Das Phänomen Japan.

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WhiteHaven
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Beitrag von WhiteHaven » 02.10.2009 00:47

So gut Japanische spiele sein mögen.

Ich bin doch ziemlich froh darüber, dass hier Wotan nicht rumgehuldigt wird und das es keine Gottesdienste bei VW gibt.

Religion dient nicht gerade dem Fortschritt. Zum Glück ist da Europa aber auf einem guten Weg.
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Lt. Körschgen
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Beitrag von Lt. Körschgen » 02.10.2009 16:24

Clint_E hat geschrieben:Wow, hier wird hier Japan gepriesen als das heilige Land... Dabei waren sie in der Vergangenheit auch mehrmals Scheinheilig was Kriege und Überfälle angeht.
1. Wer bitte soll Japan hier so gepriesen haben?
2. Ist jetzt mal gut mit Krieg? Dein Beitrag beinhaltet nichts, was nicht schon fünf mal gesagt wurde und immer noch sowas von off-topic ist... Also bevor hier noch mehr Hobby-Historiker mit Wikipedia-Halbwissen auftrumpfen wollen: JEDER DEPP WEISS, DASS ES DUNKLE KAPTIEL IN DER JAPANISCHEN - WIE IN JEDER ANDEREN - GESCHICHTE GIBT.
Aber wer Japan so anhimmelt sollte sich überlegen dauerhaft dorthin auszuwandern. 2 Wochen dort zu sein ist ein Spass aber danach freut man sich auch wieder auf Deutschland.
Jaja, das kann man ja auch so schön pauschalisieren. Gibt schließlich nur Tokio und sonst nix in Japan...

WhiteHaven hat geschrieben:So gut Japanische spiele sein mögen.

Ich bin doch ziemlich froh darüber, dass hier Wotan nicht rumgehuldigt wird und das es keine Gottesdienste bei VW gibt.

Religion dient nicht gerade dem Fortschritt. Zum Glück ist da Europa aber auf einem guten Weg.
Äh, genau darum geht es doch. Dass nicht jede Religion dem Forschritt gegenüber so skeptisch und bisweilen feindlich gegenüber steht wie das Christentum.
Die Folge davon ist, dass sich solch eine aufgeschlossene Religion dann auch in vielen Spielen widerspiegelt. Das ist eine Verschmelzung von Tradition und Fortschritt in kreativen Werken. Was bitte ist daran zu kritisieren?

Man vergleiche nur mal einen typisch amerikanischen Shooter wie Gears Of War, ein deutsches Aufbauspiel wie Anno und ein religiös beeinflusstes japanisches Spiel wie Okami oder Shadow Of The Colossus miteinander: Alle Spiele sind toll, wer welches bevorzugt, liegt letztlich vor allem auch am Genre, aber für mich steckt in japanischen Titeln meistens viel mehr Seele, als in europäischen oder amerikanischen Produktionen. Im Mindesten aber werden selbst Agnostiker und Atheisten zugeben müssen, dass die Religion in Japan in keiner Weise ein Hemmschuh des Fortschritts ist - im Gegenteil, vielmehr Inspirationsquell.
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violetjoker
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Beitrag von violetjoker » 02.10.2009 22:16

schlorch hat geschrieben:
WhiteHaven hat geschrieben:So gut Japanische spiele sein mögen.

Ich bin doch ziemlich froh darüber, dass hier Wotan nicht rumgehuldigt wird und das es keine Gottesdienste bei VW gibt.

Religion dient nicht gerade dem Fortschritt. Zum Glück ist da Europa aber auf einem guten Weg.
Äh, genau darum geht es doch. Dass nicht jede Religion dem Forschritt gegenüber so skeptisch und bisweilen feindlich gegenüber steht wie das Christentum.
Die Folge davon ist, dass sich solch eine aufgeschlossene Religion dann auch in vielen Spielen widerspiegelt. Das ist eine Verschmelzung von Tradition und Fortschritt in kreativen Werken. Was bitte ist daran zu kritisieren?

