Spielkultur: Philosophie und Spiel: Protagoras

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VaniKa
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Re: Spielkultur: Philosophie und Spiel: Protagoras

Beitrag von VaniKa » 22.10.2019 12:59

Es ist doch vor allem eine Frage, was man selbst aus etwas macht. Sicherlich kann man Videospiele als reinen "Zeitvertreib" sehen. Bei mir ist es aber z.B. so, dass mein Gehirn mit einem Spiel quasi eine Symbiose eingeht und beides in der Kombination viel anregt bei mir. So "Grübelspiele" wie Dark Souls schaffen das besonders gut. Es kommt also nicht unbedingt nur auf "nackte Fakten" an, da besteht jedes Spiel am Ende nur aus Pixeln und Ton, aber so wie unser Gehirn am Ende auch nur aus trivialen Molekülen besteht, so ist es eben weit mehr als nur die Summe der einzelnen Teile.

Zur Religion möchte ich noch erwähnen, dass soweit ich weiß sogar Hirnareale identifiziert wurden, die speziell für Religiosität, Spiritualität, Aberglaube oder wie man es noch nennen will ausgelegt sind. Es ist uns also in die Wiege gelegt, in unserem geistigen Abbild von der Welt mehr aus ihr zu machen als sie vielleicht tatsächlich ist. So eine Erkennung von Mustern und Sinn ist auch eine Voraussetzung für Intelligenz. Und manchmal erkennen wir vielleicht Muster, die gar nicht da sind. Das ist einfach ein Nebeneffekt einer ansonsten notwendigen Eigenschaft.

Ich glaube auch, dass sich niemand völlig frei sprechen kann von einem gewissen Aberglauben, auch wenn man sich immer gern als 100 % rational und objektiv hinstellen möchte. Eine Welt ohne den Zauber der Irrationalität und Subjektivität wäre eine tote Welt. Ein Bekenntnis zu mehr Subjektivität und die Einsicht, dass wir letztlich alle nur "blinde Leute, die an einem Elefanten herumfingern" sind, würde die ganzen totalitären Ansprüche auf Wahrheit auflösen.

Bei Spielen merkt man das wunderbar. Findet man ein Spiel schlecht, aber andere finden es gut, kann man den vermeintlichen (!) Widerspruch scheinbar nur auflösen, indem man die andere Person für dumm oder anspruchslos erklärt. Stattdessen könnte man auch einfach von dem Standpunkt, man selbst sei unfehlbar, objektiv und rational, abrücken und der anderen Person zugestehen, dass sie Spaß mit dem Spiel hat und offenbar auf andere Weise diesen Spaß bezieht als man selbst.

Wenn man also etwas bewerten möchte, dann müsste man zunächst die eigenen subjektiven (!) Ansprüche, Bedürfnisse und Erwartungen kommunizieren, also die Gesichtspunkte, nach denen man ein Spiel bewertet. Dann wird in diesem aufgespannten Rahmen auch deutlich, ob ein Spiel das bedient oder nicht, aber eben auch nur innerhalb dieses Rahmens. Das ist auch die Grenze, der sich jeder bewusst sein sollte, und man deswegen keinen Absolutheitsanspruch stellen kann. Wer sich dann im Einklang mit dem Reviewer sieht, der kann so ein Review dann sehr gut nutzen, um zu entscheiden, ob er das Spiel spielen möchte oder nicht. Hat man allerdings ganz andere Maßstäbe, dann kann ein Review auch komplett nutzlos für einen selbst sein. Das merkt man eigentlich auch immer ganz schnell, wenn z.B. Dinge stark kritisiert werden, die einen selbst gar nicht stören.

Von daher ist die Aussage von 4Players auch absolut löblich, dass sie sich von Anfang an zur Subjektivität bekennen, denn etwas anderes ist am Ende auch nicht möglich. Man kann versuchen, möglichst objektiv zu sein, indem man bewusst mehrere Perspektiven einfließen lässt, auch durch mehrere involvierte Reviewer, aber es bleibt am Ende nur ein Versuch und eine Annäherung. Man sieht das aber auch bei manchen Tests, dass mehrere Leute zu Wort kommen, wenn die Meinungen innerhalb der Redaktion offenbar zu weit auseinander gehen.

