Du wirst lachen, aber ich würde sogar RENNSPIELE spielen, wenn sie mir all das, was du eben aufgezählt hast und darüber hinaus, in vernünftigem Umfang und Qualität bieten würden.
Und ich HASSE Rennspiele.
Aber im ernst: Es ist wirklich schwer, jemandem die eigentliche Faszination an Rollenspielen mit bloßen Worten erklären zu wollen. Als würde man einem Blind-Geborenen einen Sonnenaufgang erklären wollen. Deswegen halte ich die Chancen, es dir mit einer weiteren meiner Textwüsten verständlicher machen zu können, auch für relativ gering.
Aber ich versuch's trotzdem nochmal. :wink:
Ich vermute, das Grundproblem ist einfach, dass wir beide 2 völlig unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was ein Rollenspiel ausmachen sollte. Welche Aspekte bei einem Rollenspiel die wichtigsten sind.
Anhand dessen, was ich deinen bisherigen Beiträgen entnehmen konnte, scheinst du jemand zu sein, der Spiele eher anhand der mechanischen Aspekte wie Kampfsystem und dergleichen beurteilt und entsprechend kategorisiert. Daran ist absolut nichts verwerflich. Jeder spielt Spiele aus anderen Gründen.
Nur bin ich eben jemand, der ein Rollenspiel eher danach beurteilt, was
abseits des Kampfsystems stattfindet. Eben solche Dinge, wie:
Welche non-combat Skills stellt mir das Spiel zur Verfügung, und bietet es genügend Einsatzmöglichkeiten dafür, sodass sich deren Anschaffung auch lohnt?
Bietet es Social Skills und kommen diese umfangreich genug zum Einsatz, sodass ich - wenn ich das möchte - mich fast ausschließlich hierin spezialisieren könnte und
trotzdem weiterkäme?
Gibt es Attribute oder etwas vergleichbares (Intelligenz, Charisma, etc.), und wirken sie sich auf die Menge und Qualität der mir zur Verfügung stehenden Dialogoptionen aus? Reagiert die Spielwelt anders auf mich, wenn ich besonders hohe oder besonders niedrige Werte besitze?
Gibt es ein Rufsystem? Merken sich die NCPs, wie ich sie in der Vergangenheit behandelt habe? Hat es Auswirkungen auf ihr Verhalten, wie ich Aufgaben löse? Und für WEN ich Aufgaben löse?
Wie oft bietet das Spiel mir die Möglichkeit, meine Ziele gewaltlos zu erreichen?
Oder einfach ausgedrückt: Welche Möglichkeiten liefert mir das Spiel, die Persönlichkeit meines Charakters zu definieren, und reagiert die Spielwelt adequat genug auf mich und meine Taten?
Sowas bieten Adventures nämlich gar nicht. Und DAS ist auch der entscheidende Punkt, der Rollenspiele von Adventures und jedem x-beliebigen anderen Genre unterscheidet. Rollenspiele heißen eben
nicht Rollenspiele, weil man einfach nur ein Rolle spielt. Das tut man bei Shootern ja schließlich auch. Oder bei Rennspielen, wo man die ROLLE eines Rennfahrers spielt. Trotzdem sind es keine Rollenspiele. Also, wie wird ein Spiel zum Rollenspiel?
Indem es mir die Wahl lässt, WAS für eine Rolle ich spielen will und vor allem WIE ich diese Rolle spielen will.
Will ich gut oder böse sein? Will ich nett oder unfreundlich sein? Will ich verspielt oder ernst sein? Will ich gierig oder großzügig sein? Will ich diplomatisch oder einschüchternd sein?
Will ich ein weiser, gütmütiger Elfenmagier sein, der hauptberuflich alten Omas über die Straße hilft? Will ich ein silberzüngiger Menschenschurke sein, der sich mühelos durch's Leben schummeln kann, weil er sogar in der Lage wäre, einer Katze einen Fisch auszureden?
Oder will ich ein grobschlächtiger Halbork-Barbar sein, der das reden lieber seinen Fäusten überlässt?
Aus diesem Grund halte ich Alpha Protocol und Fallout New Vegas auch für bessere ROLLENspiele, als beispielsweise die beiden Dragon Age-Teile. Einfach weil sie mir all das in weitaus höherem Maße bieten.
Zusammenfassend kann man festhalten: aufgrund deiner Kriterien (Gameplay und Kampfsystem) hältst du AP und FNV für Shooter und Dragon Age bzw. Baldur's Gate für Rollenspiele.
Und aufgrund
meiner Kriterien halte ich Dragon Age und Baldur's Gate für Rollenspiele Light und AP und FNV dafür für die
richtigen Rollenspiele.
Ich habe fertig.