Man vergleiche nur mal einen typisch amerikanischen Shooter wie Gears Of War, ein deutsches Aufbauspiel wie Anno und ein religiös beeinflusstes japanisches Spiel wie Okami oder Shadow Of The Colossus miteinander: Alle Spiele sind toll, wer welches bevorzugt, liegt letztlich vor allem auch am Genre, aber für mich steckt in japanischen Titeln meistens viel mehr Seele, als in europäischen oder amerikanischen Produktionen. Im Mindesten aber werden selbst Agnostiker und Atheisten zugeben müssen, dass die Religion in Japan in keiner Weise ein Hemmschuh des Fortschritts ist - im Gegenteil, vielmehr Inspirationsquell.
Äh, nur weil nicht jede Religion so verbohrt ist wie der Vatikan sind es trotzdem noch bremsen. Maschinen mit irgendwelchen Riten einzuweihen ist kein Spagat zwischen Technik und Religion sondern lächerlich (und Rückständig).
Inspirationsquell ist schön und gut aber das ist jede (noch bestehende oder tote) Relgion da eng verbunden mit der Geschichte des Landes.
Wenn alle Koalas sterben kommt es zur Eukalypse!

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Lt. Körschgen
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Beitrag von Lt. Körschgen » 03.10.2009 12:55

So ein Schwachsinn. Wo bremsen denn Shinto/Buddhismus? Tolle Behauptung, Belege nicht vorhanden.

Ich frage mich gerade, was rückständiger und lächerlicher ist, Maschinen mit religiösen Riten einzuweihen oder deine Intoleranz...

Du siehst also keinen Unterschied zwischen Okami und God Of War (nur mal als Beispiele für "westlichen" und "fernöstlichen" Umgang mit Religion)?
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B3 Buuh
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Wiederstand zwecklos.

Beitrag von B3 Buuh » 06.10.2009 16:31

Wer Japan einmal besucht hat, erfährt zu Beginn einen Kulturschock, dem die Ernüchterung - und dann die Bewunderung folgt. Ein bleibender Eindruck zwischen Kultur und Kommerz.
Was dieses Volk unter einen Hut bekommt, ohne seine Identität zu verwässern erstaunt jeden Besucher!
Meine Erfahrungen liegen 29Jahre zurück und damit etwas vor der aktuellen digitalen Allmacht der Japaner.
Ich vergleiche Japaner (bei aller Hochachtung!) gerne mit den 'Borg'.
Alles assimilieren und Nützliches integrieren. Wiederstand ist zwecklos :)

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Lt. Körschgen
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Beitrag von Lt. Körschgen » 07.10.2009 01:05

Hehe
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Silvanus92
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Beitrag von Silvanus92 » 07.10.2009 23:19

Alte, aber trotzdem sehr Gute Kolumne ;)

Oberdepp
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Beitrag von Oberdepp » 08.10.2009 01:07

Das Problem an Japan ist, dass die zwar nett zu Touristen sind, aber Ausländer, die länger in Japan leben wollen (ob nun Arbeitsbedingt oder wie auch immer) doch sehr abstoßen. Man sagt der japanischen Gesellschaft nicht umsonst nach, dass sie sehr homogen sei. Das kommt daher, dass sie nach außen hin sehr verschlossen sind. In Deutschland wird die indivuelle Verwirklichkung praktiziert, in Japan eher die Kollektive.

Ihr träumt von in Japan leben? Glaubt mir, nach zwei Wochen sind die Japaner euch gegenüber alles andere als nett. Sie mögen es nicht, dass Ausländer sich in deren Gesellschaft eindringt. Sie sehen das als Angriff ihrer Gesellschaft gegenüber an.

