Steam - der Koloss läuft Amock

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Serious8
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Steam - der Koloss läuft Amock

Beitrag von Serious8 » 19.05.2014 17:09

Die Diskussion wurde schon an anderen Stellen angestoßen. Warum nicht auch hier?

Steam ist einfach zu groß geworden.
Mal ganz abgesehen davon, dass knapp 1/3 aller Steam Spiele nie gespielt werden, ist es fast unmöglich bei der ganzen Masse an Spielen, Neu-Erscheinungen, Projekten, Green-Light, Early-Access, Aktionen noch durchzublicken. Ich glaube gar nicht, dass ich noch wirklich finde was mir gefällt. Am Ende sehe ich ja doch nur die Sachen, die von großen Publishern mit viel Geld auf die Frontseite gepackt werden.

Laut diesem Bericht (mit Bezug auf Gamasutra) auf gamesindustry hat Steam schon jetzt mehr Spiele veröffentlicht, als im gesamten Jahr 2013: http://www.gamesindustry.biz/articles/2 ... om-in-2014

Hinzu kommen die ganzen Titel, die eigentlich schon längst draußen sind, aber für Steam re-released oder remade werden. Kein Wunder, dass sie Greenlight einstellen. Da blickt doch niemand mehr durch!?

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LePie
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Re: Steam - der Koloss läuft Amock

Beitrag von LePie » 19.05.2014 18:31

Nicht unbedingt "zu groß" geworden, möchte ich meinen, aber die qualitative Einstiegshürde ist viel zu niedrig angesetzt (ich würde sie mir eher auf einer ähnlichen Ebene wie bei GoG wünschen) und das Gesamtsortiment extrem schlecht sortiert. Auch Greenlight ist sehr leicht manipulierbar und konzeptionell schon schlecht, da nur die Idee, nicht aber deren Ausführung bewertet werden kann.
Etwas in dieser Richtung haben wir auch schon an anderer Stelle durchdiskutiert:
http://forum.4pforen.4players.de/viewto ... 6&t=143967
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Scorcher24_
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Re: Steam - der Koloss läuft Amock

Beitrag von Scorcher24_ » 22.05.2014 14:00

Steam ist nunmal leider was der Appstore aufm Mac/iPhone ist und ohne den gehen viele Entwickler pleite.
Heisst ja nicht ohne Grund "Steam or die". Gerade Spitzenspiele wie Space Pirates and Zombies sind ja fast daran gescheitert und an so einem Spiel können ganze Existenzen hängen.
Ich habe ehrlich gesagt nichts dagegen, wenn ich mich auch durch ein wenig Müll klicken muss, um zu den Perlen zu kommen. Man braucht den "Müll" ja nicht zu kaufen, aber auch dort gibts Publikum.

Steam wird in Zukunft auch mehr und mehr Richtung Google Play gehen, wo du nur einmalig eine Gebühr bezahlst und dann dein Spiel ohne extra Zustimmung veröffentlichen kannst. Wie der Workshop im Prinzip.
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LePie
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Re: Steam - der Koloss läuft Amock

Beitrag von LePie » 26.05.2014 16:05

Passend dazu:
http://www.youtube.com/watch?v=JnzN-3N_0xw
Keinen Schimmer, wie es das Ding durch Greenlight schaffte, aber wahrscheinlich waren dem Entwickler neben der klassischen Massenidiotie auch manipulative Methoden (aka gekaufte Votes) zuhilfe.
(Killjoy hat übrigens dreist einfach 3D-Modelle aus anderen Flugsimulatoren geklaut, wegen dieser Urheberrechtsverstöße dürfte das Werk wahrscheinlich bald wieder aus dem Store verschwinden.)
CaptainKennway hat geschrieben:Ich habe ehrlich gesagt nichts dagegen, wenn ich mich auch durch ein wenig Müll klicken muss, um zu den Perlen zu kommen. Man braucht den "Müll" ja nicht zu kaufen, aber auch dort gibts Publikum.
Dieses Publikum kann sich auch auf Desura und co. versammeln. Mich nervt es indes einfach nur, wenn Spiele, die mich interessieren, zwischen diesem Müll untergehen.
Und selbst wenn Steam zu einem reinen Self-Publishing-Service verkommt, so sollen sie doch bitte mindestens etwas bessere Filtermechanismen einführen (bspw. basierend auf Käuferwertungen), sodass ich nur die Spiele einzusehen brauche, die auch einigermaßen gut abschnitten.
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crewmate
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Re: Steam - der Koloss läuft Amock

