Kolumne: Der Spieler am tragischen Abgrund

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Eniotas
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Re: Kolumne: Der Spieler am tragischen Abgrund

Beitrag von Eniotas » 19.01.2016 17:52

Ein gutes Beispiel für einen guten Gegenspieler in einen Computer Spiel ist für mich immer noch Jon Irenicus aus Baldurs Gate . SkullFace in MGS V war auch nicht schlecht auch wenn er bisschen zu wenig Screentime bekam. Oder Andrew Ryan in Bioshock. Es gibt schon sehr gute Gegenspieler. Natürlich gibt es auch viele Negativ Beispiele. Das ist im Buch und Fernsehen auch nicht anders.

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Aravanon
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Re: Kolumne: Der Spieler am tragischen Abgrund

Beitrag von Aravanon » 19.01.2016 17:52

Eniotas hat geschrieben:
Aravanon hat geschrieben:
Eniotas hat geschrieben: Daneben fand ich auch Brothers großartig wo man am Ende seine Angst vorm Wasser überwindet Herrlich. Mafia 2 hat mich hingegen völlig kalt gelassen. Ein komplett abgekupfertes Spiel aus alles Mafia Filmen der letzten 20 Jahren. Da war der 1. Teil um Welten besser.
Kann ich natürlich oberflächlich betrachtet nachvollziehen und ich will das Spiel auch nicht über den grünen Klee loben, aber wenn ich sage, ich breche eine Lanze, dann will ich natürlich auch erklären warum ich die Aussage in der Tiefe so nicht unkommentiert stehen lassen kann.
Sage ja nicht das es schlecht nur mir hat es nicht viel gegeben. Bin großer Fan von Mafia Filme ab alles gesehen nicht nur die Filme von Scorsese und Coppola. Und in der Hinsicht hatte ich im Spiel ein DejaVu nach dem anderen. Mafia 1 fand ich persönlich da viel Origineller. Dazu fand ich die Hauptcharaktere nicht besonders Sympathisch. Aber das ist natürlich nur meine Meinung :) Und das der Hauptcharakter nur wegen seiner Familie darein rutscht und nicht etwa wegen der Geldgier wage ich auch bisschen zu bezweifeln.

Ist zwar OT aber ich finde trotzdem das Michael Corleone einer der coolsten und besten Mafia Charaktere die ich kenne. Kann den Film immer wieder gucken :)
Natürlich kann ich dir in Bezug auf Michael Corleone nur zustimmen. Eben weil er sich auch in einer Zwangslage sieht und nicht seines eigenen Schicksals Schmied ist.

Bei Mafia 1 muss ich ehrlich zugeben konnte ich die Story nicht bis zum Ende genießen, was aber mehr am handwerklichen Hintergrund des Spiels lag, weniger an der Story selbst. Bis zu diesem Punkt war es allerdings ein sehr gutes Spiel, insbesodere in Bezug auf die Story, wenngleich ich sie einfach nicht als so dunkel und fatalistisch wie in Mafia II empfand.

Leider hat mich die Steurung letztlich aus dem Spielfluss geworfen, besonders, um nicht zu sagen, allein nur die Steuerung der Fahrzeuge, die einfach zu seifenkistig war und so bei mir am Ende für zuviele Trial and Error Passagen gesorgt hat. Dennoch muss ich auch zugeben, dass ich die Regie nicht so dicht und packend wie in Mafia II fand, da sie einem vielleicht auch einfach ein wenig zuviel Freiheit gelassen hat, was bei mir immer eine Gefahr darstellt, da ich mich nur allzu gerne in Nebenbeschäftigungen verrenne (bestes Beispiel Skyrim: Nach fast 300 Stunden Spielzeit habe ich es bis heute nicht geschafft auch nur annähernd ans Ende der Main-Quest-Reihe zu geraten).
Zuletzt geändert von Aravanon am 19.01.2016 18:02, insgesamt 2-mal geändert.

