Video: USK Prüfer testet 10000 Spiele

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Wulgaru
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Re: Video: USK Prüfer testet 10000 Spiele

Beitrag von Wulgaru » 17.11.2013 09:24

Wobei hier nicht nur die Bpjm schuldig ist. Guckt euch das Interview nochmal an. Er sagt ja das sie gar nicht sicher wissen ob zum Beispiel Hakenkreuze heute noch bedenklich sind, es ist lediglich ein Risiko für den Hersteller weswegen sie ihm raten das besser zu zensieren oder rauszunehmen. Der Hersteller eines solchen Spiels muss also das Risiko eines Rechtstreites eingehen, bei dem es darum ginge ob Videogames Kunst sind oder nicht. Das er da gewinnen würde wäre gar nicht so unwahrscheinlich, aber der Aufwand ist wohl abschreckend. Die USK und auch die BpjM kann eben nichts dafür das Games keine Kunst sind, das kann nicht von deren Seite kommen, dass müssen entweder die Hersteller erreichen oder die Politik.

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Lord Hesketh-Fortescue
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Re: Video: USK Prüfer testet 10000 Spiele

Beitrag von Lord Hesketh-Fortescue » 17.11.2013 12:22

Genau das braucht man aber dringend für solche Fälle wie z.B. den Hakenkreuzen: Urteile! Denn was z.B. Kunst oder anderweitig sozialadäquat ist, entscheidet nicht die Politik, sondern das entscheiden - jedenfalls im Rechtssinne - Gerichtsurteile, die wiederum auf den gesellschaftlichen und juristischen Diskurs (also rechtswisenschaftliche Publikationen) rekurrieren. Das Videospiele grundsätzlich anders als z.B. Filme behandelt werden, hat man ja leider gerade einigen wenigen Grundsatzurteilen aus der Steinzeit der Computerspiele zu verdanken, die immer noch Wirkung haben.

Wer Bock hat sich da mal einzulesen:
http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/re ... b=true.pdf

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Temeter 
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Re: Video: USK Prüfer testet 10000 Spiele

Beitrag von Temeter  » 17.11.2013 12:29

Lord Hesketh-Fortescue hat geschrieben:Genau das braucht man aber dringend für solche Fälle wie z.B. den Hakenkreuzen: Urteile! Denn was z.B. Kunst oder anderweitig sozaladäquat ist, entscheidet nicht die Politik, sondern das entscheiden - jedenfalls im Rechtssinne - Gerichtsurteile, die wiederum auf den gesellschaftlichen und juristischen Diskurs (also rechtswisenschaftliche Publikationen) rekurrieren. Das Videospiele grundsätzlich anders als z.B. Filme behandelt werden, hat man ja leider gerade einigen wenigen Grundsatzurteilen aus der Steinzeit der Computerspiele zu verdanken, die immer noch Wirkung haben.
Das Problem ist ja, dass die Gerichte bis jetzt einfach nicht das Rückgrat dazu hatten, ein Grundsatzurteil zu treffen. Deswegen sind Videospiele anerkannt Kunst - aber irgendwie dann doch nicht so ganz, wenn es zum Beispiel um Hakenkreuze geht.

Wobei das in Deutschland sowieso eine armselige Geschichte ist. Teilweise wirkt es, als glauben einige Leute, der alleinige Anblick eines Hakenkreuzes ohne nebenstehende zehnseitige Lektüre über Nazi-Verbrechen würde einem die unschuldig Seele verbrennen und einen unaufhaltsamen Wandel zum Rechtsextremisten in Gang setzen.
Allerdings verleiht man Dingen wie dem Hakenkreuz mit Verboten eher mehr Gewicht als alles andere. Mit freier Verfügbarkeit hätte man die Geschichte um das Symbol längst begraben. Hat schon eine gewisse Ironie.

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greenelve
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Re: Video: USK Prüfer testet 10000 Spiele

Beitrag von greenelve » 17.11.2013 14:35

@Almalexian
Weil die ersten Spiel etwas völlig Neuartiges waren. Sie hatten damals nicht den Status und die Akzeptanz die sie heute besitzen. Mittlerweile sind Spiele in der Gesellschaft angekommen und werden anders gehandhabt. Gewalt nicht sofort verdammt. Ein gesellschaftlicher Wechsel der sichvollzogen hat.