Auch ist der gesellschaftliche Druck in Japan enorm und mit nichts in der Welt zu vergleichen. Das hat nicht ein einzigen Vorteil. Japan ist deswegen das Land mit der höchsten Selbstmordrate weltweit. Ein Durchschnittsjapaner hat vielleicht 4h Freizeit pro Tag. Das wünscht sich keiner von euch verwöhnten Deutschen. In Japan ist es eine Selbstverständlichkeit sich selbst für seine Firma aufzuopfern. Wer das nicht tut, wird als Sozialfall angesehen. Sprich, eure 8-9h Arbeitstage könnt ihr euch dann in den Hintern schieben.

Und vorallem: das Japan des 21. Jahrhunderst ist sowas von gar nicht traditionsbewusst. Die meisten Japaner wissen weniger von ihrer Kultur als wir. Ohne Scheiß. Wenn sie was von ihrer Kultur kennne, dann ist es durch Anime. Nur wird in Anime oft ein sehr falsches Bild gegeben.

Was mich persönlich an Japan stört ist aber eigentlich nur ihr Essen. Ich hasse Fisch. Und die essen den sogar noch roh *bäh*. Ansonsten kann ich jedem mal empfehlen, für zwei Wochen nach Japan zu reisen. Ich bin vor 5 Jahren dort für 4 Wochen gewesen. Das war ein Touristenguide durch halb Japan. Man hat sehr viel gesehen und hat wirklich ein sehr netten Eindruck bekommen. Das einzige, was ich neben dem Essen dann noch nicht mag war, dass sie einen nicht verstehen wollten. Selbst, wenn man die auf japanisch angeredet hat, wollten sie einen nicht verstehen. Selbst bei simplen Worten wie "ohayou" oder "sumimasen", was man als Deutscher selbst nicht mal falsch aussprechen kann. Kaum sahen sie einen Europäer hieß es "noo ingliesch".

Solange sie am Ausländer Geld verdienen, scheinen Japaner also kein Problem mit dem Ausländer zu haben. Aber auf Konversation sind vorallem die normalen Bürger nicht aus. Wodurch sich meine erste Behauptung auch wieder bestätigt hatte.

Japan ist sicherlih ganz reizend, aber Ausländern gegenüber einfach zu abstoßend gegenüber. Das fängt schon damit an, dass der Ausländer dort immer nur ein "Gaijin" ist, welches in der sozialen Schicht extrem negativ behaftet ist (ähnlich wie bei uns das Wort "Kanacke" für Südländer). Dazu kommt, dass extrem viele Japaner auch noch rassistisch eingestellt sind. Die Koreaner-Problematik scheint oberflächig zwar gereglt zu sein, aber der Koreaner-Hass (in Japan leben halt viele Koreaner, meist Studenten) ist tief in der Gesellschaft verankert.

Auch geht das weiter in Familien. So wird z.B. nicht gern gesehen, wenn die Tochter sich mit Nicht-Japanern einlässt. Das kann über Enterbung bis hin zum Ehrenmord führen. Und ich bitte euch: was ist an einem Ehrenmord ehrenhaft? Ich erinnere mich noch daran, als nicht weit von meinem Wohnort eine junge Türkin vom eigenen Bruder erschossen wurde, weil sie sich zu "westlich" angezogen hat. Sowas ist einfach nur rückschrittig und eigentlich peinlich für ein 1. Welt Land.

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Max Headroom
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Tokyo mon amour