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CutOff
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Re: Spielkultur: Philosophie und Spiel: Protagoras

Beitrag von CutOff » 22.10.2019 16:20

VaniKa hat geschrieben:
22.10.2019 12:59
....
Zur Religion möchte ich noch erwähnen, dass soweit ich weiß sogar Hirnareale identifiziert wurden, die speziell für Religiosität, Spiritualität, Aberglaube oder wie man es noch nennen will ausgelegt sind. Es ist uns also in die Wiege gelegt, in unserem geistigen Abbild von der Welt mehr aus ihr zu machen als sie vielleicht tatsächlich ist. So eine Erkennung von Mustern und Sinn ist auch eine Voraussetzung für Intelligenz. Und manchmal erkennen wir vielleicht Muster, die gar nicht da sind. Das ist einfach ein Nebeneffekt einer ansonsten notwendigen Eigenschaft.

Ich glaube auch, dass sich niemand völlig frei sprechen kann von einem gewissen Aberglauben, auch wenn man sich immer gern als 100 % rational und objektiv hinstellen möchte. Eine Welt ohne den Zauber der Irrationalität und Subjektivität wäre eine tote Welt. Ein Bekenntnis zu mehr Subjektivität und die Einsicht, dass wir letztlich alle nur "blinde Leute, die an einem Elefanten herumfingern" sind, würde die ganzen totalitären Ansprüche auf Wahrheit auflösen.
....
Nur weil der Mensch etwas nicht messen oder erklären kann, heißt es nicht, dass "etwas" nicht existiert. Man sollte auch Spiritualität nicht mit Religiosität und Aberglauben in eine Schublade packen. Zumal die beiden zuletzt genannten Begriffe negativ behaftet sind. Sollte die Menschheit irgendwann zur Spiritualität finden, dann hat sie auch die nächste Evolutionsstufe erreicht. Momentan sind wir ja noch dumme Neandertaler.

Ich glaube auch, dass die Welt und das Universum sehr viel mehr zu bieten haben, als wir glauben. Wir maßen uns an alles erklären zu wollen und das meiste schon zu wissen, obwohl wir noch nicht mal wissen wie die Ägypter ihre Pyramiden erbaut haben. Die Theorie mit den Heer an Sklaven ist absoluter bullshit, aber weil wir nichts plausibleres finden, betrachten wir diese Theorie als bewiesen.

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VaniKa
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Re: Spielkultur: Philosophie und Spiel: Protagoras

Beitrag von VaniKa » 22.10.2019 17:53

CutOff hat geschrieben:
22.10.2019 16:20
Nur weil der Mensch etwas nicht messen oder erklären kann, heißt es nicht, dass "etwas" nicht existiert. [...] Ich glaube auch, dass die Welt und das Universum sehr viel mehr zu bieten haben, als wir glauben.
Tja, ich weiß es schlichtweg nicht. Ich schließe es nicht kategorisch aus und es würde unser Leben sicherlich bereichern. Dennoch benötige ich mehr als bloße Behauptungen. Derweil suche ich die "Magie" eher im Geist der Menschen, vor allem meinem eigenen. Das Gehirn ist einfach ein total tolles Ding und gerade die Tatsache, dass es nicht so simpel und vorhersehbar wie ein Computer ist, macht es so großartig, denn es bietet stets Potenzial für Überraschungen und zauberhafte Gefühle. Auseinandersetzungen mit Spiritualität oder auch Dinge wie Kartenlegen sehe ich vor allem als eine bestimmte Art der Beschäftigung mit dem eigenen Geist. Und vielleicht ist das sogar eine Art, über uns selbst zu reflektieren, die unserem Gehirn am ehesten entspricht, weil wir es die meiste Zeit unserer Existenz auf diesem Planeten nie anders gemacht haben. Daher können wir uns auch so schwer davon lösen. In Spielen können wir uns diesem Prinzip dann komplett hingeben, da es keine realen Konsequenzen hat. Uns lacht niemand dafür aus und niemand kann uns dadurch ausnutzen oder schaden. Das ist wohl einer der Gründe, warum wir so gerne spielen oder Filme und Bücher konsumieren. Es ist der Wunsch nach mehr als augenscheinlich ist.