Was Hakenkreuze und das generelle Thema angeht. In der Hinsicht werden Spiele nach wie vor als etwas anderes wahrgenommen. Ich denke das hängt auch mit der grundsätzlichem Thematik des "Spielens" zusammen und der nach wie vor schwierigen Aufarbeit des Themas Nationalsozialismus. Damit tut sich Deutschland schwer. Im Allgemeinen, nicht einzelne Anwesende hier im Forum.
Ein Brettspiel - oder sonstiges Spiel - mit Hakenkreuz würde auch nicht zugelassen werden. Und wenn gäbe es einen real-life-shitstorm.

Bei einigen Dingen, wie zum Beispiel Hakenkreuz und Nazi als Begriff (wobei..wie würde es sich anfühlen, rein moralisch und ethisch, einen Nazi als solchen zu spielen? In einem Shooter. Um zu gewinnen. Für die Nazis. Im Grund hantieren wir bislang mit ausweichenden Begriffen "Achsenmächte" und "für die eigene Seite") braucht es eine neue Herangehensweise. Diese mit einem Gesetz zu forcieren halte ich aber für die falsche Wahl. (Dann wären wir wieder bei dem von Almalexian vorgetragenem "die Politik schreibt uns das Denken vor").
Besser wäre, meiner Meinung nach, ein Spiel welches kein Spiel mehr ist und sich der Thematik Nazis nicht aus der "Du spielst um zu gewinnen" Schiene nähert.
Wenn wir über solche Spiele - sei es Symbole oder Gewalt - reden, kommen diese fast immer nur zum Selbstzweck vor. Ohne tiefere Bedeutung. Schlicht des "Waffenpornos" wegen. :/



ps:
@Lord Hesketh-Fortescue:
Was du im Saturn findest sind aber keine indizierten Pornos. Soweit ich das im Kopf hab, handelt es sich "nur" um ab18 Filme. Sonst dürften sie laut aktuellem Gesetz gar nicht ausgelegt werden. :Blauesauge:
Gelangweilt? Unterfordert? Masochistisch veranlagt? -> http://www.4players.de/4players.php/dow ... 47903.html Jetzt auch auf Steam: http://store.steampowered.com/app/752490/
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Almalexian
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Re: Video: USK Prüfer testet 10000 Spiele

Beitrag von Almalexian » 17.11.2013 16:06

@Almalexian
Weil die ersten Spiel etwas völlig Neuartiges waren. Sie hatten damals nicht den Status und die Akzeptanz die sie heute besitzen. Mittlerweile sind Spiele in der Gesellschaft angekommen und werden anders gehandhabt. Gewalt nicht sofort verdammt. Ein gesellschaftlicher Wechsel der sichvollzogen hat.
Hörst du mir eigentlich zu? Mir ist schon klar, dass sich da ein "gesellschaftlicher Wandel" vollzogen hat, was die öffentliche Meinung über Videospiele angeht. Aber was die öffentliche Meinung über Videospiele ist, hat nullkommagarnichts mit dem zu tun was ein Kind sehen sollte und was nicht. Dass du hier den gesellschaftlichen Wandel anführst, belegt, dass der "Jugendschutz" aka Deckmantel für Indoktrination in Deutschland nicht von wissenschaftlichen Kriterien sondern von aktuellen Moralvorstellungen geprägt ist. Und das ist falsch, denn Moralvorstellungen sind so ziemlich das willkürlichste was es auf Erden gibt.
Meine Seite mit Projekten und mehr: Almalexian's Space

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Lord Hesketh-Fortescue
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Re: Video: USK Prüfer testet 10000 Spiele

Beitrag von Lord Hesketh-Fortescue » 19.11.2013 13:38

Almalexian hat geschrieben: Dass du hier den gesellschaftlichen Wandel anführst, belegt, dass der "Jugendschutz" aka Deckmantel für Indoktrination in Deutschland nicht von wissenschaftlichen Kriterien sondern von aktuellen Moralvorstellungen geprägt ist. Und das ist falsch, denn Moralvorstellungen sind so ziemlich das willkürlichste was es auf Erden gibt.
Es hört sich natürlich erstmal vernünftig und richtig an, dass staatliche Eingriffe, z.B. beim Jugendschutz, immer auf wissenschaftlich belastbaren Fakten, und nicht auf wankelmütigen moralischen Werten begründet sein sollten. Ein wenig relativieren möchte ich das dennoch.