Beitrag von Max Headroom » 08.10.2009 05:38

@Oberdepp:
Das Problem an Japan ist, dass die zwar nett zu Touristen sind, aber Ausländer, die länger in Japan leben wollen (..) doch sehr abstoßen.
Das "Gaijin"-Problem ist tatsächlich im gewissem Maße problematisch. Doch dies ist in der ostasiatischen Kultur integriert und weniger ein Japan-spezifisches Problem. In Korea und China finden sich solche Distanzierungen ebenfalls ;) .
In Deutschland wird die indivuelle Verwirklichkung praktiziert, in Japan eher die Kollektive.
Sehr gut auf den Punkt gebracht. Die Gruppe, bzw. die Familie, gilt in Japan wesentlich mehr als das Individuum. Dies spiegelt sich in den Rollenspielen wieder, bei dem die "Party", wie auch die Geschichte um dieser, oftmals religiöse und auch soziale Ebenen beinhalten.
Ihr träumt von in Japan leben? Glaubt mir, nach zwei Wochen sind die Japaner euch gegenüber alles andere als nett. (..)
Welche "Japaner" ? Die "bayrischen" Ur-Japaner ? Die "Berliner" Stadt-Japaner oder doch die Fischer, also die "Hamburger"-Japaner ? :)
Sie mögen es nicht, dass Ausländer sich in deren Gesellschaft eindringt. Sie sehen das als Angriff ihrer Gesellschaft gegenüber an.
Dies kommt darauf an, wie man sich anstellt. In den meissten Fällen gilt der Gaijin tatsächlich als "Eindringling". Die Japaner denken, dass ihre Sprache und die Kultur so unheimlich schwer sind, dass man sie im Westen wohl nie beherrschen wird. Und in den meissten Fällen stimmt dies sogar ;)
Doch die soziale Struktur kann man - zumindest in den Großstädten - wie eine Zwiebelschicht vergleichen. Mit viel Gedult und Fleiß, kommt man Schicht für Schicht tiefer in die "Szene". Dies allerdings geht wahrhaftig nicht innerhalb von 4 Wochen. Um "richtige" Kontakte zu knüpfen, muss schon ein Uni-Austauschprogramm her, komplett mit interkulturellem Programm oder gar Gast-WC ... äh ... Gast-WG. Ohne Vitamin C wird man zu 99% nur die äußeren Schichten zu sehen bekommen.
Durch diese Problematik kann man Japan tatsächlich als "zugeknöpft" bezeichnen. Doch es ist weniger ein aktiver "Angriff" auf die Kultur von Außen, sondern eher ein Abstandshalter vor den passiven "unwissenden" Gaijins.
Auch ist der gesellschaftliche Druck in Japan enorm und mit nichts in der Welt zu vergleichen.(..)
Unter 70 Stunden kriegt man kein J-RPG durch. Kleiner Sch(m)erz ;) .
Dadurch, dass Japan eher gesellschaftstechnisch "geschloßen" ist, werden Gruppen an jeder Ecke gefördert ... ja ... vorrausgesetzt. Alles und Jeden gibt es in "Päkchenform". Nachhilfe ? In Nachhilfegruppen. Nach der Arbeit einen saufen gehen ? Nur in Saufgruppen. Und wenn man "Einzelgänger"-Sportarten oder Spiele spielen möchte, dann auch nur in Goldclubs oder Spieleforen. Den Japaner bekommt man sozusagen nie als Einzelgänger zu Gesicht. Vereinzelte Menschen sind zumeist nur im künstlerischem Gewerbe tätig. Regisseure oder "wild umherlaufende" Maler bzw. Bildhauer.
In Japan ist es eine Selbstverständlichkeit sich selbst für seine Firma aufzuopfern. Wer das nicht tut, wird als Sozialfall angesehen. Sprich, eure 8-9h Arbeitstage könnt ihr euch dann in den Hintern schieben.