Eniotas
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Re: Kolumne: Der Spieler am tragischen Abgrund

Beitrag von Eniotas » 19.01.2016 17:58

Aravanon hat geschrieben:
Eniotas hat geschrieben:
Aravanon hat geschrieben:
Kann ich natürlich oberflächlich betrachtet nachvollziehen und ich will das Spiel auch nicht über den grünen Klee loben, aber wenn ich sage, ich breche eine Lanze, dann will ich natürlich auch erklären warum ich die Aussage in der Tiefe so nicht unkommentiert stehen lassen kann.
Sage ja nicht das es schlecht nur mir hat es nicht viel gegeben. Bin großer Fan von Mafia Filme ab alles gesehen nicht nur die Filme von Scorsese und Coppola. Und in der Hinsicht hatte ich im Spiel ein DejaVu nach dem anderen. Mafia 1 fand ich persönlich da viel Origineller. Dazu fand ich die Hauptcharaktere nicht besonders Sympathisch. Aber das ist natürlich nur meine Meinung :) Und das der Hauptcharakter nur wegen seiner Familie darein rutscht und nicht etwa wegen der Geldgier wage ich auch bisschen zu bezweifeln.

Ist zwar OT aber ich finde trotzdem das Michael Corleone einer der coolsten und besten Mafia Charaktere die ich kenne. Kann den Film immer wieder gucken :)
Natürlich kann ich dir in Bezug auf Michael Corleone nur zustimmen. Eben weil er sich auch in einer Zwangslage sieht und nicht seines eigenen Schicksals Schmied ist.

Bei Mafia 1 muss ich ehrlich zugeben konnte ich die Story nicht bis zum Ende genießen, was aber mehr am handwerklichen Hintergrund des Spiels lag, weniger an der Story selbst. Bis zu diesem Punkt war es allerdings ein sehr gutes Spiel, insbesodere in Bezug auf die Story, wenngleich ich sie einfach nicht als so dunkel und fatalistisch wie in Mafia II empfand.

Leider hat mich die Stuerung letztlich aus dem Spielfluss geworfen, besonders, um nicht zu sagen, allein nur die Steuerung der Fahrzeuge, die einfach zu seifenkistig war und so bei mir am Ende für zuviele Trial and Error Passagen gesorgt hat. Dennoch muss ich auch zugeben, dass ich die Regie nicht so dicht und packend wie in Mafia II fand, da sie einem vielleicht auch einfach ein wenig zuviel Freiheit gelassen hat, was bei mir immer eine Gefahr darstellt, da ich mich nur allzu gerne in Nebenbeschäftigungen verrenne (bestes Beispiel Skyrim: Nach fast 300 Stunden Spielzeit habe ich es bis heute nicht geschafft auch nur annähernd ans Ende der Main-Quest-Reihe zu geraten).
Ja die Fahrzeuge da erinnere ich mich. Fand ich auch sehr nervig. :lol: Und dann dieses Rennen das man fahren musste weiß gar nicht mehr wie viel versuche ich gebraucht hab :D Es waren zumindest sehr viele. Aber dafür waren die Missionen sehr sehr spannend.

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Kajetan
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Re: Kolumne: Der Spieler am tragischen Abgrund

Beitrag von Kajetan » 19.01.2016 18:05

Randall Flagg78 hat geschrieben: Es gibt aber auch genug Spieler die der Meinung sind, Spiele sollten Spaß machen und sie möchten doch bitte in ihrer Freizeit nicht auch noch mit den Übeln dieser Welt konfrontiert werden.
Ja, natürlich gibt es die. Aber sie sind kein Hinderungsgrund für mehr Komplexität :)
Wichtig ist nur das Streben nach Vielfalt. Und Dank Internet und jetzt auch noch Crowdfunding bekommen wir endlich den Spielraum für eine weitere kulturelle Entwicklung von Spielen. Wenn die Majors aus diesem oder jenem Grund nicht wollen oder gar können, so what?
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Re: Kolumne: Der Spieler am tragischen Abgrund

