Kommentar: Die digitale Hexenjagd

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dx1
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Re: Kommentar: Die digitale Hexenjagd

Beitrag von dx1 » 08.07.2020 01:14

"Aufwachen" im gegenteiligen Sinne von "get woke"? Ich komme da nicht mehr mit.
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Usul
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Re: Kommentar: Die digitale Hexenjagd

Beitrag von Usul » 08.07.2020 09:38

dx1 hat geschrieben:
08.07.2020 01:14
"Aufwachen" im gegenteiligen Sinne von "get woke"? Ich komme da nicht mehr mit.
Na, "red pill" im Matrix-Sinne, also die Wahrheit erkennen, daher "aufwachen". Und wenn so ein Youtuber mit Reichweite die Augen endlich öffnet und die häßliche Wahrheit auch seinen Followern eintrichtert, geht den rechten Kaspern natürlich einer ab.

Ich persönlich denke dazu zweierlei:
1. Die Vorwürfe an Vargas kommen meines Erachtens nicht von ungefähr. Klar, Diskutieren ist besser als gleich Verdammen - aber an solcherlei Extremverhalten auf allen Seiten des politischen Spektrums sind wir ja gewohnt.
2. Wer sich von solcherlei Extremverhalten dazu verleiten läßt, "der Alt-Right in die Hände [zu] fallen", gehört dort auch hin - und so etwas weine ich dann auch keine Träne nach.

Also ich verstehe die Bedenken schon, die LePie äußert. Und bis zu einem gewissen Grad teile ich die Ansicht auch. Allerdingst ist Vargas auch ein erwachsener Mensch und es ab einem gewissen Punkt ist es dann auch seine Sache, was und wie er sich soziopolitisch selbst einordnet. Wenn er nicht erkennt, daß sein Gesülze dazu führt, daß es eben Gegenwind gibt, sondern diesen Gegenwind als Bestätigung seiner wie auch immer gearteten Überzeugungen erachtet, dann ist das eben so.

Allerdings war loewenheims Beitrag, den du, LePie, zitiert hast, ja auf meinen Kommentar gemünzt - in dem es um diese abenteuerlichen Unterrichtsideen des lieben Doc ging, und weniger um spezifische Berühmtheiten. Diese Unterrichtsideen halte ich weiterhin für hochgradig fragwürdig - weil den Kindern eben gezeigt wird: Ist doch alles halb so schlimm, wenn ihr im Netz beleidigt oder bedroht werdet... ist ja oftmals gar nicht so gemeint, habt euch nicht so. Und muckt auch nicht auf und geht den anderen ja nicht auf den Keks, sonst kriegt ihr die digital Gülle ab - und dann seid ihr halt selbst schuld.

Das ist doch aberwitzig!

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Nuracus
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Re: Kommentar: Die digitale Hexenjagd

Beitrag von Nuracus » 08.07.2020 11:52

Ein Mexikaner bei den Alt-Rights. Na das wär doch mal was.
Ich habe wirklich viele seiner Angry Reviews gesehen, meine Meinung deckt sich längst nicht immer mit seiner (z.B. DA: I oder eben TLoU 2), finde ihn und insbesondere Other Joe aber meist sehr unterhaltsam, und finde es auch gut und wichtig, wie er regelmäßig auf Missstände hinweist (Lootboxen, MT-Verseuchtung, überteuerte DLCs...) und habe ihn bisher nie als frauenverachtend erlebt.
Er verachtet Gier.
Das ist Thema #1, siehe Corporate Commander als ewigen Nemesis.

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Re: Kommentar: Die digitale Hexenjagd

Beitrag von loewenheim » 08.07.2020 12:56

LePie hat geschrieben:
08.07.2020 00:16
loewenheim hat geschrieben:
07.07.2020 22:32
Das ist mir vor etlichen Seiten in der Diskussion um Toleranz gegenüber Intoleranz schon aufgefallen: für einige scheint die Erziehung von (z.B.) Rassist:innen die höchste Priorität zu haben und nicht der Schutz oder die Unterstützung der Betroffenen. Mir persönlich ist es eigentlich ziemlich egal, ob irgendeine beliebige Weichbirne im Internet jetzt eine Lektion gelernt hat. Da finde ich es wichtiger und sinnvoller, den Betroffenen zu zeigen, dass es über ihre Würde keine Diskussion gibt.

