The Last of Us Part 2: Talk (Spoiler): 4 Redakteure, 4 Vier Perspektiven

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Gesichtselfmeter
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Re: The Last of Us Part 2: Talk (Spoiler): 4 Redakteure, 4 Vier Perspektiven

Beitrag von Gesichtselfmeter » 30.06.2020 19:41

Ajantis77 hat geschrieben:
30.06.2020 19:06


Das sehe ich auch so.
Am Ende des ersten Teils, war es eigentlich noch ganz interessant, da es zum nachdenken und diskutieren angeregt hatte.
Trotzdem war der Konflikt natürlich völlig künstlich.
Es gab keinerlei Zeitdruck. Warum haben sich nicht alle Beteiligten in dem Krankenhaus an einen Tisch gesetzt und offen besprochen um was es geht und was die Konsequenzen sind? Gerade wenn man so ein hehres Ziel verfolgt.
Zur Not hätte man einen Joel, der mit Ellies Entscheidung nicht klar kommt, oder der Entscheidung der fireflies, immer noch Amok laufen lassen können.

Nun ist aber genau das der Ankerpunkt für alles was in Teil2 passiert. Was automatisch zu einem Problem werden kann.
Siehste, dann sind wir uns in einem Punkt doch einig. Du kannst nicht sagen, dass der Plot von Part 2 kompletter Murks ist und gleichzeitig behaupten, dass Teil 1 ein Meisterwerk der Dramaturgie war. Darum ging es mir. Ohne diesen Kniff am Ende von Teil 1, wo der Spieler als Zuschauer und Akteur eingebunden wird, bleibt eine hauchdünne Handlung mit zwei gut geschriebenen Haupt-Figuren.

ND hat es, wenn überhaupt, in Teil 1 meiner Meinung nach verpasst, eine geschickte Überleitung zu Part 2 noch vor dem Ende zu schaffen. Die Episode aus Teil 1, wo Ellie zum ersten Mal im Spiel als Hauptakteur in Szene tritt, habe ich bei meinem ersten Playthrough bis zu einem gewissen Punkt komplett anders gedeutet, warum auch immer...irgendein Detail verpasst oder so. Es wäre nämlich viel interessanter gewesen, wenn diese Fraktion mit dem augenscheinlichen Pädo-Kanibalen viel ambivalenter gestaltet gewesen wäre. Wenn wir aus Ellies Perspektive durch den offensichtliche Kanibalismus eine Vorverurteilung miterlebt hätten, die zu einer Eskalation geführt hätte. Denn, wenn man z.B. im Nachgang erfahren hätte, dass diese Leute, wie das auch in der Realität schon vorgekommen ist, aus reiner Verzweiflung tote Menschen gegessen hätten, wäre die Ausgangssituation eine andere gewesen.
Zuletzt geändert von Gesichtselfmeter am 30.06.2020 19:43, insgesamt 1-mal geändert.

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Cadenadelreino
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Re: The Last of Us Part 2: Talk (Spoiler): 4 Redakteure, 4 Vier Perspektiven

Beitrag von Cadenadelreino » 30.06.2020 20:26

Ich finde einfach, dass auch so ein Spiel ruhig mal ein "Disney"-Ende haben darf - jedenfalls was die Charaktere an geht.
Irgendwie ist es "Trend" geworden total random Hauptfiguren brutal zu schlachten .. In Büchern/Filmen/ Serien.
Finde ich irgendwie billig und hat für mich auch nichts mit "Plot" oder so zu tun. So will man einfach einen billigen "What the fuck" Moment erzwingen und provozieren mehr nicht.

Außerdem ..darf man Menschenleben abwägen? Meiner Meinung nach nein und deshalb und wegen der ganzen Situation im und ums Krankenhaus hat Joel auch richtig gehandelt und hat es nicht verdient so zu sterben. Weiß nicht was ich daraus lernen soll: "Man darf ruhig einen Menschen opfern um evtl (!) andere Menschen zu retten und wer das nicht zu lässt darf ruhig sterben." (?)

