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Kolumne: Der große Heiler

Verfasst: 16.05.2019 16:19
von 4P|BOT2
Das Spiel ist ja eigentlich der große Zauberer. Der kreative Trickster mit den hundert Taschen und tausend Versprechungen. Selbst wenn er schon zig mal enttäuschte, selbst wenn man auf die 50 zugeht, bleibt man als leidenschaftlicher Zocker immer ein kleiner Hobbit. Vielleicht ein skeptischer oder gar zynischer, aber nichtsdestotrotz auch ein närrischer - im besten kindlichen Sinne.Denn kaum er...

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Re: Kolumne: Der große Heiler

Verfasst: 16.05.2019 16:48
von Usul
Zum ersten Mal glaube ich muß ich sagen: Top-Kommentar, bei dem ich keine Widerworte finde. :)

Wie schade es jedoch ist, wenn diese "heilende" Wirkung bei dem einen oder der anderen entweder erst gar nicht eintritt... oder aber nicht erkannt wird, weil das "gesunde" Gleichgewicht aus Nähe UND Distanz zu diesem Hobby nicht vorherrscht.

Re: Kolumne: Der große Heiler

Verfasst: 16.05.2019 16:49
von hydro skunk 420
Ich finde ebenfalls, dass ein Gros der Spiele wie Balsam für die Seele wirkt.
Schön zu sehen, dass selbst du, der sich im Gegensatz zu uns dem Gaming verpflichtet hat, das noch immer so empfindest.

Re: Kolumne: Der große Heiler

Verfasst: 16.05.2019 16:51
von VokuhilaChildLover
Ich mag die Kolumnen und den Schreibstil von Jörg ja sehr, aber hier rate ich auch mal dazu weniger Metaphern zu nutzen.

Das wirkt im Text schon sehr krampfhaft, sodass die Bilder einfach nicht mehr wirken, wenn man so viele wie möglich in jeden Satz quetscht. War für mich dann einfach nur noch Komik.

edit: gerade als der Text persönlicher, zurück zur Kindheit geht, wird auf die erzwungene Verwendung verzichet und ich bin sofort emotionaler und mit viel mehr Lesefluss dabei. Vielleicht einfach nur aufschreiben, was man fühlt. Weniger ist mehr :Vaterschlumpf:

Dem Inhalt stimme ich so zu :)

Re: Kolumne: Der große Heiler

Verfasst: 16.05.2019 17:01
von Kajetan
Es heisst ja, dass man sein Leben durch geistige Beweglichkeit verlängern kann, wenn man nicht vorher blöd in der Dusche ausrutscht. Je mehr man Zeit seines Lebens damit verbracht hat den eigenen Gehirnschmalz unter Strom zu setzen, umso weniger baut man im Alter geistig und auch körperlich ab, umso lebenswerter ist das Alter.

Spiele sind für mich daher weniger ein "Heiler", sondern ein Jungbrunnen, denn nichts bereitet mir mehr Freude als mich von einem neuen, bzw. unbekannten Spiel angenehm überraschen zu lassen, weil es mir wieder aufzeigt, wie wenig ich doch gesehen haben und was noch alles möglich ist. Und wenn dann ein ganz spezifischer Aspekt des Spieles (oder eine Kombination verschiedener Elemente) meine Neuronen befeuert und ich gedanklich auf Reisen gehe, obwohl der Rechner längst ausgeschaltet ist, obwohl sich die Gedanken gar nicht mehr um das Spiel an sich drehen ... dafür bin ich Spielen, bzw. den Menschen, die sie gemacht haben, dankbar. Dankbar, dass sie eine ganz bestimmte Tür in meinen Denken geöffnet haben, mir aufgezeigt haben, dass da noch viel, VIEL mehr ist, als ich mir vorgestellt habe.

Sicher, man kann das gleiche auch über Filme, über Musik oder Bücher sagen. Reisende erleben manchmal, dass sich ihren Augen ein Anblick bietet, der als "Augenöffner" mitunter ein ganzes Leben umkrempeln kann. Was ich für Spiele beschreibe, ist nicht spiele-exklusiv. Ich beschreibe, oder denke zumindest, dass ich es tue ... Inspiration! Wenn man mehr fühlt als tatsächlich rational erdenkt, dass es da draußen so sehr viel mehr gibt, was es zu entdecken gibt.

Vor einigen hundert Jahren hätte man dies eine Offenbarung genannt und wäre für den Rest des Daseins in ein Kloster gegangen, weil man glaubt Gott begegnet zu sein. Gehen wir heute in ein Kloster, wenn wir sprachlos vor dem Bildschirm sitzen, wenn sich zum ersten Mal vor uns die Geschehnisse z.B. eines Final Fantasy VII entfalten? Nun, vielleicht treten wir der jeweiligen Fanboy-Kirche bei, aber in der Regel lassen wir uns inspirieren. Und Inspiration hält jung. Jeden Tag einen Schluck eines spirituellen/virtuellen Getränkes, ob ein lecker Tempranillo oder ein Buch oder eben ein gutes Spiel!

