Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anita Sarkeesian nie meine sein wird

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cHL
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von cHL » 09.09.2014 10:59

Sharkie hat geschrieben:...
nein. das werde ich nicht akzeptieren. wer solche sprüche klopft sollte die begriffe kennen, die er verwendet.
dass sexualisierung immer mit sexismus gleichgesetzt wird, ist ein grund warum tatsächliche feministische/gleichberechtige anliegen immer wieder ins lächerliche gezogen werden.

sex hat nichts mit herabwürdigung zu tun. selbst wenn man sich an einer person nur für die sexuellen merkmale bzw. eine potentielle handlung interessiert, heißt dass nicht, dass man der person weniger respekt gegenüber bringt. das sind zwei verschiedene paar schuhe, die sich mitunter überschneiden, aber in keinem direkten zusammenhang stehen.

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3nfant 7errible
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von 3nfant 7errible » 09.09.2014 11:56

Sir Richfield hat geschrieben:
J_B_Hunter hat geschrieben:Lasst uns den Spieß doch einfach mal umdrehen.
Warum sind die "Bösen" fast immer Männlich? Ist das nicht auch diskriminierend und sexistisch?
Auch da verfallen Spielehersteller nur zu gern in ein Klischee und trotzdem beschwert sich niemand.
Ich finde so ein Thema sollte man von beiden Seiten betrachten und nicht immer nur einen Standpunkt beleuchten.
Du spielst nicht genug Spiele. ;)
wollt ich auch gerad sagen
Problem ist, warum sind die "bösen" Frauen gleich alles Lederfetischistinnen, Dominas oder haben aus anderen Gründen grundsätzlich weniger an als die "guten" Frauen?
hätt ich nicht gesagt :wink:
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andererseits....
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wie so häufig wird man für alles genug Beispiele finden, wenn man nur lang genug gesucht :)

Wenn es sowas wie eine Regel für Bösewichte gibt, dann würd ich sagen, es ist eher ihre Neigung schwarz zu tragen, vielleicht auch Narben im Gesicht..... aber ich wette nicht mal das ist wirklich wahr und man fände mehr als genug Gegenbeispiele

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Prypjat
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von Prypjat » 09.09.2014 15:08

Liebe Frau Wilczynski,

ich habe Ihren Artikel mit Spannung gelesen, denn dieses Thema interessiert mich sehr.
Seit nunmehr 22 Jahren zocke ich auf allen Systemen Querbeet. Das bringt mich zu der Frage, ob Männer (also ich) wirklich nicht darüber nachdenken, wenn eine Dralle Abenteurerin auf dem Bildschirm Akrobatische Hochleistungen vollbringt.
Ist das so weil es uns schlicht egal ist oder weil wir über die letzten 2 Jahrzehnte daran Medial gewöhnt wurden?

Bei Männlichen Charakteren ist es mir wirklich egal, denn solange der Charakter in seine Rolle passt bin ich mit dem Spiel im Reinen. Mich bedrücken beim zocken nicht die Fragen, warum der jetzt mehr Muskeln hat als ich oder Fitter ist als ich oder einen längeren Penis hat.
Warum auch? Man stelle sich nur einen Duke mit Piepsstimme und Pickeln vor. Das Konzept würde doch gar nicht aufgehen.

Auf der Weiblichen Seite muss man es etwas differenzierter sehen.
Es gibt natürlich Spiele die direkt darauf abzielen die Frau als Sexualobjekt darzustellen. Das sind dann aber weniger die Spiele die Sie aufgezählt haben. Das sind vielmehr Spiele mit wenig bis gar keinen Tiefgang und die normalerweise nur in der Pubertät konsumiert werden. Das sind Spiele wie "WET - The Sexy Empire", "Leisure Suit Larry" oder andere Pubertätsspiele, über die man(n) heute nur noch lächeln kann und so seine Erinnerungen an die eigene Jugend hat.