Ja und Nein. Vor einige Jahrzehnten war es eine Selbstverständlichkeit, dass die Firma als "Hauptfamilie" angesehen wurde. Man bekam eine lebenslange Mitgliedschaft, dafür gab man aber seine Lebenszeit ab. Man identifizierte sich mit der Familie tatsächlich, als ob man dort geboren wurde. Doch seit Mitte der 90er Jahre nahm dies rapide ab. Heute sind Arbeits- und Obdachlose in den Vorstädten keine Seltenheit mehr. Die Firma feuert, wenn sie es möchte. Dies war damals noch unvorstellbar. Ob dies ein Resultat der Globalisierung ist, kann ich nicht sagen. Allerdings zieht sich diese Auflösung der in den 60er und 70er Jahren begonnenen "Opferbereitschaft" durch das gesammte Land. Selbst die Mega-Tradizionsbewussten Fischerdörfer nagen hier und da am Hungertuch, insbesondere seit die Investmentblase damals platzte. Nicht nur SEGA verabschiedete sich aus dem Hardware-Segment. Sehr viele kleine Traditionsbetriebe sind in den letzten 10 Jahren verschwunden, obwohl die Angestellten sprichwörtlich ihr letztes Hemd hergaben.
Aber ... nahezu niemals wird man sich an die "Tarifzeiten" halten. "It's done when it's done" gilt hier tatsächlich. Die Arbeit ist fertig, wenn sie erledigt ist. Und bevor sie erledigt ist, hat man keinen Feierabend.
Dennoch darf nicht vergessen werden ... Japaner sind zwar in der Schulzeit extrem fleißig... doch dies fällt sehr schnell wieder ab !
Wer dort einen Bürojob hat, der wird sich über die teilw. chaotischen Fehlorganisationen wundern. Im Westen sind wir wesentlich disziplinierter und strukturisierter. Zwar geht nichts ohne Chaos, aber in vielen Betrieben hat das Chaos die Herrschaft übernommen. So sind viele Japaner bis spät in der Nacht mit Aufgaben belastet, die wir in unserem normalem Tagesablauf locker erledigen können. Wir haben eben einen anderen "Zugang" zu den Aufgaben, denn wir sind wesentlich analytischer durch unsere ur-griechische Philosophie. Platon und Aristoteles haben sozusagen Konfuzius in den Ar*ch getreten :)
Dies kriegen auch die Japaner zu spüren, die sich in den Westen begeben. Ohne Gruppenintelligenz (Schwarmintelligenz ?), ganz auf sich alleine gestellt, versinken sie schnell im Chaos. Und leben sie sich dann ein und managen das ganze auf "westliche" Art, so sind sie dann bei der Rückkehr ins Heimatland plötzlich selber Gaijins geworden, da sie bei der ... äh ... Borg-Rückassimilierung viele Punkte der (unverständlichen) westlichen Philosophie in die Gruppe transportieren. Ein jahrzehntealtes Dilemma, welches heute immer noch gleichstark ist.
Die meisten Japaner wissen weniger von ihrer Kultur als wir. Ohne Scheiß. Wenn sie was von ihrer Kultur kennne, dann ist es durch Anime. Nur wird in Anime oft ein sehr falsches Bild gegeben.
:D hehe. Wer war Musashi ? Natürlich der entfernte Onkel von Naruto :)
Allerdings lassen sich solche Kulturbanausen in jedem Land blicken. Amerikaner die gerade mal die letzten 2 Präsidenten kennen und Deutsche, die Merkel als Bundespräsidentin nennen, sind keine Seltenheit. Doch dies lässt im Laufe der Jahre nach. Je älter die Menschen sind die man begegnet, desto "korrekter" können sie ihre eigene Geschichte rezitieren. Mich verwunderte es, dass mein damaliger Japanlehrer an der Volkshochschule mehr über Heinrich Heine und seine Werke wusste, als unsere gesammte (!) Klasse. Die nächste Lehrerin hatte dafür das gesammte Repertoire von Beethoven parat. Ich kenne gerade mal seinen Vornahmen und ein paar bruchstücke seiner Werke 8)