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Re: The Last of Us Part 2: Talk (Spoiler): 4 Redakteure, 4 Vier Perspektiven

Beitrag von huenni1987 » 30.06.2020 20:33

zweiB hat geschrieben:
30.06.2020 18:19
Mir geht es eher wie Alice, ich kann die Frage, ob mir Teil 2 story- und regietechnisch gefallen hat, nicht sofort und ohne Zögern beantworten (Gameplay und Technik sind 1a!).
Vor allem aus zwei Gründen:

1.
Mir hat am Ende vom ersten Teil und auch jetzt im zweiten Teil eine entscheidende Frage von Joel an Ellie gefehlt:
"Warst du bereit dein Leben für ein Gegenmittel zu geben :!: :?: "
In keiner einzigen Szene wird diese Frage mal ganz konkret gestellt oder beantwortet :!:
Daraus entsteht eine Pseudodistanz zwischen beiden Charakteren, die, mit besagter Frage, in der Realität ganz simpel zum Einsturz gebracht worden wäre.
DAS ist für mich die größte Logiklücke der ganzen Reihe und macht viel kaputt, was an anderer Stelle mit realistischen Dialogen stundenlang aufgebaut wird.
In der letzten Rückblende in Part 2 sagt sie es ihm doch recht deutlich. ;). In Teil 1 sagt sie glaub, dass wenn ihr Tod Riley oder Tess hätte retten können, würde sie für sie sterben. Aber ja, im Grunde konnte man am Ende von Teil 1 an Ellies Reaktion sehen, dass sie Joel die Story nicht wirklich abkauft, aber sie hats erstmal akzeptiert.

Da ist sie 15 glaub. Und Joel hat sie halt da raus geschleift und ihr die Story erzählt, dass es ja dutzende Immune gibt.

Später fängt sie ja an, dass immer mehr zu hinterfragen bis es dann zu der Rückblende kommt wo sie alleine zum Krankenhaus zurück geht um endlich Klarheit zu haben. Erst da, bekommt sie auch endgültig von Joel die Wahrheit gesagt.

Ich stimme zu, spätestens an der Stelle hätten sie sich aussprechen können und Joel hätte diese Frage stellen können. Das hat man hier aber sicherlich bewusst nicht erzählt, weil man ja diesen Streit der beiden darstellen wollte, dass sie am Anfang so zerstritten sind und eben gerade als Ellie wieder den Schritt auf ihn zugeht, passiert Teil 2.

Das ist nicht wirklich logisch, stimme ich zu. Aber ich denke bei sowas immer an Herr der Ringe Teil 3. Als wir da damals im Kino waren, haben nach dem Ende wirklich alle gesagt, "warum sind die nicht einfach mit Adlern dahin geflogen und haben den Ring in den Vulkan geschmissen, wäre doch viel einfacher gewesen." :D Das sind halt so Sachen die nicht wirklich logisch sind, aber die man in Kauf nimmt, damit die Story irgendwie funktioniert.

Man hätte auch erzählen können, dass Ellie nachdem sie die Wahrheit erfährt von Jackson weggeht und versucht Leute zu finden die evtl. auch ein Heilmittel herstellen können. Aber da sind wir eben den Launen der Autoren ausgesetzt.
Zuletzt geändert von huenni1987 am 30.06.2020 20:55, insgesamt 2-mal geändert.

Paulaner
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Re: The Last of Us Part 2: Talk (Spoiler): 4 Redakteure, 4 Vier Perspektiven

Beitrag von Paulaner » 30.06.2020 22:44

Cadenadelreino hat geschrieben:
30.06.2020 20:26
Außerdem ..darf man Menschenleben abwägen? Meiner Meinung nach nein und deshalb und wegen der ganzen Situation im und ums Krankenhaus hat Joel auch richtig gehandelt und hat es nicht verdient so zu sterben. Weiß nicht was ich daraus lernen soll: "Man darf ruhig einen Menschen opfern um evtl (!) andere Menschen zu retten und wer das nicht zu lässt darf ruhig sterben." (?)
Kannst du als kritischer Rezipient nicht allein entscheiden, was du daraus lernen möchtest, indem du das eben Geschehe reflektierst? Wer sagt denn, dass Naughty Dog oder sonst wer einem mögliche moralische Entscheidungen abnehmen will, nur weil ihre Hauptfiguren in die eine oder andere Richtung tendieren? 8O