Dann gibt es noch Spiele wie Bayonetta mit der Gleichnamigen Protagonistin oder Rikku aus Final Fantasy.
Diese zähle ich zur Japanischen Spielekultur und das die Japaner ein anderes Empfinden zum Weiblichen Geschlecht haben, dürfte jedem hier im Forum klar sein. Gelinde gesagt wirkt es für die meisten Westlichen Bürger so, als hätten Japaner einen an der Klatsche oder in der Grafik- und Animationsabteilung arbeiten nur Jugendliche mit Brille und Pickeln im Gesicht, die außer ihrer Mutter nie eine andere Frau gesehen haben.

Im Westlichen Entwicklerbereich sieht man eher weniger aufgebrezelte Weibliche Helden.
Ich zermatere mir meinen Kopf, aber mir fällt jetzt nur Lara Croft ein. Doch wenn man sich die Ur-Lara mal ansieht, dann sehe ich zumindestens nur die fehlenden Ressourcen der damaligen Technik.
Ich habe mir damals auch gar keine Gedanken über die Person Lara Croft gemacht. Die Stilisierung der Figur Lara Croft wurde ab den zweiten Teil von den Medien vorgenommen und die Entwickler sind darauf eingegangen und deshalb hatte wir am Ende (bis zum Remake) eine Frau Croft, die für Archäologische Ausgrabungen nicht ungeeigneter hätte sein können.
Doch auch darüber habe ich mir erst gedanken gemacht, als das Thema Sexismus in Games anwuchs, wie die Brüste von Frau Croft mit jedem neuen Teil.

Ich spielte dennoch nicht, um Frau Croft zu sehen, sondern um Abenteuer zu erleben. Das hatte sich dann aber nach dem dritten Teil erledigt, denn um so mehr die Brüste anschwollen, um so flacher wurde das Charakterbild von Frau Croft. Mit dem Remake ist den Entwicklern immerhin ein Schritt in die richtige Richtung gelungen.

Ich kann nachvollziehen, wenn Sie sich durch dieses Mediale Bombardement gestört fühlen.
Selbst mir als Mann geht es mittlerweile nur noch auf den Keks. Jeder Werbeheini und Filmfutzi füllt seine Filme (egal welches Genre) mit heißen Leibern, doch Schauspielerisch bleibt dabei viel auf der Strecke.
Das selbe ist es mit Spielen. Mir als Mann reicht es nicht wenn nur eine knapp bekleidete Junge Dame im Spiel ist (ala Lollipop Chainsaw).
Solche Spiele locken doch höchstens 15 Jährige hinter den Ofen vor.

Was Frau Sakeesian angeht, so kann ich Ihnen nur zustimmen. Was diese Person angeht hatte ich das selbe Gefühl von Anfang an, weshalb ich mich auch nie in die Disskusionen eingeklinkt habe. Im Prinzip haben erst Sie den Anstoß dazu gegeben, denn Sie haben mir gezeigt, dass es von der Weiblichen Seite aus eine Vernünftige herangehensweise geben kann und ich hoffe für Sie und alle Gamer (ob weiblich oder männlich), dass wir in Zukunft nicht nur Spiele mit Geschlechtsmerkmalen bekommen, sonder auch Spiele mit Story und Spannung.

Wenn ich die Releases für dieses und die nächsten zwei Jahre sehe, so sehe ich einen Hoffnungsschimmer.
Die Meinungen der Spieler sind den Entwicklern nicht mehr so egal, wie vor Jahren noch.

In diesem Sinne "happy fragging" und noch einen schönen Tag.

*Edit: Satzbau war Mist* :)
Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, "wo kämen wir hin" und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.

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jadendx
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von jadendx » 10.09.2014 16:30

Mal eine der wenigen Frauen die sich über dieses Thema äußern!
Ich bin schon deiner Meinung dass Frauen anders dargestellt werden sollten, da selbst mir, als Mann, die ganzen hüpfenden Brüste und knappen Höschen, wo man schon mehr Fantasie braucht sich die Dame in langen Hosen vorzustellen, als anders herum, schon kräftig nerven!
Ich meine: Was wäre ein The last of us, wenn Ellie eine anfang 20 Jährige, blonde Dame mit langem Haar wäre, welche durch den Ausbruch der Infizierten leider keine Zeit hatte, sich lange Winterkleidung einzupacken? - Acha, sie würde dann warscheinlich noch Chantal heißen (Stereotyp off)!