Was mich persönlich an Japan stört ist aber eigentlich nur ihr Essen. Ich hasse Fisch. Und die essen den sogar noch roh *bäh*.
:D Du sprichst mir aus der Seele. Geheiligt werden die Fischstäbchen !
Ansonsten kann ich jedem mal empfehlen, für zwei Wochen nach Japan zu reisen.
Dem kann ich nur zustimmen.
Wer es sich leisten kann, und wer tatsächlich ernsthaft (ist ja teuer genug ;)) einen Kulturschock sondergleichen erleben möchte, der sollte das Land der aufgehenden Sonne besuchen. Vergisst allerdings die Anime-Erfahrungen und die XPs der J-RPGs. Für das Land benötigt man eine gründliche und intensive Vorarbeit. Es sind wahnsinnig viele Fettnäpfchen, in die man als "Gaijin" reintreren kann. Und die allermeisten werden auch reintreten... mit beiden Füßen !
Ohne Vitamit C, z.Bsp. einem Tandem-Partner, bleibt euch allerdings eine große Menge von "Insidewissen" verborgen. Für Kurztrips oder Einkaufstouren sind eher andere Länder geeignet. Hong Kong hat noch immer nichts von seinem Charme als Einkaufsmetropole des Ostens verloren ;)
Selbst, wenn man die auf japanisch angeredet hat, wollten sie einen nicht verstehen.
Auch Japaner haben Vorurteile mein Freund. (Un)gesunde Vorurteile.
nihongo de hanashite kudasai. Gaijins haben eben den unsichtbaren Stempel des rüpelhaften Amerikajin-Image. Wir sehen ja für sie alle gleich aus :) . Deshalb ist es von Vorteil, wenn ein Mitstudent / Kollege / Tandempartner / Mitbewohner / ... das Eis bricht. Dies per Handarbeit selbst zu schaffen, grenzt an ein Ding der Unmöglichkeit. Denn wir kennen die Mentalität wie auch die Philosophie der Japaner gar nicht. Wenn überhaupt, sind Animes und Games unsere Bezugspunkte, und die sind tatsächlich nicht mit dem "Real-Life" Japan vergleichbar.
Solange sie am Ausländer Geld verdienen, scheinen Japaner also kein Problem mit dem Ausländer zu haben. (..)
Wer will denn nicht das Geld anderer Leute haben ? :)
(..)Die Koreaner-Problematik scheint oberflächig zwar gereglt zu sein, aber der Koreaner-Hass (in Japan leben halt viele Koreaner, meist Studenten) ist tief in der Gesellschaft verankert.
Diese Form des Hasses ist leider tatsächlich vorhanden. Man hat keine Probleme im Ausland zu arbeiten bzw. arbeiten zu lassen. Viele Produkte und Projekte werden in Südkorea oder China hergestellt und nach Japan verfrachtet. Aber von den Menschen her will man lieber "unter sich" bleiben. Es ist kein "Multikulti"-Land wie Deutschland oder gar Amerika, welches sich aus den Einwanderern heraus erst bildete. Doch auch hier ist ein Kurswechsel seit den letzten 10-15 Jahren erkennbar. Er ist zwar sehr langsam, und somit alles andere als eine "radikale" Politik, aber Japan ist ja auch ein Kaiserreich und somit extrem tradizionsbewusst wie das Königreich England oder das Fürstentum Monaco. Nur eben mit anderen Schwerpunkten ;)