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Re: The Last of Us Part 2: Talk (Spoiler): 4 Redakteure, 4 Vier Perspektiven

Beitrag von soldieroflove » 01.07.2020 01:17

Das u.a. jeder eine andere Meinung zu diesem Spiel hat, macht es m.M. nach zu dem Spiel dieser Generation. Weiß nicht wann ich mal so lange in Diskussionen interessiert mitgelesen habe, wie jemand dies oder das interpretiert hat.
Das war Druckmann und ND klar, dass dieses Spiel nicht alle glücklich machen wird. Aber es zwingt den Spieler eine Meinung dazu zu haben. Und das können nur ganz wenige Titel. Klingt etwas aufgesetzt, aber das Spiel ist Kunst. Und Kunst ist auch immer subjektiv.

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Hurzt
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Re: The Last of Us Part 2: Talk (Spoiler): 4 Redakteure, 4 Vier Perspektiven

Beitrag von Hurzt » 01.07.2020 16:17

oppenheimer hat geschrieben:
28.06.2020 03:41
mekk hat geschrieben:
27.06.2020 11:07
Zum Ende:

"Ich weiß nicht ob ich dir das je verzeihen kann. Aber ich würd's gern versuchen."

Diese Sätze gelten auch gegenüber Abby.

Es ist ja nicht nur irgendeine Vision. Ellie erinnert sich genau an das Gespräch mit Joel als sie versucht Abby zu ertränken und gibt daraufhin nach.

Aus diesem Grund finde ich die Stelle so großartig, weil der Beweggrund ihres Handelns erst im Epilog aufgelöst wird.
Absolut. Bis dahin hatte ich Ellie zunehmend als unrettbare, von Rachsucht verblendete und nicht zur Reflexion fähige wahnsinnige Bestie wahrgenommen, während ich die Beweggründe von Abby mehr und mehr nachvollziehen konnte und sie auch erheblich sympathischer fand. Der Kampf gegen die fauchende Ellie im Theater kam mir vor wie ein Bossfight in einem Horrorspiel.
Was so ein Perspektivenwechsel alles bewirken kann. Erst wollte ich keinen Nachfolger zu Last of Us, aber zum Glück haben Naughty Dog nicht auf Leute wie mich gehört. Das war die für mich bis dato packendste Erzählung in einem Videospiel.
Jetzt erst gesehen –
auch von mir ein subjektives "Absolut" ;)

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Hurzt
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Re: The Last of Us Part 2: Talk (Spoiler): 4 Redakteure, 4 Vier Perspektiven

Beitrag von Hurzt » 01.07.2020 16:36

Danilot hat geschrieben:
30.06.2020 19:37
...
Am Ende mögen Ellie und Abby gute Gründe für ihr Tun haben. Sie mögen auch liebenswerte Seiten haben. Aber für mich ging es im Spiel letztlich darum:
1. Wie weit Hass einen Menschen treiben kann und was er dabei an sich selbst verliert,
2. das der Zweck die Mittel nicht heiligt und sich der "Gute" nicht alles erlauben kann, nur weil er sich im Recht fühlt und
3. dass Empathie und Vergebung einer Person bzw. den Menschen insgesamt letztlich mehr bringen als Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Was ist Gerechtigkeit? Maßlosigkeit ist es nicht.
Abby und Ellie haben diese Themen für mich bespielt - einfach nur sympathischer fand ich sie dadurch nicht. Das Spiel ist keine Heldengeschichte. Bestenfalls kommen da am Ende Menschen heraus, die sich ihre Schuld vielleicht selbst vergeben und ihr eigenes Handeln ehrlicher sehen können.


