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Gordian E. hat geschrieben:Mit welcher Freude habe ich die Entdeckung eines Gamer-Feuilletons bei 4Players beobachten dürfen.
Die Blumen sind angekommen, blühen bereits in einer feinen Ego-Vase und sorgen an diesem tristen Montag für etwas Frühlingsduft. :wink:
Gordian E. hat geschrieben:Dennoch sehe ich hier eher die Gefahr einer Simplifizierung, die den Spieler vielmehr saturiert, als dass sie ihn zur "Recherche" ermutigen würde.
Ja, diese Skepsis ist verständlich. Man gewöhnt sich an alles, und kann sich auch an das historisch Aufgetischte gewöhnen. Wer keinen Sinn für oder keinen Bock auf geschichtliche Zusammenhänge hat, wird sich stumpf durch ein Dutzend WW2-Shooter ballern, ohne seine Ursachen ergründen zu wollen.
Aber ich denke, es kommt da auf den Spielertypen an: Es gibt überall Neugierige, die sich eben nicht so einfach abspeisen lassen und vielleicht sogar durch einen abstrusen Anachronismus oder falschen Sachverhalt in einem Spiel zu recherchieren beginnen. Ich kann da allerdings nur von mir sprechen: Einige Spiele haben dafür gesorgt, dass ich mich tiefer in eine Materie eingearbeitet habe, die eigentlich nichts mehr mit dem Spiel als solchem zu tun hatte.
Gordian E. hat geschrieben: Ein grauenhafter Krieg wird so auf einige, wenige Scharmützel reduziert und von seiner historischen Bedeutung abstrahiert.
Ja, es handelt sich um eine historische Kastration für Unterhaltungszwecke, die wichtige Elemente komplett ausgrenzt. Genau so wie bei all den Filmen von Arnheims bis zur Kwai-Brücke. Aber ich denke, dass da noch einiges in Sachen historische Reife bzw. Sensibilität in der Spielewelt möglich ist.
Gordian E. hat geschrieben:Selbiges gilt übrigens auch für andere Produktionen, die vom Mittelalter ein düsteres, perverses und nihilistisches Bild zeichnen, was, wie nach heutigen Erkenntnissen immer deutlicher wird, so einfach nicht stimmt.
Ja. Aber diese Erkenntnis kann auch eine Frucht der Recherche sein. Und der Nihilismus ist im Mittelalter nicht so ganz verkehrt positioniert, wenn man z.B. an die Weltuntergangsstimmung zum ersten Millenium oder an die Pestzeit denkt. Pervers und düster ist es heute allerdings auch. :wink:
Gordian E. hat geschrieben:Man kann den Spielen an dieser Stelle noch so viel unterstellen, aber eine Mittlerfunktion in Sachen historische Weiterbildung haben sie nicht - und werden sie auch nie haben.
Oh, das hört sich endgültig an. Kann man da so sicher sein? Ich bin jedenfalls weiterhin vom Gegenteil überzeugt.
Natürlich kann ein Spiel keinen Geschichtsunterricht oder gar ein Seminar komplett ersetzen, aber es kann so viele interessanten Happen anbieten, dass man nach dem Zubeißen vielleicht Appetit auf mehr bekommt - oder dem Lehrer wenigstens ein paar Wissensbrocken für die mündliche Note servieren kann.
Ich würde sogar noch weiter gehen, und den Spielen bereits jetzt nicht nur eine historische, sondern eine universelle kulturelle Mittlerfunktion zusprechen.
Bis denne