Japan wird sich in gewissen Punkten neu orientieren (müssen). Denn andere Alternativen lässt die aktuelle Wirtschaftslage Japans überhaupt nicht zu. Nach dem wahnsinnigen Erfolgen der Automobil und Elektronikindustrie in den 70er und vor allem den 80er Jahren, ist Japan ehr als froh, überhaupt eine Stagnation (0 Wachstum) haben zu dürfen. Nicht erst seit der globalen Finanzkrise geht es in Japan wirtschaftlich bergab. Den Gürtel müssen immer mehr Japaner enger schnallen, dies haben sie zu spüren bekommen. Doch mit gewissen Produkten, z.Bsp. den Elektro- und Hybridfahrzeugen, bietet sich für Japan ein großes neues Feld für einen neuen Aufschwung. Im Gegensatz zu uns und den Amerikanern, verschlafen die Japaner wesentlich weniger einen Trend. Sie sind es gewohnt zu "spielen", also aktiv die aktuellsten Entwicklungen und Richtungen voll durchzuziehen. Bis wir z.Bsp. Elektromotoren soweit verbessern, dass wir von "gründlicher Deutscher Arbeit" sprechen können, haben japanische Fließbandfahrzeuge sicherlich den Weltmarkt erobert ;)
So wird z.B. nicht gern gesehen, wenn die Tochter sich mit Nicht-Japanern einlässt.
Welcher Vater einer "reinrassigen" Familie will dies nicht ? Allerdings haben "Mischkinder" tatsächlich einen ungemein schweren Stand in der Gesellschaft. Und wenn ein Japaner mal im Ausland war, und sei es nur für 2 Wochen, so gilt er schon beinahe schon als "ausländerinfiziert" und muss sich seinen Stand in der Gesellschaft neu behaupten. Insbesondere Langzeitarbeiter im Ausland, wenn eine Firma z.Bsp. einen Mitarbeiter für 6 Monate nach Europa schickt, müssen bei der Rückkehr ein Matyrium erdulden. In der Firma sind sie kleine Helden mit Auslandserfahrungen, ja beinahe schon Fachübersetzer und Dolmetscher. Obwohl sie gerade mal die Speisekarte der Kantine lesen können ;) . Ausserhalb der Firma allerdings wird aus einem Auslandsaufenthalt schnell ein "Fremdsein" von der Familie/Gesellschaft. Den Verwandten erstmal beizubringen, dass man im Ausland weiterhin die Traditionen und die Normen beibehalten hat, ist für "Langzeitausländer" echte Fleißarbeit.
was ist an einem Ehrenmord ehrenhaft?
(..) Sowas ist einfach nur rückschrittig und eigentlich peinlich für ein 1. Welt Land.
Vollste Zustimmung ! Doch "Ehrenmorde" sind in Japan eine extrem seltene Angelegenheit und finden - wenn überhaupt - nur verschlossen unter verfeindeten Gruppierungen statt. Die bekannteste von ihnen hat auf der Playstation einen Stammplatz bekommen... die Yakuza :)
Die Hauptphilosophie heisst.. "das Gesicht bewahren". Man darf nicht das Gesicht verlieren. Hat man trotzdem - aus irgendeinem Grunde - das Gescht verloren, so muss man selbst dafür büßen. Seppuku, weil man zu blöd war, den Tankdeckel festzuschrauben. Gut, vielleicht nicht ganz so radikal :P
Wenn die Tochter mit einem Gaijin zusammen sein möchte, dies aber das Bild der (traditionellen) Familie zerstört, dann wäre in der japanischen Philosophie eher die Tochter in der Bringschuld. Würde z.Bsp. einer der Brüder aktiv werden, so würde die "Untat" weiterhin auf der Familie lasten. Ihr Bruder hat hierbei das Gesicht ebenfalls nicht bewahren können und hat mit der Bluttat keine "Rechtfertigung" ausgesprochen, sondern nur im Affekt gehandelt. Entweder muss die Tochter dafür "gerade stehen", oder es wird von der Familie das ganze zugelassen, womit die Familienehre auch dem Partner der Tochter zugesprochen wird. Je nach größe und Wichtigkeit der Familie, trägt der arme Lover dann eine große Verantwortung auf den Schultern... den er darf sein Gesicht und das Gesicht seiner (Groß-)Familie nicht verlieren, sonst ... Bauchschlitzer :P