Was anderes ist es natürlich, wenn jemand tatsächliche Bereitschaft demonstriert, sich zu ändern.
Was ich an der Sache aber besorgniserregend finde: Vargas hat einige fragwürdige Aussagen rausgehauen, aber (zumindest zum jetzigen Zeitpunkt) würde ich ihn als Person noch nicht als durch und durch misogyn oder so einordnen.
Er wird aber z.B. auf Resetera oder generell links-progressiv eingestellten Communities wie ein frauenhassender Pariah behandelt und ausgeschlossen, und dadurch besteht die Gefahr, dass er und seine Fanbase im Anschluss auf lange Sicht der Alt-Right in die Hände fallen könnten.

Denn bei letzterer reibt man sich derzeit die Hände, weil ein großer namhafter Gamingkanal demnächst redpillt werden könnte, er 'aufwachen' und auch seinen Followern die 'Augen öffnen' könnte usw. usf. Ich habe so eingie entsprechende Beiträge auf Gamergate-nahen Kanälen und Subreddits in den letzten Tagen lesen dürfen.

Das halte ich nicht für eine gute Entwicklung, und anstatt sofort jeden auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen (überspitzt, um beim Threadthema zu bleiben), sollte es zumindest noch irgendwo das Angebot zu einem Dialog geben.
Ob Angry Joe der Alt-Right „in die Hände fällt” liegt immer noch in seiner eigenen Verantwortung. Ich streite mich auch oft mit anderen Linken und hatte deswegen noch nie das Bedürfnis, ein Nazi zu werden. Das ist eine kindische Trotzreaktion.

Ich kenne Resetera nicht und kann nicht beurteilen, wie AJ dort rezipiert wird. Natürlich soll man ihn nicht schlechter reden, als er ist, aber nicht wegen seiner eventuellen Reaktion, sondern weil es unwahr wäre.

Edit: Usul ist mir in der Zwischenzeit zuvorgekommen.
Zuletzt geändert von loewenheim am 08.07.2020 12:57, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Kommentar: Die digitale Hexenjagd

Beitrag von Bachstail » 08.07.2020 13:46

Usul hat geschrieben:
08.07.2020 09:38
1. Die Vorwürfe an Vargas kommen meines Erachtens nicht von ungefähr.
Doch, eigentlich schon.

Er mag die ein oder andere fragwürdige Aussage bezüglich TLoU 2 getroffen haben (mir fällt spontan eine SEHR dämliche Aussage ein) aber da dann direkt auf seinen Charakter zu schließen, sagt wiederrum einiges über jene aus, die ihn jetzt wieder in irgendeine Ecke stellen.

Siehe LePies Beispiel mit resetERA, wo er als Frauenhasser, Schwulenhasser, Vergewaltiger und allgemein PoS bezeichnet wird und das schlicht, weil er nicht die Meinung dieses Forums bezüglich des Spiels teilt, es dauert auch nicht mehr lange, dass er der Liste der Personen hinzugefügt wird, über die man auf resetERA nicht mehr sprechen darf, sonst riskiert man eine Account-Sperrung.

Jim Sterling wurde da teils auch ziemlich angefeindet, denn er hat es gewagt, negativ über Naughty Dog zu berichten und zudem das Spiel nicht absolut positiv zu bewerten.
loewenheim hat geschrieben:
08.07.2020 12:56
Ob Angry Joe der Alt-Right „in die Hände fällt” liegt immer noch in seiner eigenen Verantwortung.
Wer Joe hier und da auf Twitter verfolgt, wird wissen, dass das nicht zu befürchten ist, der Mann ist bekennender Trump-Gegner.

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Usul
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Re: Kommentar: Die digitale Hexenjagd

Beitrag von Usul » 08.07.2020 14:52

Bachstail hat geschrieben:
08.07.2020 13:46
Er mag die ein oder andere fragwürdige Aussage bezüglich TLoU 2 getroffen haben (mir fällt spontan eine SEHR dämliche Aussage ein) aber da dann direkt auf seinen Charakter zu schließen, sagt wiederrum einiges über jene aus, die ihn jetzt wieder in irgendeine Ecke stellen.
Nun deswegen ging mein erster Punkt ja auch weiter, u.a. mit "aber an solcherlei Extremverhalten auf allen Seiten des politischen Spektrums sind wir ja gewohnt."
Vielleicht ist das mißverständlich, ich meinte damit nicht Vargas, sondern das extreme Verhalten mancher Leute, die halt gerne in Schubladen stecken.
Doch im Normalfall wird man auch nicht in eine Schublade gesteckt, wenn man gar nix Dahingehendes gemacht hat. Deswegen meinte ich, daß das nicht von ungefähr komme.