Beitrag von crewmate » 28.05.2014 06:57

Zuerst war es viel zu schwer, auf Steam zu veröffentlichen. Daedalic hatten große Probleme, weswegen Steam Works Teil von Stanislaws Ketten wurde. Auch noch kleinere Indi Entwickler hatten ihre Probleme.

Dann kann Greenlight. Ich gestehe : Ich habe Guise of the Wolf auf Steam geholfen. Inzwischen lighte ich mir noch, wenn eine Demo da ist. Das sollte Voraussetzung sein.
Dann kann Early Access. Das inzwischen ein Exzess ist.

Und Valve selbst haben die Schotten geöffnet für Schrott wie das, was Strategy First so alles drauf schmeißt.

Valve schwankt zwischen Extremen hin und her.

EA! EA hat bei Origin eine Geld zurück Garantie eingeführt. Die wohl auch funktioniert, Kollege bekam sein Geld für Battlefield 4 zurück. EA!!!
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Temeter 
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Re: Steam - der Koloss läuft Amock

Beitrag von Temeter  » 02.06.2014 23:57

God bless Steam :D

http://www.escapistmagazine.com/videos/ ... buse-Story

Und nie vergessen:
Steam Refund Policy

As with most software products, we do not offer refunds or exchanges on games, DLC or in-game items purchased on our website or through the Steam Client. Please review Section 3 of the Steam Subscriber Agreement for more information.
Steam Subscriber Agreement

Steam Subscriber Agreement

An exception is made for games purchased during a pre-order period if the request is received prior to the games' release date.

Das ist auf so viele Arten kriminell. Und sowas ohne Refunds zu verkaufen müsste eigentlich als mitilfe zum Verbrechen eingestuft werden. Stellt euch vor irgendein Retailer würde sowas machen.

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HanFred
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Re: Steam - der Koloss läuft Amock

Beitrag von HanFred » 03.06.2014 08:51

Bei Greenlight-Games, die aus irgendwelchen Gründen aus dem Store genommen werden, gibt's sehr wohl Refunds, soweit ich informiert bin. Da waren auch schon solche Betrugsfälle dabei.

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LePie
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Re: Steam - der Koloss läuft Amock

Beitrag von LePie » 03.06.2014 13:31

HanFred hat geschrieben:Bei Greenlight-Games, die aus irgendwelchen Gründen aus dem Store genommen werden, gibt's sehr wohl Refunds, soweit ich informiert bin. Da waren auch schon solche Betrugsfälle dabei.
Nope, da ist Steam einfach mal ausnahmsweise gnädig, weil der öffentliche Shitstorm zu viel wurde - verlassen darf mal sich auf einen solchen Refund jedoch nicht. Selbst Abandonware wie Towns wird auch weiterhin noch verkauft.
Das Problem ist ja nun nicht, dass hier Schrott in den Store geballert wird, nein, das eigentliche Problem ist, dass mit diesem Schrott auch Gewinn gemacht werden kann, was noch mehr Trittbrettfahrer dazu antreibt, ebenfalls Schrott in den Store zu ballern. Ein gutes Beispiel ist hier Earth: Year 2066, ich zitiere mich mal kurz selber:
LePie hat geschrieben:E:Y'66 war auch nur der Versuch, aufbauend auf dem aktuellen DayZ und Rust Hype mit einem in 3 Stunden zusammengeschustertem "Spiel" ordentlich abzukassieren - und leider fruchtete der Versuch, 150$ Einnahmen bei Indiegogo plus geschätzt 37 Käufer bei EarlyAccess (19,99$ Einführungspreis) abzüglich der 100$ Greenlight-Gebühr, Steams Gebühren und evtl. gekaufter Upvotes - d.h. netter Stundenlohn für einen halben Nachmittag.
Die Refunds wurden zudem auch nicht aus der Tasche des Entwicklers bezahlt, da kam Steam für auf.
Und neben besagtem Schrott drohen nun Spiele mit Potential unterzugehen; ich habe bereits im Greenlight-Kuriositäten-Thread angesprochen, durch wie viel Unrat man sich graben muss, bis man endlich mal etwas gescheites findet - und genau diesen Pfad möchte Steam hin zum Self-Distribution-Service nun weitergehen.
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Re: Steam - der Koloss läuft Amock