Nun mal ganz im ernst:
Sarkeesian hat absolut keine Ahnung von Videospielen.
Allein die Tatsache, dass sie ''damals'' sich bei Rainbow Six - Siege aufgeregt hat, dass eine Frau als Geisel gezeigt wurde, welche nicht in der Lage ist, sich selbstständig zu wehren.
Ich meine, ob Frau oder Mann, wenn 5 oder mehr schwer bewaffnete Menschen in deine Wohnung/Haus stürmen, würde sich wohl niemand (ausser Steven Seagal) todesmutig auf diese Personen losgehen!
Und selbst ich als gestandener Mann hätte warscheinlich erstmal eine nasse Hose!

Mehr muss ich dazu nicht mehr sagen :)

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Sevulon
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von Sevulon » 10.09.2014 23:39

LePie hat geschrieben:
mr archer hat geschrieben:eben das Spiderwoman-Bild mal meiner Freundin gezeigt. Ich zitiere: "Sexistische Kackscheiße". Es fiel dann noch die Einschätzung, sie werde als "F***fleisch" präsentiert.
Mit Verlaub, deine Freundin hat ein Problem. Ich könnte es ja verstehen, wenn man bei Black Cat dergestalt austickt
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aber bei Spiderwoman in der typischen Spider(wo)man-Pose, insbesondere da noch nicht einmal der typische Superheldinnenausschnitt
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zu sehen ist ...
Das ist ein lustiges Thema, dieser Sexismusvorwurf bei Comics. Vor allem wenn man dann die Comicabteilung verlässt und auf den Weg zur Kasse über die "romantischen Frauenromane" stolpert, die meine Mutter, Tanten und meine Oma auch immer gerne lesen. Die sehen nämlich so aus:

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"There are no choices. Nothing but a straight line. The illusion comes afterwards, when you ask "Why me?" and "What if?". If you had done something differently, it wouldn't be you, it would be someone else, asking different questions."

MasterCrain
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von MasterCrain » 11.09.2014 03:30

Was die Liebesromane angeht... Ich Oute mich mal, ich lese die als Kerl selber schon mal gerne. Zumindest die Fantasy Variante davon (Und nein nicht "Twilight", dafür aber "Seelen" von der selben Autorin das ist viel besser ;)

So worauf ich hinauswill. Diese Bücher haben als Zielgruppe zu 90% Frauen würde ich behaupten. Also sind sie für Frauen geschrieben. Richtig? Worum geht es also in diesen Büchern? Um selbstbewusste, reife Frauen die nicht übersexualisiert werden und nette Bodenständige Kerle, die mehr bieten als gutes aussehen? Tja Falsch.
Ich habe über 100 Bücher dieses Genre hier stehen (sogar einige von den Bildern hier) und gelesen und in JEDEM ist die Hauptcharaktereigenschaft des Mannes sein gottgleiches Aussehen und seine animalische einstellung gegenüber Sex. In den meisten der Bücher verfällt die Frau diesem vollkommen obwohl sie ihn anfangs nicht leiden kann. Oft entführt der Mann sie sogar (weil sie Schicksalsgefährten sind oder etwas ähnliches) oder zwingt ihr andersweitig seinen Willen auf, gerne auch in Form einer sexuellen Belästigung.
Die Frau kann ihm nicht widerstehen und verfällt ihm schließlich völlig. Diese Beziehungen sind fast immer von einem dominanten Mann geprägt, der sich seiner Überlegenheit auch bewusst ist. Das heißt nicht das er die Protagonistin nicht liebt im gegenteil, er würde alles tun um sie zu beschützen und zu behüten, auch gegen ihren willen. Er weiß es halt besser.
Grade in den Romantik Fantasy Büchern, bei denen noch einiges an Action dazu kommt ist die Protagonistisch schwach und Hilflos im Angesicht der übernatürlichen Feinde und muss vom männlichen Helden beschützt und behütet werden.