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Re: Kommentar: Die digitale Hexenjagd

Beitrag von loewenheim » 08.07.2020 15:06

Bachstail hat geschrieben:
08.07.2020 13:46
Usul hat geschrieben:
08.07.2020 09:38
1. Die Vorwürfe an Vargas kommen meines Erachtens nicht von ungefähr.
Doch, eigentlich schon.

Er mag die ein oder andere fragwürdige Aussage bezüglich TLoU 2 getroffen haben (mir fällt spontan eine SEHR dämliche Aussage ein) aber da dann direkt auf seinen Charakter zu schließen, sagt wiederrum einiges über jene aus, die ihn jetzt wieder in irgendeine Ecke stellen.
Was ist falsch daran, aus jemandes Aussagen auf seinen Charakter zu schließen?
Bachstail hat geschrieben:
08.07.2020 13:46
Siehe LePies Beispiel mit resetERA, wo er als Frauenhasser, Schwulenhasser, Vergewaltiger und allgemein PoS bezeichnet wird und das schlicht, weil er nicht die Meinung dieses Forums bezüglich des Spiels teilt, es dauert auch nicht mehr lange, dass er der Liste der Personen hinzugefügt wird, über die man auf resetERA nicht mehr sprechen darf, sonst riskiert man eine Account-Sperrung.
Ich habe in das Forum reingeschaut und bin ziemlich abgestoßen; es ist ein bisschen wie Something Awful, halt nur nicht lustig. Ich finde viele der Meinungen, die ich dort über ihn gelesen habe, auch überzogen (und die Ironie, einen Thread mit zig Seiten darüber zu veranstalten, dass man nicht mehr über ihn reden soll, scheint ihnen auch nicht aufgefallen zu sein), aber dass es nur um seine Meinung zum Spiel geht stimmt nicht (außer du inkludierst darin Sachen wie seinen "The Last of Us Women"-Spruch).
Bachstail hat geschrieben:
08.07.2020 13:46
Jim Sterling wurde da teils auch ziemlich angefeindet, denn er hat es gewagt, negativ über Naughty Dog zu berichten und zudem das Spiel nicht absolut positiv zu bewerten.
Mag sein, mein voriger Besuch hat mir gereicht. Nebenbei ist Sterling ein gutes Beispiel für jemanden, der seine Weltanschauung nicht davon abhängig macht, ob Randos im Internet nett genug über ihn reden (wissen kann ich das natürlich nicht, aber ich bin mir schon ziemlich sicher).
Bachstail hat geschrieben:
08.07.2020 13:46
loewenheim hat geschrieben:
08.07.2020 12:56
Ob Angry Joe der Alt-Right „in die Hände fällt” liegt immer noch in seiner eigenen Verantwortung.
Wer Joe hier und da auf Twitter verfolgt, wird wissen, dass das nicht zu befürchten ist, der Mann ist bekennender Trump-Gegner.
Ich habe die Befürchtung ja auch nicht geäußert, sondern nur angemerkt, dass seine politische Positionierung so oder so nicht in den Verantwortungsbereich eines linken Internetforums fällt.

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Nuracus
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Re: Kommentar: Die digitale Hexenjagd

Beitrag von Nuracus » 08.07.2020 15:48

loewenheim hat geschrieben:
08.07.2020 15:06
Was ist falsch daran, aus jemandes Aussagen auf seinen Charakter zu schließen?
Am Ende darf man nicht vergessen, dass "Angry Joe" eine Kunstfigur ist. Ein überzogener, fürs Internet erfundener Charakter, der nicht zu 100% dem Darsteller entsprechen muss, das schließt übertriebene Äußerungen und auch durchaus Meinungen ein.
Vergleiche Mr. Plinkett (Mike Stoklasa).
Zwar drückt Mr. Plinkett in seinen Reviews das aus, was das Red Letter Media Team sagen will, aber niemand wird ernsthaft annehmen, bei Mike, Jay und Rich handelt es sich um Prostituiertenkidnapper und Kindermörder.