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C64Delta
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Re: Spielkultur: Philosophie und Spiel: Protagoras

Beitrag von C64Delta » 22.10.2019 20:00

VaniKa hat geschrieben:
22.10.2019 17:53
Das ist wohl einer der Gründe, warum wir so gerne spielen oder Filme und Bücher konsumieren. Es ist der Wunsch nach mehr als augenscheinlich ist.
Es ist doch viel banaler: es ist der Wunsch nach Emotion. Der Mensch ist geradezu süchtig danach.
Die Wissenschaft streitet zwar herum, doch hier ein paar Beispiele:
Liebe, Hass, Freude, Wut, Ekel, Furcht, Verachtung, Traurigkeit, Erstaunen, Vertrauen.

Der Grund, warum wir in Computerspielen so viel Gewalt sehen ist einfach der, weil Hass, Furcht, Wut viel leichter darzustellen sind, als z.B. starke Liebe.

Sex, Erotik, nackte Brüste besser abbildbar, als Vertrauen.

Starke Emotionen bleiben hängen und erzeugen Interesse.
Einige davon sind schwer zu vermitteln und finden deshalb im Kino, Tv, Spielen, Nachrichten selten Verwendung.

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Re: Spielkultur: Philosophie und Spiel: Protagoras

Beitrag von Patrizier1971 » 24.10.2019 08:09

Bussiebaer hat geschrieben:
21.10.2019 13:20
4P|T@xtchef hat geschrieben:
21.10.2019 12:52
Aber seid versichert: Das bringt so wenig Views, dass wir es eigentlich wieder einstellen müssten.
Mich haben diese Art von Videos dazu gebracht, ein PUR-Abo abzuschließen und den Betrag beim kürzlichen Verlängern zu erhöhen. Von daher hoffe ich sehr daß diese Art von Videos (ob nun Philosophie, germanische Mythologie, Ninjas, Wilder Westen...) auch weiterhin erscheinen, und freue mich daß du dir diesen Luxus gönnst. :D
Bitte unbedingt fortsetzen! Auch ich habe durch die etwas anderen und hintergründigen Videos ein PUR-Abo abgeschlossen und kürzlich verlängert. Diese Qualität findet sich auf anderen Seiten nicht. Auch die Kommentare der Leserschaft geben mir das Gefühl, dass ich hier gut aufgehoben bin...

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bohni
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Re: Spielkultur: Philosophie und Spiel: Protagoras

Beitrag von bohni » 24.10.2019 15:46

TaLLa hat geschrieben:
20.10.2019 19:40
Religion ist eine Möglichkeit für Ordnung gewesen, wenn man sich die Bibel anschaut geht es nur um Moral und Gesetze zum Miteinander.
Nein, da geht es auch sehr oft um ein Gegeneinander, nämlich gegen die Anderen (Andersgläubigen etc.)
Du solltest das Buch wirklich mal (ganz) lesen.
Vor allem im dunklen Mittelalter wo es reines Chaos gab und zig Krankheiten, die Aufgrund fehlender Regeln das Volk dahinrafften, war Religion eine absolutistische Möglichkeit hier mal alles aufzuräumen und dabei auch keine nutzlose Blockade-Politik zu haben, denn unter Gottes Gnaden gab es keine Widerworte.
Wobei einiges von dem Chaos (Kreuzzüge, auch gegen andere Christen z.B.) gerade auch von den Kirchen ausgingen.
Auch wurde jegliches ausserchristliches Wissen verboten bzw. vernichtet.
Das Mittelalter war nicht trotz sondern vor allem wegen den Kirchen "dunkel".