Es mag sein das dies ein spezielles Stilmittel ist das Autoren nur in Romantik Fantasy Romanen benutzen aber auffällig ist es schon. Man könnte fast meinen die weibliche Zielgruppe wünscht sich diese Art von Mann. Oder fantasiert gerne davon.

PS: Zur Vorsicht möchte ich erwähnen,d ass dies nicht meine persönliche Meinung wiederspiegelt und das es unter den Romantik Fantasy Romanen sicher auch ausnahmen gibt. Von ganz normalen Romantik Romanen habe ich übrigens gar keine Ahnung, vieleicht sieht es da ganz anders aus.

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Sir Richfield
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von Sir Richfield » 11.09.2014 09:28

Sevulon hat geschrieben:Die sehen nämlich so aus:
Ich mag dein Argument, aber was sagt es über dich aus, das du so schnell so viele Beispiele auffinden konntest? ;)

Hat die mal jemand gelesen? Irgendwie habe ich so beim Durchfliegen das Gefühl, dass die auch nur objektivierende Softpornos sind, in denen alle Klischees bedient werden, die es so gibt.
Almost expecting this, your Mantis calmly responds to the trap. | Posting around at the speed of diagonal. | 3-2-1, eure Meinung ist nicht meins. | There's a problem on the horizon. ... There is no horizon.

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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von MasterCrain » 11.09.2014 11:59

Sir Richfield hat geschrieben:
Sevulon hat geschrieben:Die sehen nämlich so aus:
Ich mag dein Argument, aber was sagt es über dich aus, das du so schnell so viele Beispiele auffinden konntest? ;)

Hat die mal jemand gelesen? Irgendwie habe ich so beim Durchfliegen das Gefühl, dass die auch nur objektivierende Softpornos sind, in denen alle Klischees bedient werden, die es so gibt.
Ja ich hab von den oben genannten zumindest 2 gelesen (siehe meinen Kommentar) ^^

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Sevulon
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von Sevulon » 11.09.2014 15:11

Ich habe auch mal in ein paar hineingelesen [meine Mutter steht, wie gesagt, unheimlich auf das Zeugs] und es ist wirklich so wie von MasterCrain beschrieben. Manchmal ist die Protagonistin zwar eine selbstbewusste, starke Frau, muss allerdings trotzdem regelmäßig von einem unnahbar erscheinenden, gottgleichen Macho gerettet werden, in den sie sich unsterblich verliebt. Bei aller Streitkultur um die "Damsel in Distress" Thematik - auch beim weiblichen Publikum ist sie offenbar noch immer eine sehr beliebte Fantasie, die sich gut verkauft.

Ich sehe hier also gar nicht das große Problem. Die Männer wollen offenbar als Helden die Frau in Nöten retten und die Frauen träumen davon von ihrem Helden errettet zu werden. Die Fantasien sind also kompatibel. Wieso wird sich darüber beschwert?

In diesem Sinne: Bonnie Tyler - Holding out for a Hero
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von Temeter  » 11.09.2014 15:31

Jep. Tropes spielen immer auf Gedanken/Reaktionen, ob nun bewusst oder unterbewusst, an. Im Filmbereich ist sowas z.B. voll akzeptiert. Ab und zu schlägt mal jemand über die Stränge, aber allzugroßen Protest gibts auch im Angesicht einer völlig bescheuerten Machete nicht. Wir wissen das es dämlich ist, der Filmmacher weiß es, und damit hat es sich. Frauen werden das Ding einfach eher ignorieren als Männer.

James Bond geht ebenfalls durch, obwohl kaum eine Filmreihe sonst so für die 'sexistische' Schiene berühmt ist. Und wo wir bei Müttern sind, meine liest vielleicht nicht die genanten Romane, guckt sich die Filme aber durchaus gerne an.


