dx1 hat geschrieben: ↑03.10.2021 13:51Das Dossier ist nicht besonders lang, also lies es und beantworte uns Deine Frage im Anschluss doch selbst.
Okay, dann schauen wir uns das ganze mal näher an. Erstmal das Missions-Statement:
Beginnt damit, dass Diskriminierung Faschismus erleichtert. Ist wahr, aber nach dem Lesen habe ich das Gefühl, dass Faschismus ziemlich inflationär um sich geworfen wird. Nicht jede Diskriminierung ist Faschismus.
Danach kommt auch gleich die übliche Misinterpretation des "Paradox der Tolleranz", was dem folgenden Ruf nach mehr Staat in Spiel und Foren ein bisschen ins Gesicht fliegt. Gerade Toll mit der Geschichte der Spielezensur in Deutschland, und den jüngsten Hausdurchsuchungen wegen dem Pimmel. Davon wollen die also mehr?
Gamer ist natürlich ein "problematisches" Wort, und Gamergate ist kein dämlicher Hashtag von vor 7 Jahren, sondern eine aktive, immer noch laufende Verschwörung.
Jop, ist in etwa genau das, was ich erwatet hatte. Wollen gutes tun, aber es kommt aus einer Ecke, die leider ein Problem mit Differenzierung hat, was sich IMO oft selbst entwertet.
Aber gut, nun das Hauptmaterial. Erstmal der CEO, das ist der wichtigste Teil:
Auf Twitter ist er wohl rechtsextremen Parteien gefolgt, hat ein par Likes. Fragwürdig, aber bedeutet nicht, dass er mit allem Einverstanden ist, was diese Orgs machen. Da sind Kommentare wichtiger, und Hasskommentare scheint es zu mangeln. Kein klarer Antisemitismus, nur ein Likes eines fragwürdigen Comics. Sagt, er hätte mit Schwulen kein Problem. Sein schlimmster Kommentar ist beim Überfliegen anscheinen, dass Trans-Menschen "nicht gesund" sind? Sicherlich nicht nett, aber kaum ein Zeichen von Faschismus.
Er behauptet, er wäre ein Nazi, wenn die Definition eines Nazis wäre, sich für seien weiße Hautfarbe nicht zu hassen. Was für ein Gottcha. Ansonstent hasst er die Nazis, weil sie Milionen von Polen getötet hätten. Ziemlich logisch.
Außerdem wird ihm angekreidet, dass er ein Shirt einer Organisation hat, die, ich zitiere, "Nazis
und Soviets" bekämpft hat. Wtf, sind die Soviets jetzt plötzlich die guten, und nicht eine weiterer, quasi-faschistischer Staat, der Poland besetzt hatte?
Mal ehrlich, das einzige, was ich hier sehe, ist dass der CEO für rechte und möglicherweise rechtsextreme Polemik anfällig ist. Wirkliche Evidenz rechtsextremer Tendenzen, oder gar faschistischer Tendenzen, sind wohl kaum vorhanden. Er meint, Trans wäre eine Geisteskrankheit.
Besseres Material gibt es über einen VFX-Artist, der bei rechtsextremen Vorgesprochen hat. Anscheinend gibts über die Rede nicht viel Inhalt, wenn ichs nicht überlesene habe? Aber gut, das ist das beste Stückchen Beweis.
Außerdem ein Programierer bis 2019, der einer dem "Neuheidentum" nahen Gruppe ist. Anscheinend wollen die alte, nordische Religion auferleben lassen. Das ist nicht zwangsweise rechtsextrem, aber es gibt oft Verbindungen zwischen den Gruppen und Rechtsextremen. Er hat außerdem ein T-Shirt mit einem Wotansknoten, was sowohl die religiöse Bedeutung hat, aber auch von rechtsextremen benutzt wird.
Das ist einfach alles ziemlich dünn. Das beste, was man über das Team sagen kann, ist dass der CEO mindestens einen Mitarbeiter geduldet hat, der dem Rechtsextremismus nahe stand?
Wobei die Qualität der Recherche auch ziemlich schwach ist. Viel ist Gottchas, die auf dem zweiten Blick nicht klar sind, wenig klare Äußerungen, der Großteil scheint über Follows auf Social Media zu sein? Oder, dass sie Namen bei Googel eingegeben haben?
Klar habe ich meinem Bias, weil ich solchen Aktionen nicht traue, objektiv zu sein. Aber gegen klare Beweise würde ich kaum widersprechen. Ich bin ehrlich gesagt schon ein bisschen enttäuscht, wie dünn dieses Dossier eigentlich ist. Viel Erklärung darüber, warum Organisationen schlimme Seiten haben, aber meist sinds eher schwache - und teils sogar vermutete - Verbindungen der Devs zu den Orgs. Und wie die Entwickler tatsächlich denken, ist selten wirklich klar.