Beitrag von Temeter  » 03.06.2014 15:10

HanFred hat geschrieben:Bei Greenlight-Games, die aus irgendwelchen Gründen aus dem Store genommen werden, gibt's sehr wohl Refunds, soweit ich informiert bin. Da waren auch schon solche Betrugsfälle dabei.
Das ist es ja, Air Control ging nie durch Greenlight oder Early Access.

Zu den Refunds hat LePie eigentlich alles geschrieben.

krilli
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Re: Steam - der Koloss läuft Amock

Beitrag von krilli » 12.06.2014 10:40

Bin inzwischen auch bei EA gelandet. Bei Steam gibt es kaum noch gute Spiele, hat man den Eindruck. Klar müssen die sich alle weiter entwickeln und vielleicht auch Sachen auf Nehmen die nicht High-Class sind. Aber wie manche Spiele durch die "Qualitätskontrolle" kommen ist mir schleierhaft

johndoe1431809
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Re: Steam - der Koloss läuft Amock

Beitrag von johndoe1431809 » 13.06.2014 10:47

Ich sehe es eher so, daß ein wesentlicher Teil der Konsumenten (weiterhin!) Amok laufen. Das Kaufverhalten vieler Menschen ist einfach sehr irrational. Die Tatsache, daß ein Drittel aller Spiele eben keinen oder keinen relevanten Spielverlauf aufweisen, spricht aus meiner Sicht Bände. Und genau dieses Kaufverhalten kann man in quasi allen anderen Bereichen doch auch bemerken. Leute kaufen sich elektronisches Zeug, welches teilweise nur ungenutzt rumliegt. Kaufen Schränke voller Klamotten, die teilweise nur ein/zweimal getragen werden. Kaufen Nahrungsmittel, die unberührt im Müll landen.

Als Hersteller darauf NICHT zu reagieren und das NICHT zu nutzen wäre im kapitalistischen Sinne der Rendite-Generierung schlicht unsinnig. So wie es unsinnig wäre, keine Drogen zu verkaufen, obwohl es weltweit Millionen von potentiellen Kunden dafür gibt.

Im Prinzip KÖNNTE Kapitalismus eine recht demokratische Sache sein. Dazu müsste aber nahezu JEDER Konsument, also jeder Mensch, über die Konsequenzen des eigenen Kaufverhaltens wenigstens ab und zu mal nachdenken. Und damit meine ich nicht nur die Konsequenzen für den eigenen Geldbeutel (und selbst das funktioniert ja nicht besonders gut, wenn man die vielen überschuldeten Haushalte betrachtet).

Daß dann eben viel "Müll" angeboten wird, ist eine automatische Folge - weil eben der Müll auch gekauft wird.
Das Prinzip "ich kaufe das, was ich auch brauche" ist offenbar gar nicht so leicht umzusetzen. Und das ist nur EINER der Gründe, wieso solch ein Irrsinn, wie Steam oder die AppStores möglich ist.