Das wichtige bei Trope ist schlichtweg deren Wirkung, welche sie auf ein Zielpublikum haben. Deswegen ist eine feministische, an eine leichte Ideologie grenzende, Analyse ziemlich nutzlos, wenn es um eine Anleitung zur Nutzung von Tropes geht. Und wiederum, warum z.B. dieser Kommentar hier tatsächlich nützliche Substanz besitzt.

Jaggo
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von Jaggo » 12.09.2014 10:18

Auch wenn es vielleicht schon erwähnt wurde: Die Kritik von Alice an Anita Sarkeesians Projekt geht größtenteils in Leere. Das Problem ist, dass Anita nie den Anspruch hatte, der ihr von Kritiker/innen unterstellt wird. Es geht ihr nicht darum, die "Unterdrückung von Frauen" in bestimmten Videospielen darzustellen, sondern zu untersuchen, welche weiblichen Geschlechterklischees in Videospielen immer wieder auftauchen und diese zu kategorisieren. Der Kontext des jeweiligen Spiels ist bei dieser Fragestellung tatsächlich egal, sie sagt ja auch ausdrücklich, dass es ihr nicht darum geht, einzelne Spiele zu kritisieren und das man Kritik üben und trotzdem Spaß an einem Spiel haben kann.
Man kann Anita Sarkeesian vielleicht vorwerfen, dass dieser Ansatz zu kurz gegriffen ist, aber Fakt ist, dass sie nie mehr behauptet hat und dies auf ihrer Webseite, beim Kickstarter und in den Videos auch immer deutlich macht. Was der Kommentar hier (wie viele andere Kritiken auch) macht, ist größtenteils ein klassisches Strohmann-Argument, von 4players hätte ich mir da einen etwas fundierteren Kommentar gewünscht.
P.S.:
Positiv ist aber auf jeden Fall, dass die folgende Diskussion (soweit ich sie verfolgt habe) deutlich gesitteter war, als bei den Pro-Anita Artikeln an anderen Stellen :)

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muecke-the-lietz
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von muecke-the-lietz » 12.09.2014 10:49

Jaggo hat geschrieben:Auch wenn es vielleicht schon erwähnt wurde: Die Kritik von Alice an Anita Sarkeesians Projekt geht größtenteils in Leere. Das Problem ist, dass Anita nie den Anspruch hatte, der ihr von Kritiker/innen unterstellt wird. Es geht ihr nicht darum, die "Unterdrückung von Frauen" in bestimmten Videospielen darzustellen, sondern zu untersuchen, welche weiblichen Geschlechterklischees in Videospielen immer wieder auftauchen und diese zu kategorisieren. Der Kontext des jeweiligen Spiels ist bei dieser Fragestellung tatsächlich egal, sie sagt ja auch ausdrücklich, dass es ihr nicht darum geht, einzelne Spiele zu kritisieren und das man Kritik üben und trotzdem Spaß an einem Spiel haben kann.
Man kann Anita Sarkeesian vielleicht vorwerfen, dass dieser Ansatz zu kurz gegriffen ist, aber Fakt ist, dass sie nie mehr behauptet hat und dies auf ihrer Webseite, beim Kickstarter und in den Videos auch immer deutlich macht. Was der Kommentar hier (wie viele andere Kritiken auch) macht, ist größtenteils ein klassisches Strohmann-Argument, von 4players hätte ich mir da einen etwas fundierteren Kommentar gewünscht.
P.S.:
Positiv ist aber auf jeden Fall, dass die folgende Diskussion (soweit ich sie verfolgt habe) deutlich gesitteter war, als bei den Pro-Anita Artikeln an anderen Stellen :)
ist leider nicht ganz unwahr, sehe das tatsächlich ähnlich.

allerdings sind solche artikel hier natürlich wesentlich effizienter, wenn man ein bestimmtes ziel erreichen möchte. einerseits hat man das gefühl, es hier mit einer gamerin zu tun zu haben, andererseits ist die kritik handfester und greifbarer und man kann was damit anfangen.