Abschließend: Ich glaube dieser Konflikt, eine spielbare Figur nicht akzeptieren zu können, hat viel mit unseren Spielgwohnheiten zu tun, praktisch immer einen Helden, Guten oder zumindest eine Person mit gerechten Gründen spielen zu können, und natürlich ebenso die fehlende Entscheidungsfähigkeit in diesem Game.

Diese bekannte Ich-bin-im-Recht-Perspektive wird in dem Spiel aber komplett aufgebrochen. Tlou 2 zeigt uns damit viel über unsere eigenen moralisch gar nicht so sauberen Einstellungen als Spieler.
Schön ausgedrückt, auch hier meine subjektiven Props!

DONFRANCIS93
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Re: The Last of Us Part 2: Talk (Spoiler): 4 Redakteure, 4 Vier Perspektiven

Beitrag von DONFRANCIS93 » 01.07.2020 18:33

Ich finde es auch interessant, wie so manches Thema und die Darstellung einiger Charaktere perfekt unsere Gesellschaft, insbesondere im Internet widerspiegelt. Witzigerweise auch an der Diskussion zu genau diesem Spiel.

Ellie und Abby spielt man aus ihren Perspektiven. Beide fühlen sich in ihrem Verhalten, sowie die Art und Weise wie sie ihre Ansichten als berechtigt wahrnehmen vollkommen bestätigt. Sie hören weder auf mögliche andere Meinungen oder interessieren sich in ihrer blinden Wut kaum dafür. Sie versuchen kaum Abstand zu ihrer Sichtweise und ihrem Verhalten zu nehmen oder andere zu verstehen.
Kommt das einem bekannt vor? :D

Es spiegelt doch sehr stark das Verhalten in Foren, Twitter und anderen sozialen Medien wider. Die meisten sehen ihre Meinung, ihre Sichtweise und Interpretation als die "richtige" an und versuchen gar keinen Abstand zu einem Thema zu entwickeln. Sie sind so emotional an das Thema gebunden, dass teilweise extreme Reaktionen entstehen Beleidigungen, Todesdrohungen, Mob-Mentalität und im Falle vom Spiel TLoU2 sogar gezieltes reviewbomben, damit das Studio, Fans oder wer auch immer dafür "büßen" können. Diese Menschen hören sich die Argumente der Gegenseite gar nicht an, wollen es auch gar nicht und merken auch nicht (bzw. es interessiert sie vielleicht einfach nicht), dass sie anderen Menschen reales Leid antun, z.B. Laura Bailey (Schauspielerin von Abby) hat von Beleidigungen bis Morddrohungen wirklich alles bekommen, obwohl sie eigentlich nur einen virtuellen Charakter spielt, den sie nicht mal geschrieben hat. Das muss man sich mal auf der Zunge vergehen lassen.

Ich bin echt dankbar, dass man zumindest auf 4players und einigen anderen Gamingseiten wie GamePro noch ziemlich gesittet miteinander umgeht. Das sieht in den amerikanischen sozialen Medien (Twitter, Reddit und co.) GANZ anders aus. Es geht hier übrigens nicht nur um rein negative Meinungen zu einem Produkt, auch wenn es meist nur dort zu solche einer emotional gewalttätigen Reaktion kommt.

Trotzdem echt interessant zu sehen wie ein Spiel, dessen Thematik von einigen als belanglos und langweilig wahrgenommen wird im Endeffekt GENAU das Verhalten unserer jetzigen Gesellschaft darstellt.

