Nach langer Abwesenheit aus dem Forum (Umzug glaube ich), hab ich mal nur für dieses Spiel hier meinen Account wieder rausgesucht.
Habe es heute durchgespielt und wollte etwas dazu sagen. Habe in diesen Thread hier nur sporadisch reingeguckt, also möge man mir bitte verzeihen wenn manche Aspekte hier schon durchgekaut worden sind.
Ich bin absolut begeistert von dem Spiel, für mich eines der besten Spiele der letzten Jahre.
Liegt für mich an einer tollen Story, die in meinen Augen absolut erstklassig präsentiert worden ist.
Das Spiel beginnt als relativ simple Rachestory, wird dann angereichert um das zunächst verschwiegene Beziehungsdrama zwischen Ellie und Joel und dann noch einmal weiter um die nicht weniger nachvollziehbare Perspektive von Abby und ihren Freunden, inklusive Drama in ihren Beziehungen zu Owen, der WLF und nicht zuletzt zu sich selbst. Ich bin selten so sehr geschwankt in der Frage, welcher Figur ich denn jetzt meine Sympathie schenken soll... einer von beiden, beiden oder gar keiner? Ich fand genial wie nach und nach mehr charakterliche Facetten offenbart wurden, die wiederum jede anstehende Entscheidung in einem anderen Licht stehen lässt... und letztlich alles sehr rund abgeschlossen wird. Auch Abbys "Redemption Arc" fand ich gelungen. Man erfährt ihren Beweggrund, der letztlich fast der Gleiche ist wie Ellies, bloß dass Joel Abby nicht nur die Vaterfigur, sondern gleichzeitig auch die komplette Gemeinschaft genommen hat. Nichtsdestotrotz kann man Abby getrost als kaltherzig (wohl auch gerade wegen der Vergangenheit) bezeichnen, bis erst die Kombination aus dem immer noch idealistischen Owen und die Lebensrettung durch die Kinder der Seraphiten eine andere Seite hervorbringt.
Es gibt natürlich diesen Bruch zwischen Spieler und Spielfigur, der glaube ich auch vielen unangenehm aufgefallen ist:
Wenn man beispielsweise im Theater als Abby gegen Ellie kämpft. Ich wollte das, was ich da letztlich gemacht habe, eigentlich gar nicht machen... das hat sich auch nicht gut angefühlt. Ebensowenig wollte ich als Ellie im allerletzten Aufeinandertreffen am Ufer gegen Abby kämpfen, auch das fühlte sich sehr falsch an, und ich war unendlich froh, als Ellie sich am Ende (auch) doch noch dazu durchringen kann, den tödlichen, niemals endenden und allen Beteiligten inklusive der eigenen Person nichts als Schmerz bringenden Rachekreislauf zu beenden. Man muss dazu auch sagen, in diesen Momenten war das Spiel aber tatsächlich mehr interaktiver Film als Spiel. Denn wenn man durch seine Spielfigur etwas tut, dass man eigentlich nicht will, dann "bezwingt" man nicht das Spiel durch eigene Leistung auf die man stolz sein kann wie wenn man etwa einen besonders schweren Endboss besiegt, sei der Kampf auch noch so anspruchsvoll.
Ich denke das zeigt, was Spiele letztlich von nicht interaktiven Medien unterscheidet:
Wirklich gut ausdifferenzierte Geschichten und Charaktere in einer linearen Story funktionieren bei Spielen nicht ohne dieses Gefühl des Bruchs. Die eigene Spielfigur mag vor ihrem eigenen Horizont noch so nachvollziehbar ihre Entscheidungen treffen: sie kennt die Gegenseite nicht so wie man sie als quasi auktorialer Spieler kennt, inklusive allen dort miterlebten Leids.
Man würde also gerne rufen "Bitte tu das nicht!", was aber nicht nur nicht funktioniert, sondern auch an sich schon falsch ist, da man selber ja letztlich derjenige ist, der die Spielfigur durch seinen Befehl aktiv das ausführen lässt, was man eigentlich nicht will.
Bei nicht interaktiven Medien gibt es diesen Bruch nicht, selbst wenn man Entscheidungen so anders treffen würde, führt man sie nicht selbst aus, sondern bleibt passiv.
Gleiches lässt sich mMn auch auf den Aspekt der Gewalt übertragen, die hier äußerst schrecklich aber zu jeder Sekunde dem Setting und der Story angemessen präsentiert wird. Man bekommt unmissverständlich klar gemacht, wie schlimm das ist, muss aber seine Spielfiguren dennoch diese Gewalt anwenden lassen, weil diese auf andere Art und Weise ihr an sich im Kontext nachvollziehbares Ziel nicht erreichen können in den auch wiederum plausibel von der Spielwelt gesetzten Grenzen.
Den Bruch zu vermeiden würde nur bei völlig offenen Rollenspielen funktionieren. Dort kriegt man alles aus der Perspektive des einen Spielercharakters mit und trifft eine eigene Entscheidung sowohl hinsichtlich Entwicklung des Plots als auch Herangehensweise.
Nun ist natürlich die Frage, wie man zu diesem Bruch steht. Ich kann völlig nachvollziehen, wenn man das nicht mag, vom Spiel das Gefühl zu bekommen, da Sachen zu tun, die man eigentlich nicht tun möchte. Ich persönlich fand, dass das die Story noch einmal intensiver gemacht hat, und am Ende die Gefühlsachterbahn um so heftiger hat wirbeln lassen, weswegen ich noch einmal geflashter war.
So, soviel zur Story. Grafik ist auch völlig top (für mich wars die PS4 Pro und passendes Fernsehgerät), ebenso wie die Sounduntermalung sowohl hinsichtlich Effekten als auch Musik als auch Sprecher (habe die OV gespielt). Das Survival Gameplay war mit Sicherheit nichts bahnbrechendes, aber wie ich finde trotzdem auf hohem Niveau. Ist für mich aber vor dem Hintergrund der Story, die mich dermaßen in ihren Bann gezogen hat
Zum Thema Vorwürfe der Politisiererei durch ND, auch das in Spoilertags da ich leider nach den ersten 15 Seiten oder so nicht mehr alles hier durchgelesen habe und nicht weiß wie das hier gehandhabt wird, inwiefern man das überhaupt noch thematiseren darf:
Ich kann absolut nicht erkennen, dass irgendeine Ansicht beworben, gar propagiert werden sollte und halte entsprechende Vorwürfe an den Haaren herbeigezogen. Das Spiel hat mit Politik letztlich nichts am Hut. Die entsprechenden Punkte, an dem sich da die Funken entzündet haben könnten, sind doch für das, was das Spiel eigentlich ausmacht völlig bedeutungslos und überhaupt nicht prägend. Einzig Levs Transidentität als Grund für seine Verbannung von den Seraphiten ist vielleicht ein nicht ohne weiteres austauschbarer Handlungsbaustein, aber wird doch trotzdem zu keiner Zeit irgendwie zentral thematisiert oder gar gehyped.