anitas arbeit ist zum teil recht akademisch und setzt schon einen gewissen erfahrungshorizont voraus. das merkt man halt vor allem an dem extremen unverständnis, das ihr entgegen gebracht wird.

der kommentar hier ist aber für jeden verständlich und nachvollziehbar, die kritik geht nicht ins leere und provoziert nicht so einen shitstorm. und man versteht, dass es durchaus eine nachfrage nach gut geschriebenen weiblichen charakteren gibt.

denn am ende gibt es eine begrenzte anzahl an tropes, aus denen man sich mehr oder weniger immer wieder bedient. selbst die starken heldinnen bestehen oftmals ja nur aus klischees aus der mottenkiste. etwas mehr diversität würde da schon nicht schaden und wäre wünschenswert.

allerdings ist es da wenig hilfreich, einen roundhouse kick zu vollführen, wie es anita gemacht hat. denn sie damit beinahe die gesamte gaming gemeinde gegen sich aufgebracht und dafür gesorgt, dass videospiele in zeitungen wie spiegel und einigen berichten im tv endlich wieder diffamiert werden dürfen. gerade im spiegel hat man sich schnell wieder an die gute alte killerspiel diskussion erinnert. einfach, weil ihre beispiele dermaßen kontextbefreit sind, dass es für außenstehende, für nicht gamer, automatisch zu missverständnissen kommen muss.

da ist die spiele szene plötzlich wieder von mittelalterlichen geschlechtervorstellungen durchzogen, da gibt es wieder die pickeligen nerds, die nicht verstehen, dass frauen heute emanzipiert sind, da flüchten sich sozial erfolglose junge männer wieder in fantasiewelten, wo sie frauen unterwerfen können um sich bestätigung zu holen.
das alles kennt man schon, es war damals nicht wahr und es ist heute nicht wahr. es mag solche fälle geben, aber es ist ja auch nicht jeder kirchendiener ein kinderschänder. diese klischees mögen ihren ursprung in realen fällen haben, sollten aber niemals auf die mehrheit übertragen werden.

und auch wenn anita nichts davon explizit sagt, auch wenn ihre arbeit nicht mal so verkehrt ist, so geht sie aber dennoch größtenteils ins leere, weil ihr niemand wirklich zuhört und weil keine anständige diskussion zustande kommt. natürlich hat sie andererseits überhaupt erst für solche diskussionen wie diese hier gesorgt.
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Jaggo
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von Jaggo » 12.09.2014 12:16

muecke-the-lietz hat geschrieben: ...
allerdings ist es da wenig hilfreich, einen roundhouse kick zu vollführen, wie es anita gemacht hat. denn sie damit beinahe die gesamte gaming gemeinde gegen sich aufgebracht und dafür gesorgt, dass videospiele in zeitungen wie spiegel und einigen berichten im tv endlich wieder diffamiert werden dürfen. gerade im spiegel hat man sich schnell wieder an die gute alte killerspiel diskussion erinnert. einfach, weil ihre beispiele dermaßen kontextbefreit sind, dass es für außenstehende, für nicht gamer, automatisch zu missverständnissen kommen muss.
Das Problem gibts sicherlich, aber das kann man wie geschrieben echt nicht A.S. vorwerfen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass viele Kommentatoren die Videos gar nicht gesehen haben und sie einfach nur als Projektionsfläche für ihre jeweilige Pro/Kontra-Argumentation in einer Grundsatzdebatte nutzen.
muecke-the-lietz hat geschrieben: da ist die spiele szene plötzlich wieder von mittelalterlichen geschlechtervorstellungen durchzogen, da gibt es wieder die pickeligen nerds, die nicht verstehen, dass frauen heute emanzipiert sind, da flüchten sich sozial erfolglose junge männer wieder in fantasiewelten, wo sie frauen unterwerfen können um sich bestätigung zu holen.
Wenn man sich teilweise die Reaktionen auf die Videos anschaut, ist das -böse formuliert- aber auch nicht so abwegig. Selbst wenn Anita den grössten Unsinn erzählt hätte, würde dass nicht die üblen sexistischen Beschimpfungen und Drohungen rechtfertigen. Auch wenn das die Minderheit der Gamer ist, sind sie die lautesten und prägen damit auch zu einem Teil die öffentliche Wahrnehmung. Und unabhängig davon ist das Frauenbild vieler männlicher Gamer nach meiner MMO-Erfahrung auch heute nicht gerade fortschrittlich. Das Problem ist (da stimme ich dir zu), dass jede Diskussion darüber ziemlich schnell ins äh, Unsachliche abgleitet...