Genauso ist es falsch zu glauben, Joe Vargas sei ein Choleriker, der sich bei jeder Gelegenheit so aufregt, dass er schon einen mehrfachen Herzinfarkt hinter sich haben muss. Nein, Angry Joe ist die Figur, die "NOOOOOOOOO! NOOOOOOOOOOOOO!!!! YOU DONE FUCKED IT UP!!!!!!!!!" brüllt - und wenn Joe Vargas diese Figur live in einem Stream personifiziert, kann ich mir durchaus vorstellen, dass er da Dinge sagt, die er im Nachhinein eher bereut.

Seine Reviews geben aber an sich nie den Hinweis darauf, dass Joe Vargas etwas gegen Frauen, Schwule o.ä. hat.
Zumindest nicht aus den Videos, die ich kenne (viele seiner Reviews und Film-Besprechungen).
... der typische Schwulenhasser schlüpft in der Regel auch nicht in eine schwule Rolle. Dazu der Anfangseinspieler von Dragon Age: Inquisition, wo Vargas eindeutig einen Charakter mit homosexuellen Neigungen spielt (ist auffällig, wie oft in seinen Videos Other Joe halbnackt auftreten darf :mrgreen:).
Zuletzt geändert von Nuracus am 08.07.2020 15:48, insgesamt 1-mal geändert.

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Bachstail
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Re: Kommentar: Die digitale Hexenjagd

Beitrag von Bachstail » 09.07.2020 10:00

loewenheim hat geschrieben:
08.07.2020 15:06
Was ist falsch daran, aus jemandes Aussagen auf seinen Charakter zu schließen?
Da gerade im Netz gerne mal sehr schnell die falschen Schlüsse gezogen werden, speziell im Falle eines Angry Joes, der nur einen Charakter spielt, zumindest in seinen Reviews.
Ich habe in das Forum reingeschaut und bin ziemlich abgestoßen
Das bin ich ebenfalls sehr regelmäßig, das Problem an diesem Forum ist aber, dass es immer sehr schnell dabei ist, News und Gerüchte zu verbreiten, die sich dann gerne mal als wahr herausstellen.

So abstoßend und widerlich ich dieses Forum also finde, so häufig bin ich da anonym unterwegs, weil es da sehr oft sehr interessante Gaming News zu lesen gibt und man muss auch sagen, dass dort nicht alle so denken, wie die Mehrheit oder die Moderatoren in diesem Forum es tun, man kann also auch manches Mal eine sehr interessante Diskussion mitlesen.
Something Awful
Gibt es das eigentlich noch ?

Ich habe schon EWIG nichts mehr von SA gehört.
außer du inkludierst darin Sachen wie seinen "The Last of Us Women"-Spruch
Das war übrigens, was ich meinte, als ich schrieb, mir fiele spontan ein richtig dämlicher Spruch seinerseits ein.
Spoiler
Show
Seine Argumentation, dass Joel nur stirbt, weil er ein Mann ist und Abby ihn tötet, weil sie eine Frau ist, ist absolut hanebüchen und dementsprechend dämlich.
Ich gehe aber wohlwollend und naiv davon aus, dass das auf seine Emotionalität fußt und er sich emotional überfordert zu diesem absolut hanebüchenen Spruch hat verleiten lassen, vermutlich gepaart mit der Tatsache, dass er sowieso schon mit negativer Stimmung an das Spiel herangegangen ist, was ich übrigens ebenfalls falsch finde, denn man sollte beim Reviewen immer neutral an ein Spiel herangehen, finde ich.
Ich habe die Befürchtung ja auch nicht geäußert, sondern nur angemerkt, dass seine politische Positionierung so oder so nicht in den Verantwortungsbereich eines linken Internetforums fällt.
Ich weiß, dass Du das nicht geäußert hast, sehe es also als allgemeinen Einwurf für Leute, die diese Befürchtungen haben.

