Das ist tatsächlich eine ziemlich interessante Frage.
Ich würde mal vermuten, dass der große Reiz aus der Freiheit des Szenarios entsteht. Man kann globale Entwicklungen zeigen, in einer uns bekannten Welt, mit uns bekannten Problemen, aber dennoch angenehm weit entfernt. Selbst reale Themen wie die den Krieg verursachende Öl-Knappheit in Mad Max sind einerseits schön 'abgehoben' von der Realität, während sie spannend genug bleiben, um eine Welt auf realen Bedrohungen aufzubauen. So siehts jedenfalls für mich aus.
Ein Children of Men (Film) spielt schon Beispiel direkt in unserer Realität und zeigt glaubwürdige Menschen und Szenerien. Nur halt, während soziale Probleme und Hoffnungslosigkeit - sprich die Kinderlossigkeit - die Gesellschaft zerstören. Und dann haben wir ein par desillusionierte Leute als Hauptcharachtere, die nicht weniger versuchen, als die Welt zu retten.
Kaputte Gesellschafen sind generell ein häßliches Thema, der Bürgerkrieg erinnert an Bilder aus Afrika, von der aus hoffnungslosigkeit entstanden Ignoranz ganz zu schweigen. Während ich reale Filme zu dem Thema (solange sie gut gemacht sind) ziemlich unangenehme finde, war CoM unheimlich spannend.
Gucke ich mir jetzt dagegen nochmal ein Black Hawk Down an, wäre ich vermutlich einfach nur angepisst wegen der menschenverachtenden Natur dieses Films und der Verdrehung von Tatsachen in einem realen Szenario. Fällt vor allem dann auf, wenn man sich ein bischen mit dem Hintergrund beschäftigt. Oder darüber nachdenkt, was eigentlich gerade im Film passiert ist.
Ähnlich zu CoM sehe ich 28 Days Later, welcher ein eher normaler Zombiefilm ist. Im Hintergrund spielt sich eine globale Katastrophe ab, aber der Film selbst ist eigentlich gar nicht so sehr über Zombies, was typisch für diese Art Film ist. Es geht ähnlich wie in Children of Man vor allem über Menschen, die zum überleben zusammenarbeiten müssen, aber sich gegenseitig ständig misstrauen. Das bizarre in diesen Filmen ist oft, dass Zombies manchmal weniger unmschenschlich als einige der Leute selbst wirken.
Wieder das Thema von Menschen in schlimmen Situationen, im unwirklichen Schein eines globalen Katastrophenszenarios. Einfach kleine Leute, während das Ausmaß der Bedrohung kaum sichtbar ist und außerhalb des überlebens bis zum nächsten Tag eigentlich keine Rolle spielt.
Es hat vermutlich etwas, bei den ständigen und Grenzen Problemen unserer Gesellschaften etwas lächerlich überspitztes, in dem Ordnung alle Bedeutung verloren hat, zu sehen.
In Spielen sind Zombies und Endzeit imo sehr viel weniger bedeutend. Zombies sind eher ein Mittel für Powerfantasien, wodurch so etwas absurdes wie Dead Rising entstehen konnte, indem man mit einer ordentlichen Priese Humor und Improvisation Massen von Gegnern schnetzelt. Oder Dead Island, bei dem man mit Rollenspielelementen dem Zombiekillen ein bischen tiefe gibt. Als Gegner selbst sind Zombies eher langweilig und bringen spielerisch nicht viel. Für Horror taug es auch eher weniger, die meisten guten Horrorspiele nutzen eher irren Menschen, Geister oder sonstige Monster.
Als Gegenbeispiel gibt es natürlich noch das grandiose Walking Dead, welches die klassischen Hintergründe der sich misstrauenden Menschen als Thema nimmt, und mit schwerwiegende Entscheidungen als zentrales Element die interaktive Natur von Spielen nutzt. Abseits von denen gibt es allerdings kein klassisches Gameplay, WD lebt von der erzählerischen Stärke.
Dann gibt es natürlich noch das Extreme, welches immer als gute Beispiel taugt. Eine Endzeit inmitten einer sich über Jahrtausende hinwegstreckenden Endzeit, eine Welt voller Faschismus, Fanatismus, Klassengesellschaften, Militarismus, Paranoia und Wahn in allen Geschmacksrichtungen.
Welcome to Warhammer 40k
Während man sich hier an Historien/Fantasy/SciFi-Bereiche annähert (beim Imperium: Fall von Rom, franz.Klassengesellschaft, dunkles Mittelalter, spanische Inquisition, Hexenverbrennung, erster Weltkrieg, etc), bietet dieses Universum tatsächlich einen ziemlich reichhaltigen Hintergrund, auch abseits schlechter Space-Marine-Powerfantasien. Allein das Imperium ist so groß, dass man jede Geschichte reinbringen kann. Die Geschichte eines ganzes Systems wird auf den Kopf gestellt, vielleicht sogar zerstört? Kein Problem, es gibt eine Million weitere. Und das ist
nur das Imperium.
Während man es gut als eine Hölle mit eigener Hölle beschreiben kann, wird aber nie etwas beschönigt. Zwei der besten Buchreihen sind die verbunden Eisenhorn-/Ravenor-Trilogien von Dan Abnett (klasse Autor!). Die handeln rein von benannten Inquisitoren, die auf ihrem Weg durch imperiale Systeme fast wie in einem Fantasy-Roman Anhänger mit nützlichen zusammentrommeln und Korruption bekämpfen. Und in wie vielen Geschichten ist ein Inquisitor mit wenig Skrupel eine (noch) sympathische Hauptfigur? Die Bedrohungen sind einfach schlimmer und deren Taten
verständlich, auch wenn es vielleicht bessere Wege gäbe.
Eine andere tolle Reihe von Dan Abnett, Ghaunts Geister, handelt um das letzte Regiment von Plänklern einer verlorenen Welt, welches in der imperialen Armee kämpft (Taktik 1st Weltkrieg, Technik 2ter Weltrkrieg+Low-SciFi).
Ich denke damit holt W40k alles aus einem der faszinierenden Elemente von Endzeitgeschichten raus: Der absoluten erzählerischen Freiheit und einer Welt, die einerseits komplett anders ist, aber in jedem einzelnen Element aus unserer eigenen Geschichten und SciFi/Fantasy-Klischees inspiriert und damit verständlich ist.
Falls es nicht aufgefallen ist, ich mag Endzeit. KA aber, wie ich auf so eine Wall o' Text gekommen bin. Falls du tatsächlich was interessantes darin findest, kannst du es behalten...