Zum einen sind Gesetze niemals ganz von gesellschaftlichen Moralvorstellungen loszulösen. Das zieht sich durch die gesamte Rechtsgeschichte, ob das jetzt antikes (z.B. römisches) Recht, die 10 Gebote oder unser aktuelles Recht ist. Sicher gibt es da Unterschiede, was die den Anteil der Moralkomponenten angeht: Das Straßenverkehrsrecht ist in dieser Beziehung z.B. anders zu bewerten als weite Teile des Zivil- und Strafrechts. Natürlich sollen Gesetze vor allem eines sein: vernünftig. Dabei adäquat und neutral. Was jedoch als vernünftig angesehen wird, ist aber wiederum von Werten abhängig (so war 1994 die Abschaffung des "Schwulenparagraphen" genauso vernünftig wie seine Einführung anno dazumal - und die Prügelstrafe war lange Zeit ebenso vernünftig wie ihre endgültige Abschaffung im Jahr 2000).
Und Jugendschutz ist nun ein äußerst wertebezogenes und auch emotionales Thema, wie es die gesamte Erziehung ist. Es wird nicht gelingen, die Wertevorstellungen da herauszulösen und gewissermaßen ein objektives wissenschaftliches Destillat übrig zu behalten, das dann Grundlage für Gesetze wird. Und bei dieser Prognose lehne ich mich glaube ich nicht zu weit aus dem Fenster.

Zum anderen: Wenn es um wissenschaftliche Fakten geht, die uns klipp und klar und fundiert sagen sollen, welche Medieninhalte gut für Jugendliche sind und welche nicht, dann landet man bei der Medienwirkungsforschung. Diese ist aber gerade bekannt dafür, mit völlig uneinheitlichen Methoden, Voraussetzungen, theoretischen Unterbauten etc. zu arbeiten, und halt dementsprechend zu unterschiedlichen Ergebnissen zu kommen. Auch gilt sie nicht gerade als (ohnehin stark interdisziplinäre) Disziplin, die frei von Forschungsinteressen und in dem Sinne objektiv ist. Momentan geht ein Trend sicherlich hin zu einer relativen Unbedenklichkeit gewalthaltiger Medien (auf die langfristige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen bezogen), aber man hat überhaupt nicht das Gefühl, dass das belastbar, von Dauer oder gar der Weisheit letzter Schluss wäre. Es drängt sich im Gegenteil der Verdacht auf, dass die noch ziemlich im Trüben fischen, wenn man mal ehrlich ist (ist bei mir zumindest so). Zudem ist damit immer noch nichts über das einzelne Kind / den einzelnen Jugendlichen ausgesagt.

Überhaupt ist Wissenschaft ja ein ständiger Prozess und wandelt sich mit seinen wechselnden Paradigmen zusammen mit der Gesellschaft, was für die Sozialwissenschaften sicher in besonders starkem Maß gilt. Auch diese scheinbare Dichotomie von festem Wissenschafts- und fluidem Gesellschaftswissen ist also niemals ganz klar voneinander zu trennen.

Wohlgemerkt, ich spreche mich damit aber nur gegen eine strikte, "betriebsblinde" Wissenschaftshörigkeit bei Fragen der rechtlichen Ausgestaltung des menschlichen Zusammenlebens aus, nicht dagegen, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse auch bei entsprechenden rechtlichen Aspekten zu berücksichtigen.

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Melcor
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Re: Video: USK Prüfer testet 10000 Spiele

Beitrag von Melcor » 13.05.2014 16:12

ludacriskill hat geschrieben:Hier mal ein langes Interview mit DEM USK-Tester, oder "Sichter", wie sie sich selbst nennen. Sehr Interessant wie ich finde. Zwar nervige Kameraführung des Interviews ^^ aber dennoch recht aufschlussreiche Einblicke.

http://www.youtube.com/watch?v=vaBIHLxt5Co#t=372
Was für eine Pfeife ist das denn? Wie er alle Verantwortung auf die BPjM abwälzt. Die kommen erst zum Zug wenn die USK die Einstufung ablehnt. Also ist doch er dafür verantwortlich. "Da musst du die BPjM fragen" Was für ein Bullshit.

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