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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von billy coen 80 » 12.09.2014 13:34

Jaggo hat geschrieben:Das Problem ist (da stimme ich dir zu), dass jede Diskussion darüber ziemlich schnell ins äh, Unsachliche abgleitet...
Daran ist sie eben aber auch nicht ganz unschuldig. Ihre Herangehensweise ist ja schon nicht wirklich sachlich, sondern teils zutiefst mit ideologischen Scheuklappen versehen. Gerade beim Thema der Gewalt in Videospielen hat sie sich mit ihrer Fixiertheit auf reine Gewalt gegen Frauen in meinen Augen vollkommen lächerlich gemacht. Man kann gewiss in einigen Bereichen die klischeehaften und teil sexistischen Darstellungen von Spielecharakteren (beiderlei Geschlechts) hinterfragen, aber gerade im Bereich der Gewaltdarstellung in Spielen eine Genderdebatte loszutreten, kann zu nix führen, weil es gerade in dem Bereich keine wirklichen (zumindest nur halbswegs prominenten) Beispiele gibt, wo man von sexistischer Gewalt ausgehen kann. Sie selbst hat ja einst sogar beschrieben, dass so etwas nur vorliegt, wenn nicht vergleichbares auch Figuren anderen Geschlechts passiert und (ganz wichtig) der Grund und auch die Art der Gewalt deutlich im Geschlecht der Figur liegt. Ihr letztes Video zeigt deutlich: Sie wollte schon fast krampfhaft auch zu dem Thema Gewalt sexistische Auswüchse im Medium Videospiel aufdecken, hat aber keine Beispiele gefunden, die ihrer eigenen Definition standhalten, also wurde massivst entkontextualisiert und dann auch noch verfälschend kommentiert. Das geht in meinen Augen gar nicht und kann in keinem Fall als vernünftige Grundlage für einen sachlichen Diskurs herhalten. Dem steht aber meiner Meinung nach auch schon prinzipiell ihre Weltanschauung im Wege, die offensichtlich in ein derart enges, ideologisches Korsett gezwängt wurde, dass sie nicht mehr in der Lage zu sein scheint, ohne feministische, einseitig nur auf das weibliche Geschlecht fixierte Attitüde irgendetwas von sich geben zu können.

Persönliche Anfeindungen oder gar Drohungen sind selbstredend ein absolutes Unding und mit nichts zu entschuldigen, aber dass auch abseits von solchem Gebaren die Diskussionen nur schwerlich in einem sachlichen Rahmen bleiben, liegt schlicht an der bereits hochgradig unsachlichen Diskussionsgrundlage, welche sie liefert.

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Wigggenz
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Re: Kommentar: Auf der Suche nach Heldinnen - und warum Anit

Beitrag von Wigggenz » 12.09.2014 15:09

Jaggo hat geschrieben:Man kann Anita Sarkeesian vielleicht vorwerfen, dass dieser Ansatz zu kurz gegriffen ist, aber Fakt ist, dass sie nie mehr behauptet hat und dies auf ihrer Webseite, beim Kickstarter und in den Videos auch immer deutlich macht.
Hast du nicht mitgekriegt wie sie sich selber immer großartig mit "In-depth-analysis" angekündigt hat? :roll:

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