Death Stranding: Hideo Kojima läutet "Crunch-Phase" ein und bekommt Gegenwind von anderen Spiele-Entwicklern

Hier findet ihr die entsprechenden Kommentare - inkl. Link zur News!

Moderatoren: Moderatoren, Redakteure

Ryan2k6
Beiträge: 2694
Registriert: 23.12.2007 19:02
Persönliche Nachricht:

Re: Death Stranding: Hideo Kojima läutet "Crunch-Phase" ein und bekommt Gegenwind von anderen Spiele-Entwicklern

Beitrag von Ryan2k6 » 05.08.2019 21:29

Levi  hat geschrieben:
05.08.2019 19:12
Naja...

Auch in Deutschland unter einer Gewerkschaft, kommt es zu solchen Crunch Geschichten.
(soweit es das Arbeitsschutzgesetz zulässt und etwas drüber hinaus)...
Zumindest bei uns hat sich das einfach eingebürgert, dass zum Ende eines Projektes gern auch mal die Sonntagsarbeit angegangen wird und irgendwo gen 60 bis 70h die Woche zusammen kommen (die dann etwas vermauschelt werden auf dem Papier...)
Das interessante: es gibt keinen wirklichen Druck von oben... Aber man unterstützt sich gegenseitig um ein Projekt noch zu wuppen.

... Und da helfen die besten modernsten planungsmethoden nicht...
15 Jahre mach ich den Job schon.... Und nahezu immer läuft es gleich ab
Ja, da hast du wohl Recht. Wenn es eh gemacht wird wie immer, hilft auch planen nicht viel. :Blauesauge:

Bild

Benutzeravatar
Levi 
Beiträge: 40837
Registriert: 18.03.2009 15:38
Persönliche Nachricht:

Re: Death Stranding: Hideo Kojima läutet "Crunch-Phase" ein und bekommt Gegenwind von anderen Spiele-Entwicklern

Beitrag von Levi  » 05.08.2019 21:51

Nö. Alle 3 Jahre kommt der nächste Externe, der versucht mit völlig Realitätsfremden Beispielen was zu korrigieren.

Ich bin ein riesen Freund von moderner Projekt Planung. Aber im klassischen Projektgeschäfft, wo der Kunde zum Zeitpunkt X Fortschritt Y sehen möchte, hilft das halt nichts.

Das funktioniert alles nur mit Kunden, die die Entwicklung wie eine Art Dienstleistung verstehen.
(und entsprechend das Geld mit bringen.)
forever NYAN~~ |||||| Hihi
Bild

Benutzeravatar
Dr.Khaos
Beiträge: 130
Registriert: 11.11.2004 14:31
Persönliche Nachricht:

Re: Death Stranding: Hideo Kojima läutet "Crunch-Phase" ein und bekommt Gegenwind von anderen Spiele-Entwicklern

Beitrag von Dr.Khaos » 06.08.2019 10:38

ChrisJumper hat geschrieben:
05.08.2019 21:15
Dr.Khaos hat geschrieben:
05.08.2019 10:16
Mein Problem an der Sache ist, dass die Crunchtime immer mit vorgesehen ist. Also ein notwendiges Übel auf das sich alle Parteien leider einlassen. Jedem ist klar, dass nach einem gewissen Zeitpunkt leider gecrunched werden muss...
Ich glaube so Absolut ist das nicht mal. Ja es ist oft nötig weil vieles Länger dauert, unvorhergesehen Ereignisse eintreten. Aber es ist eben nicht so das es von vorne herein eingeplant ist. Es ist wahrscheinlich, das es passiert. Weil es sehr oft passiert. Aber niemand legt es bewusst drauf an oder versucht Kosten zu sparen.

Weil das so nicht funktioniert.

Crunchen ist immer ein wenig, das Haus steht in Flammen und wenn wir jetzt nicht löschen geht alles vor die Hunde. Mit der selben Panik. Sicher könnte man einfach in zwei Phasen entwickeln. erst mal nur auf dem Papier, jeder Dialog, jedes Setting grob Skizerren. Das Ergebnis dann einfach runter Programmieren ohne noch etwas zu ändern. Aber das funktioniert so in den meisten Fällen nicht.

Ich meine selbst bei Pillars of Eternity gab es Crunsh. Einem Kickstarter Projekt das zuvor vieeeeeeeeel mehr Geld durch Kickstarter bekommen hat, als es überhaupt geplant war.

In einem Kreativen Prozess kann man nicht einfach mittendrin auf hören und am nächsten Tag weiter arbeiten. Man muss dabei bleiben wenn es gerade fließt. Eben weil Menschen nun mal keine Maschinen sind.

Es ist ja nun mal sehr oft eine Auftragsarbeit und es wäre wohl auch nicht fair, wenn man sagt: So ihr bekommt für das Projekt jetzt 3 Jahre bezahlte, keine Überstunden und nur 7,5h pro Tag und 220 Tage im Jahr. Wenn ihr es nicht schafft müsst ihr es aus eigener Tasche finanzieren.

Wenn das Spiel ein Flop wird steht euer Name halt drunter. Dann viel Spaß beim Entwickeln.
Ich denke die Gefahr wäre dann viel größer das noch mehr unbezahlte Überstunden einfließen.

Lösen würde sich das einfach mit einer Crunch-Versicherung, einer Abgabe die jeder Entwickler zahlen müsste und die einspringt und den Mindestlohn pro Stunde zahlt wenn das Projekt nicht fertig wird.
Danke für die gute Antwort. Ich kann das so alle nachvollziehen. Ich selbst kenne auch Crunch ähnliche Zustände aus meinem Job jedoch nicht in diesem Ausmaß. Das Problem ist ja, dass der Crunch ursprünglich ein kurzer intensiver Prozess war, jedoch ist dies gefühlt nicht mehr der Fall wenn ich lese, dass einige Studios ein halbes Jahr als Crunch machen. Ich habe das Gefühl, dass es auch einfach an guter Planung mangelt.

Wenn ich comics zeichne habe ich deadlines und mit Planung mit dem Texter kriege ich das zu 99% hin. Man kann es nicht zu 100% mit der Spieleentwicklung vergleichen aber ist ja auch ein kreativer Prozess der bedingt durch ein gutes Management sehr oft funktioniert.

Beim Schreiben fällt mir aber auf, dass wir hier nur über Symptome reden können und nicht das übel welches dem ganzen zugrunde liegt.

Benutzeravatar
Kajetan
Beiträge: 22814
Registriert: 13.04.2004 10:26
Persönliche Nachricht:

Re: Death Stranding: Hideo Kojima läutet "Crunch-Phase" ein und bekommt Gegenwind von anderen Spiele-Entwicklern

Beitrag von Kajetan » 06.08.2019 11:03

Dr.Khaos hat geschrieben:
06.08.2019 10:38
Das Problem ist ja, dass der Crunch ursprünglich ein kurzer intensiver Prozess war, jedoch ist dies gefühlt nicht mehr der Fall wenn ich lese, dass einige Studios ein halbes Jahr als Crunch machen. Ich habe das Gefühl, dass es auch einfach an guter Planung mangelt.
Korrekt. Crunch als kurze, intensive Arbeitsphase von maximal zwei Wochen gehört immer wieder dazu, selbst bei der besten Vorbereitung. Nicht immer, nicht ständig, aber oft genug. Ein Problem wird das erst dann, wenn Crunch schon vorher eingeplant (!) wird und die Geschäftsleitung einfach davon ausgeht, die verfügbaren Mannstunden ein halbes Jahr vor Release einfach so verdoppeln zu können.
https://seniorgamer.blog/
Senior Gamer - Deutschlands führendes Gamer-Blog für alte Säcke!

Caparino
Beiträge: 531
Registriert: 27.11.2014 20:17
Persönliche Nachricht:

Re: Death Stranding: Hideo Kojima läutet "Crunch-Phase" ein und bekommt Gegenwind von anderen Spiele-Entwicklern

Beitrag von Caparino » 07.08.2019 00:40

Death Stranding wurde auf der E3 2016 vorgestellt. Das Spiel ist über 3 Jahre, wahrscheinlich eher 4 in der Entwicklung.
3 Monate Crunchtime ist also weitaus weniger als 10% der Gesamtentwiclungszeit auf das sich die Mitarbeiter doch auch lange vorbereiten konnten aka (Urlaubssperre etc. ...). Eine Roadmap mit Features etc. ... über solch einen Zeitraum zu planen ist ein ziemlich starkes Stück was die meisten nicht zu schätzen Wissen.
Im Einelhandel hast eben Ostern/Weihnachten, in Bayern 2 Wochen Oktoberfest etc .... man darf nicht in jährlichen Zyklus sondern in der Gesamtprojektdauer denken. Solange man durch die Dauer selbst die Leute nicht verschleisst sehe ich jetzt kein so großes Problem.

Benutzeravatar
sphinx2k
Beiträge: 3833
Registriert: 24.03.2010 11:16
Persönliche Nachricht:

Re: Death Stranding: Hideo Kojima läutet "Crunch-Phase" ein und bekommt Gegenwind von anderen Spiele-Entwicklern

Beitrag von sphinx2k » 07.08.2019 13:29

Caparino hat geschrieben:
07.08.2019 00:40
Death Stranding wurde auf der E3 2016 vorgestellt. Das Spiel ist über 3 Jahre, wahrscheinlich eher 4 in der Entwicklung.
3 Monate Crunchtime ist also weitaus weniger als 10% der Gesamtentwiclungszeit auf das sich die Mitarbeiter doch auch lange vorbereiten konnten aka (Urlaubssperre etc. ...). Eine Roadmap mit Features etc. ... über solch einen Zeitraum zu planen ist ein ziemlich starkes Stück was die meisten nicht zu schätzen Wissen.
Ist halt die Sache wie man damit umgeht. Man als Entscheider hat sich verschätzt -> kann passieren.
A. Man nimmt einen Finanziellen Rückschlag hin, weil das Marketing schon auf das Datum ausgerichtet ist, aber gibt den Entwicklern mehr Zeit.
B. Man wälzt das Problem auf die Angstellten ab, indem die auf kosten ihrer Gesundheit den gemachten Planungsfehler ausbügeln dürfen.
Im Einelhandel hast eben Ostern/Weihnachten, in Bayern 2 Wochen Oktoberfest etc .... man darf nicht in jährlichen Zyklus sondern in der Gesamtprojektdauer denken. Solange man durch die Dauer selbst die Leute nicht verschleisst sehe ich jetzt kein so großes Problem.
Ich kann natürlich nicht für alle Reden. Aber eine Bekannte im Einzelhandel muss nicht länger Arbeiten nur weil Weihnachtszeit ist. Klar ist der Tag an sich anstregenderder und laugt mehr aus aber das wird durch mehr mitarbeiter abgefangen.
Oder meine Frau hat mal eine weile als Kassiererin gearbeitet. Da wurde wenn mehr Kunden erwartet wurden als normal, einfach mehr von dem 430 Euro Personal einbestellt. Btw. dort wurde Peinlichst genau auf die Arbeitszeit geachtet damit die Mitarbeiter auch Ja unter 430 Euro blieben. Da ist also nichts mit Überstunden machen gewesen.

Also kein Vergleich zu Monatelangen Überstunden. Und wie man verschleiß einordnen ist eine Sache. Verschleiß heißt für mich nicht "Total kaputt/Arbeitsunfähig", da gehört schon Stress zu der wie bekannt nicht förderlich für die Gesundheit ist. Er bringt einen nicht direkt ins Grab, schaden richtet er aber trotzdem an.

Doc Angelo
Beiträge: 3430
Registriert: 09.10.2006 15:52
Persönliche Nachricht:

Re: Death Stranding: Hideo Kojima läutet "Crunch-Phase" ein und bekommt Gegenwind von anderen Spiele-Entwicklern

Beitrag von Doc Angelo » 07.08.2019 13:34

sphinx2k hat geschrieben:
07.08.2019 13:29
Ist halt die Sache wie man damit umgeht. Man als Entscheider hat sich verschätzt -> kann passieren.
A. Man nimmt einen Finanziellen Rückschlag hin, weil das Marketing schon auf das Datum ausgerichtet ist, aber gibt den Entwicklern mehr Zeit.
B. Man wälzt das Problem auf die Angstellten ab, indem die auf kosten ihrer Gesundheit den gemachten Planungsfehler ausbügeln dürfen.
Wenn man feststellt, das im Fall B die Mitarbeiter Kameradschafts-Romantik empfinden, während der Gewinn aus dieser Planung überaus unkameradschaftlich geteilt wird, dann kann man nachvollziehen, das eine Person, der es vorrangig am Geld in der eigenen Tasche liegt, nicht mehr lange überlegt ob er jetzt A oder B angehen möchte.

(Man... ich macht echt zu viele Kommas...)
Wenn man bis zum Hals in der Scheiße steckt, sollte man nicht den Kopf hängen lassen.

Benutzeravatar
ChrisJumper
Beiträge: 7709
Registriert: 04.06.2014 01:08
Persönliche Nachricht:

Re: Death Stranding: Hideo Kojima läutet "Crunch-Phase" ein und bekommt Gegenwind von anderen Spiele-Entwicklern

Beitrag von ChrisJumper » 07.08.2019 23:21

Weil ich mich indirekt von Doc angesprochen fühle. Nein in meinem Fall verdienen diejenigen welche solche Überstunden leisten würden 100% des dadurch erzielten Gewinns.

Es macht keinen Sinn an der Stelle es nicht überproportional zu bezahlen. Weil es erstens, sehr selten vor kommt. Zweitens einen Ausnahme Situation ist und drittens der meiste Gewinn langfristig erwirtschaftet wird, oder durch die Tatsache das es eine Auftragsarbeit war und die Entwickler nur einmalige fixe Kosten sind. Ja natürlich verdienen jene überdurchschnittlich die das Projekt in erster Linie finanziert und ermöglicht haben, auch langfristig länger durch den Erwerb der Markenrechte.

Wenn du möchtest das jemand ein einmaliges Überproportional hochwertiges Produkt für dich erstellt, muss mehr bezahlt werden. Langfristig als auch in der Bewertung rechnet es sich aber wenn die Qualität stimmt. Auch weil mehr Fans bereit sind zu Release zu einem höheren Preis zu kaufen. Rockstar Games sind da ein gutes Beispiel oder die Nintendo Titel.

Edit: Ich bin mir aber nicht sicher in wiefern Kojima zum Beispiel seinen Star-Status ausnutz. Er scheint schon ein Künstler zu sein der über die Stränge schlägt und sich dies gern bezahlen lässt. Es könnte sein das er gerne andere leiden sieht.. dies würde aber eine Sondersituation darstellen, welche einer Perversion gleich kommt. Ich schätze ihn nicht so ein, sondern lediglich das seine kreative Art falsch verstanden wird. Wenn man selber als letztes das Büro verlässt, hat es austomatisch einen negativen Effekt für andere, weil niemand der erste sein will. Ich hoffe das es sich hier nicht so verhält. Den Kojima-Crunch deute ich bisher eher als ein: Wir sind im Finale, jetzt gebt mal alles! Wir gleichen das nachher auch mit einer 5.000 Euro Party im besten Hotel der Stadt aus. Wobei die Älteren eher eine Tendenz dazu haben mehr zu feiern als zu Arbeiten. Wobei der Ursprung darin liegt das sie halt gewohnt sind mehr, länger und härter zu Arbeiten. Aber die Leistung mit der Zeit nachlässt.

Doc Angelo
Beiträge: 3430
Registriert: 09.10.2006 15:52
Persönliche Nachricht:

Re: Death Stranding: Hideo Kojima läutet "Crunch-Phase" ein und bekommt Gegenwind von anderen Spiele-Entwicklern

Beitrag von Doc Angelo » 08.08.2019 07:08

ChrisJumper hat geschrieben:
07.08.2019 23:21
Weil ich mich indirekt von Doc angesprochen fühle. Nein in meinem Fall verdienen diejenigen welche solche Überstunden leisten würden 100% des dadurch erzielten Gewinns.

Es macht keinen Sinn an der Stelle es nicht überproportional zu bezahlen. Weil es erstens, sehr selten vor kommt. Zweitens einen Ausnahme Situation ist und drittens der meiste Gewinn langfristig erwirtschaftet wird, oder durch die Tatsache das es eine Auftragsarbeit war und die Entwickler nur einmalige fixe Kosten sind.
Verstehe. Also hat dein Beispiel überhaupt nichts mit dem Video-Game-Development-Crunch zu tun. A) Die Beteiligten bekommen 100% vom Gewinn. B) Es kommt sehr selten vor. C) Es ist die Ausnahme. Der Vergleich zum Krieg hinkt immer noch an A, aber zumindest kann ich jetzt verstehen, warum Du das so positiv siehst. Ich hoffe aber das Du auch sehen kannst, das deine Situation wirklich nicht mit der von Videospiel-Entwicklern in einer monatelangen Crunchphase zu vergleichen ist.
Wenn man bis zum Hals in der Scheiße steckt, sollte man nicht den Kopf hängen lassen.

Antworten