Ich kann nur jedem empfehlen, das EIGENE Verhalten zu betrachten. Wieviel Umsonst-Gedöns lade ich aus dem Internet denn runter, auch wenn ich es gar nicht nutze? Wieso mach ich das? Geh ich auch ständig in All-You-Can-Eat-Restaurants und fresse bis ich platze? Schlimmerweise tun einige sowas ähnliches in der Tat - weil in unserer Gesellschaft manches eben NICHT gelehrt wird. Insbesondere das Maßhalten ist etwas, was wenig in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt wird. Logisch. Unser Wirtschaftssystem funktioniert nur über Wachstum. Da ist Maßhalten ja beinahe sowas, wie ein volkswirtschafliches Verbrechen.

In diesem Sinne macht Steam eigentlich alles "richtig" 8O

(Und dazu gehören dann eben auch aus der Reihe fallende Einzelfälle, wo man sich nur an den Kopp packen kann - das ist eigentlich in allen "moderierten" App-Stores der Fall. Kein Wunder, da einfach VIEL ZU VIEL Zeug da ankommt, um sich wirklich mit jedem einzelnen Produkt ausreichend zu beschäftigen)

P.S. Origin ist ja nur deshalb so "leer", weil ausschließlich EA-Spiele angeboten werden. Ich kann mir gut vorstellen, daß irgendwelche Manager bei EA sich überlegen, die Plattform irgendwann auch zu "öffnen" - einfach weil man damit eben auch Geld verdienen kann. Mal sehen, ob sie es aber evtl sein lassen. Wär in der Tat ganz nett.

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Scorcher24_
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Re: Steam - der Koloss läuft Amock

Beitrag von Scorcher24_ » 13.06.2014 12:32

Auf Origin werden auch nicht EA Spiele verkauft.
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johndoe1431809
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Re: Steam - der Koloss läuft Amock

Beitrag von johndoe1431809 » 14.06.2014 10:01

Danke für die Korrektur - wobei in Origin INSGESAMT keine 500 Spiele angeboten werden (bei mir werden aktuell 397 PC-Spiele und 64 Mac-Spiele aufgelistet). Darin sind dann aber auch DLCs oder verschiedene Versionen derselben Spiele mit enthalten. Allzu viel "Fremd"spiele können da wohl nicht drin sein.

Übrigens... um irrationales Kaufverhalten auch hier quasi live zu besichtigen, kann man einfach mal im parallelen Thread zur GOG-Sommeraktion mitlesen.

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Re: Steam - der Koloss läuft Amock

Beitrag von LePie » 20.06.2014 03:07

So wie es unsinnig wäre, keine Drogen zu verkaufen, obwohl es weltweit Millionen von potentiellen Kunden dafür gibt.
Eine Aussage, mit der du dir ins eigene Knie geschossen hast, denn man kann nicht an der Apotheke einfach Diacetylmorphin besorgen. Es ist ein Trugschluss, alles einfach nur dem Kapitalismus und dem freien Markt zu überlassen, Reglementierungen müssen letztlich zum Schutz des Verbrauchers sein, bei Steam genauso wie bei Opioiden. Wir leben nicht im Wildwest-Kapitalismus (zudem sollte dem nicht so sein) und brauchen ihn auch nicht in Onlineshops.
Im Prinzip KÖNNTE Kapitalismus eine recht demokratische Sache sein.
Nein, auch im Prinzip könnte er das nicht, und beim Sozialismus sieht es nicht anders aus. Menschen sind keine rein geistigen, nur den Gesetzen der Logik unterworfenen Konstrukte.
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johndoe1431809
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Re: Steam - der Koloss läuft Amock

Beitrag von johndoe1431809 » 20.06.2014 23:08

Es ist ein Trugschluss, alles einfach nur dem Kapitalismus und dem freien Markt zu überlassen
Das war nicht ansatzweise meine Intention :)

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