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Re: Kommentar: Die digitale Hexenjagd

Beitrag von Zinssm » 09.07.2020 13:52

Wenn jemand aber doch nicht authentisch ist,um das geht's wohl hier gerade,wieso klick auf ich dann auf seine Seite und mach ihm sein Lotterleben auch noch damit möglich!?
Kenn die Typen nur von euren Texten hier und würde niemals auf den Gedanken kommen so jemanden speziell anzuklicken ..
Kickstarter?Niemals!!! :)
Gamer seit 1978
Zitat eines Users:

Nur Tomb Raider werde ich so nicht weiter spielen, ohne mich. Es ist nicht mein Problem das mir dabei schlecht wird, !
"

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Re: Kommentar: Die digitale Hexenjagd

Beitrag von loewenheim » 10.07.2020 01:39

Nuracus hat geschrieben:
08.07.2020 15:48
loewenheim hat geschrieben:
08.07.2020 15:06
Was ist falsch daran, aus jemandes Aussagen auf seinen Charakter zu schließen?
Am Ende darf man nicht vergessen, dass "Angry Joe" eine Kunstfigur ist. Ein überzogener, fürs Internet erfundener Charakter, der nicht zu 100% dem Darsteller entsprechen muss, das schließt übertriebene Äußerungen und auch durchaus Meinungen ein.
Vergleiche Mr. Plinkett (Mike Stoklasa).
Zwar drückt Mr. Plinkett in seinen Reviews das aus, was das Red Letter Media Team sagen will, aber niemand wird ernsthaft annehmen, bei Mike, Jay und Rich handelt es sich um Prostituiertenkidnapper und Kindermörder.
Natürlich ist Mike Stoklasa nicht in Wirklichkeit Mr. Plinkett. Aber die Tatsache, dass er meint, in Reviews von Star-Wars-Filmen eine Nebenhandlung über entführte Sexarbeiterinnen einbauen zu müssen, gibt meiner Meinung nach ein bisschen Aufschluss über sein Frauenbild.
Nuracus hat geschrieben:
08.07.2020 15:48
Genauso ist es falsch zu glauben, Joe Vargas sei ein Choleriker, der sich bei jeder Gelegenheit so aufregt, dass er schon einen mehrfachen Herzinfarkt hinter sich haben muss. Nein, Angry Joe ist die Figur, die "NOOOOOOOOO! NOOOOOOOOOOOOO!!!! YOU DONE FUCKED IT UP!!!!!!!!!" brüllt - und wenn Joe Vargas diese Figur live in einem Stream personifiziert, kann ich mir durchaus vorstellen, dass er da Dinge sagt, die er im Nachhinein eher bereut.
Gesagt hat er sie aber trotzdem. Wenn er die Dinge, die er gesagt hat, bereut, hat er sie irgendwie zurückgenommen? Und welchen Unterschied macht es letztendlich, ob er „in Wirklichkeit“ so ist wie in seinen Videos? Das ist das Bild von ihm, das er selber über seinen Kanal verbreitet. Niemand zwingt ihn dazu, diesen Charakter zu spielen. Um es mit Kurt Vonnegut zu sagen: „We are what we pretend to be, so we must be careful about what we pretend to be.“
Nuracus hat geschrieben:
08.07.2020 15:48
Seine Reviews geben aber an sich nie den Hinweis darauf, dass Joe Vargas etwas gegen Frauen, Schwule o.ä. hat.
Zumindest nicht aus den Videos, die ich kenne (viele seiner Reviews und Film-Besprechungen).
... der typische Schwulenhasser schlüpft in der Regel auch nicht in eine schwule Rolle. Dazu der Anfangseinspieler von Dragon Age: Inquisition, wo Vargas eindeutig einen Charakter mit homosexuellen Neigungen spielt (ist auffällig, wie oft in seinen Videos Other Joe halbnackt auftreten darf :mrgreen:).
Du widersprichst dir selbst. Vorher war dein Argument noch, dass AJs Aussagen nichts über seine wirklichen Positionen preisgeben, weil er eine fiktionalisierte Version von sich selber spielt. Jetzt schließt du aber aus seinen Videos, dass er nicht frauenfeindlich oder homophob wäre.
Bachstail hat geschrieben:
09.07.2020 10:00
loewenheim hat geschrieben:
08.07.2020 15:06
Was ist falsch daran, aus jemandes Aussagen auf seinen Charakter zu schließen?
Da gerade im Netz gerne mal sehr schnell die falschen Schlüsse gezogen werden, speziell im Falle eines Angry Joes, der nur einen Charakter spielt, zumindest in seinen Reviews.
Siehe meine Antwort auf Nuracus.
Bachstail hat geschrieben:
09.07.2020 10:00
Something Awful
Gibt es das eigentlich noch ?