Beitrag von Randall Flagg78 » 19.01.2016 20:26

Eniotas hat geschrieben: Es gibt schon sehr gute Gegenspieler. Natürlich gibt es auch viele Negativ Beispiele. Das ist im Buch und Fernsehen auch nicht anders.
Nur: Wo gibt es, in Spielen, Charaktere die nur annähernd an einen Walter White heranreichen? Einen Mann der unglaublich böse Dinge tut, dem es der Zuschauer aber irgendwie trotzdem nachsieht? Wo ich am Ende merke: Moment mal, ich habe diesen Mann über 5 Staffeln irgendwie innerlich verteidigt, denn es ging ja schließlich "um die Familie". Obwohl es das schon seit 4 Staffeln nicht mehr ging.
Oder an einen Jamie Lannister, wo ich trotz mehrmaligem lesen aller Song of Ice and Fire Romane immer noch nicht weiß, ob ich ihn mögen soll oder doch eher nicht?
Es mag gute Antagonisten geben, aber sie werden zu schnell für zu wenig verheizt. Ihre Motive sind oft unglaublich langweilig und billig. Man merkt das sie im Prinzip nur der einfachste Weg waren, dem Spieler irgendeine Motivation zu geben. Gleiches gilt übrigens für den Protagonisten und die Mission, die sich in 90% der Fälle auf dem Level von "Ein Mann sieht rot" oder ähnlichen Bronson Filmen aus den 60/70er befindet.
Und ganz ehrlich: Wann, oder besser gefragt, welcher Spiele Bösewicht hat einen schon jemals wirklich dazu animiert, ihn wirklich zur Strecke bringen zu wollen? Ihn regelrecht zu hassen?
Oder wann hat man mit dem Protagonisten je richtig mitgefühlt. Meistens ist es doch eher so: "Ach ja, schon klar. Frau/Kind/Bruder entführt/getötet, jetzt hinterher."

Bei einem Joffrey Baratheon sitzt man mit zufriedenem Grinsen vor dem Bildschirm, wenn er qualvoll erstickt. Genau den gleichen Effekt hat es im Buch auch.
Man hasst die Freys für die rote Hochzeit. Man mag die Lannisters nicht, bewundert aber irgendwie den alten Tywin trotzdem. Weil er zwar böse ist, aber eben zum Wohle der eigenen Familie.
Mit solchen Charakteren kann einfach kein Spiel aufwarten. Zumindest ist mir keines bekannt, welches auch nur in die Nähe der oben genannten kommt.
Last of Us mag nicht schlecht gewesen sein, aber als Film hätte das niemanden vom Hocker gerissen, wenn wir mal ganz ehrlich sind.

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Re: Kolumne: Der Spieler am tragischen Abgrund

Beitrag von Eniotas » 19.01.2016 21:04

Randall Flagg78 hat geschrieben:
Eniotas hat geschrieben: Es gibt schon sehr gute Gegenspieler. Natürlich gibt es auch viele Negativ Beispiele. Das ist im Buch und Fernsehen auch nicht anders.
Nur: Wo gibt es, in Spielen, Charaktere die nur annähernd an einen Walter White heranreichen? Einen Mann der unglaublich böse Dinge tut, dem es der Zuschauer aber irgendwie trotzdem nachsieht? Wo ich am Ende merke: Moment mal, ich habe diesen Mann über 5 Staffeln irgendwie innerlich verteidigt, denn es ging ja schließlich "um die Familie". Obwohl es das schon seit 4 Staffeln nicht mehr ging.
Oder an einen Jamie Lannister, wo ich trotz mehrmaligem lesen aller Song of Ice and Fire Romane immer noch nicht weiß, ob ich ihn mögen soll oder doch eher nicht?
Es mag gute Antagonisten geben, aber sie werden zu schnell für zu wenig verheizt. Ihre Motive sind oft unglaublich langweilig und billig. Man merkt das sie im Prinzip nur der einfachste Weg waren, dem Spieler irgendeine Motivation zu geben. Gleiches gilt übrigens für den Protagonisten und die Mission, die sich in 90% der Fälle auf dem Level von "Ein Mann sieht rot" oder ähnlichen Bronson Filmen aus den 60/70er befindet.
Und ganz ehrlich: Wann, oder besser gefragt, welcher Spiele Bösewicht hat einen schon jemals wirklich dazu animiert, ihn wirklich zur Strecke bringen zu wollen? Ihn regelrecht zu hassen?
Oder wann hat man mit dem Protagonisten je richtig mitgefühlt. Meistens ist es doch eher so: "Ach ja, schon klar. Frau/Kind/Bruder entführt/getötet, jetzt hinterher."