Re: Kolumne: Der große Heiler

Verfasst: 16.05.2019 17:38
von C64Delta
Eskapismus schön und gut, aber was vereinbaren die Gewinner im Spielfilm "Ready Player One"?
Die Oasis (der virtuelle Zufluchtsort) wird Dienstags und Donnerstags dicht gemacht.
So hieß es im Ladebildschirm von World of Warcraft: "geht auch mal nach draußen".
Die Dosis macht das Gift... oder die Heilung.

Re: Kolumne: Der große Heiler

Verfasst: 16.05.2019 17:50
von Poolparty93
Irgendwie dachte ich mir die ganze Zeit "Wieso lese ich das gerade überhaupt?"
Und trotzdem konnte ich mich bis zum letzten Satz nicht vom Bildschirm lösen, weil der Text so stimmig und unterhaltsam geschrieben war. Einen dicken Daumen nach oben dafür!

Jetzt aber zum Wichtigsten:
Ich möchte mich bitte zum Yoga-Kurs für Pur-Abonnenten anmelden. Darf meine Frau als Pur-Nutznießer auch mitmachen? :D

Re: Kolumne: Der große Heiler

Verfasst: 16.05.2019 18:05
von MaxDetroit
Es hängt echt vom Spiel ab, es gibt auch Spiele die mich fast krank gemacht hätten. Irgendwie habe ich das Gefühl das es Spiele gibt, die dir etwas zurückgeben, und andere die dich nur noch Aussaugen und deine Energie und Zeit fressen.

Schlimm ist es aber das man das manchmal gar nicht merkt und durchaus Spass und Unterhaltung bei dem Spiel empfindet und erst nach ein paar Tagen, Wochen oder gar Monaten merkt man wie leer man sich fühlt und wie das Spiel einem nur noch weiter aussaugt. Ich will hier auch keine Beispiele oder Genres nennen, ich denke die meisten wissen schon welche Spiele das sein könnnen. Am Ende des Tages habe ich die ganze Bandbreite durchgemacht, von den heilsamen Spielerfahrungen hin bis zu den krankmachenden, den grauen Männern unter den Spielen. ;)

Re: Kolumne: Der große Heiler

Verfasst: 16.05.2019 18:31
von Freya Nakamichi-47
Ein fast schon poetischer Kommentar heute. Eine Liebeserklärung ans Gaming. Schön. Ob Videospiele nun zu heilen vermögen oder nicht, darüber will ich mich mal nicht auslassen, aber auf jeden Fall helfen sie, die gegebene Lebenszeit auf die denkbar sinnvollste Weise zu nutzen -- indem man sie nämlich einfach verplempert.

Mich würde in diesem Zusammenhang mal interessieren, wie das denn eigentlich so ist, wenn man Spiele hauptberuflich testen MUSS, also wenn das Daddeln zur Arbeit wird. Verfliegt da nicht irgendwann der Zauber? Ich hab ja auch mein Hobby, das Coden, zum Beruf gemacht und sehe da überhaupt nichts Magisches oder Mystisches mehr, eher nur eine Möglichkeit, meinen Kühlschrank auf Füllhöhe zu halten und die Miete aufzutreiben. Nach einem Achtstundentag habe ich im Moment kaum noch Bock dazu, mal eine IDE anzuwerfen.

Re: Kolumne: Der große Heiler

Verfasst: 16.05.2019 18:48
von Marverino0
Kajetan hat geschrieben: 16.05.2019 17:01 Es heisst ja, dass man sein Leben durch geistige Beweglichkeit verlängern kann, wenn man nicht vorher blöd in der Dusche ausrutscht. Je mehr man Zeit seines Lebens damit verbracht hat den eigenen Gehirnschmalz unter Strom zu setzen, umso weniger baut man im Alter geistig und auch körperlich ab, umso lebenswerter ist das Alter.

Spiele sind für mich daher weniger ein "Heiler", sondern ein Jungbrunnen, denn nichts bereitet mir mehr Freude als mich von einem neuen, bzw. unbekannten Spiel angenehm überraschen zu lassen, weil es mir wieder aufzeigt, wie wenig ich doch gesehen haben und was noch alles möglich ist. Und wenn dann ein ganz spezifischer Aspekt des Spieles (oder eine Kombination verschiedener Elemente) meine Neuronen befeuert und ich gedanklich auf Reisen gehe, obwohl der Rechner längst ausgeschaltet ist, obwohl sich die Gedanken gar nicht mehr um das Spiel an sich drehen ... dafür bin ich Spielen, bzw. den Menschen, die sie gemacht haben, dankbar. Dankbar, dass sie eine ganz bestimmte Tür in meinen Denken geöffnet haben, mir aufgezeigt haben, dass da noch viel, VIEL mehr ist, als ich mir vorgestellt habe.