Gesichtselfmeter
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Re: The Last of Us Part 2: Talk (Spoiler): 4 Redakteure, 4 Vier Perspektiven

Beitrag von Gesichtselfmeter » 01.07.2020 19:16

@Don: da sind Paar gute Punkte dabei.
Ich denke in Tlou2 geht es gar nicht mal nur um das Wesen von Rache an sich, sondern eher auch um das Verhältnis von Altruismus und Egoismus.
Ja, Ellie war erst mal im Rage-Mode, ich war aber überrascht wie verhältnismäßig gut sie den Tod Joels wegsteckt und sofort wieder handlungsbereit war.
In Tlou geht es auch tiefen-psychologisch betrachtet um Schuld und Sühne. Ellie rettet Joel das Leben, Joel rettet Ellie das Leben. Joel tötet Abbys Vater, rettet aber Abbys Leben, Abby tötet Joel.... Es sind zwei Stränge, die sich ungünstig schneiden. Spiel des Lebens und des Todes.
Ellie verliert nicht nur Joel, sondern ist in einem Zwiespalt, weil er ihr das Leben gerettet hat, obwohl es falsch war.
Sie kann weder die Schuld bei ihm begleichen noch bei den Menschen, die sie durch ein Opfer hätte retten können.
Ellie legt dann aber bei diesem Versuch der Seelenreinigung genau so wie Abby Egoismus an den Tag, weil sie ihr Problem zu dem Anderer eigentlich unbeteiligter macht. Abby und Ellie leben am Ende, aber beide sind schuld, dass all all diese anderen Figuren getötet wurden. Klassisches Drama.

Machen wir uns nichts vor, ND hätte bewusst das Drama mit einem Satz von Abby entschärfen können.
Hätte Abby tatsächlich "ihre kleine Rede gehalten", hätte Joel vielleicht dem Spieler zugekniepst und ohne Worte zu verstehen gegeben "Leute, ich habs nicht anders verdient, passt schon". Die Frage ist doch, hätte es diese Form von Exposition wirklich gebraucht? Ich denke nicht, denn Joel hatte mit Sicherheit nicht nur ein Skelett im Schrank und er wusste "jo, war nur eine Frage der Zeit". Das Problem ist, die Leute brauchen das anscheinend vorgekaut, damit ihre Figur ehrenhaft rüberkommt.
Es gab bestimmt auch Menschen, die mit Tommy in Good Fellas sympathisiert haben...den hats ähnlich aber auch irgendwie schäbiger erwischt als Joel.
Zuletzt geändert von Gesichtselfmeter am 01.07.2020 19:27, insgesamt 1-mal geändert.

DONFRANCIS93
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Re: The Last of Us Part 2: Talk (Spoiler): 4 Redakteure, 4 Vier Perspektiven

Beitrag von DONFRANCIS93 » 01.07.2020 19:50

Gesichtselfmeter hat geschrieben:
01.07.2020 19:16
@Don: da sind Paar gute Punkte dabei.
Ich denke in Tlou2 geht es gar nicht mal nur um das Wesen von Rache an sich, sondern eher auch um das Verhältnis von Altruismus und Egoismus.
Ja, Ellie war erst mal im Rage-Mode, ich war aber überrascht wie verhältnismäßig gut sie den Tod Joels wegsteckt und sofort wieder handlungsbereit war.
In Tlou geht es auch tiefen-psychologisch betrachtet um Schuld und Sühne. Ellie rettet Joel das Leben, Joel rettet Ellie das Leben. Joel tötet Abbys Vater, rettet aber Abbys Leben, Abby tötet Joel.... Es sind zwei Stränge, die sich ungünstig schneiden. Spiel des Lebens und des Todes.
Ellie verliert nicht nur Joel, sondern ist in einem Zwiespalt, weil er ihr das Leben gerettet hat, obwohl es falsch war.
Sie kann weder die Schuld bei ihm begleichen noch bei den Menschen, die sie durch ein Opfer hätte retten können.
Ellie legt dann aber bei diesem Versuch der Seelenreinigung genau so wie Abby Egoismus an den Tag, weil sie ihr Problem zu dem Anderer eigentlich unbeteiligter macht. Abby und Ellie leben am Ende, aber beide sind schuld, dass all all diese anderen Figuren getötet wurden. Klassisches Drama.