Bei einem Joffrey Baratheon sitzt man mit zufriedenem Grinsen vor dem Bildschirm, wenn er qualvoll erstickt. Genau den gleichen Effekt hat es im Buch auch.
Man hasst die Freys für die rote Hochzeit. Man mag die Lannisters nicht, bewundert aber irgendwie den alten Tywin trotzdem. Weil er zwar böse ist, aber eben zum Wohle der eigenen Familie.
Mit solchen Charakteren kann einfach kein Spiel aufwarten. Zumindest ist mir keines bekannt, welches auch nur in die Nähe der oben genannten kommt.
Last of Us mag nicht schlecht gewesen sein, aber als Film hätte das niemanden vom Hocker gerissen, wenn wir mal ganz ehrlich sind.
Da hast du recht. An Breaking Bad kommt sicherlich von den Charakteren (noch) kaum ein Spiel ran. Aber das ist auch die Creme de la Creme der Serien Unterhaltung. Wie viel Charaktere eines Walter Whites gibt es denn da draußen ? Viele fallen mir nicht ein. Kevin Spacey in House of Cards würde mir noch einfallen. Aber Breaking Bad ging auch über 5 Staffeln. Ich sehe wie du nachhol Bedarf und das man sicher noch einiges besser machen kann. Aber so schlecht wie dargestellt ist es auch nicht. Ein Bioshock Infinite, The Witcher 3 oder The Last of Us ist meiner Meinung nach Unterhaltung auf höchsten Niveau wo selbst viele Filme und Serien nicht mithalten können. Und auch von den "Unangenehmen" Spielen gibt es schon ein paar. Ich nenne einfach mal This War of Mine.

Hast mich grad selbst bisschen ins Grübeln gebracht welcher Antagonist mir wirklich gefallen hat. Und ich muss zustimmen so viele gibt es wirklich nicht die einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Andrew Ryan fand ich ganz gut weil er sehr gute Motive hat denen man auch teilweise zustimmen kann. Achja welcher Antagonist mir super gefallen hat war Handsome Jack aus Borderlands. Das war wirklich kein schlechter Charakter grad wenn man das Prequel gespielt hat.

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dx1
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Re: Kolumne: Der Spieler am tragischen Abgrund

Beitrag von dx1 » 19.01.2016 21:26

John Doe in Seven (wieder Kevin Spacey) und der T-800 in T1, der T-1000 in T2 sollten nicht vergessen werden. Um die Antagonistinnen zu nennen, die mir wohl immer im Gedächtnis bleiben werden, muss ich ein bisschen tricksen. Dann kann ich sofort Aileen Wuornos, gespielt von Charlize Theron, nennen. Außerdem als "echte fiktive Antagonistinnen": Annie Wilkes (Kathy Bates) in Misery und Hedra Carlson (Jennifer Jason Leigh) in Single White Female.

Da den meisten Entwicklern und Spielern bei Spielen das Gameplay, die Spielmechanik wichtiger ist, als die Geschichte, die erzählt wird, werden solche Gegenspieler auch höchstwahrscheinlich für lange Zeit die Ausnahme bleiben, wenn wir sie denn überhaupt je erleben (wollen).
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3nfant 7errible
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Re: Kolumne: Der Spieler am tragischen Abgrund

Beitrag von 3nfant 7errible » 19.01.2016 21:50

Bei aller kulturellen Freude darüber, dass das Medium Spiel endlich das schlechte Gewissen, den familiären Schmerz oder besser: die Tragik für sich entdeckt: Letztlich kommt es nie darauf an, was in einem Spiel erzählt wird, sondern nur darauf, wie es inszeniert wird. Nur weil es um Aids, Abtreibung, Kindersoldaten, Tierquälerei, Vergewaltigung, Terrorismus oder Nationalsozialismus geht, wird ein Spiel aus der Perspektive eines Kritikers nicht umgehend wertvoller oder wichtiger ...