Sicher, man kann das gleiche auch über Filme, über Musik oder Bücher sagen. Reisende erleben manchmal, dass sich ihren Augen ein Anblick bietet, der als "Augenöffner" mitunter ein ganzes Leben umkrempeln kann. Was ich für Spiele beschreibe, ist nicht spiele-exklusiv. Ich beschreibe, oder denke zumindest, dass ich es tue ... Inspiration! Wenn man mehr fühlt als tatsächlich rational erdenkt, dass es da draußen so sehr viel mehr gibt, was es zu entdecken gibt.

Vor einigen hundert Jahren hätte man dies eine Offenbarung genannt und wäre für den Rest des Daseins in ein Kloster gegangen, weil man glaubt Gott begegnet zu sein. Gehen wir heute in ein Kloster, wenn wir sprachlos vor dem Bildschirm sitzen, wenn sich zum ersten Mal vor uns die Geschehnisse z.B. eines Final Fantasy VII entfalten? Nun, vielleicht treten wir der jeweiligen Fanboy-Kirche bei, aber in der Regel lassen wir uns inspirieren. Und Inspiration hält jung. Jeden Tag einen Schluck eines spirituellen/virtuellen Getränkes, ob ein lecker Tempranillo oder ein Buch oder eben ein gutes Spiel!
Wow :D dir bereitet nichts mehr Freude als ein neues Spiel? Hoffe du übertreibt :D

Re: Kolumne: Der große Heiler

Verfasst: 16.05.2019 19:30
von Spiritflare82
cooler kommentar, regt zum nachdenken an und ich finde genau sowas braucht gaming auch, das ganze mal philosophischer sehen :D

Re: Kolumne: Der große Heiler

Verfasst: 16.05.2019 20:10
von johndoe1993045
Edit
Da dieses Schiff nun versinkt, möchte ich das hier auch nicht mehr stehen haben !
Au revoir!

Re: Kolumne: Der große Heiler

Verfasst: 16.05.2019 21:05
von TheLastUn1c0rn
Sehr schön! Die Kolumne sprcht mir aus der Seele, vielen Dank dafür. Aber genauso toll finde ich die Diskussion, die sich hier entwickelt: bei all der Schlechtigkeit in der Welt (sorry, pathetischer ging's nicht :oops: ) finden wir in uns immer noch das kleine Kind und füttern es mit Bildern und Geschichten und Gefühlen durch unser Hobby. Und offenbar sehen wir das endlich mal alle so!

Re: Kolumne: Der große Heiler

Verfasst: 16.05.2019 21:44
von michi240675
Danke für diese Kolumne, Jörg!

Als Jemand, der wohl ähnlich früh mit Video-/Computerspielen begonnen hat (1980 auf Atari 2600), kann ich sehr gut nachvollziehen, wie Du dich fühlst.

Und ja, zum Thema "Heilen" möchte ich gerne etwas schreiben, da es mich persönlich betrifft und es schon zutrifft, dass es, wenn sicherlich nicht heilend in rein medizinischem Sinne, es Krankheitssituationen erträglicher machen kann. Kiste anwerfen, Headset auf, "Ready Player one" und der ganze Scheiß um Dich herum verschwindet wenigstens für eine (kurze) Zeit. Gerade für Menschen wie mich, die div. Traumata, schwere PTBS und einher gehende, schwer depressive Phasen haben, ist es ein Weg "nach Draußen" (Discord und Teamspeak sei Dank), wenn man nicht vor die Tür kommt.

Wird auch viel zu wenig gewürdigt, das Computerspiele auch etwas Anderes sind, als Killerspiele.

Just my thoughts...

Re: Kolumne: Der große Heiler

Verfasst: 16.05.2019 21:45
von Nathaniel_SL
Kann der Kolumne nur zustimmen, insbesondere dem letzten Part. Ich schreibe nunmehr seit über zehn Jahren als Hobby Fantasy-Romane und Horror-Kurzgeschichten - veröffentliche auch über Self-Publishing, mache mir aber nicht allzu große Hoffnung damit jemals wirklich erfolgreich zu werden, deswegen "Hobby". ^^"
Jedenfalls wüsste ich nicht, ob mir die Kreativität dafür auch dann in den Schoß gelegt worden wäre, wäre ich nicht mit dem Gaming in Kontakt gekommen. Hat mir in der Vergangenheit oft genug als Inspiration gedient und tut es heute noch. Auch wenn es mich gleichzeitig immer wieder auch gerne mal vom Schreiben abhält. :lol: