigenen Leib erfahren musste).