Sobald man „Press Start“ drückt, muss hinter dem Vorhang mehr sein als ein Vorleser mit einem heiklen oder emotionalen Text. Es muss auch so dargestellt werden, dass eine Brücke zwischen Bühne und Publikum, also Spiel und Spieler entsteht. Es reicht nicht, ernste Themen anzugehen ...
Joa, ungefähr so hab ich es auch immer gesehen - und mich mit dieser Sichtweise immer als Teil einer winzigen Minderheit gefühlt

Und meiner Erfahrung nach, ist das auch ganz und gar nicht die übliche "Perspektive eines Kritikers". Da hilft jetzt auch dieses hier genannte Beispiel nicht. Es ist höchstens die Ausnahme, die die Regel bestätigt.

Auch beim Film ist es doch nicht anders....zwar findet jeder Komödien toll und kann auch herzhaft dabei lachen, aber am Ende gewinnen die doch keine Preise. Am Ende sind es vorrangig immer die Dramen, die von menschl. Tragödien erzählen, die zb den Oscar gewinnen. Nimm ein trauriges/schlimmes/schreckliches/deprimierendes Thema und du hast schon die halbe Miete >.>

Ich denke das liegt vor allem auch an dieser typischen Cord-Anzug-mit-Rollkragen-Pulli, Grüner-Tee-und-am-Brillen-Bügel- Geknabber, während-die-Beine-überschlagen-sind-Kultur des Kritikertums, das sich immer so erbärmlich übertrieben kulturinteressiert und intellektuell an das Bildungsbürgertum anbiedern will, während man sich mit aller Macht vom einfachen, lachenden, vulgären Plebs-Gesindel, diesen dämlichen, lebensbejahenden Einfallspinseln, unverzagten schlichten Gemütern mit ihrem unerschütterlichen joie de vivre, distanzieren will.

Meiner Meinung nach sollten Kritiker medienübergreifend viel häufiger die platten Trauerweiden-Werke abstrafen und mehr Mut zum Hedonismus zeigen :Häschen:

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Das Miez
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Re: Kolumne: Der Spieler am tragischen Abgrund

Beitrag von Das Miez » 19.01.2016 21:51

Randall Flagg78 hat geschrieben:
Eniotas hat geschrieben: Es gibt schon sehr gute Gegenspieler. Natürlich gibt es auch viele Negativ Beispiele. Das ist im Buch und Fernsehen auch nicht anders.
Nur: Wo gibt es, in Spielen, Charaktere die nur annähernd an einen Walter White heranreichen? Einen Mann der unglaublich böse Dinge tut, dem es der Zuschauer aber irgendwie trotzdem nachsieht? Wo ich am Ende merke: Moment mal, ich habe diesen Mann über 5 Staffeln irgendwie innerlich verteidigt, denn es ging ja schließlich "um die Familie". Obwohl es das schon seit 4 Staffeln nicht mehr ging.
Oder an einen Jamie Lannister, wo ich trotz mehrmaligem lesen aller Song of Ice and Fire Romane immer noch nicht weiß, ob ich ihn mögen soll oder doch eher nicht?
Es mag gute Antagonisten geben, aber sie werden zu schnell für zu wenig verheizt. Ihre Motive sind oft unglaublich langweilig und billig. Man merkt das sie im Prinzip nur der einfachste Weg waren, dem Spieler irgendeine Motivation zu geben. Gleiches gilt übrigens für den Protagonisten und die Mission, die sich in 90% der Fälle auf dem Level von "Ein Mann sieht rot" oder ähnlichen Bronson Filmen aus den 60/70er befindet.
Und ganz ehrlich: Wann, oder besser gefragt, welcher Spiele Bösewicht hat einen schon jemals wirklich dazu animiert, ihn wirklich zur Strecke bringen zu wollen? Ihn regelrecht zu hassen?
Oder wann hat man mit dem Protagonisten je richtig mitgefühlt. Meistens ist es doch eher so: "Ach ja, schon klar. Frau/Kind/Bruder entführt/getötet, jetzt hinterher." [...]
Hmm, je länger man drüber nachdenkt, desto schwieriger wird es. ;)
Ich wollte zuerst etwas sagen wie "ja, gut - aber Breaking Bad umfasst ja 5 Staffeln, wie soll das denn ein Videospiel stemmen?", muss mir aber eingestehen, dass ein längeres Adventure oder RPG dazu durchaus in der Lage sein sollte. An Länge und Umfang soll es nicht scheitern, schließlich gibt es in zahlreichen Einzelfilmen von mitunter weniger als 2h Dauer genügend Charaktere, die sich über die Jahrzehnte ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben...
Fällt mir grad etwas schwer, an Protagonisten und Antagonisten aus der Videospielgeschichte zu denken, auf die man auch während einer Diskussion auf einer Party schwören würde. Kommt auch auf den eigenen Geschmack an - mir gefiel seinerzeit Garrus Vakarian aus Mass Effect ganz gut...Yuri Lowell (Tales of Vesperia) für seine überraschende, notfalls kompromisslose Art...derzeit der Blutige Baron als tragische Figur...Irenicus und Ryan würde ich auch ins Boot nehmen, wobei ich bei diesen ein wenig das Problem habe, dass sie über weite Strecken nicht greifbar oder präsent sind, vor allem im ersten Fall...Max Payne (1/2) und Carth Onasi (hier auch mit dem Twist der eigenen Spielfigur) ebenfalls als Figuren, mit denen es das Leben nicht so gut meint^^...George Stobbart war in meiner Kindheit eine gern gespielte Figur...Guybrush Threepwood als Klamauk-Figur über mehrere Teile hinweg erfreut sich ja bis heute großer Beliebtheit...(wenn man es nicht nur bei Ernsthaftigkeit und Tiefgründigkeit belässt).