Machen wir uns nichts vor, ND hätte bewusst das Drama mit einem Satz von Abby entschärfen können.
Hätte Abby tatsächlich "ihre kleine Rede gehalten", hätte Joel vielleicht dem Spieler zugekniepst und ohne Worte zu verstehen gegeben "Leute, ich habs nicht anders verdient, passt schon". Die Frage ist doch, hätte es diese Form von Exposition wirklich gebraucht? Ich denke nicht, denn Joel hatte mit Sicherheit nicht nur ein Skelett im Schrank und er wusste "jo, war nur eine Frage der Zeit". Das Problem ist, die Leute brauchen das anscheinend vorgekaut, damit ihre Figur ehrenhaft rüberkommt.
Es gab bestimmt auch Menschen, die mit Tommy in Good Fellas sympathisiert haben...den hats ähnlich aber auch irgendwie schäbiger erwischt als Joel.
Bin ich bei dir. Allgemein gibt es sowieso kein spezifisches Thema in diesem Spiel. Und das ist auch das, was mMn gute Geschichten und Charaktere (neben Dialogen und Plotpoints) von schlechten unterscheidet.
Es wird viele angerissen, viel der eigenen Imagination und Interpretation überlassen und wenig eindeutig beantwortet, was widerrum zum nachdenken und diskutieren anregt.
In keiner Geschichte ist jede Aktion vollkommen logisch. Alles kann man hinterfragen, z.B. wieso musste Ellie im ersten Teil sofort operiert werden? Ganz einfach, weil es eine Geschichte ist und man auch Drama kreiieren möchte. Und daran finde ich nichts verwerfliches. Ich finde sogar weniger immer die Aktion an sich interessant, sonder eher die Reaktion auf diese Aktion. Joel wird getötet? Okay, ist scheisse, aber wie reagiert Ellie darauf? Was macht Abby jetzt nachdem sie ihr "Lebensziel" erreicht hat?
Oder am Beispiel Game of Thrones: Ned stark stirbt überraschend? Ist scheisse, aber es ist doch viel interessanter was als Reaktion darauf passiert? Was macht die Stark Familie? Wie reagieren andere darauf?
Darin liegt für mich doch viel mehr Drama.
Zuletzt geändert von DONFRANCIS93 am 01.07.2020 19:52, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: The Last of Us Part 2: Talk (Spoiler): 4 Redakteure, 4 Vier Perspektiven

Beitrag von Gesichtselfmeter » 01.07.2020 21:35

DONFRANCIS93 hat geschrieben:
01.07.2020 19:50
Gesichtselfmeter hat geschrieben:
01.07.2020 19:16
@Don: da sind Paar gute Punkte dabei.
Ich denke in Tlou2 geht es gar nicht mal nur um das Wesen von Rache an sich, sondern eher auch um das Verhältnis von Altruismus und Egoismus.
Ja, Ellie war erst mal im Rage-Mode, ich war aber überrascht wie verhältnismäßig gut sie den Tod Joels wegsteckt und sofort wieder handlungsbereit war.
In Tlou geht es auch tiefen-psychologisch betrachtet um Schuld und Sühne. Ellie rettet Joel das Leben, Joel rettet Ellie das Leben. Joel tötet Abbys Vater, rettet aber Abbys Leben, Abby tötet Joel.... Es sind zwei Stränge, die sich ungünstig schneiden. Spiel des Lebens und des Todes.
Ellie verliert nicht nur Joel, sondern ist in einem Zwiespalt, weil er ihr das Leben gerettet hat, obwohl es falsch war.
Sie kann weder die Schuld bei ihm begleichen noch bei den Menschen, die sie durch ein Opfer hätte retten können.
Ellie legt dann aber bei diesem Versuch der Seelenreinigung genau so wie Abby Egoismus an den Tag, weil sie ihr Problem zu dem Anderer eigentlich unbeteiligter macht. Abby und Ellie leben am Ende, aber beide sind schuld, dass all all diese anderen Figuren getötet wurden. Klassisches Drama.