Das ganze ist sowas von kompliziert... da bleibt man lieber bei den bekannten RPGs und Animes. Da Tokyo von Detective Conan reicht dem Zuschauer schon genug. Wer danach noch einen Kitano oder gar Miike Film genießt, der wird als Westler schon mehr als genug Ost-Luft geschnuppert haben. Eine (lange) Reise quer durch Japan ist aber wahrlich die Krönung der Landeskunde :) Ostasien ist kein Zuckerschlecken für uns Europaverwöhnte Wochenend-Touristen. Frühstück in London, Einkaufsbummel durch Paris und Abendessen in Berlin ? Für Japan sollte man diese Mentalität komplett in die Tonne werfen. Man ist und bleibt ein Gaijin. Erst recht als blonder und blauäugiger 2-Meter-Germane :)
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Armageddon_de_Nox
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Beitrag von Armageddon_de_Nox » 11.04.2010 12:01

Japan steht auf der Liste der Länder die ich mir irgendwann mal genauer anschauen möchte ganz oben.....gerade der Gegensatz von fortschrittlichem zukunftsoffenen Denken und diesen uralten Traditionen ist interessant.

Klasse Kolumne... auch wenn ich finde dass die ganze Diskussion im Forum sogar ein ganzen Stück unterhaltsamer ist... :wink: Japan und Deutschland...liest sich wie die Heraufbeschwörung einer schiksalhaften Beziehung :D

Wirklich interessant finde ich Bilder von Innenstädten oder kleineren Seitenstraßen in Tokio.... jedes kleine Stück Sichtfeld ist mit Werbung zugepflastert... teils an wirklich unsinnigen Stellen... seltsam dass sich daran niemand stört. Wenn unsere Städte so aussehen würden würd ich lautstark protestieren.
Ubi vinci necesse est, expedit cedere.
Wo man unterliegen muß, gibt man besser nach.
Quintilianus

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Beitrag von R@mpage » 11.04.2010 15:25

Es gibt in Deutschland noch einige, die an Wotan oder Donar gedenken.
Aber jene werden von dem ganzen kultur- und traditionslosen Abschaum der sich in Deutschland verbreitet wie Lungenkrebs, eigentlich immer abfällig als "Nazis" bezeichnet!
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God Of Flame
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Beitrag von God Of Flame » 11.04.2010 20:26

Also ich finde die irgendwie nicht so gut :?

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Alan
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Beitrag von Alan » 11.04.2010 20:35

God Of Flame hat geschrieben:Also ich finde die irgendwie nicht so gut :?
Wir dich auch nicht :bussi:

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IsaacFromSpace
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Beitrag von IsaacFromSpace » 11.04.2010 21:03

Armageddon_de_Nox hat geschrieben:
Wirklich interessant finde ich Bilder von Innenstädten oder kleineren Seitenstraßen in Tokio.... jedes kleine Stück Sichtfeld ist mit Werbung zugepflastert... teils an wirklich unsinnigen Stellen... seltsam dass sich daran niemand stört. Wenn unsere Städte so aussehen würden würd ich lautstark protestieren.
Geh maol nach Indien, da haben sie selbst auf Friedhöfen Werbung. Wobei es da auch daran liegt das da die religöse Ehrfurcht davor nicht vorhanden ist, weil das eine christliche Erfindung ist, die verbrennen ihre Toten und kippen sie in den Fluß :wink:

Ansonsten, schöne Kolummne, wenn auch uralt, warum pooppen die denn immer wieder auf der Hauptseite hoch :D

Wenn ich mir ein Land zum knennenlernen aussuchen könnte wäre es auf jeden Fall Japan, grade weil es so anders ist und wir über die Produkte wie JRPGs und Animes so ein anderes Bild von ihnen haben. Mich fasziniert einfach diese komplett andere Ausrichtung was soziale und moralische Werte angeht.
Even if the morrow is barren of promises,
nothing shall forestall my return.
If this world seeks my destruction...
... It goes with Me!
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Serious Lee
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Beitrag von Serious Lee » 11.04.2010 22:06

Danke für diesen lebendigen Einblick. Es gibt ganze Japan-Webseiten, die mir nicht so einen plastischen Eindruck vermittel konnten wie deine Kolumne.
ROUND 1 FIGHT: DIE BEAT 'EM UP STORY (Taschenbuch & eBook)
http://www.amazon.de/dp/151158260X

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