Nicht selten sind's ja auch NPCs bzw. Nebenfiguren, die mit ihrem gewissen Etwas bestechen - oft und gerne aus dem Hause Rockstar blieben mir da schon einige in Erinnerung (Gay Tony, Yusuf Amir).

Was sonst bleibt, sind natürlich "archetypisch coole" Charaktere, hier vor allem die Badass-Fraktion mit Dante, Bayonetta und Konsorten, ansonsten z. B. noch die Sidekick-Fraktion. Mischungen möglich. ;)

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Re: Kolumne: Der Spieler am tragischen Abgrund

Beitrag von Eniotas » 19.01.2016 22:19

dx1 hat geschrieben:John Doe in Seven (wieder Kevin Spacey) und der T-800 in T1, der T-1000 in T2 sollten nicht vergessen werden. Um die Antagonistinnen zu nennen, die mir wohl immer im Gedächtnis bleiben werden, muss ich ein bisschen tricksen. Dann kann ich sofort Aileen Wuornos, gespielt von Charlize Theron, nennen. Außerdem als "echte fiktive Antagonistinnen": Annie Wilkes (Kathy Bates) in Misery und Hedra Carlson (Jennifer Jason Leigh) in Single White Female.

Da den meisten Entwicklern und Spielern bei Spielen das Gameplay, die Spielmechanik wichtiger ist, als die Geschichte, die erzählt wird, werden solche Gegenspieler auch höchstwahrscheinlich für lange Zeit die Ausnahme bleiben, wenn wir sie denn überhaupt je erleben (wollen).
Unerreicht wo Kevin Spacey in Seven in Polizei Revier marschiert :lol: Nochmal Kevin Spacey wäre auch in the Usual Suspects da blieb er mir auch lange im Gedächtnis einfach grandios gespielt. Heath Ledger als Joker war auch sehr gut. Oder Jack Nicholson in Shining. Einer meiner Lieblinge ist auch noch Anton Chigurh gespielt von Javier Bardem in No country for old men und Billy Bob Thornton in der Serie Fargo :lol: Wer sich auch bei mir eingebrannt hat ist 2x Daniel Day Lewis in Gangs of New York und There will be Blood.

Das sind sicher alles Antagonisten die man so schnell leider in keinen Spiel finden wird.

