Zuletzt gelesen

Hier gehört alles rein, was nichts mit dem Thema Spiele zu tun hat.

Moderatoren: Moderatoren, Redakteure

Benutzeravatar
schockbock
Beiträge: 2011
Registriert: 12.02.2012 13:14
Persönliche Nachricht:

Re: Zuletzt gelesen

Beitrag von schockbock » 09.05.2019 15:40

Hey, danke. :grinning:

So eine übersichtliche Zusammenfassung und konkrete Ansage hatte ich im Sinn.

Dann werd ich wohl mal bei Gelegenheit in die Buchhandlung abbiegen oder - bei akutem Bedarf - in den Playstore gucken.
Just when all seems fine and I'm pain-free
You jab another pin, jab another pin in me

Benutzeravatar
Freya Nakamichi-47
Beiträge: 876
Registriert: 09.09.2018 18:03
Persönliche Nachricht:

Re: Zuletzt gelesen

Beitrag von Freya Nakamichi-47 » 23.05.2019 20:53

T. C. Boyle: "Das Licht"

Boyle gehört seit jeher zu meinen Lieblingsschriftstellern. Wer die "Wassermusik" noch nicht kennt, der sollte sie unbedingt mal als Einstieg in dieses Universum lesen. Ist so ein kalifornischer Alt-Hippie, seine Markenzeichen sind treffsichere Metaphern und ein rabenschwarzer Humor. Diesmal hat er sich die Entdeckung von LSD zum Thema genommen, es geht also los mit Albert Hoffmann im Labor, dann wird das Buch aus der Sicht eines Doktoranden von Timothy Leary erzählt, der sich zusammen mit seiner Ehefrau dem inneren Kreis dieser sektenähnlichen Vereinigung auf der Suche nach der Erleuchtung, nach Gott und dem "Licht" anschließt, die unter dem Deckmantel der Wissenschaft doch eigentlich nur ihre Drogenpartys feiern, wenn auch das auf sehr elegantem Niveau.

Man erfährt hier einiges über das bleierne gesellschaftliche Klima in den USA Mitte der 60er. Der donnernde Kontrapunkt ist da der Versuch, mit LSD, das hier als "Sakrament" wie Smarties verteilt wird, übrigens auch an Kinder, alle gesellschaftlichen Zwänge hinter sich zu lassen. Bei Boyle geht keine Geschichte wirklich gut aus, und so darf man dann verfolgen, wie die anfängliche Euphorie, es den Laborratten und angepaßten Spießern von Harvard mal so richtig zu zeigen, einer gewissen Ernüchterung weichen muß.

Das Buch ist kurz, das Ende kommt recht abrupt, aber gerade diese Kürze gefällt mir. Es ist nach einer längeren Durststrecke mal wieder ein besserer Boyle, wenn ich auch sagen muß, daß mir sein kreativer Zynismus, den er früher so zelebriert hat, hier ein bißchen fehlt. Der Mann wird halt auch alt. Aber schreiben kann er noch.

(Jetzt hab ich zwei Bücher gleichzeitig angefangen: "Jenseits der Zeit" von Cixin Liu, aber der palavert mir zu ausschweifend daher. Der dritte Teil hat beinahe 1000 Seiten -- uff! Und immer wenn er poetisch werden will, geht's prompt in die Hose. Deshalb habe ich jetzt "Bedenke Phlebas" von Iain Banks am Wickel -- der erste Kulturroman, wie man mir erzählt hat. Das ist, glaube ich, schon eher mein Ding. Vielleicht schreib ich mal kurz was, wenn ich's gelesen hab.)

Benutzeravatar
Blood-Beryl
Beiträge: 4376
Registriert: 14.03.2009 22:58
Persönliche Nachricht:

Re: Zuletzt gelesen

Beitrag von Blood-Beryl » 27.09.2019 21:41

Bild

War wie erwartet und erhofft deutlich spannender und flotter als der etwas zu zähe Einleitungs-Erstling.

Nach wie vor sind die Charaktere für mich aber eher kauzig bis cool als wirklich packend. Man lacht über ihre Scherze und die zynisch-pragmatische Art, mit der sie sich an die dreckige Welt anpassen, aber man bangt nicht wirklich um sie (nur mit West, der armen Socke, habe ich auch ein wenig mitgefühlt).

So will sich auch nicht recht ein "episches" Gefühl einstellen, obwohl es um die Entwicklung einer recht großen Welt geht.
Alles wirkt etwas zu kompakt, die (Neben-)Figuren etwas zu blass.

Unterhält mich bisher ganz nett, aber die Lobeshymnen, die es direkt in Qualitätsnähe von ASOIAF verorten, kann ich nicht unterschreiben, so cool Glokta auch ist.
Most Wanted: Zeit


Benutzeravatar
Blood-Beryl
Beiträge: 4376
Registriert: 14.03.2009 22:58
Persönliche Nachricht:

Re: Zuletzt gelesen

Beitrag von Blood-Beryl » 06.10.2019 16:06

Bild

Süßes, leichtherziges und kurzweiliges Romance-Guilty Pleasure fürs Herz, das man mit seinem zwar nicht gerade dialogauthentischen (arg expositionshafte Ausdruckswahl in den Gesprächen), aber simplen und flotten Shreibstil schnell mal zwischendrin weglesen kann.

Hat auch die gewohnte, erwartete Emotionskurve inklusive nettem Ende...auch wenn ich es sehr seltsam finde, dass man den kritischsten Aspekt nur mit einem "darum kümmern wir uns, wenn es so weit ist!" abgespeist hat.
Spoiler
Show
Das scheint mir bei einem gewaltbereiten, aktiv mit Körperverletzung drohendem, alkoholabhängigen Vater dann doch zu banal...
Most Wanted: Zeit


Antworten