Warum Präsenz nicht gleich Immersion ist

Hier geht es um Oculus Rift, Project Morpheus, SteamVR, HoloLens etc.

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unknown_18
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Warum Präsenz nicht gleich Immersion ist

Beitrag von unknown_18 » 09.07.2015 01:26

Viele verwechseln immer wieder Präsenz mit Immersion oder glauben VR wäre gar nur eine stärkere Immersion.
Immersion beschreibt den Eindruck, dass sich die Wahrnehmung der eigenen Person in der realen Welt vermindert und die Identifikation mit einer Person in der virtuellen Welt vergrößert.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Immersion ... %C3%A4t%29

Das beschreibt Immersion sehr gut in einem Satz und liefert auch eine sehr gute Vorlage für die Beschreibung was Präsenz ist:

Präsenz ist das Ziel der Immersion.*

Sprich wenn die Wahrnehmung der eigenen Person in der realen Welt auf ein Minimum reduziert wird und damit die Identifikation mit einer Person in der virtuellen Welt nahe dem Maximum ist, überschreitet man irgendwann eine Schwelle über der dann aus Immersion Präsenz wird.

Präsenz ist allerdings nicht ganz leicht zu beschreiben. Ich erkläre das immer am liebsten so, dass bei Immersion der Kopf (Verstand) sagt "das ist nicht real" und das Unterbewusstsein sagt "stimmt", bei Präsenz überschreitet man aber eine Schwelle bei der das Unterbewusstsein ins straucheln kommt und sagt "das ist real" und dann kann es auch leicht passieren, dass der Kopf vergisst, dass das nicht real ist, weil man sich gerade eh schon so intensiv auf die virtuelle Welt konzentriert. Dieses Erlebnis könnte man schon als surreal beschreiben und es ist eines, das viele Menschen so noch nie in ihrem Leben erlebt haben.


Michael Abrash von Oculus VR (hat früher schon bei Valve an VR gearbeitet) veranschaulichte das bei einem Vortrag im März sehr schön Anhand von optischen Illusionen. Warum damit? Ganz einfach, der Trick bei optischen Illusionen liegt ja darin uns etwas glauben zu lassen was nicht existiert bzw. je nach Illusion nach unserem Wissen gar nicht existieren kann. Wenn die Illusion aber so perfekt ist, dass sie unser Gehirn austrickst, dann glauben wir was wir da sehen auch unterbewusst und nehmen es als real an. Ist es nicht perfekt oder stellt etwas dar was unmöglich sein kann, läuft unser Verstand mit dem Unterbewusstsein quer und wir zweifeln es an.

Darum ist Präsenz auch sehr empfindlich, es reichen Kleinigkeiten um einen sofort aus der Präsenz raus zu reißen. Darum reicht es auch nicht nur optisch ein perfektes Erlebnis zu haben, auch akustisch muss es passen. Wobei je mehr Sinne korrekt stimuliert werden desto leichter ist Präsenz zu erreichen und zu halten. Aber Sinne wie Tastsinn, Gleichgewichts, Geschmack und Geruch sind aktuell noch schwer umzusetzen. Vor allem ersteres, wobei gerade dieser so wichtig wäre wenn wir mit unseren Händen etwas berühren. Aus diesem Grund sind auch schon lange beim Thema VR immer haptische Datenhandschuhe direkt ein Thema, schon seit vielen vielen Jahren.

Da wir eben noch am Anfang von VR stehen, ist Präsenz noch ein empfindliches Konstrukt. Und so Dinge wie zu stark sichtbare Pixel und ein Gitternetz Effekt machen es extrem schwer Präsenz zu erleben, weswegen viele DK2 Besitzer noch nie Präsenz richtig erlebt haben und DK2 Tester in den paar Minuten sowieso nicht. Ich selbst hab nur einmal den Hauch von Präsenz gespürt, als ich in der Couch Knights Demo nach 20 Minuten für einen Bruchteil einer Sekunde vergessen hatte, dass das nicht mein Wohnzimmer ist, das ich da sehe.

Präsenz ist daher wohl auch gleichzeitig das kritische an VR, das was viele bei VR befürchten: nämlich das man sich in die VR Welt stürzt um die reale Welt zu vergessen. Vielen gelingt das ja schon wenn sie am PC vor einem Monitor sitzen recht gut, das ist aber kein Vergleich damit, das könnt ihr mir glauben. Dieses kurze Präsenz Gefühl war etwas was ich so bisher nicht kannte, fühlte sich unbeschreiblich an aber gleichzeitig auch ein wenig beängstigend. Vor allem müssen Leute aufpassen, die unter Ängsten leiden, denn mit Präsenz erleben sie die in der VR Welt ganz genauso. Wer wie ich Höhenangst hat, wird sehr schnell merken was Immersion ist (da macht mir die Höhe kaum etwas aus) und was Präsenz ist (da kommt die Höhenangst durch).

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*Zumindest würde ich das so sagen auf Grundlage des Wiki Eintrages.

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Mr_v_der_Muehle
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Re: Warum Präsenz nicht gleich Immersion ist

Beitrag von Mr_v_der_Muehle » 18.01.2016 16:57

Hey, wirklich ein toller Beitrag. :thumbsup:

Die Begrifflichkeiten kann man wahrscheinlich bis in das unendliche hinaus auseinandernehmen. Immersion entsteht m. M. n. aber immer nur so gut, wie es der eigene Anspruch auch zu lässt. (eher weniger für Optik, als für Dialoge, Aufgaben etc)

Ängste lassen den Anspruch aber ziemlich sinken: Der Film oder das Spiel kann noch so schlecht sein, in Szenen, die in luftigen Höhen spielen, werden die Hände trotzdem nass. :P
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GimmeGimme
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Re: Warum Präsenz nicht gleich Immersion ist

Beitrag von GimmeGimme » 28.10.2016 10:25

Mr_v_der_Muehle hat geschrieben:Ängste lassen den Anspruch aber ziemlich sinken: Der Film oder das Spiel kann noch so schlecht sein, in Szenen, die in luftigen Höhen spielen, werden die Hände trotzdem nass. :P
Da würde ich aber eigentlich widersprechen. Das Spannungsverhältnis zwischen (Ur-)Ängsten und Abstumpfung durch Medien und bestimmte Filmgenres, erhöht ja gerade den Anspruch, diesen Effekt auszulösen. Bei schlechten Filmen spüre ich das auch selten...

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