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Re: Kolumne: Der Spieler am tragischen Abgrund

Beitrag von mr archer » 19.01.2016 23:34

Bemerkenswerte Videospiel-Antagonisten? Shodan (System Shock 1+2). Karass (Thief 2). Und wenn es um rechtschaffenden Hass geht - der Gegenspieler in Deadly Premonition. Dann hätten wir noch Pyramid Head in Silent Hill 2. Und ein paar mehr fielen mir da schon noch ein.
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Meine Texte und Fotos http://brotlos.weebly.com


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Re: Kolumne: Der Spieler am tragischen Abgrund

Beitrag von Aravanon » 20.01.2016 14:32

Also in der Videospielhistorie fällt mir spontan ein Name ein: Albert Wesker.

Klar, der Vogel war unsympatisch, war ja schließlich auch der Vorgesetzte in Resident Evil 1, aber dass er die ganze Zeit für Umbrella arbeitet war vorerst nicht abzusehen und so hat man sich schlicht verraten und benutzt von ihm gefühlt, was auch eine gewisse emotionale Regung hervorgerufen hat, so dass ich in Resident Evil 5 besonders den Bossfight und sein darauf folgendes Ableben gefeiert habe.

Ich glaube zwar nicht, dass Antagonisten etwas mit dem Weg in den Abgrund zu tun haben, aber schließlich hat sich ja eine Meta-Diskussion entwickelt, die versucht aufzuzeigen wo Videospiele noch viel ungenutztes Potential der Tragik oder des Dramas liegen lassen.

Generell würde man, wenn man sich jetzt auf Antagonisten einschießen würde, die eine emotionale Reaktion ausgelöst haben noch einige mehr finden, aber Albert Wesker ist mir als dreckiger Schweinehund und Verräter in Erinnerung geblieben, den ich mit Freuden durch mehrere Serienteile gejagt habe.

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Re: Kolumne: Der Spieler am tragischen Abgrund

Beitrag von godsinhisheaven » 21.01.2016 09:25

Sephiroth!!!
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Re: Kolumne: Der Spieler am tragischen Abgrund

Beitrag von Imperator Palpatine » 21.01.2016 13:44

dx1 hat geschrieben:John Doe in Seven (wieder Kevin Spacey) und der T-800 in T1, der T-1000 in T2 sollten nicht vergessen werden. Um die Antagonistinnen zu nennen, die mir wohl immer im Gedächtnis bleiben werden, muss ich ein bisschen tricksen. Dann kann ich sofort Aileen Wuornos, gespielt von Charlize Theron, nennen. Außerdem als "echte fiktive Antagonistinnen": Annie Wilkes (Kathy Bates) in Misery und Hedra Carlson (Jennifer Jason Leigh) in Single White Female.

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Ein weibliche Antagonistin der man über aller Maßen den Tod wünscht ?
" Mrs. Carmody " die religiöse Fanatikerin aus dem Film " Der Nebel".

Ansonsten ist es ( noch ? ) das Problem der Videospielindustrie dass kreative Autoren ein rares Gut sind. Sei es aufgrund der mangelnden Finanzierung/Fokussierung durch die Publisher oder durch die möglicherweise immer noch existierende Distanz der schreibenden Zunft zum Medium Videospiele wenn es um ernsthafte Themen geht.

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D_Radical
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Re: Kolumne: Der Spieler am tragischen Abgrund

Beitrag von D_Radical » 22.01.2016 01:14

Spoiler - TheWalkingDead(Game)-Season2

SpoilerShow
Also ich hab Clementine zugucken lassen, als William Carver der Schädel eingeschlagen wurde.
Und das lag nicht zuletzt daran, dass ich diesen Charakter überzeugender fand, als sein TV-Serien-Gegenpendant.

Spoiler - TheWalkingDead(TV)-Season4
SpoilerShow
Damit mein ich den Governor. Bei dessen Tot habe ich zwar so laut gejubelt wie... ich glaube wie noch nie. Das lag aber vor allem daran, dass mir seine Zerstörungswut langsam auf den Sack ging, weil das Drehbuch diese in dem Maße imo nicht mehr genügend begründen konnte.

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