Ansonsten bestätigst du ja was ich schrieb, ein Gott als Erklärung ist sehr bequem, da man nicht widersprechen darf.
Mit Naturwissenschaften hat das alles nichts zu tun, sondern mit Politik und Sozialwissenschaft.
Anfänglich war das alles eins. Die Welterklärungen war ein Ding der Religionen, die Religion war ein Ding der Mächtigen. Erst als die Religionsführer an Macht verloren, kam es zu Alternativen und die Wissenschaft konnte sich von der Religion emanzipieren.
In den alten Religionen war neues Wissen allerdings auch nicht gleich ein Widerspruch zur "heiligen Schrift" ... anders als bei den heutigen.
Dass man auch diese kontrollieren wollte, gehört eben zum typisch menschlichen der Überinterpretation Aufgrund von Machtgier. "Nein die Bibel, Koran, Thora soll keine Grundlage für einen Gesellschaftsvertrag sein wie eine Verfassung, sie muss ein Machtinstrument sein".
Sie sind Machtinstrumente, das ist deutlich in der Geschichte erkennbar. Gerade Diktaturen scheinen mit Religionen in der Regel eng verknüpft zu sein. Man denke nur an Franko, Pavelic etc.
Von daher hat alles was mit Unterdrückung und Machtgier zu tun hat eben nichts mit Religion zu tun, diese sagt im Grunde nämlich nur: Benehmt euch und habt euch lieb, schränkt in eurer Freiheit die Freiheit anderer nicht ein. Nicht mehr und nicht weniger.
Das ist blödsinn, lange nicht alle Religionen sind gleich. Und da wo eine Religion, z.B. das Christentum das im Neuen Testament sagt, sind in der Regel die Glaubenmittglieder gemeint und nicht alle Menschen.
Gerade die aktuellen Religionen sind extrem aggressiv und die Begründung dafür finden sich auch leicht in deren "heiligen Schriften". Da wird z.B. homosexuelle Menschen das Recht zu Leben abgesprochen. Ungläubige sind eh zu töten etc. Da findest du problemlos passende Texte in der Bibel (AT aber auch im NT), im Koran etc.
Die ganze Unterdrückung und sich selbst als andere sehen ist nicht besser als bei Hitler, Stalin, Franco und Konsorten. Tief menschlich, was jeder weiß der sich mit Gruppendynamiken auskennt, aber völlig ab von der Grundidee.
Hitler sah sich, zeigte sich alls christlicher Messias - das ist die bekannt?

Lies die Bibel ... und wenn du alles gelesen hast, dann behaupte das gleiche ohne rot zu werden.

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bohni
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Re: Spielkultur: Philosophie und Spiel: Protagoras

Beitrag von bohni » 24.10.2019 15:49

CutOff hat geschrieben:
22.10.2019 16:20
... obwohl wir noch nicht mal wissen wie die Ägypter ihre Pyramiden erbaut haben. Die Theorie mit den Heer an Sklaven ist absoluter bullshit, aber weil wir nichts plausibleres finden, betrachten wir diese Theorie als bewiesen.
Das mit den Sklaven ist nicht der aktuelle Stand der Forschung.

Nur weil wir ggf. nicht alles erklären können, bedeutet das noch nicht, dass die Märchen aus der Bronzezeit ein gültigere Erklärung sind - denn Religion erklärt nichts.

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Darth Broda
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Re: Spielkultur: Philosophie und Spiel: Protagoras

Beitrag von Darth Broda » 25.10.2019 19:14

Wobei einiges von dem Chaos (Kreuzzüge, auch gegen andere Christen z.B.) gerade auch von den Kirchen ausgingen.
Auch wurde jegliches ausserchristliches Wissen verboten bzw. vernichtet.
Das Mittelalter war nicht trotz sondern vor allem wegen den Kirchen "dunkel".
Wie konnte dann die Renaissance entstehen, wenn jegliches ausserchristliches Wissen verboten bzw. vernichtet wurde? Wie kam das Wissen der Griechen und Araber nach Europa, wenn es sofort vernichtet wurde? Ich hoffe du weisst auch, dass der Begründer der Urknalltheorie ein Priester war.
Das Mittelalter nennt man dunkel, da vor allem das Frühmittelalter im Gegensatz zur Antike weniger gut dokumentiert war.
Hitler sah sich, zeigte sich alls christlicher Messias - das ist die bekannt?
Zitierung bitte, Hitler hat das Christentum gehasst und durch die Nazis sind Millionen aus den Kirchen ausgetreten. Ausserdem wurden z.B. katholische Priester zu Tausenden verfolgt.

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