Wer nur Titeln eine Chance gibt, die hier mit mindestens 80% bewertet werden, verpasst mit Vampyr (mal wieder) ein wirklich gutes Spiel. Was die besondere Qualität des Spiels im Einzelnen ausmacht, lässt sich gut in anderen Berichten nachlesen.
Ich würde gerne hervorheben, dass ich persönlich vieles von dem, was Jörg kritisiert, innerhalb des Spiels als wohltuend unmodern empfinde. Vampyr ist im besten Sinne ein Erlebnis, das manchmal aus der Zeit gefallen zu sein scheint und mich dadurch an meine schönsten Erlebnisse mit Action-RPGs erinnert hat, lange bevor The Witcher 3 den alleinigen Thron für sich eingenommen hat.
Absurd hingegen finde ich die Kritik am "Grind" von Vampyr, gerade im Vergleich zu anderen Titeln. Ich bin jetzt weit in der Story drin (ich hab‘s seit letztem Samstag), und nicht einmal musste ich genervt auf Ressourcensuche gehen.
Zum Thema Stehlen: Ja, kann ich schon verstehen, dass das nervt oder Deine Immersion bricht, Jörg, aber mir ging es nicht so. Ich hab‘ mir einfach gedacht, wenn Jonathan die Leute hypnotisieren und seinem Willen unterwerfen kann, dann kann er auch unbemerkt stehlen. Das kann man galanter inszenieren, sich daran jetzt so aufzuhängen fand ich aber etwas übertrieben.
Ebensowenig nachvollziehen konnte ich den Kommentar zur Performance des Spiels, die weit entfernt von solch inflationärem Empörungsvokabular wie „eine Katastrophe“ ist. Auf meiner neu aufgesetzten PS4 der ersten Generation läuft es einwandfrei, und ich rate dasselbe für die anderen Modelle.
Meine Empfehlung: Wenn Ihr Interesse an dem Titel hattet, zockt ihn auf jeden Fall an, und wenn Ihr Dontnod Entertainment gegenüber tendenziell wohlwollend eingestellt seid, dann sowieso!
Kleine Randnotiz: Ich habe in letzter Zeit zunehmend das Gefühl, dass Jörg eine kurze Auszeit vom professionellen Zocken ganz gut tun würde. Ich habe ganz subjektiv den Eindruck, als ob ihm nach all der Zeit ein bisschen die unbeschwerte Begeisterung für‘s Zocken abhandenkommen ist, aber vielleicht täuscht das auch.
Und Leute, die Spiele, die sie nicht mögen, zwanghaft bis zum Ende durchhalten, verstehe ich sowieso nicht! Es ist irgendwie paradox, sich bei einem Titel von Dontnod über die „Laberei“ zu beschweren.