Ich habe schon EWIG nichts mehr von SA gehört.
Ja, ich bin ganz gern dort. Ist auch ein eher linkes/progressives Forum, zumindest die Ecken, in denen ich mich aufhalte.
Bachstail hat geschrieben:
09.07.2020 10:00
außer du inkludierst darin Sachen wie seinen "The Last of Us Women"-Spruch
Das war übrigens, was ich meinte, als ich schrieb, mir fiele spontan ein richtig dämlicher Spruch seinerseits ein.
Spoiler
Show
Seine Argumentation, dass Joel nur stirbt, weil er ein Mann ist und Abby ihn tötet, weil sie eine Frau ist, ist absolut hanebüchen und dementsprechend dämlich.
Ich gehe aber wohlwollend und naiv davon aus, dass das auf seine Emotionalität fußt und er sich emotional überfordert zu diesem absolut hanebüchenen Spruch hat verleiten lassen, vermutlich gepaart mit der Tatsache, dass er sowieso schon mit negativer Stimmung an das Spiel herangegangen ist, was ich übrigens ebenfalls falsch finde, denn man sollte beim Reviewen immer neutral an ein Spiel herangehen, finde ich.
Dass auf „Emotionalität“ zu schieben finde ich wenig glaubwürdig. Sprüche in einem emotionalen Zustand kommen ja auch nicht von ungefähr.
Bachstail hat geschrieben:
09.07.2020 10:00
Ich habe die Befürchtung ja auch nicht geäußert, sondern nur angemerkt, dass seine politische Positionierung so oder so nicht in den Verantwortungsbereich eines linken Internetforums fällt.
Ich weiß, dass Du das nicht geäußert hast, sehe es also als allgemeinen Einwurf für Leute, die diese Befürchtungen haben.
Ok, alles klar!

Noch was Im Allgemeinen: Ich finde diesen Fokus auf den Charakter und die Intentionen von Menschen, die irgendwelche kontroversen Aussagen getätigt haben, falsch. (In diesem Fall habe ich mir die Diskussion natürlich selbst zuzuschreiben, weil ich die Frage gestellt habe, warum man nicht aus Aussagen auf den Charakter schließen können soll.) Das gilt nicht nur für die Diskussion hier; generell werden meiner Meinung nach Rassismus und andere -ismen zu oft als inhärente Eigenschaften gesehen und nicht als Handlungen, die man ausübt oder Systeme, zu denen man beiträgt. Wenn ich etwas rassistisches sage, spielt es erstmal keine Rolle, ob ich das bewusst, gedankenlos oder ironisch mache - die Botschaft, die ankommt, ist die gleiche. Andere können ja nicht in meinen Kopf hineinschauen. Meine Intentionen werden dann relevant, wenn es darum geht, wie ich mit Kritik umgehe. Wenn ich es einfach nicht besser wusste, dann entschuldige ich mich und vermeide den Fehltritt in
Zukunft. Und wenn ich dazu nicht bereit bin, was sind meine Absichten dann wert? Warum sollten sie irgendwen interessieren?

Some Guy
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Re: Kommentar: Die digitale Hexenjagd

Beitrag von Some Guy » 10.07.2020 09:42

loewenheim hat geschrieben:
10.07.2020 01:39
Noch was Im Allgemeinen: Ich finde diesen Fokus auf den Charakter und die Intentionen von Menschen, die irgendwelche kontroversen Aussagen getätigt haben, falsch. (In diesem Fall habe ich mir die Diskussion natürlich selbst zuzuschreiben, weil ich die Frage gestellt habe, warum man nicht aus Aussagen auf den Charakter schließen können soll.) Das gilt nicht nur für die Diskussion hier; generell werden meiner Meinung nach Rassismus und andere -ismen zu oft als inhärente Eigenschaften gesehen und nicht als Handlungen, die man ausübt oder Systeme, zu denen man beiträgt. Wenn ich etwas rassistisches sage, spielt es erstmal keine Rolle, ob ich das bewusst, gedankenlos oder ironisch mache - die Botschaft, die ankommt, ist die gleiche. Andere können ja nicht in meinen Kopf hineinschauen. Meine Intentionen werden dann relevant, wenn es darum geht, wie ich mit Kritik umgehe. Wenn ich es einfach nicht besser wusste, dann entschuldige ich mich und vermeide den Fehltritt in
Zukunft. Und wenn ich dazu nicht bereit bin, was sind meine Absichten dann wert? Warum sollten sie irgendwen interessieren?
Das Problem ist, dass in vielen Fällen nicht die Aussage an sich das problematische ist, sondern sie erst durch Mutmaßungen der Intention problematisch wird. Bzw. die letztendliche Unterstellung dann weit darüber hinaus geht. Darum gibt es auch oft die "Wenn x das gesagt hätte würde keiner meckern!"-Retoure. Da kommt man dann nicht drumrum auf der Ebene der Intentionen zu diskutieren. Um von einem "Dieses Spiel ist männerfeindlich" zu einem "Person x ist misogyn" zu gelangen, Bedarf es ja noch einiger Sprünge, die über die Aussage hinausgehen. Insbesondere wenn dieser Eindruck es nicht ins letztendlich ausgearbeitete Review geschafft hat. Das muss erst in Kontexte eingebettet, mit eigenen Interpretationen verglichen werden, etc., um zu diesem Schluss zu gelangen. Selbstverständlich zeigen dann Leute auch darauf wenn sie an anderern Stellen z.B. das gegenteilige gelobt haben, ihre Intention ist ja das, was in Frage gestellt wird.
Zuletzt geändert von Some Guy am 10.07.2020 09:51, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Kommentar: Die digitale Hexenjagd

Beitrag von Nuracus » 10.07.2020 10:47

loewenheim hat geschrieben:
10.07.2020 01:39
Natürlich ist Mike Stoklasa nicht in Wirklichkeit Mr. Plinkett. Aber die Tatsache, dass er meint, in Reviews von Star-Wars-Filmen eine Nebenhandlung über entführte Sexarbeiterinnen einbauen zu müssen, gibt meiner Meinung nach ein bisschen Aufschluss über sein Frauenbild.
(...)
Um es mit Kurt Vonnegut zu sagen: „We are what we pretend to be, so we must be careful about what we pretend to be.“
Zu Kurt Vonnegut: Keine Ahnung, wer das ist, aber selten so einen Kappes gelesen. Dann ist Joaquin Phoenix ein wahnsinniger Irrer, der auf Inzest steht (Joker, Gladiator)? Christoph Waltz ein kalter Nazi (Inglorious Basterds)? Tom Hanks zumindest ein klein bisschen zurückgeblieben (Forrest Gump)?
Dies sind zwar keine selbst kreierten Rollen, aber alles Rollen, in die sie sich bewusst entschieden haben zu schlüpfen.
Weiterhin müsste man sämtlichen Comedians, die in Rollen schlüpfen (sei es Kaya Janar mit Ranjid/Francesco ... ach ein riesiges Fass), ähnliches vorwerfen.

Zu Mike Stoklasa/Mr. Plinkett: Zwar spricht Stoklasa Mr. Plinkett in den Reviews, allerdings wurde eben dieser Mr. Plinkett in früheren Videos - also vor den Reviews - vor der Kamera bereits von Rich Evans gespielt.
Der Charakter der Nadine (die Prostituierte) ist neu für die Reviews kreiert worden. Da es sich bei Red Letter Media aber um ein Team handelt, kann man nicht sagen, wessen Idee es war, diese einzubauen.
Zuletzt geändert von Nuracus am 10.07.2020 15:50, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Kommentar: Die digitale Hexenjagd

Beitrag von Bachstail » 10.07.2020 12:02

loewenheim hat geschrieben:
10.07.2020 01:39
Dass auf „Emotionalität“ zu schieben finde ich wenig glaubwürdig. Sprüche in einem emotionalen Zustand kommen ja auch nicht von ungefähr.
Doch kommen sie, bzw. können sie kommen, denn jeder Mensch ist anders und demnach auch jede Psyche.

Wenn ich wütend bin, blubbere ich vor Wut zum Beispiel wahllos irgendwelches Zeugs daher, ohne darüber nachzudenken, auch Dinge, die ich persönlich nicht so meine oder sehe (nichts rassistisches übrigens) und als jemand, der schon viel mit Psychologie und demnach mit vielen Menschen unterschiedlichster psycholigischer Befunde zu tun hatte, halte ich das für glaubwürdig.