Machen wir uns nichts vor, ND hätte bewusst das Drama mit einem Satz von Abby entschärfen können.
Hätte Abby tatsächlich "ihre kleine Rede gehalten", hätte Joel vielleicht dem Spieler zugekniepst und ohne Worte zu verstehen gegeben "Leute, ich habs nicht anders verdient, passt schon". Die Frage ist doch, hätte es diese Form von Exposition wirklich gebraucht? Ich denke nicht, denn Joel hatte mit Sicherheit nicht nur ein Skelett im Schrank und er wusste "jo, war nur eine Frage der Zeit". Das Problem ist, die Leute brauchen das anscheinend vorgekaut, damit ihre Figur ehrenhaft rüberkommt.
Es gab bestimmt auch Menschen, die mit Tommy in Good Fellas sympathisiert haben...den hats ähnlich aber auch irgendwie schäbiger erwischt als Joel.
Bin ich bei dir. Allgemein gibt es sowieso kein spezifisches Thema in diesem Spiel. Und das ist auch das, was mMn gute Geschichten und Charaktere (neben Dialogen und Plotpoints) von schlechten unterscheidet.
Es wird viele angerissen, viel der eigenen Imagination und Interpretation überlassen und wenig eindeutig beantwortet, was widerrum zum nachdenken und diskutieren anregt.
In keiner Geschichte ist jede Aktion vollkommen logisch. Alles kann man hinterfragen, z.B. wieso musste Ellie im ersten Teil sofort operiert werden? Ganz einfach, weil es eine Geschichte ist und man auch Drama kreiieren möchte. Und daran finde ich nichts verwerfliches. Ich finde sogar weniger immer die Aktion an sich interessant, sonder eher die Reaktion auf diese Aktion. Joel wird getötet? Okay, ist scheisse, aber wie reagiert Ellie darauf? Was macht Abby jetzt nachdem sie ihr "Lebensziel" erreicht hat?
Oder am Beispiel Game of Thrones: Ned stark stirbt überraschend? Ist scheisse, aber es ist doch viel interessanter was als Reaktion darauf passiert? Was macht die Stark Familie? Wie reagieren andere darauf?
Darin liegt für mich doch viel mehr Drama.
Absolut, hätte Joel gewimmert und um Gande gebettelt, wäre ich sofort an der Seite der Kritiker gewesen. Tut er aber nicht. In meinen Augen ist er "aufrecht" gestorben. Viele denken wie ein "echter Mann" sterben ist gleichzusetzen mit
a) ein Mann sein
b) mit dem Körper bis zuletzt kämpfen

Ich persönlich habe vor Menschen dann den größten Respekt, wenn Sie die Konsequenz ihrer Handlungen mit Würde und Stärke tragen. Bestes Beispiel: habe vor vielen Jahren mal einen Bericht gesehen, wo ein 12-jähriges Surfer-Girl gezeigt wurde, das bei einem Hai-Angriff ein Bein verloren hat. Dieses Mädel hat nicht eine Sekunde Hass gegenüber Haien entwickelt und ist sofort wieder aufs Brett gestiegen. So was ist wahre Stärke und nicht eine Version von Joel, die ballernd im Kugelhagel stirbt.
Seine letzten Worte haben gezeigt, dass er bereit war zu sterben. Er war ja auch nicht ganz Atheist...Auge um Auge muss ihm ein Begriff gewesen sein.

Die Szene, wo Abby ihm erst ins Bein schiesst, war für mich so wie in nem Souls Spiel an einer super dummen Stelle 6-stellig Seelen zu verlieren, wo man nicht wahrhaben, was das gerade passiert ist und irgendwie hofft, dass sich die Regeln aus heiterem Himmel ändern. Das fast abgeschossene Bein war schon genug um zu wissen, dass die den nicht glaubwürdig spielbar machen werden.

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Re: The Last of Us Part 2: Talk (Spoiler): 4 Redakteure, 4 Vier Perspektiven

Beitrag von Triadfish » 01.07.2020 23:14

Bei all den Diskussionen...

Ist euch eigentlich aufgefallen, dass Abby der weibliche Chris Redfield ist?

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Re: The Last of Us Part 2: Talk (Spoiler): 4 Redakteure, 4 Vier Perspektiven

Beitrag von Gesichtselfmeter » 02.07.2020 00:56

Triadfish hat geschrieben:
01.07.2020 23:14
Bei all den Diskussionen...

Ist euch eigentlich aufgefallen, dass Abby der weibliche Chris Redfield ist?
:mrgreen: nee, erklär mal bitte

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Re: The Last of Us Part 2: Talk (Spoiler): 4 Redakteure, 4 Vier Perspektiven

Beitrag von BMTH93 » 02.07.2020 14:05

Ich bin jetzt auch endlich durch und ja was soll ich sagen. Die Reise war eine emotionale Berg und Tal fahrt. Das warten hatte sich jedenfalls mehr als gelohnt. Audio, Grafik, Gameplay, KI waren, wie schon des öfteren erwähnt, absolute Spitzenklasse, weshalb ich darauf nicht näher eingehen möchte.

Was mir eher negativ auffiel, war die Tatsache, wie einfach gestrickt die Story im Grunde ist. Es geht fast ausschließlich nur um Rache und dies wird dann bis zum bitteren Ende zelebriert. Der Perspektivwechsel war innovativ, keine Frage, aber er war auch bitter nötig um der Story irgendwas kontroverses zu geben. Aber selbst am Perspektivwechselb gibt es mMn, den einen oder anderen Kritikpunkt. Wie schon im Video erwähnt wurde, wird der Spieler regelrecht dazu gezwungen Abby zu mögen. Ja, manchmal wird direkt und auch indirekt erwähnt, dass Abby eiskalt und gewalttätig sein kann, aber der entscheide Punkt ist, dass man ihre dunkle Seite so gut wie nie zu Gesicht bekommt, während bei Ellie, dass genaue Gegenteil gemacht wird. Für mich bedeutet das, dass Abby als Mensch nur eine untergeordnete Rolle spielt. Ihr Charakter hat im Grunde nur eine ganz klare Funktion und zwar den Spieler dazu zu zwingen Ellie aus einer ganz bestimmten Perspektive zu betrachten. Levs Schwester fasst das Konzept ganz gut zusammen, als Abby einen ihrer starken Momente hat und versucht Levs Schwester zu erklären, dass sie (Abby) auch nur ein Mensch und kein Heiliger sei. Sie sagt im wahrsten Sinne des Wortes "Ich weiß genug". Mehr wird nicht gesagt. Mehr kann man gar nicht sagen, weil sonst die Illusion der heiligen Abby bröckeln würde. Mit dieser bewussten Entscheidung sagt man mir eigentlich, dass es gar keine Rolle spielt, wer Abby wirklich ist, und was sie alles verbrochen hat. Sie hat gefälligst ihre Funktion in der Story erfüllen. Sie muss auf Teufel komm raus sympathisch wirken, damit auch der größte Vollidiot versteht, wie grausam Ellie vorgeht.
Zuletzt geändert von BMTH93 am 02.07.2020 14:29, insgesamt 6-mal geändert.

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Re: The Last of Us Part 2: Talk (Spoiler): 4 Redakteure, 4 Vier Perspektiven

Beitrag von TheoFleury » 02.07.2020 14:28

Spoiler
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Gesichtselfmeter hat geschrieben:
02.07.2020 00:56
Triadfish hat geschrieben:
01.07.2020 23:14
Bei all den Diskussionen...

Ist euch eigentlich aufgefallen, dass Abby der weibliche Chris Redfield ist?
:mrgreen: nee, erklär mal bitte
Weil sie den (besseren/erotischeren) Körperbau von Chris Redfield hat und Charme, Flair besitzt. Der allerliebste Charakter der Videospielgeschichte und zusätzlich sogar Hundeliebhaberin! :!:

Freut Euch auf The last of Us Part 3.

Featurette: Lovely Hero Abby vs. Psycho-Ellie....Ellie gets killed after one hour of gameplay/story...revenge story with hundreds of flashbacks and jesse zombie (The Angel of death) DLC confirmed :lol: Joel Zombie DLC included! :lol:

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