Mich nervt zum Beispiel immer tierisch, wenn ich eine Dokumentation über Mordfälle schaue und irgend ein Ermittler oder Psychologe sagt "Also der und der war sehr verdächtig, denn ein normaler Mensch würde nach dem Erfahren des Todes eines geliebten Menschen weinen, der und der tat das aber nicht !", da das schlicht nicht auf jeden Menschen zutrifft und es demnach auch nicht verdächtig sein kann oder zu sein hat.
Das gilt nicht nur für die Diskussion hier; generell werden meiner Meinung nach Rassismus und andere -ismen zu oft als inhärente Eigenschaften gesehen und nicht als Handlungen, die man ausübt oder Systeme, zu denen man beiträgt.
Es ist beides aber das wird allzu gerne vermischt und einer Person wird unterstellt, rassistisch zu sein, obwohl sie es nicht ist.

Wenn ein Serdar Somuncu einen rassistischen Witz reißt, dann ist der Witz rassistisch aber nicht die Person Serdar Somuncu, weil diese Person eben nicht rassistisch ist, das hindert bestimmte Leute aber dennoch nicht daran, die Nazi-Keule zu schwingen, als gäbe es keinen Morgen, man sieht man überall, auch in bezug auf Reviews zu TLoU 2, um den Bogen zum eigentlichen Thema zu spannen.

Da wurden Leute als frauenfeindlich bezeichnet, obwohl sie nur in meinen Augen nachvollziehbare Fragen gestellt haben
Wenn ich etwas rassistisches sage, spielt es erstmal keine Rolle, ob ich das bewusst, gedankenlos oder ironisch mache
Natürlich spielt das eine Rolle, ich gehe sogar so weit, zu behaupten, dass das der Knackpunkt an der ganzen Thematik ist.
die Botschaft, die ankommt, ist die gleiche.
Nein, finde ich überhaupt nicht, wenn jemand einen rassistischen Witz macht, ist die Botschaft eine ganz andere, als wenn jemand tatsächlich rassistische und verletzende Aussagen tätigt und diese auch so meint.
Wenn ich es einfach nicht besser wusste, dann entschuldige ich mich und vermeide den Fehltritt
Und wenn ich es besser wusste und nicht so meine ?

Verdiene ich dann verbal durchs Dorf getrieben zu werden, wie es ja stellenweise gerne passiert, auch WENN ich mich entschuldige (was ich eigentlich nicht müsste, wenn es ein Witz war) ?

Ich werde übrigens noch Deine Antwort abwarten, mir diese durchlesen und mich dann ausklinken (erwarte also keine Antwort mehr), da das in meinen Augen relativ wenig mit dem Thema des Threads zu tun hat und es hier bisher ja eigentlich ganz rund lief, von daher verabschiede ich mich schon einmal an dieser Stelle.
Zuletzt geändert von Bachstail am 10.07.2020 12:16, insgesamt 3-mal geändert.

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Re: Kommentar: Die digitale Hexenjagd

Beitrag von Nuracus » 10.07.2020 14:30

Bachstail hat geschrieben:
10.07.2020 12:02
loewenheim hat geschrieben:
10.07.2020 01:39
Dass auf „Emotionalität“ zu schieben finde ich wenig glaubwürdig. Sprüche in einem emotionalen Zustand kommen ja auch nicht von ungefähr.
Doch kommen sie, bzw. können sie kommen, denn jeder Mensch ist anders und demnach auch jede Psyche.

Wenn ich wütend bin, blubbere ich vor Wut zum Beispiel wahllos irgendwelches Zeugs daher, ohne darüber nachzudenken, auch Dinge, die ich persönlich nicht so meine oder sehe (nichts rassistisches übrigens) und als jemand, der schon viel mit Psychologie und demnach mit vielen Menschen unterschiedlichster psycholigischer Befunde zu tun hatte, halte ich das für glaubwürdig.
Sehe ich auch so. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich mich im Auto mal tierisch aufgeregt habe, weil ich total zugeparkt war - und das erstbeste, was mir entfleuchte war ein "dumme Schwuchtel" - obwohl ich schon immer völlig unhomophob war.

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